Ich muss ehrlich zugeben, wie erschöpft ich nach der Reise bin. Zwar ist der Weg des letzten Ankommens in Bagamoyo kein überwältigender gewesen, aber vier Wochen des konstanten Ortwechsels immer auf der inaktiven Suche nach Essen und mit permanenten Empfindungen dem Schmerz sehr ähnlich an den nackten Fußsohlen auf tansanischem Boden, bringen einen einfach näher an unerforschte Grenzen des eigenen Vermögens. Nun im Zielort Bagamoyo angekommen zu sein, ist mir ein kleiner Segen, aber die Aufregung auf das Seminar lässt mich weiter treiben im Ungewissen. 

Mein Lift von Mombo nach Bagamoyo wurde von Samwel geschenkt und mit jenem verbrachte ich die letzten fünf Stunden in seiner Kabine. Auf dem Weg sahen wir Paviane und wie sie als Gruppe aus Vier gemeinsam die Straße überquerten und ihr rotes Gesäß scheinen ließen. Die Ananasfrucht wurde immer präsenter, umso näher man dem indischen Ozean und seinem sandigen Boden kam. Jetzt ist es dunkel und ich stehe am Kreisverkehr der historischen Stadt Bagamoyos. Auf dem Weg ins Innere übe ich wieder auf meine Haltung zu achten und den Blick beim Laufen zu heben. Oft genug drifte ich in den Automatismus ab einen Meter vor mir auf den Boden zu starren. Ich wüsste es besser, aber handle zu selten danach, wenn ich doch stattdessen grade gehend zwei Meter vor mir nur mit den Augen niederschauen könnte, alle paar Meter, um trotzdem grade zu bleiben. Ein witziges einhergehendes Phänomen ist die Wahrnehmung, welche auf einmal den Blick auf den gesamten Weg vor sich legt. Ein gesamtes Leben besteht aus diesem vor einem liegenden Weg und jenen gilt es zu laufen. Was für eine Schande die hässlichen Steinböden zu beschauen, wenn das eigentliche Erlebnis des Umfeldes im Blick nach vorne liegt. Mit weniger Rückenschmerzen und mit dem klaren Erkennen des Ortes an welchem ich mich auf der Wet befinde, bahne ich mir einen Weg durch Menschen und Wege bis mir ein Rasta die Hand auf die Schulter legt und mir den Abend rettet. Es ist ein ungewöhnlicher Rasta. Und eigentlich ist es auch nur ein Dude, der Haarpflege anders definiert und sich nun mit seiner Haarpracht identifizieren möchte. Der junge Mann neben mir heißt Christoph und er kommt auf dem wohl schönsten meernahen Ort des Landes, genannt Mtwara, ganz im Süden des Landes. Er spricht gebrochenes Englisch und lädt mich ein zu sich nach Hause. Er ist ziemlich dünn, trägt eine viereckige Brille, hat ein nettes breites Lächeln und trägt eine Kette am Hals, deren metallnen Ösen mit einem schwarzen Faden durchwoben wurden und an deren unterem Ende ein Kronkorken und ein goldener Ring hängen. Seine Haare sind nicht in einzelnen Strähnen, sondern sind wie eine einzige dicke und feste Haarkrone die in einzelnen Zapfen absteht und nicht vergleichbar mit dem Bild der bekannten Rastahaare wäre, wenn er den Vergleich nicht angebracht hätte. Er erzählt mir später von seinem Zeitvertreib, der kleinen Arbeit in welcher er ausgebeutet wird, seiner Liebe zu T-Shirt Design und dem Leben auf Zanzibar, wo er in seinen besten Zeiten T-Shirts verkauft. Er hatte das Nautische gelernt und könnte uns allen viel über Muscheln und Fische näher bringen, aber einen Job in der Richtung bekam er nie. Er lebt in einem verlassenen Haus, zu welchem er mich nun führt, aber weil wir in einer wunderschönen Gegend sind und das verlassene Haus direkt am Meer steht, ist das sogar ein schöner Wohnumstand. Er bringt mich bis dorthin und wir philosophieren über unsere minimalistischen Lebensansätze. Bald merke ich, dass wir uns doch stark unterscheiden. Ich gehe in meinem Lebensstil ohne Geld völlig auf und genieße volle Freiheit, während er versucht zumindest ein wenig Geld zu haben. Durch diesen winzigen Unterschied ist er eine tatsächlich unfassbar arme Person. Limitiert durch das Geld, auf der Leiter der Gesellschaft beinahe ganz unten. Ich erinnere mich an die Zeit mit Martin in Spanien und von Sardinien bis nach Korsika. Ich lebte für diese Wochen mit Minimalausgaben und litt sehr unter dem Umstand. Als ich begann gemeinsam mit Frankh ohne Geld zu leben, nahm ich zu, lernte mehr Menschen kennen als jemals zuvor und wohnte an den unglaublichsten Orten. Es tut mir weh meinen Freund Christoph so zu sehen. Er ist 30 und konnte sich bisher wenige der größten Fragen seines eigenen Lebens beantworten. Trotzdem ist er herzlich und lädt mich gutherzig ein. Sein kleiner Raum ist mit einem Sandboden ausgestattet. Ein großer Karton ist die Unterlage auf welcher er schläft mit einer selbst gebastelten Box für all sein Hab und Gut. In dem winzigen Zimmer daneben, vielleicht in einem normalen Haus eine Dusche, steht ein großer Ast in einer Ecke und ist sein Kleiderschrank. Der Vergleich tut mir weh, aber er ist furchtbar wahr. Viele Nebenäste hat der große Ast nicht, aber Christoph hat auch nicht viele Klamotten, also ergänzt sich das ganz gut. Er bietet mit den Boden neben seinem Karton an. Für mich ist selbst das eine Besserung, aber vielleicht kann man als außenstehende, lesende Person erkennen, wie relativ unsere Lebensweisen sind. Ich entscheide mich gegen den Besitz, gegen den Komfort, gegen einen Ort an welchem ich bleiben möchte. Er möchte diese Dinge, aber bekommt sie nicht zu fassen. Würde er von ihnen loslassen, könnte er beinahe als Holy Man leben und vielleicht ein echter Rasta werden. Eine Lebensphilosophie in die er nur mal kurz reingelesen hatte. Ich bin furchtbar müde und er zeigt mir eine Wasserquelle in der Nähe des Hauses, aus welcher perfekt sauberes und leckeres Trickwasser kommt, nur fündig Meter entfernt vom Meer. Ich darf mich duschen und genieße das Miteinander. Meine Stimme ist übrigens kaputt, das hatte ich nie erwähnt. Von der Fahrt hierher mit dem Truckfahrer und den fünf Stunden Gespräch litten meine Stimmbänder extrem und ich spreche eine Oktave tiefer als sonst. Ich verliebe mich ein wenig in jene Bassstimme und wünschte sie behalten zu können, aber muss sie nach zwei Tagen wieder gehen lassen. Ich erinnere mich an Morgan Freeman, der mal bemerkte, dass er seine wunderschöne Stimme bekam, indem er lernte, wie er seine Stimmbänder zu entspannen hätte. Falls das eine Möglichkeit für jede Person ist, dann wäre es mir ein lieber Ansatz, jenes Ziel zu erreichen. Diese Stimme war toll, aber ich merke, dass es ein Problem mit ich bringt. Mein neuer Freund und der heutige Narugift hat großen Respekt vor mir und das sollte so ja nicht sein. Er ist cool aber ihm fehlt es an Selbstvertrauen und ich verstehe es. Seine Lebensweise trug bisher nur wenig Früchte und er verlor den Glauben an sich selbst. Wir lassen unsere Sachen dort zurück und laufen lange am Strand hin zu seinem Arbeitsplatz. Ich schaue wieder ganz aufrecht über die flache Fläche des graden perfekten Sandstrandes der grade brach in der Meeresebbe liegt. Wir kommen vorbei an der Kunstschule und dem deutschen Friedhof der Soldaten und Deutschen, die während des Abushiri-Aufstandes ums Leben kamen. Pech gehabt. Seine Arbeit ist in einer kleinen Bar die heute furchtbar voll ist, weil zwei Fußballspiele parallel laufen. Einmal bekommt Chelsea von Arsenal aufs Maul und das andere Spiel auf dem großen Bildschirm ist Senegal gegen Nigeria. Das Halbfinale des Africa Cups und medium interessant für jemanden, der grade mal Ball, Mensch und Tor benennen kann. Aber ich versuche mich sitzend ein wenig auszuruhen und das ist schön. Mir werden Zigaretten geschenkt und mein Christoph lädt mich auf ein Essen ein, für was ich sehr dankbar bin. Pommes in einem flachen Mantel aus Ei. Also Eierkuchen mit Kartoffeln mit scharfer orangener Soße und Salz. Toll. Ich bin allerdings sehr froh als es nach hause geht und nachdem wir die Düne hinunter zu jenem Haus stolpern, ist das Zelt ist schnell aufgebaut. Das Haus gehört einem Europäer und Christoph wird hier geduldet, weil der bezahlte Typ, der hier aufpasst, ebenfalls drin lebt, den Rasen schneidet und ähnlich existiert, ihn als seinen Freund zählt. So ist Christoph zumindest nicht obdachlos. Ich schlafe schnell und viel zu kurz, weil es inzwischen zwei Uhr morgens war. Als ich aufwache scheint die Welt dieselbe zu sein. Aber ich bin mir sicher, dass viel geschehen ist. 

Mein Narugift muss zur Arbeit und ich schließe mich diesem Weg an. Auf dem Weg schauen wir bei Obstständen vorbei und er besorgt uns wieder etwas kleines zu essen. Vorweg möchte ich erwähnen, dass ich ihn dafür entlohnen werde, aber dass er absolut nichts von meiner Fähigkeit zu zahlen weiß. Er ist selbstlos und hilft mit allem was ihm zur Verfügung steht. Während ich mich einrichten darf im Holzbankbereich von der Bar, beginnt er seinen Arbeitstag. Nach begonnenem Schreiben und fehlendem Fluss der Worte, starte ich stattdessen einen kurzen Spaziergang, meditiere in einem Baumschatten und komme dann an den Nachbarn der Bar entlang. Zwei nette Damen haben dort ihre kleine Schneiderei. Ein winziges Geschäft, welches in diesem Format wirklich überall zu entdecken ist, mit zwei Wänden die lückenlos mit Stoffen aller erdenklicher Farbenmuster bekleidet sind. Man verliert sich völlig im Beschauen dieser Wände und unter den Wänden sind zwei Tische und zwei uralte Singer Nähmaschinen mit den beiden Damen, die mich ansprachen. Ihre Nachbarin ist auch da und zu dritt hören sie meine Geschichte an. Jetzt steh ich hier zwar ohne riesigen Rucksack, aber ich schaffe auch als Körper allein meine Geschichte glaubhaft herüber zu bringen. Das Gespräch hatte katastrophal angefangen und sir hatten vermutlich keinen einzigen vollständigen Satz von mir erwarten können, aber umso gespannter waren sie dann, die gesamte restliche Geschichte zu hören. Dieses Geschäft war ein echtes Geschenk, weil hier grade ein großer Haufen Reste aussortiert wurde. Stücke die groß genug waren, wurden noch verwendet und in eine bunte Decke eingenäht, aber der Rest aus bunten Schnipseln wäre Müll geworden, also fragte ich nach ob ich mir nicht ein paar dieser kleinen Fetzen nehmen könnte. Niemand wand etwas ein, aber natürlich wollten sie wissen wofür ich den Stoff bräuchte… wenn es darum geht meine Leinenhose zu erklären ohne sie zu zeigen, ist mein Swahili, oder jede Sprache die ich kenne an ihrem Ende angelangt. Ich entschloss mich die Hose schnell anzuschaffen und die Reaktionen in den Gesichtern gab mir was zu lachen. Da sie meine Situation jetzt schon kannten und mich ohne es verstecken zu wollen mochten, fragte meine Helferin Konsulata nach der Hose um sie beschauen zu können. Zwei gerissene unbrauchbare Hosentaschen, eine Seitennaht mir fünf Zentimetern fehlendem Stoff, und ein rechtes Knie was völlig zerfetzt da war und nur von einem selbstgerechten Knoten im Stoff eine Illusion aufrecht erhielt. Ich kam meinem Ziel der Hose immer näher und Konsulata entschloss sich mir entscheidend zu helfen, indem sie ein paar Stoffe kostenlos einnähte. Aber nicht nur das. Als ich eine Stunde später wieder erschien und das Obst von Christoph mit ihnen teilte, gab sie mir sogar eine wunderschöne Nadel und eine kleine Spule mit grauem Stoff. Ihre Freundin von nebenan zeigt mir an einem kleinen Stück Stoff wie man eine Nadel zu führen hätte und wie jedes Mal, wenn mir etwas beigebracht wird, erscheint mir eine Welt aus dahinter liegenden Möglichkeiten aufzugehen. Ich bin begeistert und freue mich auf das eigene Experimentieren mit der Nadel. Tolles Buch übrigens, ‘Die Nadel’. War das Ken Follett? Von Christoph verabschiede ich mich kurz darauf um mir meine Tagesbeschäftigung zu suchen, aber ich weiß, dass ich schon sehr mal wieder hier sein werde. Ich mache mich auf den Weg durch Bagamoyo und sterbe ein wenig bei jedem Schritt durch den glühenden Sand der Straßen, vorbei an der deutschen Boma, ein großes Edelhaus, welches von den deutschen Besetzern erbaut wurde und die höchsten Gäste des Heimatlandes hier empfing. Ich sehe die großen und kleinen Schiffe am Meer und den Fischmarkt genannt Soko ya Samaki. Kleine Eingänge verbergen Schönheiten für Touristen mit netten Namen wie ‘Poa Poa’. Kunstgeschäfte stellen ihre Kunst aus, Ketten aus Perlen und Muscheln aller Art hängen von der Decke der heraus auf die Straße ragenden Holzüberdachungen. Ich spreche einen netten Mann vor einem Kunstgeschäft an, der grade konzentriert das schwarze Band eines neuen Armbandes knöpfte und über den geflochtenen Korb voller Muscheln gebeugt da saß. Wir quatschen kurz und ich frage ihn, ob ich mich neben ihn in den Schatten auf den Boden setzen darf. Anstatt mir das zu erlauben, steht er auf und führt mich in sein Geschäft und durch die hintere Tür in den privaten Hintergarten der umzogen ist von barackenartigen, ewig alten und kaputten Steinmauern vermutlich aus Kolonialzeiten. Am hintersten Ende des langerstreckten Gartens sitzen vier Personen um einen Tisch herum auf unterschiedlichsten Unterlagen. Eine Holzbank, ein Plastikeimer, ein kaputter Plastikstuhl auf einem hüfthohen Baumstand aufsitzend und einer steht. Sie umrunden zu viert einen kleinen Tisch mit Pappauflage, auf welcher ein Dominospiel in seinen nervenzerreibenden Endzügen liegt. Alle sind gebannt auf das Spiel als ich dazu trete und weil die Atmosphäre eine sehr angenehme ist, erlaube ich mir zu meditieren und zu ruhen. Die Endphase des Domino Spiels wird ausgetragen zwischen einem uralten Mann der einst Geschichtslehrer war und einem jungen Familienvater mit lang zurück liegenden indischen Wurzeln. Eine wahnsinnig hübsche Person, die ich zu meiner großen Freude bald wieder treffen würde. Der Rastafari neben mir verzehrt grade sein gut riechendes Lungenbrötchen in tiefen Zügen und ich fühle mich unendlich wohl in der schattendurchwobenden Nachmittagssonne und diesen Menschen um mich herum. Nach ein paar Minuten der Meditation, abgehalten auf dem Tuch sitzend, welches ich sonst immer um meinen Schädel herum trage, stehe ich wieder auf und mache mich auf den Weg hinaus in die fußläufig zu erreichende Welt. Mich treibt es zum Fischmarkt, was unmöglich überlegt gewesen sein kann, und das merke ich spätestens auf der rutschigen Oberfläche des Betons, der Schicht aus Schuppenschnee und dem Geruch nach frischen, aber nicht sehr frischem Fisch. Ich laufe einmal hindurch und befasse mich mit keinem Fisch länger als ein paar Sekunden, weil meine Konzentration zu sehr auf meinem flachen Atem liegt. Auf schmutzigen Sand angekommen laufe ich nach links, ohne zu wissen wohin. Mein angestrebtes Hotel muss auch irgendwo hier sein, aber ich habe kein Interesse zu wissen wo, um dem Ort so lange wie möglich fern zu bleiben. Der Sand wird wieder heißer und weißer, und während ich den Strand entlang tappse, versinke ich ein ums andere Mal und muss lange Seile übersteigen, die Boote im Wasser an ihren Flecken halten. Alles unbeschadet. Die Fischer schauen nicht schlecht und finden den Umstand meiner Sprachkenntnisse ebenfalls hoch erfreulich. Meine Fußreisen zu der Zeit sind immer nur von kurzer Dauer. Der leere Magen und die Hitze von oben und von unten helfen dem Fakt nicht, dass ich kein wirkliches Ziel habe und mehr oder weniger schon angekommen bin, aber eben nicht weiß wo ich hingehöre. Motivationslos treffe ich mich im Bootsschatten mit zwei Kindern, die laut lachend kleine Fische vom Sand befreien und sich angeregt miteinander unterhalten. Ich frage ob ich mich zu ihnen legen könnte und kriege so ein paar Minuten körperliche Ruhe, während diese beiden Racker nicht aufgeben, mit mir ein Gespräch anfangen zu wollen. Ich bleibe still und simuliere Schlaf was die beiden nervt. Die beiden nerven mich aber auch und ich fühle mich wie ein Kind indem ich einfach doof zurück bin und nichts antworte. Mir fehlt mentale Energie um so zu sein wie ich eigentlich sein möchte und ich hätte mich gefreut schlafen zu können, aber es scheint nicht der richtige Ort zu sein. Die Beiden fragen nach Geld und ich schenke ihnen stattdessen eine ein Meter lange Kette aus Messing, die ich vor bestimmt fünf Jahren mit Papa in Deutschland in einem Obi gekauft hatte. Ich mochte die Kette unglaublich, aber habe sie schon zu lange nicht mehr in den Händen gehalten, als dass ich nun noch wirklich an ihr festhalten könnte. Die Jungs freuen sich kurz, bevor sie auf den Gedanken kommen, dass der zweite Junge noch fragen könnte, ob er nicht auch ein Geschenk bekommen kann. Dann bin ich durch und gehe. Es war sehr schön im Schatten zu liegen und das alte Holz über mir vor dem Himmel zu haben, die Sonne die durch die Lücken scheint, das Meeresrauschen, der weiße weiche Sand, die kleinen geschwungenen Muscheln, im Sand und an der durchwachsenen Holzkruste des Bootes. Keine Wolke am Himmel mit der perfekten Temperatur des Schattens und der leichten Meeresbrise. Als ich gehe überquere ich den Sand und komme in das gepflegte Grün eines teuren Außenbereiches von dem Hotel und seinen hübschen kleinen Häusern direkt am Meer. Ein Mann, der in den typischen Tüchern der Maasai, deren Schuhen aus schmalen Gummireifen und einem schrumpeligen Loch im Ohrläppchen, vor jener Anlage stand, kam offen und freundlich auf mich zu, um mir weiter zu helfen. Ich scheine noch verlorener auszusehen, als ich mich fühle. Dieser neue Freund stellt sich mit dem Namen Saningo vor und hätte mein eigener Vater sein können, basierend auf der Liebe in seinem Gesicht und seinen Augen, mit welchen er mich anschaut. Ich mochte ihn sofort sehr und er versucht mir zu helfen, indem er den Security Angestellten der Hotelanlage anruft. Das Telefon in seinem Besitz ist ein echter Block. Es sieht aus wie ein ewig großes Handyspielzeug, mit fingernagelgroßen Tasten und der Dicke eines Fisches. Dass nach diesem Telefonat tatsächlich jemand erscheint, kommt mir wie ein technisches Wunder vor. Jener neue Charakter hatte allerdings nur beizutragen, dass das Gelände grade ausgebucht wurde von einer Gruppe und dass tatsächlich niemand erlaubt wäre, hinein zu kommen. Stattdessen deutet er mir den Weg um das Grundstück herum und meint, ich käme dort zur Straße. Ich verabschiede mich also und laufe in die Richtung und sehe eine Art Restaurant. Ein relativ großes runder Steinhaus mit einem Dach aus den gebundenen Palmenwedeln. Draußen sitzen Menschen und essen und meine Lust auf Essen gibt mir eine witzige Idee. Ich komme auf einen der dort arbeitenden Menschen zu und frage den guten Mann, ob er mir vielleicht sagen könnte, wo in der Nähe ein Baum mit essbaren Früchten wachsen wurde. Dass sowas höchst unwahrscheinlich ist, war mir total bewusst, aber auf der anderen Seite konnte ich in wenigen Worten klar machen, in welcher Situation ich stecken muss, um nach Obstbäumen in Bagamoyo zu fragen. Er fragt ein paar weitere Fragen und kennt mich danach ausreichend, um seinem Chef von mir zu berichten. Ich spreche auch mit ihm und er ist gütig, lädt mich herein, gibt mir einen Teller und zeigt mir die Töpfe mit Essen. Ich nehme bescheidend wenig, was mir später die herzliche Einladung einbrockt, mir gerne nochmal nachzunehmen und dann bin ich auch heute wieder mal voll und bräuchte nichts weiteres außer Sicherheit bei Nacht. Ich genoß Reis und Bohnen, Fischsoße und grünen Salat. Falls dir auffällt wie oft ich das selbe Essen beschreibe, dann liegt das genau an der einen Sache, dass es für einen zuckerverabscheuenden Fleischmeider wie mich nur begrenzte Auswahl gibt. Entweder Ugali, Reis oder Kartoffel. Entweder Bohnen oder rote Sauce oder Grünzeug. Entweder Mango, Banane oder Wassermelone. Die Angestellten sind sehr freundlich und die hübsche Schwester hat den wunderschönen Namen Loetha, welcher durchaus zu ihr passt. Der gute Mann, welchen ich nach dem Obstbaum fragte, möchte mir nun doch noch ein wenig weiter helfen und hier komme ich in einen Konflikt mit mir selbst. Ich möchte ihm nicht sagen, dass ich ein Hotel ansteuere, das würde meiner Geschichte irgendwie widersprechen, auch wenn es stimmt, und aus meiner Arbeit in Mwanza kann er nur schließen, dass ich Doktor bin und das Krankenhaus in Bagamoyo suche. Er führt mich zu jenem, welches nur einen kurzen Fußweg entfernt steht. Und dann steh ich da nachdem er geht. Kein Plan was ich aus der Situation am besten hätte machen sollen. Meinen Bugando Hospital Ausweis hätte ich in den Taschentiefen parat, aber das Krankenhaus schien es doch nicht zu sein. Also bog ich in die entgegengesetzte Richtung ab nachdem mein Helfer außer Sichtweite war und tauchte in die Nachbarschaft der Bevölkerung von Bagamoyo ab, abseits des deutschen Pflastersteins der Hauptstraße, weg von den meisten Geschäften, weg von allen Hotels und Gasthäusern. Dafür wieder da, wo man der Luftlinie wieder ziemlich gerecht werden konnte, weil man an allen Grundstücken vorbei kommt, ohne dass Zäune einen Weg zu sehr sperren würden. Die Fassaden nehmen vermehrt die Farbe des Sandbodens an und ich treffe wieder vermehrt auf Kinderscharen, die ihren Abend mit Spiel gestalten. Entweder werden Fahrradreifen durch die Straße getrieben oder mit Flaschen auf den Boden gehauen. Kleinere Gruppen aus Kindern laufen gemeinsam umher und unterhalten sich nett, andere wirklich kleine Menschlein erblicken mich freudig und winken mir zu und üben grade noch Poa zu sagen und Hosen zu tragen. Beides funktioniert bei ihnen bisher nur halb. Boodas fahren vorbei und grüßen in dem mir inzwischen total gängigen Straßenslang, der nicht cooler sein könnte. Der Fakt, dass es einzelne Worte gibt, die es zu beantworten gilt, bevor man wirklich anfängt zu reden, scheint einen großen Aspekt der Interaktionsfreude auszumachen, wenn man schon mit dem hin und her werden von Worten beginnen kann. Menschen scheinen sich einfach über ihre eigene Sprache zu freuen. Und ich freue mich über Leute, und sie sich über mich. Vor allem die Kinder. Und als ich mich auf einen Steinblock an einer blauen Hauswand setze, bekomme ich auch bald Besuch. Erst lese ich noch vermehrt in meinem Buch Atomic Habits, und anschließend beginne ich eine Blockseite mit meiner Handschrift zu füllen, auf welcher ich das erste Mal mit Absicht versuche etwas lustiges zu schreiben. Ein Disaster und nichts dergleichen war das Resultat, aber Übung müsste wie immer die richtige Richtung sein, oder nicht? Ich wäre so gerne humorgesegnet. In der Grundschule war ich noch ein wandelnder Witz, aber irgendwas scheint wohl abgeblättert und ergraut zu sein. Definitv eine Richtung in die ich mehr stecken möchte. Problem Numero Zwei heißt Sprache, und ich merke täglich wie ich 50 Prozent meines Charakters in Englisch einbüße und 95 Prozent in Swahili. Ich glaube noch fern von swahilianischer (falsch!) Komödie zu sein, aber trotzdem lachen die Menschen hier um ein Vielfaches mehr mit mir, als jene in Deutschland. Liegt wohl weniger an mir. 

Mein Abend hätte hier sein Ende finden können. Ich sitze an einer Mikroskop-Kreuzung und meine Füße sind auf Gras gesetzt. Genau hier hätte ich mein Zelt hinvisionieren können, aber es sollte anders kommen. Der Beginn der Änderung geschieht durch beschriebene Kinder, die zuerst angelockt von Worten gefallen finden und am Ende dazu strömen, weil schon viele Andere dabei stehen. Zuerst lerne ich 13 neue Namen und dann versuchen wir voneinander zu lernen, warum wir hier sind. Bei mir macht das weniger Sinn und so möchte ich ihnen klar machen, was mir bevor steht. Ich packe mein schönes schwarz-orangenes Zelt im blauen Beutel aus und übergebe es den Kindern zum Aufbau. Ich gebe Anweisungen und deute Erklärungen ohne das Material selbst zu berühren und sie versuchen es gemeinsam bis sie es rausfinden. Ein wirklich spannender Prozess. Das Zusammenstecken der Eisenstange, das Durchfedeln in der orangenen Stofföse, in welcher die Stange dann gebogen wird und den Thaleskreis zum Dach spannt. Dann lade ich alle ein Teil des Innenraums zu werden und für eine kurze Zeit in das Innere selbst hinter luftigen Moskitonetzen sehr stickig, aber Freude gibt es reichlich. Wir bauen es wieder ab und ich nehme meine weiße Schnur zur Hand, welche mir damals in Spanien mit Martin geschenkt wurde, als mir an den Stränden von Altea die erste Seite meines Rucksackes riss. Wir standen in jenem Moment neben Bauarbeitern und eine vorbei laufende Frau dolmetschte flüssig was mir fehlte und wie bei einem Wunder zauberten diese Herren dann das weiße Band hervor, welches ich nun in sieben Kinderhände auf der einen Seite legte und in sechs auf der anderen, bevor ich ihnen deutete zu ziehen. Ich nutzte das Band immer, um meine beiden Schulterträger miteinander zusammen zu binden und den Druck von meinen Schultern ein wenig zu lindern. Das ganze funktioniert so middi, aber loswerden würde ich es trotzdem niemals. Schnüre und Zurrgurte haben mir dafür schon zu sehr weiter geholfen. Zum Beispiel in Norwegen auf dem Weg runter von einer Steilwand. Auf wenn es nur sechs Meter waren, hätte ich es ohne Zurrgurt wohl eher nicht geschafft. Zurück bei den Kindern verlor die eine Seite, was zu erwarten war, weil irgendjemand immer verliert wenn zwei Seiten aneinander reißen. Die Schnur blieb heile, die zurück schnellenden Kinderköpfe auch. Und ich hatte vor es so zu machen, wie jemand der beim Tauziehen versehentlich in der falschen Mannschaft mithilft, denn ich wollte mich verziehen. Jetzt ist dieser Spruch schon seit sechs Jahren fest verankert in meinem Schädel und meinem Humor und alle Jahre wieder nutze ich den Spruch auch, aber nichts in der Welt könnte ihn weniger zu dem geklauten Gag machen, der er nun mal ist und deswegen wieder Props oder Werbung an Lobrecht, von dem ein Großteil meines Witzerepertoires stammt. Ich muss wirklich anfangen mir was eigenes auszudenken. Kann’s ja nicht sein…

Eine Mama lief vorbei, sah mich mit den Kindern spielen und hatte eigene unter ihnen, hörte meine Swahili Kenntnisse und lud mich zu ihr nach Hause ein, weil sie auch genau nebenan wohnte. Diese Einladung wollte ich wahrnehmen und ich packte alle Sachen wieder zusammen, sagte bis bald zu den kleinen Freunden und besuchte das Haus meines neuen Narugifts. Sie hatte zwei Töchter und einen Sohn um sich herum und ich setzte mich nach der Begrüßung von allen vor sie auf den Boden und erzählte wer ich bin, was ich so machte und wo ich vorhatte heute Abend zu schlafen. Bis dato noch auf dem kleinen Grasspot. Wir unterhielten uns ganz schön lange und sie meinte, dass sie ein freies Zimmer hätte und dass ihr Essen für alle reichen würde. Ich war sehr dankbar. Dann kam ihr Nachbar hinzu, ein Fischer aus Bagamoyo und sein Englisch war ein ziemlich gutes. Auf jeden Fall verstand er das aller Meiste von dem was ich ihm erzählte und wir hatten einen ziemlich tiefen Austausch mit ein paar Leuten die um uns herum auf dem Sandboden saßen, während die Sonne völlig verschwand. Ich durfte sehr viel erzählen, von der Welt die ich sah, von den Meinungen der verschiedenen Orte in Tansania, von Schnee und von Lieblingsmusik. Am Ende wurde ich aufgefordert zu singen, was ich noch nie davor bei Aufforderung getan hatte. Ich sang Daniel Caesars’s ‘Get You’ wie eigentlich immer, wenn ich etwas vorsang. Jenes für meine höchste Kopfstimme und Bo Burnham’s ‘Welcome to the Internet’ für meine Stimmentiefen. REN hat ein Lied namens ‘Money Game Pt. 2’ welches ich für den Inhalt immer und immer wieder besingen könnte und wenn mir eine Gitarre gegeben wird, dann wäre ich relativ schnell bei Billie Eilish’s ‘Happier than ever’ oder ‘Riptide’ von Joy. Mit einer besten Freundin im Badezimmer ist mir aber auch schon ungefiltert ‘White Rabbit’ von Jefferson Airplane rausgerutscht und wenn man da nicht aufpasst, dann tanzt man auf einmal auch, obwohl man dachte das nicht zu können. So… did wa did. Hamwa! Bei der Familie gab es eine schöne Portion mit Ugali und ich teilte mir dem kleinsten Bruder, der kleinsten Schwester und der Ältesten. Ich saß also bei der Kinderrunde dabei und das war richtig schön. Mir wurde das gekochte Okra vermacht und inzwischen liebe ich Okra über alles… an was man sich nicht alles gewöhnen kann. Fischsoße dazu und Mchicha, bevor ich dann zur Dusche geführt wurde, frisch wieder heraus kam, dann von Mama’s ältestem Sohn konfrontiert werde, der vorhin aufmerksam lauschte bei meinem Plan im Leben und er stellte mir all jene unangenehme Fragen, denen ich selber immer wieder aus dem Weg ging, oder mich selbst mit einer offensichtlichen Illusion abspeiste. So tat das Gespräch zu großen Teilen einfach nur weh, aber war genauso essentiell, weil ich mich nicht ausreichend selbst damit beschäftige. Ich halte zu sehr an Ideen fest, zu denen es aus dem Stand jetzt nicht kommen kann. Sowas wie Familie zum Beispiel. Ich meine, ich träume davon buddhistischer Mönch zu werden… in welcher Welt passt da eine Familie hinein. Weder als Weltreisender, Geldbefreiter noch als Mönch. Probleme und Umstände meines Zukunfts-Ichs. Ich baue mein Zelt auf und brauche das dicke Räucherstäbchen nicht, welches sie mir geben wollten, als Mittel gegen ‘Malaria-Mücken’. Der Vater der Familie kommt nach Hause und freut sich mich da zu haben und ich treffe ihn morgen früh noch ganz kurz, bevor mich der Nachbar mit dem ich so viel geredet hatte, mit zu seiner Arbeit nimmt. Wir werden um sechs Uhr morgens aufbrechen und so beginnt der Tag meines Seminars. Ich wache um 5:30 auf und beginne mit der Routine meiner morgendlichen und einzigen Liegestütze, danke einem Gott den ich noch nicht ganz definieren kann, dafür heute aufgewacht zu sein und verspreche diesem höheren Sein mein Bestes zu geben, um als ein Instrument des Friedens in dieser Welt zu agieren. Dann packe ich schnell, umarme die Mama des Hauses und wünsche beiden Elternteilen alles Gute für ihre Familie, und sage ihnen irgendwann wieder vorbei zu schauen. Ich klopfe an der Nachbarstür und keine Minute später sind wir auf dem Weg zum Strand am Fischermarkt. Wieder durch den selben Fischmarkt, welcher diesmal völlig sauber und frei ist. Ich lege meinen Rucksack für eine lange Weile in ein kleines Schiff am Strand und stehe mit meinem Freund dort und lerne ein paar Menschen erkennen. So, und jetzt liegt es an dir. Erinnerst du dich an den Hintergarten des Kunstgeschäftes, in welchem ich das Domino Spiel zwischen altem Weisen und hübschen jungen Vater beobachtete? Genau dieser grüßt mich grade und ich strahle ihn an, weil ich ihn sofort erkenne. Er ist furchtbar cool und unsere positive Wahrnehmung beruht auf Gegenseitigkeit. Er löst mich von meinem Freund davor ab und ich verabschiede ihn. Dieser Freund heißt Gihani, aber wird von allen Gi genannt, ist hier irgendwie halb am arbeiten und sozialisieren, halt nur einem Kumpel mit seinem Geschäft aus und hat sonst irgendwie nichts zu tun. Wir stellen uns bei allen Etappen des Fischgeschäfts dazu. Wir sehen aus der Ferne die kleinen Holzboote von Zanzibar zurück kommen und wie sie dann von Menschen schon im Wasser stehend begrüßt werden. Diese bringen den Fisch an den Strand und dann  stehen Trauben um sie herum, um diese Körbe voll mit Fischfleisch wieder zu erwerben. Am Anfang gibt es vor allem nur den kleinen Fisch namens Dagaa. Er erklärt mir die einzelnen Verkaufsschritte bis der Fisch auf der Theke für den örtlichen Kunden landet. Wir laufen umher und später machen wir uns auf den Weg durch die Stadt. Auf dem Weg treffen wir einen sehr alten Mann mit einem flachen Korbgeflecht in welchem uralte Münzen zu finden sind. Ich frage ihn und er meint, jene von einem sehr alten menschen eines Dorfes gekauft zu haben. Es zeigt die Münzen der tansanischen Anfangswährung und selbst noch jene Münzen, die von den Deutschen und Arabern benutzt wurde um zwischen dem Festland und Zanzibar Handel zu betreiben. Deutsche Heller sind zu finden und eine Münze mit arabischen Embleme auf der einen, deutschen Adler auf der anderen Seite. Ich hab kein Geld und glaube mir das selbst und wir weiter. Er erzählt mir vieles von der Stadt, aber auch über Politik und Handlungen der einzelnen Präsidenten. Einer kam aus Bagamoyo und hatte den geldgierigen Move vollbracht die Poststation des Ortes in ein großes Hotel zu verwandeln. Das ist laut seiner Erzählung ein wahnsinniges Minus für die Bevölkerung Bagamoyo’s gewesen. Ich lerne über die deutsche Boma und nahe zu ihr wohnt er auch. Bei ihm zuhause darf ich mich ausruhen, seine Familie kennen lernen, den selbst produzierten Saft des Familiengeschäftes Ukwanju probieren, seinen kleinen Garten sehen und eine grüne knackige Frucht probieren, mit der gewürzt wird, die mir aber direkt die Zungenspitze verätzt und mich doof guckend zurück lässt. Er geht nochmal auf Wanderschaft und ich darf in seinem Zimmer schlafen. Später schreibe ich und lese dann Atomic Habits zu Ende! Yay. Das nächste Buch wird dann vermutlich ‘Theosophie’ von Rudolf Steiner oder ich lese ‘Also sprach Zarathustra’ weiter, das lief ja auch super. Oh Gott! Ich hätte theoretisch auch endlich mal mein eigenes Buch fertig zu schreiben. Da komme ich auch schon wieder seit Wochen nicht zu. Wurst. Bin jung und hab vielleicht noch Zeit. Als mein Freund Gi wieder da ist, viben wir noch eine Weile, aber ich merke, dass ich definitiv zu spät kommen werde. Ich kann der Familie das Mittagessen nicht ausschlagen und es ist ein großartiges Essen aus Pilao und Mango und Shrimps und Kartoffel und Erbsen und Soßen und zweiten Portionen. Danach bin ich voll und bereits fünf Minuten zu spät. Wir beginnen unsere Reise zu Fuß und er wollte mir den Weg zeigen, aber als ich den Namen des Hotels sage, bemerkt er wie weit das entfernt ist und er bietet mir an, schnell zu sich zu eilen, zwei Fahrräder zu schnappen von seinem Dad und dann dort hin zu fahren. Die whol coolste Idee, die ich je gehört habe. Der Gang zu seinem Familieninnenhof ist beinahe zu eng für mich mit Rucksack und wird mit Fahrrad an der Seite auch nicht breiter, aber danach stehe ich auf der Straße mit einem Dinosaurier aus Metall in meiner Hand und Gi hat auch eins. Mit dem zwanzig Kilo Rucksack steig ich auf und mache mich in dieser tollen Gemeinschaft laut lachend und mit klappernden Geräuschen auf den Endspurt hin zu meinem vier Wochen angepeilten Ziel. Wir fahren über frischen Teer, eckigen Pflasterstein der wie die Straße meiner Großeltern in Brandenburg aussieht, vorbei an den Palmen und Booda Fahrers, dem Fischmarkt und den Geschäften aus Pflechtwerken und Kunststücken. An dem Krankenhaus, an Blicken auf den Strand, an Kirchen und Moscheen. Alles ist salama, sehr friedlich und ich habe überlebt. Nur eine halbe Stunde komme ich zu spät. Reich an einem neuen Erlebnis und bereit das nächste Kapitel aufzuschlagen. 

#19 TZN-Journal - Das Leben des Meeres