Ein Tag in Duales Leben beginnt früh. Sein Raummitbewohner bahnte sich um sechs Uhr morgens seinen Weg um mein Zelt, welches den gesamten Boden neben dem Doppelbett der Einzimmerwohnung der Beiden einnahm. Kurz war man wach, dann schlief man bis acht. Als wir begannen zu leben und als die Tiefschlafphase seines Mitbewohners startete, besorgten wir das Nötige für ein kleines Frühstück und für die Vorbereitungen von dem Mittagessen aus Kochbananen. Wir essen kalten Ugali, den wir von den Wänden der gestrigen Blechschüssel kratzen und seine fantastische rote Sauce mit Gemüsefetzen wird wieder warm gemacht. Währenddessen gehen wir harten grünen roh ungenießbaren Kochbananen an den Schalenkragen und schnippeln Kohl. Er lernt weiterhin deutsche Wörter von mir und Sauerkraut darf nicht fehlen. Auf dem Zettel des Gelernten stehen Dinge wie deutsche Gerichte - Schnitzel, Spätzle, Eisbein, Sauerkraut - aber auch jene Worte, die im Deutschen eine Einzigartigkeit aufweisen. Wanderlust. Gesprächsfaden. Geisteswissenschaften. Wir lesen ebenfalls aus dem kleinen blauen Buch, welches ich immer in meiner Bauchtasche habe, genannt der anthroposophische Seelenkalender von Steiner, welchen ich in Dornach im schweizer Goetheanum, dem globalen Hauptsitz der Anthroposophie. Falls man mal in der Nähe ist, wäre das sehenswert. Die Ideologien, Schulsysteme, Philosophien und Bewegungs- oder Landwirtschaftswissenschaften dahinter sind ein anderes Kapitel. Diesen Morgen verbringe ich ohne Gedanken an jene, aber mit dem Kopf in den Erinnerungen von gestern. Vielleicht entsinnst du dich auf das Ende des zuletzt Geschriebenen. Wir kamen grade gemütlich bei Dula zuhause an und mit grünem Schädel tippte ich in die Zeilen. Dass danach eine der schönsten Wanderungen in meinem Leben starten würde, wusste ich noch gar nicht. Ah, mir fällt was ein. Ich nehme mir die Freiheit auszuführen… letztens traf ich jemanden, der mir nicht abnehmen konnte, dass ich ohne Geld leben würde. Der Zweifel daran ist täglich von Menschen meines Weges gegeben und das aus gutem Grund. Wie sollte man denn überleben, wenn man kein Geld besitzt. Nun dachte ich mit dem Schreiben dieser Einträge ein absolutes Verständnis dafür zu erschaffen und es glaubwürdig darzustellen. Vielleicht hat das geklappt, aber vielleicht sitzt du immer noch da und denkst, dass ich vielleicht ab und zu nur ein bisschen was ausgebe, wenn ich mal wirklich kein Wasser oder Essen habe, oder wenn ich ein schönes Souvenir sehe… ja und nein. Geld für mich gebe ich absolut und zu hundert Prozent nicht aus. Geld an andere gebe ich gerne und ich glaube das ist essenziell, um diese Art des Lebens und Reisens nicht ausnützerisch zu sehen, sondern die Menschen des Weges schon direkt unterstützen zu können. Ich erinnere daran, dass ich als Freiwilliger 100 Euro Taschengeld bekomme, welches oft ein drittel des gesamten Lohnes eines tansanischen Arbeiters darstellt. Dieses Geld brauche ich nicht und was gibt es schöneres als ein bisschen zurück zu geben. Nur die Reihenfolge ist ausschlaggebend. Keiner der Menschen die mir am Ende halfen mir Nahrung und mit einer Nachtruhe wusste, dass ich auch nur einen einzigen Shilling an mir habe und das macht es besonders. Die Menschen waren in kleinster Weise auf materielles aus und hätten mir wieder und wieder auch ohne geholfen. Am Ende einer schönen Zeit kann ich mich so zumindest ein wenig bedanken, ihnen mein Wiederkommen versprechen und ihnen in der Zukunft versuchen durch meine Arbeit und mein Schaffen, meine Verbindungen mit Welt und Menschen, behilflich zu werden. Human Value Exchange in the End aber irgendwo in der Mitte war kurz mal Geld. Nur eben nie für mich. Zum Glück ist es mir unwahrscheinlich Wurst, ob mir Menschen das glauben. Dafür ist der Life-Style zu schön und erfüllend, als dass einen jenes Denken einholen könnte.
So in den Tag startend und kaltes Ugali essend, laufen wir Gefahr jenes gestrige Abenteuer zu schildern. Dass ich in der Zeit nicht völlig sauber war, fühlte sich zu dieser Zeit nach einem Segen an, aber macht mir nun die Probleme, dass meine eigene Erinnerungschronologie nicht ganz hinhaut und Lücken aufweist. Ich hab nämlich keine Ahnung wo der Pfad in die Natur anfing, an welchem Punkt wir Gesellschaft gegen Natur eintauschten. Aber zu einem bestimmten Punkt waren wir in den Höhen der Hügel und ließen das tropische Berghochland und seine Felder mit arbeitenden Menschen zurück. Stattdessen folgten wir einer von Deutschen erbauten Schotterstraße und ich lerne über diverses Pflanzengut und ihre Nutzung. Wir tauschen Sprachverständnis und Grammatik miteinander aus und bewundern die Umgebung. Vermutlich tat ich das mehr als er. Aber für die Vorstellung - wir gehen einen leicht orangen Pfad mit kleinen Sternchen hoch, der sich eingeschnitten in die Bergseite wie eine feine Linie in die Höhen zieht und uns tiefer in den Schlund des Waldwesens bringt. Eine allumgebende Natur mit permanenten Ausblick über diese kleine eigene Welt in Bergen. Kein einziger Flecken, der unbewachsene oder unbebaute Erde zeigen würde, nur Grüne. Wir kommen an Hausbauten in der Höhe vorbei und ich wundere mich über die vermutlich stark erschwerte Steinlogistik. Die Natur wird dichter und ich werde immer klarer, als sich die Sicht ebenfalls klärt und Dschungelgewächs auf Bauchhöhe und Palmen in der Höhe Platz machen, um die Aussicht auf eine Klippe direkt vor einem zu geben. Ein großer flacher Stein ragt in die unendlichen Tiefen die schwirrend immer tiefer werden beim heran treten und der Blick weitet sich auf eine volle Rundumsicht, nun da man dem Wald und dem kleinen Pfad entkam. Mein Guide sitzt schon an der Klippe und schaut mit sichtbarer Ruhe in die tiefen Fernen. Ich geselle mich dazu, schaue umher und bestaune die Steinformationen und die klein scheinenden Palmen, die wie kleine Grashalme aus den Steilwänden sprießen. Mein Gehstock gibt mir Gesellschaft und nicht mehr lange wird es meiner bleiben, denn für diesen netten neuen Freund geht mein gutes Stück aus Moshi bald in neuen Besitz über. Ich hoffe er wird ihm behilflich sein und ich sah seine Blicke und wie gerne er ihn benutzte. Er brachte mir die Sprache hinter den Stockhaltungen bei und ich lernte über seine Herkunft aus Arusha und seinem Stamm den Maasai. Ihre Tradition kommt ohne Stock, genannt Fimbo in Swahili, kaum aus und ich hoffe er kann ihn für seine Jobtätigkeit des Tourguidens gut benützen. Benützen. Da krieg ich Kratzen im Hals. Benutzen ist besser. Zu Nutzen verwenden - nützlich machen - u oder ü who knows? Ich höre seine kurze Erzählung über eine kleine Volksgruppe im National Park Arusha’s genannt die Hadzabe People und ihre Lebensweise des völlig naturtreuen Buschlebens, des Wanderns und Jagens und Hüftkleidunglebens. Wahnsinnig interessant für mich, weil ich theoretisch unausgesprochen nach Kommunen in der Welt suche, die jenes Leben schätzen und pflegen. Hier scheint eine erste kleine Tür aufzugehen und wir genießen den Ausblick weiter. Als wir uns sattgesehen haben entweichen wir der Schönheit wieder und begeben uns zurück ins hautnahe Blattabenteuer und dessen Einzigartigkeit im Gebirge Lushoto’s, genannt Usambara. Dieser grade erlebte Ausblick war laut meinem ausgesprochenen Zitat Dula gegenüber das Schönste was ich an Ausblicken bisher in Tansania erlebt hätte. Ihm das zu erzählen wäre das Eine, aber es hier zu schreiben das Andere, wenn mich doch niemand dazu bringen könnte, das zu behaupten. Es war wirklich atemberaubend und solche verhältnismäßig kurzen Momente mit solch einem Eindruck wie diesem Ausblick macht etwas tief unter der Oberfläche mit einem.
Wir kehren auf einem anderen Weg zurück, was auf meine Nachfrage völlig unhinterfragbar für ihn ist, und kommen final nach der kleinen aber schönen Landwirtschaft mit gegrabenen Gängen für fließendes Wasser und Feldern mit jembeschwingenden jungen Arbeitenden, in das nächste kleine Dorf mit Straße, Kreuzung und kleinen Ständen. Huhn wird gebraten und riecht unverschämt gut. Auf der Straße bergab grüße ich drei Männer, die in einem winzigen Räumchen sitzen, wirklich nur eine Bank um welche herum Holzwände gezogen wurden, sodass man noch sitzen könnte, mit Ausblick auf die Straße durch die Schlitze im Holz gut sichtbar. Sie winken mich herein und Dula und ich nehmen Platz. Der ältere Herr, ein netter, trägt woher auch immer einen unendlich dicken britischen Akzent und arbeitet in seiner theatralischen Erzählung vor allem mit dem Weiten seiner Augen, die mich groß und größer werdend anschauen und mir später predigen. Er ist Christ und in seinem Rausch ließ er sich dazu nieder mir Wasser zu kaufen, welches ich zuerst Dula anbiete, und dann lädt er Dula und mich auf Chipsy ein, also Pommes frites, was meinen Kumpanen langsam erahnen lässt wie mein Leben auf Reisen ohne Geld verläuft. Er hatte die vielen Bemerkungen auf der Straße und die Menge an Konversationen schon gekannt, weil er oft mit Weißen wandern ist, allerdings kam hier mein Barfußsein dazu und ich trage noch keinen Rucksack. Er dürfte auch noch diese Kombination und ihre Reaktionen am Tag darauf erleben. Unser neuer Freund heißt Samwel und nach meiner Erzählung meines Strebens und Schaffens lobpreist er mit lauter Stimme und geweiteten Äuglein ‘DO IT!’ und predigt dann über seinen Christengott. Ich hoffe ich klinge nicht neutral oder eingenommen, denn in jenem Moment war ich begeistert, berührt und unbekümmert über den Einfluss seines Pegels auf das Vorgetragende. Ich nahm es von Herzen an und fühlte mich sehr bestärkt. Heil den Betrunkenen! Sag ich ja immer… ha
Wir schlängeln uns die Straße in Richtung zuhause namens Ghetto und treffen noch mehrere. Wir erledigen einen kurzen Einkauf für eine Freundin von Dula und treiben uns in der Busstationnähe umher. Wir lernen uns immer besser kennen und ich finde seine Situation wirklich tragisch. Er kommt aus Arusha und hat Familie dort. Weil er sich keinen Führerschein leisten kann, wurde er im Job in eine Gruppe eingeteilt, welche in die Ferne reisen musste oder den Job verliert. Er hat seinen Job aber sieht sein zweijähriges Kind kaum. Sein bester Freund kam letztens um, welcher sein Mentor und Bruder war und mit welchem er die Zeit hier aushält. Sein jetziger Mitbewohner ist ein Mensch der Verlorenheit und kam nirgends anders unter außer bei Dula und leistet ihm eine gewisse Gesellschaft. Dula ist gefangen und perspektivlos, hat seinen Job grade eben verloren und treibt sich jetzt mit geldbefreiten Weißen Jünglingen wie mir und sonst niemandem herum ohne zu wissen auf was er hoffen könnte. Ich kann nur an meine Beatrice und ihre liebe in das Business des Tour Guidings zu starten denken und weiß ganz genau was ich tun werde. Ich hoffe beiden mit dem Projekt zu helfen. Ich schreibe davon sobald es existiert. Dula wird meinen Gehstock dafür gebrauchen können. Das wird mir eine große Freunde wenn sich meine beiden Lieben aus Lushoto kennen lernen und Hilfe für einanders Träume sind.
Ich beende das Erlebnis Wanderung hier und tanze zurück zum Anfang, welcher am Tag danach stattfindet. Dula und ich bereiten unser Mittagessen vor uns bald wird es soweit sein, dass wir gemeinsam in Richtung Stadt aufbrechen. Wir rauchen das, was sonst alt werden würde, und gehen nach einem wirklich herrlichen Mittagessen langsam los. Es dauert eine ganze Weile und auch wenn ich den Zeitverlauf nicht überzeugend im Detail darstellen kann, war ich doch wieder in der Lage zu essen, als sich die nächste Situation auf dem langen Weg von seinem Haus zur Stadt ergab. Wir kamen an einem der Unterstellplätze der Booda Fahrer vorbei, die grade damit befasst waren einen großen Pott Ugali mit viel Kraft zu verrühren. An die 12 ausgewachsenen Motorrad besitzenden Männer standen um mich herum, als ich mich vorstelle und Dula scheint mir deuten zu wollen, dass wir Teil von diesem Essen wollen werde. Danach fragen werde ich nicht, aber übereifriges Ablehnen auf Nachfrage macht Menschen oft absolut davon überzeugt mir etwas anbieten zu müssen. Ich komme im Endeffekt gar nicht herum mir den Pott aus gekochten Maismehl mit dieser großen Gruppe Männer zu teilen. Das Ritual dazu war zum Abschießen, denn der Pott wird umgekehrt und auf einen riesigen Teller geleert, dann auf dem Boden platziert mit der Soße aus Fisch daneben und dann stehen alle Anwesenden im Kreis drum herum und jede Person schießt gleichzeitig und abwechselnd in die kleine Ugalikreismitte um die Hand mit mehr Ugali nachzuladen, sie in die Soße zu tunken und dann den halben Schritt zurück zu machen, während viele andere Hände nachkommen um ihr Essen zu holen. Ich bin mitten drin und wenn man grade den Platz hat sich hin zu ducken, dann steckt der Körper und Kopf für ein paar Momente in der Höhe aller Knie in der Mitte eines solchen Kreises. Wie cool das ist muss ich nicht beschreiben, oder? Alle waren freundlich am gestikulieren, auf dass ich mir doch mehr nehme oder die Soße mit Fisch probieren sollte. Ich merke, dass ich gerne mehr solche Mahlzeiten einnehmen würde. Hier funktioniert es, weil alle ungefähr gleich groß, stark und gleichgestellt sind. In einer Familie mit jung, alt, Frau und Kind wird es schwierig. Eine Horde nur mit Kindern würde auf der anderen Seite schon wieder nach Tod duften. Vielleicht hatte ich Glück in einem der wenigen funktionierenden Settings dabei gewesen zu sein.
Dula und ich kommen ins städtische und ab hier beginnen meine mir bekannten Schleichwegen durch kleine Hinterhöfe, vorbei an Friseursalons, einer Art Strebergarten mit Bach drin und vielen Filztäschchen mit Pflanzen drin, bis es einen Erdhang zur Primary School von Lehrer Moshi geht. Du erinnerst dich. Wir sind bei Beatrice zuhause, allerdings ist sie nicht da. Ich begrüße die Nachbarn herzlich und Mama umarme ich. Mit Dula warte ich eine Weile, weil Mama meinte, dass Beatrice bald käme. Allerdings ist Dula nicht für immer zu haben und er geht voraus zurück zur Stadt. Im Endeffekt werde ich sie verbinden, aber ich hatte so gehofft in Person machen zu können. Dula geht und ich gehe zu Mama ins Haus, wo sie kränklich mit Bauchschmerzen auf dem Sofa liegt und einen ehrlich schlechten Film schaut. Wir reden ein bisschen, ich sage dem schönen Schäferhund hallo und fülle mein Wasser nach. Dieses Mal ist das Wasser aus der Leitung erdig und braun, aber völlig frisch und mit meinen Tropfen zur Wassersäuberung vermeintlich auch unbedenklich zu genießen. Mama lässt mir ein Mittagessen bringen, für welches ich grade noch Platz hatte und so genieße ich die schönen Momente im alten Zuhause sehr. Nur Beatrice fehlt mir sehr und bald sage ich allen ein zweites Mal auf wiedersehen.
Dula hatte ich verabschiedet und hätte nicht gedacht ihn nochmal wieder zu sehen. Allerdings laufe ich die Straße entlang und eine Stimme die mir bekannt ist ruft mich. Es ist Lehrer und Papa Moshi und wir grüßen uns herzlich. Als wir da so stehen, sehe ich am Ende der Straße meinen Dula kommend mit einer äußerst interessanten Person an der Seite und sie grüßen mich. Ich drücke Moshi und gehe um die neue Person in meinem Leben neben Dula kennen zu lernen. Ein Weißer mit den braunen Locken Jesu, mit einem schüchternen Gesicht, der Größe von mir und einem orangen Rucksack hinten mit Isomatte gefaltet und einem anderen schwarzen Rucksack vorne. Dieser Mann heißt Andres, ist in der Mitte seiner Dreißiger und kommt aus Spanien. Was mich den Mann direkt con aller Tiefe respektieren lässt, ist der Umstand wie wenig Englisch er spricht. Ein Spanier auf Weltreisen, kommend von den Kanarischen Inseln, ist auf Jobsuche um minimale Arbeitskenntnis für Geld einzutauschen und am wichtigsten: er lebt ein armes, sehr armes Leben. Er hat wirklich nichts und er versucht zu haben, aber schafft es nicht. Eine so völlig andere Lebensweise als ich, dabei besitze ich beinahe genauso viel wie er und lebe von den Umständen her genauso wie er. Nur ist das mein Wille und Traum, für ihn ist es ein Zustand aus dem er entkommen will. Wenn ich langsam und sehr deutlich Englisch spreche, verstand er Vieles. Ich liebe diese Art des Sprechens, weil ich so ganz genau erkunden kann, welche Worte bereits eine Bedeutung für diese Person tragen und welche ohne Zweitwort in der eigenen Sprache existieren. Wir erzählen auf diese Weise eine Weile zu dritt, während Dula uns zu einem Ort bei einer Coffee Lodge bringt. Ich glaube Dula dachte eine lange Weile nun Glück gehabt zu haben und einen Weißen mit Geld gefunden zu haben, aber ich kläre ihn nachher auf und er sieht es ein wieder ein verzögertes Glück zu haben. Die Menschen der Coffee Lodge lieben meine Geschichten und ich werde Freund von einem Video Produzenten und dem Besitzer des Ortes. Es wird langsam dunkel und ich muss los. Der Besitzer erlaubt Spanier Andres hier zu schlafen und sagt mir, dass er einen Obstwagen hat, der bald nach Dar es Salaam aufbricht und dass jener mich mitnehmen wird, falls er mich auf der Straße findet. Ich bedanke mich, verabschiede mich und sie wollen noch Fotos, selbst Andres ist nun völlig begeistert und filmt mich mit seiner kleinen Go-Pro. Diese Menschlein waren alle viel zu süß. Ich habe Hummeln im Arsch und beginne das erste Mal in meinem Leben barfuß mit 20 Kilo auf dem Rücken einen Berg hinunter zu joggen. Um das Ganze glaubhaft zu machen und mit Zahlen zu schmücken. An jenem Tag lief ich insgesamt 9.5 Kilometer laut meinem Handy. Jenes wurde relativ zum Anfang des Joggens leer und es zählte den Rest nicht. Ich müsste wirklich schätzen. Am Mittag kamen wir von seinem Zuhause bis zur Stadt. Von der Stadt zusammen mit Andres bis zur Coffee Lodge. Das waren 9.5 Kilometer. Aber dann begann ich für mindestens eine Stunde zu joggen und das meine ich ernst. Denn auch wenn es wie das anstrengste klingt, war dieser Teil der Reise der lustigste, schnellste, spaßigste was das Laufen angeht. Beim leichten Joggen kamen meine Fußballen automatisch zuerst auf und ich konnte schmerzfrei schneller werden. Beim letzten Licht des Tages sah ich auch noch die Straße und bergab lief es ungelogen automatisch. Ich schwitzte, aber nicht übermäßig viel. Die Menschen am Wegrand bejubelten mich beinahe und manche Kinder versuchten mit mir Schritt zu halten. Weil ich mir so einen Quatsch nicht ausdenke, liegt es nur an dir, dir eine solche Situation vorzustellen, wenn du immer schon an deinem Ort in Lushoto lebst und manchmal Weiße Menschen in Autos siehst. Jetzt kommt einer mit großem Rucksack, rennend den Berg hinunter, ohne Schuhe… versuch dabei cool zu bleiben und du verstehst die Menschen etwas mehr. Und wer als Mensch eh meistens ein Lächeln und Lachen auf den Lippen trägt, reagiert hierbei unbedacht und mit Leichtem in einer sprühenden frohen Natur des Gemüts. Dann rannte ich an drei Männern mir Kaffeekrug vorbei und sie luden mich ein. Wenn Menschen es ernst meinen, hängen sie hinter das Karibu zum willkommen sagen, auch noch ein sana, was sehr heißt. Diese Vier Männer wollten mich wirklich bei ihnen und ich mache meine erste Pause. Schwitzend sitze ich bei ihnen und trinke den selbst geernteten Kaffee aus den Bergen Lushoto’s. Selbst der Farmer dieser Pflanzen kommt zu uns dazu und ich kann mich persönlich für den Genuß bei ihm bedanken. Dann renne ich weiter und es wird dunkel. Einmal verlor ich mein Ladekabel, was niemals passieren sollte und ich musste für fünf Minuten wieder bergauf joggen und das war dann wirklich anstrengend. Ich konnte nur beten, dass es nicht genommen oder überfahren wurde. Wie gesagt: mein Handy wurde eine halbe Stunde früher leer und dieses weiße Kabel war mein Schlüssel zu meinem Handy. Ich hätte mich auch gefreut ohne mein Handy zu leben, aber ich war doch heilfroh, als ich das unbeschadete Kabel entdeckte und joggte mit Freude weiter. Dann kam mein größter Schmerz der Reise als ich auf meinen ersten richtig bekackten Stein trat und das mit solchem Schwung und mit solcher Präzision auf ein Nervenende, dass ich hoch aufsprang und dachte nicht mehr laufen zu können. An diesem Ort bleiben konnte ich aber auch nicht und anscheinend konnte ich doch noch laufen. Jetzt war es dunkel und ich sah nichts mehr, also war das Joggen um. Mein Handy lädt und für 15 Minuten laufe ich noch. Dann rufen zwei Frauen wieder ‘Karibu Sana’ und meine Nacht wird nicht weit entfernt sein.
Mein Po tut weh vom langen sitzen und schreiben. Ich schreibe zwei Tage in der Zukunft und sitze an einer Bar in Bagamoyo. Letzte Nacht hab ich bei einer Kirchmaus am Strand gelebt und jetzt geh ich kurz spazieren, um den Artikel fertig zu bringen. Ich hab euch lieb.
Sooo… kleiner Fun Fact aus dem Jetzt. Ich ging grade spazieren und hatte vorhin schon drei Damen hier in Bagamoyo kennen gelernt, die zwei Geschäfte führen, eines davon eine Schneiderei. Sie liebten meine Geschichte als ich ihren Haufen aus mir angebotenen übrig gebliebenen Stofffetzen durchsuchte, um meine zerfetzte Leinenhose von den Schäden der Reise zu heilen. Sie wollen das gute Stück sehen und entschließen sich mir zu helfen, indem sie die Reparaturen kostenlos übernehmen wollen. Ihnen muss die Geschichte wirklich gefallen haben. Dafür teilen mein Narugift und ich uns später unser Früchtefrühstück mit ihnen. Wie cool können Menschen sein… meine Hose ist wieder ganz, allerdings wurde eine Hosentasche zugenäht, weil sie zu kaputt war. Ich komme grade von den dreien wieder, hatte davor kurz meditiert im Baumschatten und mir wurden in fünf Minuten die Basics des Nähens gezeigt. Mit dem übergebenden Wissen meiner Mutter vereint, meine ich meine Hose nun auch mal selbst bearbeiten zu können. Ich habe einen kleinen Haufen Stoffstücke und sie gaben mir eine Nadel und Faden, die mir nun einiges an Wert haben. Sie halfen mir sehr und ich nahm die Nummer, welches das letzte und größte Kompliment für manche sein kann. Hier schien es der Fall gewesen zu sein.
Als ich zurück in den Bergen Usambara’s zum Laufen kam, riefen mir zwei Gestalten aus der Dunkelheit her zu, dass ich kommen solle. Sana. Sie sahen nur meine weißen Beinchen im Lampenlicht schritt nach schritt barfuß zu nehmen und sorgten. Sie saßen auf einer Bank und ich ruhte mich kurz aus. Wir sahen einander kaum, aber waren uns sympathisch. Helfen konnten sie mir nicht wirklich. Es wäre vermutlich ein Unding für eine Frau einen jungen Mann nach Hause zu Ehemann und Kinder zu schleppen. Zu meinem Glück hält ein Booda und lädt einen ziemlich betrunkenen Familienvater ab, der sein Glück kaum fassen kann, als er langsam begreift wo er grade gelandet war. Herzlich reicht nicht um zu beschreiben mit welcher Freude er mich mit sich nahm und wie begeistert er über jedes neue Detail aus meinem Mund war… Ujerumani!? deutsch - Bila hela!? - ohne Geld - unajitolea?! Freiwillige Arbeit - Bugando??? Ein Ruf eilte allem voraus und er war geflasht. Diesen gesamten Abend durch, auch bei seiner Familie und beim Abendessen und beim fernsehen im Wohnzimmer und beim zu Bett gehen, lachte und klatschte er, freute sich zu einem Ausmaß, dass man befürchten musste, dass er gleich tanzen würde. Wie er die Geschichte an seine Kinder erzählte war irgendwo rührend, irgendwo tat mir die Familie mit trinkendem Vater aber auch sehr leid. Er tat mir sehr leid. Seine Frau, die nie wusste, ob das Geld seiner Arbeit nach Hause kommt oder in Alkohol fließt. Die Kinder, für die das Ganze normal ist. Ich schlafe im Wohnzimmer im Zelt. Im Fernseher lief eine Sendung über Shaolin Mönche und chinesische Medizin. Meine Freude, China ist die Zukunft und wir sind zu blind es zu sehen. Stille Begeisterung bestärkt mein Weltreiseziel der tibetischen Klöster im Himalaya.
Meine kostenlose Fahrt der Obstfahrer nach Dar es Salaam verpasse ich und trotzdem komme ich morgen an… wer hätte das geglaubt? Naja, also ich war mir absolut sicher das zu schaffen. Wie sah es bei dir aus? Beim Gedanken ohne Geld barfuß durch Ostafrika in einem Zelt. So eine Überzeugung zu Erfolg muss irgendwoher kommen. Ich teile euch mit woher, sobald ich es heraus finde. Alles Liebe, Gen.ZM!