Etwas Zeit ist vergangen und so schreibe ich zwei Tage später von meinem letzten Tag bei der Familie Moshi und dem Zusammenkommen meines neuen Narugifts und Freundes. Wir haben heute den 13.01.2026 und langsam muss ich meine Reise ausschließlich des Wegmachens widmen, um Dinge nicht knapp werden zu lassen. Etwas über 500 Kilometer habe ich bis Bagamoyo noch vor mir. Drei Tage sind es noch.

Ich sitze in dem Einzimmerhaus meines Freundes Dula. Er wohnt zu zweit in diesem Zimmer und sein Mitbewohner schläft, da er erst um sechs Uhr morgens erschien, laut atmend neben mir. Das Geräusch macht mich tiefenentspannt. Vor der zu kleinen Holztür steht mein Narugift Dula und schrubbt seine Plastik- und Metallgeschirre plus seine Wanderschuhe mit großer Bedachtet auf deren Wert für ihn als Tour-Guide in Lushoto’s Sphären. Der Boden auf dem ich sitze hat eine graue cremefarbene Plastikplane über demBeton und vor mir läuft ein winziges Huhn, klein durch die Art, mit kümmerlichen Beinen und Zehen, die sich nicht für eine Richtung entscheiden wollten. Auf dem klitzekleinen Holztisch steht, was wir gestern Abend so alles geraucht haben, oder ein paar Überbleibsel davon und ich bin bereits heute loszulaufen, aus dem Gebirge zu kommen und von Mombo entweder nach Tanga an den Indischen Ozean zu kommen, oder wenn es weniger glatt läuft, dann eben direkt Bagamoyo. Mein Seminar macht mir nun des Öfteren Gedanken und sogar in Träumen fand ich mich schon in der Seminarwelt. Aufgeregt bin ich nur unbewusst. 

Meine Zeit in Lushoto kommt also zu einem ersten Ende und ich bin mehr als aufgeregt bald wieder da zu sein. Hier warten zwei Familien auf mich, eine spirituelle Verbindung, wunderschönste Natur und ein bald beginnendes Unternehmen, welches meinen zwei Freunden ihren Traum auf Unabhängigkeit und Tour-Guiding erfüllen soll. Was geschah also alles? Zwei Nächte bei dem Lehrer der kleinen Primary School und eine Nacht im Raum namens Ghetto, laut Dula. Von unserem ersten Tag bei der Familie Moshi hatte ich berichtet. Zwei zweite und dritte kurze Tag liefen wie folgt ab:

Ich wachte nach meiner ersten Nacht auf und lag am Boden des Gastzimmers auf einer Decke, die ich vom großen Doppelbett nahm, auf welchem ich wegen Bettwanzen nicht einschlafen konnte. Der Boden war mir eh lieber, allerdings hatte auch die Decke auf der ich lag die kleinen Wesen der Bettwelt und so war die Nacht eher medioker. Kalt war das andere Problem, denn die Fenster hatten zwei fehlende Flächen im Plexiglas, was nur den Vorteil der nächtlichen Geräuschkulisse um mich herum mit sich brachte. Mein Kopfkissen existiert immer noch nicht, aber mein Pullover schuf guten Ersatz bis ich ihn wegen Kälte anziehen musste. Auch ohne Kopfkissen schläft man irgendwann ein. Meine Füße waren nicht kalt und kalte Füße wünsche ich mir auch nie wieder. -7 Grad in Norwegen in einem Zelt waren genug und dieses Gefühl darf Erinnerung bleiben, aber nie wieder Realität, (bitte). Ich stand auf, um mich kurz danach wieder hinzusetzen. Draußen hörte ich die Geräusche einer morgendlichen Familie die aufbrach um die Kirche zu beehren. Aufgewacht war ich wegen der wahnsinnig guten Singstimme von der 20 jährigen Tochter. Ein immer noch kleines Kind, welches morgen zur Boarding Schule abreisen würde und bis Mai nicht mehr zu sehen wäre. Ein Umstand, der mir in Deutschland eigentlich nie untergekommen ist. Aber dass Kinder für das gesamte Schuljahr in einer Boarding Schule sind, also einem Internet ähnlichen Konstrukt, ist hier sehr normal. Sie ist eine nette Person und singt ihr Leben gerne, vor allem in der Kirche. Sie heißt Angel. Ihre große Schwester ist die Person, welche diesen Ort für mich zu einem Zuhause macht. Jene heißt Beatrice, oder nennt sich zumindest so. Sie ist toll!

Ich saß also zuerst im Zimmer und tippte die Zeilen des letzten Eintrages, aber bald wandelte ich dopamingetrieben ins Wohnzimmer zu kleinen Nachbarskindern und einem laufenden Fernseher, um sporadisch dort weiter zu schreiben. Sporadisch, weil mir zuerst ein Teller Essen zugeschoben wurde aus gekochten Mais und Bohnen, Makande genannt, und später gemeinsam mit den zwei kleinen Jungs Oska und einem Namen, der zu schön war, um ihn mir zu merken. Ich werde nochmal nachfragen. Im Fernseher lief erst die thailändische Heldengeschichte eines ehemaligen Boxers, der seine Erinnerung verlor und sich nun langsam wieder fand und das Böse bekämpfte. Ich staune und lache unliebe den Film in vielerlei Hinsicht, aus dem simplen Fakt, dass ich mal wieder merke, was wir durch unsere Hollywoodverseuchte Welt alles verpasst haben und welche wunderschönen Ländern und Kulturen sonst noch in Filmen zu finden wäre. Die Art der Spannung im Film, die Kampfszenen, das Emotionale wird alles so anders angegangen und inspiriert zu Neuem. Danach lief der arabische Film Ottoman mit Swahili-Synchronisation über das Arabische gesprochen. Die Outfits waren die wohl unglaublichsten, die ich je in einem Film sah. Das Blut der Kämpfe wurde alles zensiert, denn diese Filme laufen alle kostenlos im Fernseher und jede Altersgruppe kann jedem Film sehen, niemand kann es wirklich eindämmen, außer Eltern, die dann immer anwesend sein müssten. Sawa, ich genieße und manchmal schreibe ich. Dann bereiten die Jungs Mittagessen vor, indem sie den kleinen Fischen namens Dagaa den Köpfen abknipsen und ich mach aus Interesse mit in dem riechenden Haufen aus toten kleinen Flossentieren zu kramen und großäugigen Winzlingen den getrockneten Kopf zu nehmen. Die Köpfe sind allesamt für den Hund der Familie, der eine Maismehl-Kopf-Mischung bekommen wird, eingekocht in Wasser.
Als mein Schreiben zum Ende kommt, gehe ich duschen, mit einem gelben Wassereimer, aus welchem ich mit der Hand Wasser über meinen kopf schöpfe und mit einem dünnen Stück ehemaliger Blockseife, die für kurzfristige Sauberkeit sorgen soll. Dann kommt mein liebster Part, denn ich suche mit nassen Haaren meine Freundin neben ihrem Lieblingsfeuer auf und beginne meinen gemeinsamen Tag gemeinsam mit ihr. Sie trägt ihr schwarzes Haarnetz, ein blaues Fußballtrikot und eine graue Jogginghose, drei verschiedene Armbänder und ihr schlauen Augen. Sie erkundigt sich ehrlich interessiert nach meinem Wohlergehen und ist mir eine wunderbar liebe Person. Unsere Gespräche sind wieder auf einem Stand, der selbst mir als jemandem weiter auf dem Pfad des Lebens sehr viel abwerfen. Sie gibt mir den Raum von meinen besten Ideen zu lernen und jene jemandem gegenüber ansprechen zu dürfen ist der Segen des Sozialen! -

Ich möchte in Detail versuchen auszuführen. So kam es nach gestrigen ersten Blicken auf die Thematiken der Gedanken, des Glaubens, dem einschränkenden Wesen des Geldwesens und wie man sich auf seine finanziellen Grenzen einschließen lässt, während es so etwas wie menschlichen Werteaustausch gibt. Wir sprechen über ihr unbekannte Pilze und die Welt der Verbundenheit der Natur durch das Pilzmedium Myzel. Wir bestaunen die Ähnlichkeit dieser Verbindung in Natur mit dem Aufbau der Gehirnneuronenverbindung und was wir als intelligentes Leben betrachten, oft im Zusammenhang mit Kommunikation. Meine Ausführung Natur als ein höheres, intelligentes Wesen zu sehen, wir durch die Ausführung immer klarer. Wir versuchen unseren Wissensstand zusammen zu kratzen, um unser gemeintes Gelerntes über die menschliche Historie auf denselben Stand bringen. Wenn man in Darwin’s Lehre glaubt, so kamen wir von den Ozean ans Land, durch das Ei in die Größe, von der Ratte zum Affen und von dort nicht weit von den Bäumen zu den Böden. Mit Zwei Vorderbeinen nützlich und Mittelamerika um dich herum, erkundet der Mensch und findet Feuer und Pilze. Gebratenes Fleisch für genügend Proteine, die Pilze um Gehirnareale zu verbinden, wie sie auch in der Natur verbinden, und Areale zusammen arbeiten lassen zu dem Punkt, dass Laute eines Artgenossen eine so komplexe Bedeutung wie ‘wortgewandt’ gibt. Viel musste passieren , damit zufällige Laute eine so konkrete Bedeutung finden konnten. Während der Wartezeit zu Heute jagten wir also und sprachen mit der Zeit komplexe Dinge ab, wie Arbeitsteilung, Gefahr konkret und Treffpunkte bei Sonnenuntergang. Immer noch in Mittelafrika aber schon einiges weiter. Kommunales Gemeinschaftsleben entsteht dadurch, dass Menschen sich gerne haben und irgendwann die Füße und die billigen Holzschuhe nicht mehr genug zum Laufen waren. Sie kamen zusammen mit allen Körnern und Samen und Tieren was man eben so mit sich schleppte und versuchte das an einem Ort nahe fliessend Wasser und Wald zu tun. Wenn’s nicht genug Bäume gab, dann musste man sich was steiniges aus Erde bauen und mit der Beschränkung klar kommen. Sprache schien inzwischen so hinreichend zu sein, um Gelerntes von Kindern und sogar an jegliche Mitmenschen der Kommune zu tragen. Praktisch was die Geschwindigkeit des Lernprozesses anging. Was mir zum vollen Verständnis dieser Einschätzung von Zeit fehlte, wäre eine klare zeitliche Einordnung. Bis jetzt schwirren Zahlen herum, mit keiner absoluten Klarheit. Vor 7 Millionen Jahren kamen Affen nach einem Leben der Abgehobenheit von den Bäumen auf den Boden der Tatsachen des Menschseins. Dann macht mein ganzes Wissen einen mächtigen Sprung bis wir kommunal beisammen sitzen und irgendwann vor 300.000 Jahren beginnen aus Afrika auszureisen und die Welt zu belagern. Großer Fehler. Die Eiszeit machte es den Menschen unseres Südamerika-genannten Kontinents möglich ihn von Russland nach ‘Alaska’ hin zu überqueren, auf einem Gletscher reisend bis man bei Bisons und später wieder in der Hitze wohnt. Dschungel war ja auch noch überall… kompliziert. Eiszeit kam zur Neige und die Verbindung zu Amerika verschwand. Und seit wir wie damals leben, war das Meiste eigentlich immer gleich. Nur andere Zeiten, andere Umstände. Alles verlief gleich bis jetzt. Menschen im Weltraum, Stimmen aus elektronischen Büchsen, Zuckertote. Und er fragt was Philosophie ist. Krise. Ich antwortete ihm in der Zeit des Jetzt in wenigen Worten. Er erinnert sich daran, dass Philosophie Geisteswissenschaft bedeutet. Die genauere Wortbedeutung des deutschen Wortes hat uns in eine überaus interessante Unterhaltung gebracht. 

What is philosophy? [asked, while I was writing in Dula’s Ghetto]

(-a random question of my very interesting but not very intellectual roommate of the night Dula, that got me discombobulated (throw you out of the Bahn, shake you up into confusion. Usually throwing dice is the action of discombobulating them - language check),  for a chunk of time. Technically he really just wanted to know what’s the definition and what’s done for philosophy. Maybe a teaching or a practicing method. Then I associated that whole thing with what a religion is, that I wasnt sure I would know philosophy really. That question set me up.)

Der kleine handwarme Gedanke, dass alles was ich vor habe, funktionieren könnte, erschlich mich grad und ließ mich innen warm werden. Zurück von meinem Lächeln zu dem Ort und der Zeit, der gänzlich meiner lieben Beatrice gehörte. Sag nicht, du hast vergessen wo die Geschichte eigentlich stattfindet. Wir sitzen bei Familie Moshi. Neben einer Feuerstelle und einer neuen Freundin des Spirits.

Beatrice studierte Pharmazie, aber befindet sich in der Findungsphase des genialen Alters 27. Ich liebe meine Freundschaften mit dieser Lebenszeit, denn alle reden von etwas Ähnlichem - dem Alter… ein ganz schön großes Wort für ein Kind wie sie, das noch nicht begonnen hat für sich selbst zu leben. Aber ihr Ziel steht auf stärker werdenden Beinen und sie strebt danach ein Tour Guide ihrer wunderschönsten Heimatgegend Lushoto zu werden. Das Militär begeistert sie in einem ähnlichen Ausmaß wie ich, aber eine kurze Recherche lässt uns einsehen, dass Altersbegrenzungen tatsächlich real sein können. Der Gedanke über das Tour-Guiding bleibt und wir unterhalten uns über den Moment, welchen es in der Meditation zu finden gilt. Die Präsenz in jenem Augenblick der Zeit, welcher allein uns gehört. Das goldene etwas zwischen Erinnerungen und Zukunftsdenken. In jenem Moment, so reden wir, liegt die Kraft und das Potenzial zu jeder Entscheidung, um kommende Zeiten zu verändern. Der Moment ist unserer stählerner Draht zu absoluter Veränderung und es liegt an uns ihn auszubilden, festzuhalten und zu nutzen. In meiner Ausführung zeige ich ihr, wie ich trotz des Komforts des am Feuer Sitzens aufstehen konnte und ich fordere sie auf, ebenfalls aus ihrem Komfort zu entweichen und aufzustehen. Dieser Komfort, der uns döse lässt und die nächste vielleicht nötige Handlung blockiert, ist das Gefängnis unseres Lebens. Wer praktiziert ohne Komfort zu leben, kann diese Stufe wie ein Leichtes überschreiten und einen Wunsch durch direkte Handlung und nicht durch Denken ausdrücken. Nur als kurze Erklärung warum ich versuche jeglichen Komfort aus meinem Leben zu entfernen. Hätten wir das auch… viele solcher Austausche folgen und ihr Englisch lässt sie alle zu, für was ich nicht dankbarer sein könnte. Ich erzähle ihr die Geschichten von Psychologen in den ‘70ern und wie sie in Rattenexperimenten entdeckten, was uns heutzutage alle abhängig von sozialen Medien macht. Wir vergleichen den Stand von hier zu Deutschland durch Fallbeispiele der Krankheit ‘Internet’ und sie leidet am meisten, wenn sie ihre Mutter und den Smartphone-/TikTok-Gebrauch von ihr beobachtet. Ich kann Beatrice nur raten ihrer Mutter vorzuleben, dass ein Leben ohne Smartphone möglich ist und Mama neutral durch eigene Recherche bildet, um sie zu Änderung zu bewegen. Menschen ändern kann man nicht, aber jenen zeigen was sinnvoll wäre und sie zu eigener Handlung treiben ist durchaus möglich. Oder?

Mein zweiter Tag verläuft genauso schön, denn Beatrice blieb zuhause und kochte den gesamten Tag an der Feuerstelle. Ein normaler und gleichzeitig furchtbarer Tag für ein junges schlaues Wesen. Sie muss wirklich beginnen ihr eigenes Ding zu starten und Familie mit Nähe hinter sich zu lassen. Sie wird schließlich hier in Lushoto bleiben und arbeiten - nur eben selbstständig. Das ist das Ziel. Wie wir dort hinkommen, weiß ich als ich meine nächste alles entscheidende Person in Lushoto Town kennen lerne. Ich war grade auf einem Spaziergang durch die Gegend, ohne Smartphone und nur mit Gehstock, als ich zuerst in einen hübschen grauhaarigen Amerikaner, mit tiefen blauen Augen trag. Hübsch fand ich ihn, weil er ein bisschen wie mein Vater aussah und bemerkenswert war er, weil mir später von ihm berichtet wurde, wie er Swahili und die Stammessprache Kisambaa beherrscht. Ich hätte ihn gerne kennen gelernt, aber laufe nur ‘Shikamo’ sagend an ihm vorbei. Er belächelte mich ungewollt mit der Seite seines Mundes beim sehen meiner Barfüße, aber sagen tut er nichts. Ich werde nicht noch einmal in seine Wege gespült, zumindest nicht dieses mal in Lushoto, aber ich hoffe sehr ihn doch nochmal zu sehen. Ich hatte das Gefühl er hätte in mein Leben gehört. Danach wanderte ich auch kleinste Straßen und Hinterhöfe, an kleinen Maisfeldern entlang, zu Fußballfeldern nur mit dünnen Metallrahmen als Tore, über braune Plastikbächlein und heiße Straßen, bis ich am Ende wieder an der Hauptstraße stehe und meine wunderbare Beatrice und ihre Freundin sehe, bevor sie mich sehen. Eigentlich ein absolutes Unding, aber so war es. Wir grüßen uns kurz und wollen schauen, wer schneller wieder zuhause ist. Dass ich diesen Wettlauf heftigst verlieren würde, war mir noch nicht bekannt, aber keine paar Sekunden traf ich auf die nächste Person und Beatrice sah es noch kurz. Kurz sah sie die Person, welche ich ihr bald so unbedingt vorstellen würde, um beiden ein neues Kapitel in ihren geteilten Leben zu ermöglichen. Der junge Mann spricht mich von der Seite an, grüßt kurz und ich grüß zurück, aber er blickt abgelenkt an mir vorbei und meint kurz danach er müsse dahin und ich komme mit ihm. Ich versuche die Situation so zu beschreiben wie sie auf mich wirkte, denn ich fühlte mich wohl und mir kam gar nicht der Gedanke ihm zu wiedersprechen. Was er tat war eines der genialsten öffentlichen Interaktionstechniken, die mir bisher bewusst untergekommen sind. Er leitete einen gemeinsamen Ortswechsel ein, der ihn automatisch zu meiner Ansprechperson machte und eine Bindung herstellte, die es so an einem und demselben Ort nicht gegeben hätte. Er ist Tour Guide und mit seinem Pick up scorte er ein Bullseye in meiner Psyche. Wir sprechen miteinander und zuerst ist es sein Job verdutzt den Weißen mit Swahili neben sich anzustarren, aber als er beginnt Deutsch zu sprechen, hat er eh gewonnen und ich bin meinem neuen tansanischen Freund linguistisch sichtbar unterlegen. Wir gehen von Busstation zu kleinen Lokalen und er versucht noch rauszukommen, ob ich nun Kunde bin, oder tatsächlich jener, für wen ich mich verkaufe. Irgendwann finden wir uns unter einem Schirm aus Schilfrohren und rauchen unsere erste gemeinsame Zigarette, während er mir anbietet morgen eine gemeinsame kostenlose Tour zu machen, damit ich die Schönheit der Gegend auch ohne Geld kennen lernen könnte. Er meint es ernst und ich bin heiter, als ich zu meiner Familie Moshi am Abend zurück kehre und meiner Beatrice am Feuer helfe, Kochbananen zu schlachten. Sie machte sich Sorgen. Der Abend ist wieder ein viel zu Schöner, aber die Zeit rennt und ich habe noch ein paar Dinge zu beschreiben, bevor ich heute, inzwischen der 14.01., los muss. Also dann. Ein letzter Schlaf hier und ich wache auf, als alle wieder in ihre Alltage zurück kehren. Die Jüngsten zur Schule, Papa zur Schule neben an, Angel zur Boarding Schule und Mama plus Beatrice zuhause. An diesem Morgen bringe ich Beatrice und dem hochgewachsenen wunderschönen Nachbarjungen Yesahya den Trick des Pfeifens mit Hilfe eines Grashalms bei. Der Trick ist ein simpler und die beiden freuen sich wahnsinnig, als die geblasene Luft zwischen den Raum, wenn man Daumeninnenseite an Daumeninnenseite aneinander legt, mit einem Grashalm als perfekt grade Mitte zwischen beide Finger gespannt. Das Tröten das kommt, macht uns alle lachend und wir geben unserem kleinen Raum des Feuers ein kleines Konzert, welches irgendwann nach sterbenden Hundewelpen klingt, aber an Charme nichts einbüßt. Lachen ist und bleibt das schönste Geräusch auf dieser Welt. Und diese beiden Menschen vor mir, lassen mich mal wieder anfragen, was ich eigentlich mit meinem Leben mache und wie ich es fertig bringen werde, diesen Ort wieder hinter mir zu lassen. Vermutlich nur mit der absoluten Gewissheit, dass ich wieder kommen werde und Leben weitergeht. Uff. Ich packe meine Sachen, bekomme noch genug zu Essen und verabschiede mich herzlich von meiner Familie. Bei allen Häusern, bei welchen ich bisher mindestens zwei Nächte blieb, schrieb ich einen Swahili Abschiedsbrief auf Papier. Ich lasse sie immer an Orten liegen und übergebe sie seltener, also bekomme ich die Reaktionen nie mit, aber ich bin mir sicher, dass ein paar Menschen ihre Freude an solch einer Erinnerung an mich finden. Das Geschenk von Beatrice für mich ist ein Armband mit orange goldenen Perlen und Prisma- oder Diamantgeformten Plastikgold. Jene Farben könnten gemeinsam nicht besser zu den zwei anderen Armbändern passen. Der rote gezwirbelte Chord mit der chinesischen eingravierten Goldkugel und das schwarze Band mit den hölzernen Murmeln, welche dem Gold ähnlich sind. Mein linkes Handgelenk sieht schöner denn je aus. Ich hatte nie mit Absicht angefangen Armbänder zu tragen, aber könnte mich nun nur noch schwer davon lösen. Bevor ich gehe, lasse ih ihren Schäferhund, der permanent in seinem Käfig saß, an meiner Hand schnuppern und in seinen Augen sehe ich was Menschen zu jeder Zeit zu den engsten Verbündeten dieser vierbeinigen Flauschwesen machte. In den Augen des jungen Hundes sah ich etwas Pures. Ein so reines Wesen, dass ich meine Hand durch das Gitter steckte und begann seinen Kopf zu streicheln. Der Ausdruck des Gesichts ließ mich befürchten, dass er oder sie vielleicht noch nie so gestreichelt wurde. Als ich Mama Beatrice frage, sagt sie, dass sie leider nicht weiß wie man einen Hund erzieht, und weil er alle immer anspringt und sich zu sehr freut, bleibt er abgeschlossen. Das tut mir weh und ich trauere dem Gedanken anch, endlich so mit einem Hund zu Leben wie es die Natur vorsah… Wenn ich in Deutschland rotiere und einen Bauernhof mit Würfen finde, wird es vermutlich unvermeidbar. Solche Gedanken sind es, die mich diese herrlichen, bereits gefundenen Orte wieder verlassen lassen. Ich bin zu aufgeregt auf was noch kommt, als dass ich jemals bleiben könnte. Ein goldener Fluch. Wenn dich als lesende Person interessiert, was genau der Plan ist, tue dir keinen Zwang an und ließ in meine Page der Vision Grande hinein. Relativ ungefiltert steht dort alles Geplante. Ansonsten warte bis mein Buch fertig ist, dann hat sich die Wissenslücke der Welt über mein Wesen auch gegessen.

Ich verlasse die Familie Moshi an einem Montagmorgen. Kurz darauf treffe ich meinen neuen Freund, den Tour Guide, nähe City Center und gemeinsam sagen wir seiner ehemaligen Arbeitsstelle hallo. Er ist arbeitslos und ich gratuliere ihm. Danach beginnen wir einen Weg, bei welchem ich dachte es wäre schon der Hike in die Berge, aber wir liefen nur in seine Wohngegend. Ich bin schwerst beladen und konnte nur den weichen blättergesegneten Waldboden aus tropischen Pflanzen genießen. Eine Mutter mit zwei großen Schwestern spricht mich an und fragt mich, sie nach Deutschland zu bringen, damit sie eine Arbeit egal wie simpel verrichten könnte. Das passiert mir öfters. Ich erzähle dann immer gern schlecht von meinem Heimatland bevor ich erwähne kein Geld zu haben. Schlecht über Deutschland zu reden, ist wie schon antrainiert in Schulzeit und der generellen Mentalität vieler Menschen zuhause. Wer liebt schon sein Mutterland? Nazis und Reiche - maximal. Ich mochte viele der Menschen und der Aktivitäten dort. Von der Natur durfte ich nicht viel sehen und Arbeit dort hatte immer den Geruch von Leben aufgeben für Arbeit. Verstädterung bringt mich zum würgen und Geld ist das Letzte was ich möchte. Also vielleicht war ich einfach nicht für Deutschland gemacht. Ich sage meiner Mama vor mir, dass es dort kalt wäre und dass auch auf Menschen abfärbt. Wir gehen unserer Wege. Über den Tag wird mein Freund Dula, das ist der Tour Guide’s Name, erleben was mein Leben ist und wie Menschen auf mich reagieren. Was mir geschenkt wird und was Augen der Menschen am Straßenrand sprechen, ohne dafür jemals Worte haben zu können. Er sieht es alles und ich sehe das ganze SPektrum seines Lebens als wir in seinem geteilten Einzimmerhaus ankommen, wo wir diese Nacht zu dritt in einem einzigen Zimmer leben werden. Dula’s echte Liebe heißt Deutsch und mit ihm im Gepäck kann ich während den 38 Stunden mit ihm meine ganze Sprachliebe entfalten. Unbeschreiblich schön. Na toll! Über sein Kopfende ist auf der Wand mit Kulli in großen Buchstaben eingraviert: Der Tumult des Lebens mach mich hier.’ Ohne dass das richtig wäre, ist es wohl ein sehr deutlicher Ausspruch. Seine Worte haben, wenn er spricht, eine scheinbar tiefere Bedeutung, basierend auf der Art wie wir uns beide auf Sprache verstehen. Ich begreife seine Aussprüche klarer und besser. ‘Begreifen’ ist übrigens auch ein absolut phänomenales Wort. Als er mich herein bittet, ich mich entlade und es mir gemütlich machen soll, sagt er: ‘Enjoy! Enjoy! This is how I live! Welcome to my Life! Enjoy!’ Und er meinte es ernst und ich genoß den Moment, während ich seinem Leben beim Existieren zusah. Alle Prozeduren waren auf einmal, nach diesem Ausbruch nicht mehr unter der Maske von Aktivitäten, der der Zweisamkeit gewidmet wären, sondern die pur sein Leben ausmachten. Ich war überaus froh dabei zu sein, behilflich zu werden und über sein Leben zu erfahren. Eine einzige Tragödie, falls ich mal ein Buch solcher Art schreiben wollte, aber kam hindurch und ist glücklicher als alle Deutschen, die ich kenne, bis auf Zwei. Liebe Grüße. Später gehen wir durch seine Gegend und treffen nette Leute. Auch seinen Mitbewohner, ein spielsüchtiger Boodafahrer mit keinem Ort der Welt, der seinen Namen zu tragen scheint. Wir kaufen Bananen, drei Zigaretten und er bekommt von irgendwo her ein bisschen Gras. Jetzt schreib ich also übers Kiffen oder wie? Ne, den Part überspring ich. Er war nicht allzu spannend. Wir saßen essend beim Regen in seinem Ghetto, wie er die Bude nennt, und ich schrieb entweder am Laptop genau jenen Artikel den zu grade gelesen hast, oder ich unterrichtete ihm Deutsch, oder hielt kleine ziemlich interessante Vorträge, falls grade Interessierte zu Besuch waren. Besuch gab es viel, denn wir sind lokalisiert neben einer kleinen Universität für Recht in Lushoto und die ganzen Studenten wohnen in Umständen wie jenen von Dula, um uns herum und sie wollten auch ein bisschen Ugali essen. Es ist Nachmittags, als wir aufbrechen und da jenes Erlebnis mein Schönstes war, verdient es den nächsten Eintrag, um die Schönheit auch ohne schlechtes Gewissen um die Länge eines Artikels ausführen zu können. Ich hab euch lieb! Ich hab versuch meditativ in meine Kamera zu starren, damit ich die Linse beim V-LOG machend nicht mehr meide. Ich mag es diese kurzen Sprachneuigkeiten online zu geben, kann aber sehr gut darauf verzichten, das im Rahmen des Berühmtseins zu veröffentlichen. Insofern möchte ich nur zu Freunden und Familie ein wenig persönlicher sprechen, wenn ich direkt in die Kameralinse glotze. Mal gucken ob ich das schaffe. Ich muss jetzt langsam in die Gänge kommen. Gestern Abend, nach Dula, begann ich den Berg aus Lushoto in leichtem Joggen hinab zu rennen. Als es schon stockdunkel war, fischte mich ein besoffener Familienvater auf und brachte mich hierher. Den ganzen Abend kriegte er sich vor Freude über seinen Gast nicht ein, wie ein kleines Kind. Ich schreibe an einem kleinen Tisch und bin bereit das Gebirge zu verlassen. Gestern war so interessant, dass es wirklich weh tut, ohne darüber geschrieben zu haben, jetzt schon losgehen zu müssen. Lieb Lieb. Gen.ZM!

#16 TZN-Journal - Träume und Touren