Das Sengerema-Journal
Natur! Loana und ich vermissen beinahe nichts, außer ein bisschen Zeit abgeschottet in der Natur. Unser Zuhause ist dabei schon weit genug von Mwanza und auf einem wunderschönen Hügel mit genug Grün, mit genügend Steinformationen zum beklettern, mit reichlich wildwachsenen Bäumen von denen man Früchte pflücken könnte, gelegen und trotzdem fehlte uns eine gewisse Freiheit, die einem die Nähe zu Menschen und der Stadt einfach nicht geben kann. Wir wollten einmal kurz raus kommen! Nichts schien einfacher und nichts sollte sich als einfacherer herausstellen. Ein Blick auf die Karte verriet mit die nächste Stadt, die man bereisen könnte und ihre Nähe zu den Ufern des See Victoria’s machten sie entschieden zu unserem ersten gemeinsamen Reiseziel. Sengerema ist der Name unserer schönen tansanischen Nachbarstadt!
Jetzt hab ich ja ein bisschen Erfahrung was das Backpacking und Campen angeht und überzeugt davon, dass wir das auch dort bringen könnten, war ein Teil meines großen, ziemlich kaputten Rucksacks mein wundervolles Zelt in dem wir beide übernachten wollten. Loana hatte das letzte Mal mit 13 Jahren gezeltet, aber war trotzdem guter Dinge und positiv gestimmt.
Du liest ein Journal. Geschrieben hatte ich mein tägliches Journal unabhängig von diesem in Englisch, aber orientiert an dem Inhalt werde ich unser Erlebnis Schritt für Schritt, Moment nach Moment wiedergeben, und bei wichtigen Stellen ein paar Dinge ausweiten und beschreiben, damit unsere Vorstellung auch was davon hat. Ich hoffe, dass solch ein Erlebnis, welches uns zuteil wurde, auch für dich eine Art Lese-Erlebnis werden kann, bei dem du einen Einblick in ein kleines Dorfleben bekommst, in eine Schule, in die Gegend an diesem Seestück, Landschaft und Tiere, aber natürlich auch ihre Menschen, unsere Köpfe und das Leben an anderen Orten. Es soll für jeden ein bisschen bereichernd sein.
Wenn wir dieses Wochenende überleben, dann weißt du auf jeden Fall das Campen in Tansania auch funktioniert und jetzt echt nichts mehr dagegen spricht, dass du dir ein Zelt schnappst und so ein Erlebnis für dich selbst nachholst. Ob alleine im Wald oder mit Freund, Freundin oder Vielen auf einer schönen Wiese. Hauptsache Natur und Abgelegenheit. Hinterlasse bitte keinen Müll, behandle Mama Natur wie deine eigene und bleibt gesund und munter. Viel Spaß und lerne Sternenkonstellationen, sobald du die Zeit dafür findest! Danke. Ende der Durchsage -
Mein 7:30 Uhr Wecker tat genau das was er schon vermuten lässt und weckte mich um halb acht. Weiterschafen war trotzdem drin und nur mit Mühe war bald danach meine große Wandertasche mit dem braun grauen Camouflagemuster gepackt. Alle erdenklichen Punkte dieser Tasche waren schon gerissen und Nahten waren die freudigen Nachbarn von ein paar hübschen, selbst beigebrachten Knoten. Ich packe eine Regenjacke und einen Pulli ein, natürlich den lila Strickpulli aus Kanada, der Einzige in meinem Besitz. Mein kleines rotes Päckchen der Erste-Hilfe kommt mit uns und aus Mitleid vor mir selbst, binde ich zwei Schlappen an die Außenseite des Rucksacks, damit falls meine nackten Füße die heiße Straße und ihre Steinchen nicht mehr aushalten, ich nicht Loana bräuchte um mich Huckepack nach Hause zu tragen, sondern immerhin so weiterlaufen könnte. Ich habe grade eine kurze schwarze Sporthose von meinem Tischtennisverein SV Unterknöringen der Jugendzeit an, aber nur zu dem Zweck, später meine Leinenhose drüber zu ziehen… erinnerst du dich an das letzte Kapitel? Da hatte ich dir beschrieben wie vorbildlich und bildhübsch meine Leinenhose nach ihrem ersten Waschen wurde und wie sie jetzt zwar blitzeblank, aber stark eingerissen in meiner Hand liegt. Der Riss zieht sich über meinen ganzen Hosenboden und ist trotz meiner großen Fähigkeit nicht viel auf anderer Menschens Denken zu geben, nicht mehr vertretbar. Deswegen gehts zuerst zum Schneider meines Vertrauens.
Loana ist trotz ihrer Nichtkenntnis des Kommenden zehn mal besser gekleidet als ich und ich bin verwirrt wie tief ihre Koffer sind, dass ich bis jetzt immer noch nicht alle Outfits kenne. Sie hatte unsere Zettel der Vorbereitung für das FSJ in Tansania definitiv besser gelesen als ich und rausgefunden, dass zwei große Koffer im Gepäck inklusive waren. Ich hab bisher aber auch kein Problem mit meinem gehabt. Unterhosen sind zum Waschen da und Socken brauche ich keine. Mein Rucksack hat reingepasst und das Zelt da… Gepäck vollständig. Dafür kann ich einen zweiten Koffer hier kaufen und ihn mit Zuckerrohr und Baobabkernen füllen.
Unser Mentor Peter schaut uns beim fertig werden zu und sagt uns, dass wir nicht campen sollten. Er erzählt uns von Tieren aus Filmen und wir bedanken uns recht herzlich. Unsere Hündin kommt ins Haus, weil wir sie nicht mitnehmen dürfen. Zwar hatten wir das vor, aber wieder durch Peter, durften wir lernen, dass Tiere im öffentlichen Nahverkehr ein absolutes Verbot sind. Schade Paula. Pole (Verzeihung).
Bei unserem ersten Versuch uns vom Grundstück zu schleichen, erblickt uns Mama Mary leider sofort und neben einem herzlichen Guten Morgen kriegen wir noch Tee und Brot serviert. Wir versuchen uns trotz der Gefahr auf Brandblasen zu beeilen und verdrücken uns direkt danach mit Asante- und Kwaheri-Rufen. Danke und auf Wiedersehen.
Wir latschen los. Den Weg nach rechts unten, der Sandboden durchzogen von den kleinen Kanälen in denen sich durch natürlichen Lauf die Wasserströme bei Regen fressen. Plastik liegt verteilt an den Rändern und von hier und dort schauen uns kleine wunderschöne Kinderköpfe von den Eingängen der Häuser her an. Wir grüßen Mamas bei ihrer vormittäglichen Arbeit und ich versuche barfuß nicht in die Pfützen zu treten, von deren Bakterien und Würmern ich schon von verschiedenen Seiten gehört habe. Heute soll es noch mehr um dreckiges Wasser gehen, aber wir wärmen uns jetzt schon mal damit auf. Als wir an unsere Wegkreuzung kommen, dürfen wir das erste Mal entscheiden wo wir hingehen und mit dieser ersten Entscheidung, die bereits von der Norm abweicht, kommt das altbekannte Gefühl des Reisens wieder… was wartet hinter der nächsten Ecke? Wer wird wohl die nächste Person auf dem Weg sein, die wir kennen lernen? Was dürfen wir als nächstes schmecken und wo schlafen wir diese Nacht. Nichts davon ist uns bis hetzt bewusst, und wir können nur sicher sein, dass es alles eintreffen wird. Mit schnellen, entschlossenen barfüßigen Schritten, gehen Loana in Tracking Schuhen und ich den Weg entlang und treffen auf die erste Rinderherde, die wir bisher sehen durften. Umso weiter wir von Mwanza weg reisen werden und aufs Land kommen, umso häufiger werden sie. Da wir noch oft über welche stolpern, fange ich am besten jetzt schon an sie zu beschreiben, damit wir einen Durchblick haben. Die Menge aus wandernden Körpers besteht aus zwei Händen voll Ziegen und doppelt so vielen Kühen. Von klein, weiblich oder Bulle ist alles dabei und wir bewundern das glatte hübsche Fell der Kühe. Wir schmunzeln über die kleinen Haarbüschel der Kälbchen und ihren entzückenden Versuch über die unebenen Steine Schritt mit ihren Mamas zu halten. Die Bullen tragen eine große große und feste Blase zwischen den Schulterblättern, welche hin und her schwingt und aus Fett besteht. Es sind nicht die größten Kühe, die ich jemals sah, aber eine Sache übertrifft alles davor Erdachte und das sind eindeutig die dicken und ewig langen Hörner, die sich gen Himmel schwingen. Manche sind so dick wie ein Kinderbein. Andere sind so lang wie ein Kinderbein. Die dunklen Brauntöne des Fells erinnert mich an die Pferde mit denen ich aufwuchs und die Muskelmassen unter der Haut entspannen und schwingen bei den Schritten, und zittern beim Aufkommen der schweren Schritte. Wir laufen ganz nahe an ihnen vorbei und die Ziegen rufen uns empört entgegen. Ein junger Mann mit einer zerfledderten rötlichen Wollmütze treibt die Herde an und stolziert mit einem Stock durch seine Tiere.
Wir laufen 15 angenehme Minuten den Berg hinunter auf dem wir unser Jahr verbringen und beginnen zu spüren, was diese Sonne noch mit uns anstellen wird. Ich müsste meine Käppi in zwei teilen, um meinen Nasenrücken und meinen weißen Nacken vor dem Kommenden zu bewahren. Unten am Berg angekommen laufe ich auf die kleine Nische eines Geschäftes zu, welches 1.5 Meter breit ist und vier Meter hoch. Es ist wirklich nur ein Gang der fünf Meter in den Zwischenraum zweier anderer Gebäude führt und auch als Geschäft zählt. Hier drin sitzen zwei Schneider an zwei uralten Singer Nähmaschinen. Beide haben einen Haufen aus Projekten und Abfallstoff neben sich und der hintere der Beiden ist mein bereits bekannter Freund von letzter Woche, als er meine Jeans zusammen flickte. Jetzt überreiche ich seinen alten, zierlichen und geschickten Händen beinahe schon stolz den Fetzen aus Lumpen und ein wenig weißen übrig gebliebenen Leinen. Er schmunzelt und beschaut sich das Stück durch seine winzige Brille, mit dem goldenen Rahmen, aber grade mal daumennagelgroßen Gläsern. Seine Unterarme haben hervortretende Adern groß und klein, sein Kinn ist sauber rasiert und seine Haare sind ergraut und luken unter der Kappe der Muslime hervor. Darf man hierfür den offiziellen Namen anfragen?
Ich investigiere mit ein paar zusammen gewürfelten Swahili Worten, ob ich in einer Stunde wieder da sein darf, um sie abzuholen und nachdem wir uns gemeinsam anschauen wo der Stoff wie angebracht werden soll, gehe ich mit dem Gewissen einen sehr erfahrenen und gutherzigen Menschen an meiner liebsten Hose aus Ölfarbe, Edding und Stoffen aus der Welt zu haben. Loana und ich setzen die Rucksäcke zurück auf unseren bereits klitschnassen Rücken und dackeln hinunter zur Hauptstraße, wo ein Imbiss unsere Stunde schmücken wird. Wir bestellen einen Teller voll mit frischen Früchten. Mango, Avocado, Wassermelone, Banane und Gurke liegen vor uns und zusammen mit drei ungeübten Pfannkuchen, genannt Chapati, geht es mit vollem Magen in die Wartepause, beschenkt von einem Smoothie aus Passionfrucht und Mango. Wir sind uns einig, dass dieser der Beste aller Smoothies bisher war.

Danach kehren wir zum Schneider zurück und beobachten seine letzten zehn Minuten der präzisen Arbeit, in der er nicht nur den Hosenboden final repariert, sondern ebenfalls den Riss in meiner rechten Hosentasche beseitigt, der mir unmöglich machte mein Handy in ihr zu tragen. Die Art wie es löst gefällt mir sehr. Er löst zuerst die gesamten Fäden, die die Hosentasche an den Rest der Hose binden und näht dann einen ozeanblauen Stoff mit orangen Sprenkeln von unten gegen sie und verbindet die Hosentasche wieder mit der restlichen Hose. Das Loch näht er auf dem Zwischenstoff fest. Später schneide ich diesen Teil wieder auf, damit im Loch des Weißen noch das Blaue neue sieht. Ich freue mich riesig über das Resultat und ich bedanke mich mit einer Verbeugung, wie schon viel zu oft. Das ist mein hilfsloser Ansatz die fehlende Sprache wieder etwas gut zu machen. Und andere Verhaltensmuster, wenn es um Respektdarbietung geht, wurden bisher auch noch nicht kritisiert. Das Verbeugen habe ich von den Mönchen aus Norwegen, bei denen ich vier Tage gelebt habe und ihren Alltag erleben durfte. Jene sind immer noch meine Respektspersonen Nummer Eins.
Loana und ich wandern über die Straße in den Busbahnhof namens Nygezi Station. Eine Person spricht uns sofort an und fragt wo wir hin müssen. Seine bezahlte Arbeit scheint es wirklich zu sein, Gäste direkt zu ihrem Bus zu bringen, weil genau das tut er. Wie wundervoll einfach… ein Bus nach Nygezi steht bereit und geben unsere Namen, die völlig falsch auf grünem Papier notiert werden. Dann zahlen wir für zwei Personen 10.000 tansanische Schilling. Wir werden über eine Stunde fahren und du fragst dich: ist das viel? Pro Person zahlen wir 5K und wenn wir den Kurs berücksichtigen, dann ist ein Euro genau 2.780 Schilling (Oktober 2025). Wir zahlen keine zwei Euro.
Wir gehen ganz nach hinten und sind super gespannt auf was kommt. An unserer Plexiglasscheibe klopft ein Straßenverkäufer, während wir noch 10 Minuten stehen und warten, und er trägt eine durchsichtige Box auf dem Kopf, die gefüllt ist mit dreikantigen, frittierten Gebäckstücken. Wir kennen sie bereits und kaufen zwei Samosa, die einmal mit Hackfleisch und Gemüse gefüllt sind und einmal mit einer Art kleinen grünen Bohne und Karotte eingekocht.
Dann beginnt unsere Fahrt und führt uns durch die äußere Gegend unseres coolen Heimatortes Mwanza’s und dessen Siedlungen mit immer verschiedenen Bereichen in denen aufgeteilt wird, was produziert wird. Hier ist eine Zementblockanlgae und das gesamte Grundstück steht mit den Bausteinen von zukünftigen Häusern voll. Eine Weile später erscheint ein Straßenteil mit Werkstätten für Mechanisches, dann größere leicht gebaute Überdachungen aus Holz in denen Möbel aller Art, durchaus kunstvoll, aufgestellt sind. Der benachbarte Bereich befasst sich mit der Schmiedekunst und präsentiert in Straßennähe unglaubliche Konstrukte aus Metallstangen, von Stühlen über zu Tieren und abstrakten Gebilden. In ihrer Hütte ist eine große Platte Metall in Arbeit und ein Sturm aus Funken schießt aus der Flex hervor, die ungeschützt von ihrem Bediener über ihre Oberfläche geführt wird. Weiter außerhalb der Stadt fangen Gebäude an sporadischer zu werden. In ihrer Anzahl und dem Material aus dem sie sind. Lehmhäuser treten in unsere Sicht und sind um vieles hübscher als ihre grauen Zementfreunde der Stadt. Das natürliche, wunderschöne Braun sieht in der Sonne lebendig aus und kommt dem Hautton seiner Bewohnerinnen und Bewohner ganz nah. Die Dächer sind jetzt immer öfter aus einer Art Schilf gebaut und laufen spitz zu. Das coolste Gebäude ist ein kleines simples mit rundem Grundriss, wieder aus Lehmklötzen erbaut und mit demselben gelblichen Kegeldach aus pflanzlichem Material. Das könnte eine Toilette sein, aber da es zentral zwischen drei anderen Lehmhäusern steht, schieße ich es beinahe aus. Im Vorbeifahren verfliegt alles zu schnell. Als Natur die Überhand gewinnt und sich die Landschaft in immer mehr ausartende Flächen ausweitet, sehe ich zwischen großen Steinformen, die überall auf Feldern und Hügel zu sehen sind, auch einen kleinen Teich und beinahe hätte ich die beiden kleinen Kindern übersehen, die spielend bis zur Hüfte in der leuchtend grünen Suppe aus Wasser und Pflanzen stehen und Spaß plus Abkühlung genießen.
In der Mitte unseres Weges überqueren wir eine unwahrscheinlich lange und schön gebaute Brücke. Das Projekt war eines der riesigen Infrastrukturverbesserungen unter der Präsidentschaft des grandiosen John ‘Pombe’ Mangufuli. Er starb im ersten Jahr seiner zweiten Amtszeit und seine Vizepräsidentin Samia übernahm bis jetzt - vier Jahre später. Spitzname ‘Pombe’ wurde vergiftet. Er war Ingenieur und unglaublich langjährig erfahren. Unter seine Projekte fielen er Bahngleisbau von Dar es Salaam bis nach Mwanza, der nun viel zu spät ins Endstadion kommt, und als Samias’s Leistung verkauft wird. Schade.
Die Wahlen sind auch Hochtouren und an jeder Straßenlaterne an denen wir später vorbei gehen und überall in Mwanza, hängt ihr Gesicht auf Plakaten. Es gibt keinen anderen Kandidaten von dem man wählen könnte. Der Kopf der Opposition sitzt hinter Gittern dafür dass er die Opposition ist und neben der Partei CCM existiert kein anderer echter Mitstreiter. Die Opposition traf aus dem genannten Grund nicht einmal an. Samia’s Wahlkampagne hatte also eine Menge Geld für unwahrscheinlich viel Werbung hier in der Mwanza Region bezahlt. Wofür und warum genau weiß man nicht.
Die Gegend weitet sich beständig und auf großen freien Flächen wachsen Büsche, wunderschöne kugelrunde Baumkronen von Mangobäumen und eine Menge Tierherden werden durch die scheinbar endlosen Weiten getrieben. In der Ferne ragen immer wieder Hügel aus der Erde, auf denen wie eine furchtbar schlechte Kuchenverzierung riesige Steine sitzen und rund wie sie sind, mit gewaltigen Körpern die Gegend überblicken. Wäre ich ein Stein, so würde ich dieser sein wollen. Hier wird es bestimmt nie langweilig. Loana guckt mit den Augen einer guten Zeichnerin aus dem Fenster und beguckt ihr Umfeld konzentriert und versucht sich einzuprägen, wie sie es zeichnen könnte und was die Landschaft spezifisch ausmacht. Das sagt sie mir nicht, aber ich traue mich mal etwas in ihren Blick zu interpretieren. Gedanklich mischt sie die Farbtöne des Himmels und dessen atemberaubende Wolkenmassen dich endlos aufeinander türmen. Sie zeichnet die Schatten fein auf die dunkle Seite der Steine in unserer Nähe und mit einem kleinen Pinsel und weicher, schimmernder brauner Farbe, zieht sie vorsichtig die Formen der Kuhleiber und ihrer Kälber. Getupft mit Farbklecksern springen kleine Ziegen um sie herum.
In der Nähe der Straße steht ein sehr großer Stein. Weit über 10 Meter groß und mit Abstand überragt er das kümmerliche Häuschen neben sich, welches den halben Schatten abbekommt und vor welchem jemand bunte Wäsche wusch. Schwarze und weiße Kleidung trägt eigentlich niemand. Kurz bevor wir zu unserem Zielort einfahren sehe ich noch eine Frau neben der Straße laufen, die meiner Erzählung nicht entkommen wird. Sie ist unglaublich.
Muss ich erwähnen, dass sie in allen möglichen Farben leuchtet und ihr Kopf mit einem scharlachroten Tuch umwickelt ist? Sie trägt drei Meter lange Stücke zusammen gebunden als ein dickes Bündel mit bestimmt 20 Kilo. Ein Eimer hängt weiß und orange an ihrer linken Hand und baumelt während sie sicheren Schrittes an der Seite in Richtung unserer Fahrt entlang schreitet. Das Bündel aus Holz balanciert sie auf dem Kopf. Festhalten kann sie es nicht und es ist auch nicht nötig für sie. In ihrer rechten Hand hat sie ein Telefon, dass sie sich ans Ohr hält und freudig ins Gespräch vertieft ist. Auf dem Weg zur Bushaltestelle kommen wir über eine lange grade Straße geschossen und auf ihr sind hinterhältiger Weise viele Wellen und Bodenhügel gebaut worden. Das Resultat ist ein gesamter springender Bus, der beinahe ungebremst über sie rast. Seine Fahrgäste springen in ihren Sitzen hoch und beim Aufkommen fühlt sich meine Wirbelsäule bruchgefährdet an. Wir sitzen doofer Weise ganz hinten und der Bounce-Effekt ist hier am stärksten. Ganz so jung fühlt man sich in solche Situationen nicht… Dann sind wir da.
Wir springen heraus, schauen in verblüffte Gesichter, die gegen die Sonne blinzeln und laufen drauf los. Loana hat einen kleinen schwarzen Rucksack über ihren Schultern und ihre Wanderschuhe strahlen professionell unter einer dünnen Staubschicht in Grau und hellem Lila. Meine Füße sind auch staubbedeckt, aber das liegt daran, dass sie schon zwei Tage nicht mehr gewaschen wurden… in dem kleinen Raum der unsere Dusche mit der Toilette in einem vereint, gebe ich keine acht darauf, meine Füße extra zu waschen. Es ist das Beiprodukt von fließendem Wasser über meinem Kopf, und genauso sehen sie auch aus. Der Boden auf dem wir laufen ist aus spitzen mittelgroßen Steinen gemacht und der dünne Pfad neben der Straße hat vereinzelnd Gras auf sich zu wachsen, aber besteht eigentlich nur aus heller und leicht orangen Lehmerde auf der es sich relativ angenehm läuft. Die Straße wiederum ist furchtbar grob und kein Spaß. Kleine Grüppchen aus Ziegen stehen am Straßenrand und sind meistens an einer kleinen Schnur an einen Keil im Boden gebunden, um im Umkreis von drei Meters vor sich hin zu grasen. Kühe haben wir auch immer wieder sporadisch und da wir immer näher an Wohngegenden kommen, werden die Zahlen von freilaufenden kleinen Hühnern mit sehr festem Fleisch immer mehr. Der ein oder andere Mensch kommt uns entgegen und angeguckt werden wir, wie sonst auch. Ob kleiner oder großer Rucksack ist anscheinend egal… so lange man barfuß ist, kommen Menschen egal wo auf der Welt nicht ganz mit klar. Weil auch hier bin ich mit Ausnahme der aller Ärmsten, die sich tatsächlich keine Schuhe leisten könnten, und vielleicht ganz selten einem echten Rasta, einer der Einzigen ohne Schuhe. Socken trägt hier wirklich so gut wie niemand, auch nicht in geschlossenen Schuhen nicht, aber wofür auch? Es ist furchtbar heiß und wenn die Dinger nach ein paar Wochen kaputt sind, hat man ebenfalls nichts gewonnen. Heimatliche Standards rücken auf einmal in das Licht des Hinterfragens. Nicht auf einmal, aber seit ich in der Welt umherirre ist das wohl einer der einzigen Dinge, die sich nicht verändern. Die Erkenntnis dass das Leben zuhause ein Konstrukt ist und das Einzige auf was verlass ist, Veränderung bleibt. Jeder Ort beweist von Neuem wie Leben funktionieren kann und das ist wahnsinnig inspirierend. Auf einmal ist das Leben und der Rahmen in dem man aufwuchs kein gesetzter Umstand mehr, sondern eine absolute Variable, die es später gilt aus eigenen erlebten und gesehenen Dingen neu für sich selbst zu erschaffen… ih bin mir absolut sicher, falls ich jemals eine feste Bleibe besäße und von Grund auf gestalten könnte, die selbe Art Klo und Toilette vom House of Hope zu integrieren. Reisen ist also absolute Inspiration. Reisen beweist was möglich ist und wir dürfen dabei zuschauen, während es vor unseren Augen abspielt. Ob für das eigene kleine Leben, ob für die Firma und ihre Arbeitsweise von welcher man vielleicht eines Tages Teil ist, oder eben für die Gesellschaft in der man lebt. Hier lerne ich, dass eine Gesellschaft gesammelt eine absolute Ablehnung gegen Zucker trägt, und ihn in keinem Produkt ausser dem eigenen Tee sehen möchte. Ich sehe eine Land, das den Spruch in Köpfe pflanzt, dass ein schlechtes Produkt Werbung bräuchte und ein gutes Produkt sich selbst verkaufen würde. Ich sehe, dass alle Menschen überall miteinander sprechen könnten und mir wird bewiesen was an Sozialem im Menschen und seinem Wesen stecken und wie Miteinander funktionieren kann. Ich merke, dass Fröhlichkeit und ehrliches Lachen nicht von dem Geld kommt das man besitzt. Ich sehe, dass Menschen erwachsen werden können und trotzdem Kinder bleiben können - tanzen, begeistert kreischen, ungefiltert und laut lachen. Ich sehe mein unendlich großes Privileg deutlicher denn je und das scheint einer der Kipppunkte gewesen zu sein, die mich dazu brachten überzeugt meinen Weg zu gehen, auf der Suche nach dem Ort, den Menschen und der Beschäftigung in den Tiefen dieser Welt, die aus unserem gemeinsamen Schaffen das Meiste und Größte holen würden. Das, was das Gute in der Welt am ehesten nähren würde.
Mich begeistert unendlich wie schön das Zeitverbringen hier ist. Wie idyllisch und warm das Umfeld auf unseren Sinnen ruht. Wie wünschenswert diese Art des Lebens vor Ort wäre, wenn es nicht an so vielen Dingen mangeln würde, wenn die Menschen nicht gefüllt von Sorgen um die Gesundheit aller ihrer Liebsten von Tag zu Tag begleitet werden müssten. Hier ist wo der Menschen hingehört. Hier ist das Leben, welches wir alle verpassen und was unserem Ursprung noch so nahe kommt. Hier lebt der Mensch noch als natürliches Wesen und nicht als das Produkt einer Industrie- und Kriegsgesellschaft.
Wir stolpern in die Stadt und sehen das Gesicht der Präsidentin nur noch halb so selten. In der Straße zuvor war wirklich jede Laterne beklebt. In der dörflichen Gegend von Sengerema gibt es keine großartige Stadt, sondern wie schon so oft nur kleine Läden mit Holz und Blech zum Stehen gebracht, mit netten Menschen hinter den Theken und überall spielen kleine Filmszenen. Jeder Anblick ist es wert gezeichnet zu werden. Jede Interaktion besteht aus zwei oder mehreren unbeschreiblichen Figuren, die mir ihrer Farbe an den Gewändern und den Geschichten, die auf ihren Stirnen geschrieben stehen, unvergesslich sind. Wenn uns danach ist, geben wir einem vorbeifahrenden Booda Moped oder einem Bajaji Dreirad ein bisschen Geld und schauen wie weir wir dafür gebracht werden. Wir haben die Asphaltstraße schon vor einer ganzen Weile verlassen, als wir nach einer Stunde des Laufens eine Öffnung in der Nachbarschaft und den Häusern zwischen den wuchernden Baumriesen sehen. Ein Reisfeld aus unzählbaren Quadraten, erstreckt sich in vielen kleinen Etappen und höhen vor uns und auf der höchsten Stelle wächst eine hübsche große Palme, die einen herrlichen Schatten unter sich wirft. Wir klettern eineinhalb Meter Abgrund hinunter, um von der Straße an die kleine Pfütze zu kommen, an der vermutlich Tiere und Menschen Wasser holen. Wir springen über eine enge Stelle, klettern auf den Rand eines Feldes und können von dort aus in zackigen Linien von einem Feld zum nächsten bis unser Sichtfeld dunkler wird und über uns das Palmendach Schatten spendet. Hier stellen wir unsere Rucksäcke das erste Mal ab und legen uns auf das kleine Inselchen aus Gras, grade groß genug für uns beide, den Schatten auf der ganzen Länge und die Rucksäcke in einem Feld. Sie sind bisher noch trocken und ungeplant. Wir sind alles andere als trocken und sacken zusammen wie nasse Säcke. Ich krame eine Plastiktüte hervor, über die wir uns unwahrscheinlich freuen, und in ihr befindet sich unser gestriges Abendbrot, das wir nicht mehr vollenden konnten. Ohne dass Loana es gemerkt hätte, schmuggelte ich es in eine kleine Tüte und mit uns auf Reisen und da saßen wir jetzt. Hinter uns die Straße, auf uns der Schatten der schönen Palmenwedel, um uns herum grasbewachsene Reisfelder, vor uns eine Öffnung der Siedlung und in der Ferne hübsche Hügel in vollen Farben und mit den berühmten Steinen verziert. Kinder rufen uns Fußball spielend von dem rechten Grundstück her zu und auch von der Straße werden wir ab und zu gegrüßt. Gut sichtbar sind wir trotz des Schattens alle Male. Um das kommt man als Weiße Menschen nicht drum herum. Menschen lachen wenn sie uns sehen und grüßen laut und so voll, so ungehalten und so pur fröhlich, dass es für uns immer noch nicht verständlich wird, wie das nicht überall so sein könnte. Die Zeit ist eine so viel schönere, wenn Menschen so offen und liebevoll miteinander sind, wie sich das heimlich alle wünschen. Ich meine eine Art unterschwellige Angst um die eigenen Emotionen in anderen Orten der Welt zu spüren, wenn Menschen sich nicht trauen sie selbst zu sein, jemanden freundlich über beide Ohren anzulächeln, weil man sich unsicher über die Situation ist. Oft scheint Fröhlichkeit und gute Stimmung, nettes Verhalten und Liebe nicht ganz in den Kontext westlicher Kulturen zu passen. Wir müssten alle erleben wie es ebenfalls aussehen könnte, um uns dann gemeinsam neu das Konstrukt des gemeinsamen Lebens zu erschließen. Auch wenn ich es geschrieben nicht ganz ausführen kann, so möchte ich doch nochmal betonen, wie gut man sich in diesem Umstand fühlt und was es einem für das Herz gibt. Der Verein den ich in diesem Jahr zur Gründung berufen hatte, brachte ein paar Menschen mit ähnlichen Träumen zusammen und unser Ziel wird es sein, mit mir zurück in der Heimat, dieses Konstrukt des Miteinanders unter unsere Bevölkerung zu bringen und uns einen Ort des Zusammenkommens zu schenken, in dem nicht Technik und Alkohol dominieren und für unser Zusammenkommen sorgen, sondern allein das Menschliche - unsere kreative und künstlerische Entfaltung, unser Selbstbewusstsein und jenes über die Welt, in Stunden der Reflexion durch Schrift und Gespräche. Sport, dramaturgische Darstellung und ganz wichtig die Bildung zum Zwecke unseres inneren Wachstums. Ein Ort, von dem seine Menschen miteinander profitieren - nicht durch Geld, sondern durch gute alte menschliche Werte… Gen.ZM
Während ich eine neue Gebirgslandschaft aus einem kleidungsbedeckten Fleischberg für Ameisen unter mir erschuf indem ich mich hinlegte, machte Loana sich auf, um in die Richtung der sich weitenden Landschaft zu balancieren.

Abenteuerlich wandernd ins Ungewisse schaute ich ihr kurz nach und nickte weg, bis sie wiederkam. Wir fühlen uns bereit für mehr und brachen auf um den weiteren Verlauf der nicht endenden Straße zu erkunden. Hier in der Gegend gab es bedeutend mehr Fahrräder als in der Stadt, wo sich die Wenigsten die Gefahr des Fahrradfahrens aussetzen können. Hier ist weniger Verkehr, die Straßen sind einigermaßen eben und die Hügel halten sich netterweise, für jene vor Ort Ansässigen und für uns, in Grenzen. Jeder vorbei rasende Laster zieht eine Wand aus Staub nach sich, obwohl die Regenzeit schon in ihren Startlöchern steht. Böden bleiben unglaublich trocken und keine Feuchtigkeit auf einem Bioden wie dieser Straße könnte einem Vormittag der Sonne dieser gleich wiederstehen. Ein mächtiges Fahrzeug macht ein Klimpern beim vorbei fahren. Wir sehen eine ziemlich große Schraube und beobachten ihr langsames Vorbeirollen bis die Bremsscheiben des Fahrzeuges in die Eisen gehen. Ein Mann springt raus und kommt mir grinsend entgegen. Ich drücke ihm die abgebrochene Schraube in die Hand und wünsche ihm einen guten Tag… Loana fragt, während jenes schraubenberaubtes Gefährt wieder ins Rollen kommt, ob wir sie fragen sollen uns mitzunehmen bis zum Ende der Straße. Die Situation und die Idee wären fabelhaft. Nur hatte der Vierräder grade eine dicke Metallschraube fallen gelassen und ich bin noch nicht warm genug, um Menschen wieder völlig ungehemmt anzusprechen… interessanter weise war das noch kurz zuvor in Europa kein Problem. Rucksackreisend wurde kein Moment verschont, um mit einem Menschen ins Gespräch zu kommen, nach Hilfe zu fragen, Informationen auszutauschen und sich kennen zu lernen. Man kommt ein bisschen aus der Übung und noch sind wir auf dem Stand uns mit Händen und Füßen verständigen zu müssen. Allerdings soll es nicht lange dauern bevor wir wieder jede Person anquatschen und im Fluss der Zeit und des menschengefüllten Raumes problemlos umher schwimmen, von einem Erlebnis, einer Chance und einem Charakter, zum nächsten. Ganz normales Reisen eben.
Ein Ruf kommt zu uns und wir schauen zu unser Rechten. Zwischen einer kleinen Ansammlung aus sechs Häusern zwischen ein paar schönen Bäumen mit strahlendem Himmel über ihnen, leuchtender Boden zu ihren Füßen, Schatten an den Hauswänden wo Dach oder Baum ihn gewährt und eine kleine Gruppe Männern mit Hühnchen und Kindern um sie herum, als sie im Vordergrund an einem kleinen Verkaufsstand vor den Häusern stehen und uns zu sich winken. Wir dackeln mit breitem Grinsen an und fragen was fehlt, nachdem wir die Älteren mit Shikamo grüßen und die Jüngeren mit Kwema. Sie erzählen drauf los und eine kleine Gruppe von Kindern kommt auch dazu, um unseren Antworten zu lauschen. Wir haben leider keine, aber weder der ältere Herr gibt seinen Versuch uns Inhalte zu vermitteln auf, noch die Kinder, die mit großen Augen die Fremdem beäugen und lachen wenn man sie anschaut. Wir sehen in dem kleinen Metallkasten der vollgestellt ist mit Waren, ein kleines Huhn springen, weiß und allein, und denken kurz daran nach dem Preis zu fragen. Wir hatten uns vorgenommen auf dieser kleinen Erlebnistour ein Hühnchen zu finden, das wir mit nach Hause nehmen könnten, um unsere eigene Hühnerfarm zu starten, die wir seit unserer Anreise planen. Dieses Küken wird es leider nicht, aber dafür verstehe ich das erste mal die Aussage von einem der Anwesenden, als er mit fragt für ihn ein Wasser zu kaufen. Gleichzeitig schnappe ich die Anpreisung des Ladenbesitzers auf, ein kleines grünes Getränk zu probieren, und auf einmal redet mein Mund fabelhaftes, absolut flüssiges und gestochen scharfes Swahili, als er von sich gibt: Naomba maji…’ Erstklassig. Die Männer realisieren einen Sprachgewandten auf Augenhöhe zu haben und feierlich geht man auf meine Anfrage auf Wasser ein. Ein wenig bedröppelt sage ich dazu ‘… na mbili Jambo’ was ich vom Etikett des gewünschten Spaßgetränkes ablese und auch jene bekommen wir einbahnfrei.
So schön die Sprache auch ist und egal wie wundervoll gebaut sie wirkt, nach welchen schönen Regeln sie funktioniert und wie leicht mans ie überall unter positivstem Feedback anwenden kann… am Anfang steht man doch immer vor dieser Schlucht zwischen kleinen Phrasen die nützlich sind und die man zu genüge anwenden kann, und dem finalen Sprachverständnisses, selbst erstellten Sätzen und einem angenehmen Redefluss. Mit vier kleinen Sprachstunden intus können wir uns bisher noch nicht einmal richtig vorstellen. Wie schön es wäre das doch alles zu können, kann ich mir allerdings sehr wohl vorstellen, und so bleibt es unser beständiges Streben kontinuierlich zu proben und miteinander zu lernen und das Gelernte pausenlos in den gefüllten Raum einer vollen Straße zu werfen. Der Mann, der nach dem Wasser fragte, bedankt sich sehr freundlich und die Kinder verabschieden sich genauso höflich von ihren ungewöhnlichen Gästen. Wir machen uns mit unserer blendenden Haut wieder auf den Weg, rücken die Käppi so, dass wir keinen Sonnenbrand bekommen, schauen auf eine völlig fremde Umgebung über unsere großen und knochig gebauten Nasen hinweg - Loana steht in unbezahlbaren Wanderschuhen und ich eben barfuß. Um die Schuhe in ein Verhältnis zu setzen: als sie neu in Deutschland gekauft wurden, hätte man von diesem Wert in Euro umgerechnet einer der umständlichsten Operationen durchführen können. Für eine oder zwei Schuhsummen wird hier ein Hirntumor aus einem Kinderschädel entfernt oder eine gespaltene Wirbelsäule behandelt. Glaubt man kaum; und das ist auch nur minimal überspitzt.
Eine gefährliche Menge an Sonne später und unsere Nacken sind rot. Wir sind dafür aber an der Kreuzung, welche links nach Katunguru führt und rechts ins Unbekannte. Das Beste an der Kreuzung ist der See der sich endlos direkt vor uns erstreckt und zwischen uns und ihm ist nur noch eine große freie Wiese, Äcker, ein paar sehr große Mangobäume und eine anfangende Schilflandschaft. Von der Straße führt ein winziger Pfad gradeaus und wir nehmen ihn. Zu der linken Seite der weite Wiese ist ein nettes Haus gebaut an dessen Eingang die gesamte Familie auf weißen Fliesen sitzt und ein paar einzelne Wäsche waschen. Ein brauner simpler Hund liegt müde im kurzen Gras davor. Auf der Wiese ist neben dem Pfad und einzelnen runden grauen Steinen nichts. Der kleine sandige Weg führt sehr schmal durch die leicht wellige Neigung hinunter zur Seenähe. Etwas später kommt aus einer Seite eine große Herde Kühe auf uns zu, die auf einem trockenen Flussbett mit großen Steinen am Boden entlang gingen, getrieben von dem jungen Menschen am Ende. Die Kühe sind genauso gebaut, wie auch schon der Rest von uns gesehene, aber hier sind noch mehr Farben und Muster. Eine Kuh ist völlig schwarz, zwei sind weiß, eine hellgrau gefleckt, viele haben riesige Hörner und manche sind noch sehr jung. Das leere Flussbett hatte schon Schilf um sich herum, und das würde ab jetzt nicht weniger werden. Viele der ewig langen Halme haben nur an der Spitze scharf zulaufende und schmale Blätter. Andere Gewächse am See haben grüne große Kugeln am Halmende und ganz viele andere sind grüne ineinander verflochtene Schlangen. Loana und ich bleiben unter einem Baum sitzen und schauen über die bearbeiteten Äcker auf denen die größtem Mangobäume stehen, die wir bisher gefunden haben. Und nicht nur das, sondern hier scheinen die Mangos auch schon reif zu sein. Wir lassen unser Gepäck unter dem kleinen Baum stehen und nähern uns dem auserwählten Stamm mit seinen Blättern und Früchten. Embe ist der Name für Mango. Eine ganz besonders Große mit mehreren Flecken aus Rot lächelt uns an und wir sind entschlossen sie aus ihrer Höhe zu befreien und sie zu unserem Überbrückungsnachmittagsessen zu machen. Eine Mango groß genug lag schon am Boden und nun ist es an uns eine absolut grundlegende Tätigkeit zu praktizieren und zu realisieren, wie tot wir in der Natur wären. Unsere Würfe treffen ein ums andere Mal nicht ihr Ziel, was sechs Meter über uns baumelt. In keiner Welt könnten wir auf der Jagd einen Vogel von einem Ast werfen, geschweige denn ein Reh mit einem Stock über zwanzig Meter erwischen. Aber selbst ein blindes Huhn… noch bevor wir die Mango ergattern, betreten vier Menschen die Schaufläche. Vielleicht sind es alles Brüder, ansonsten könnte ich mir den Altersunterschied zum Größten von ihnen nicht erklären. Drei der Jungs sind Kinder. Sie tragen normale bunte T-Shirts, Schuhe aus Gummi und gerissene Hosen. Die Norm. Der junge Mann an ihrer Spitze überragt alle anderen mit zwei Köpfen. Sein Gang ist absolut grade und er trägt keine Schuhe. Seine Haare sind zu perfekten Stufen geschnitten und seine Augen liegen kühl auf uns. Er trägt einen sehr großen Mantel aus strahlend weißer Wolle, der ihm bis zu den Knien geht. Seine Haut schimmert in einem absoluten Kontrast an seinen Unterarmen und im Gesicht, das keinerlei Miene verzieht, als er uns erblickt. Ich neige den Kopf und grüße mit der Respektformal Shikamo, obwohl der junge Mann keineswegs älter aussieht als ich. Er beachtet es nicht und läuft erhaben mit seinen drei Gefährten hinter ihm an uns vorbei zum See. Er hatte uns beobachtet, als wir die Mango herunterschossen und im besseren Wissen, muss ihm schon ganz klar bewusst gewesen sein, was wir erst eine Minute später wüssten. Die Früchte waren noch steinhart und völlig unreif. Das war ärgerlich. Und peinlich. Als wir so zurück in unserem Schatten saßen und uns über unsere Doofheit ärgerten, kam einer seiner Jungen aus dem tiefen Schilf zu uns zurück und deutete uns, ihm zu folgen. Wir nahmen unsere Rucksäcke wieder auf, steckten die übrig gebliebene Mango in unsere Tüte vom Reis des Mittagessens und kauten noch trübe auf unseren grünen Mangostücken, während wir ‘Pole Embe, Kaka!’ sagten, um verständlich zu machen, dass uns das mit der Mango leid tut. Kaka bedeutet Bruder. Und er nickte und lächelte vor sich hin.
Der Boden wurde langsam matschiger. Kleine angelegte Felder tauchten hinter Büschen auf. Manche waren gefüllt von Tomatenpflanzen und andere wurden grade noch kraftvoll von einem jungen Mann bearbeitet, der im weiten Bogen die Jembe über sich schwenkte. Dieses Gerät ist das weit verbreitete Pflugwerkzeug - ein langer harter Holzstil mit einer breiten Metallklaue am Ende, die mit wahnsinniger Kraft in jeden Boden eindringt. Den Prozess des Pflügens nennen wir Kulima.
Am Wasser angekommen, müssen wir über große Steine im dunklen Wasser liegend klettern, bis wir die Gruppe aus jungen Menschen vor uns verteilt wieder finden.

Ich lasse meinen Rucksack auf dem Land zurück im absoluten Vertrauen, dass niemand unserem Gepäck etwas antuen würde. Die Jungs sitzen mit noch ein paar neuen Menschlein auf den Steinen verteilt und einer von ihnen hält ein Handy in der Hand. Ich glaube nicht, dass es sein einziges war, aber er war zuständig für die Musik über Handylautsprecher. Unsere erhabene Erscheinung des jungen Mannes ist nun nicht weniger bedrohlich, aber dafür in einem neuen Outfit und an anderer Stelle. Er steht nur noch in Unterhose knietief im schlammigen braunen Wasser, mit leuchtend grünen Wasserpflanzen um sich herum und mit einem Stück Seife in der Hand. Seine Klamotten liegen auf dem Stein vor ihm und sehr strukturiert arbeitet er sich von dem einen Stück zum nächsten. Seine Technik den Stoff nass zu machen, dann durch die Hände zu ziehen und dabei die Seite effektivst zu verteilen ist beeindruckend, für zwei Weiße, die herzlich wenig Plan vom Wäsche waschen haben. Er würdigt uns für lange Zeit nicht seiner Aufmerksamkeit und wir nehmen in der stechenden Sonne platz. Der junge der uns hierher brachte, zieht sich ebenfalls aus und deutet ins Wasser, um mich dann fragend anzuschauen. Ich werde aufgefordert mit ihm in den berüchtigten Victoria See zu gehen. Alle Warnungen meiner Eltern schießen mir durch den Kopf. Alle Tiere, die in ihm leben. Und Nilpferde und Krokodile sind das kleinste Bedenken. Ich erinnere mich an die Fischriesen, die ich auf dem Fischmarkt gesehen habe, und auch sie sind nicht das Problem. Es sind Bakterien und nicht sichtbare Würmer, Parasiten und andere Mikroorganismen, vor denen ich mich fürchten müsste. Jene sollten der Grund sein mich hiervon abzuhalten und das allein schon meiner Mutter zu Liebe. Aber ich sehe die Jungs vor mir, wie sie im Wasser stehen oder grade kopfüber verspielt eintauchen, und dann schaue ich das zweite Mal in die Augen des Großen und werde weich. Ich ziehe meine Sachen aus, lege sie auf einen Stein, taste mich langsam vor ins Wasser und merke, dass die Oberseite aller groben Steine im Wasser grenzenlos bedeckt von Schleim ist. Sie sind furchtbar rutschig und ein Schritt reicht, bevor ich genauso flach im Wasser liege. Keineswegs elegant. Das braune Wasser schwappt um mich rum und ist so gar keine Abkühlung in der warmen Tageszeit. Das Wasser ist furchtbar warm, aber zumindest der Wellengang ist aushaltbar. Mein kleiner Wasserfreund winkt mich zu sich und beginnt hinaus zu schwimmen. Ich halte mit, aber versuche das Wasser weg von meinem Gesicht zu halten, was den schon bekannten Struggle for Life beim schwimmen noch zusätzlich verstärkt. Ich strample mich ab und komm nur einmal zur Ruhe, als ich anhalte und mich umschaue. Der Moment kommt einem aus der Schweiz ganz nahe. Dort war ich in Lugano im italienischen Teil, und mit meinem Wanderkumpanen gemeinsam sind wir bei Sonnenuntergang in die Tiefen eines glasklaren Bergsees der Stadt geschwommen. Riesige Gebirge der Voralpenlandschaft kesselten uns ein und die Sonne verschwand hinter der Bergwand, die die Stadt beinhaltete. Hier in Sengerema, fünfzig Meter innerhalb des Victoria See’s war das Gefühl ähnlich. Nur die Temperatur und der Ausblick hätten nicht unterschiedlicher sein können. Eine flache grüne Landschaft umschließt mich und grandioser Weise sieht das Ganze so aus. Das Ufer am nächsten und von dort aus schließt ein Halbkreis aus Landmasse um mich herum. Dann gibt es auf beiden Seiten eine große Lücke Horizont, die allerdings direkt gegenüber vom Ufer wieder von einer lang gestreckten Inselmasse geschlossen wird. In 360 Grad gesehen ist das völlig symmetrisch aber völlig gegen mein Verständnis der Seegeografie. Die Insel mitten im Horizont kann ich mir einfach nicht erklären… ich schwimme außer Atem zurück.
Wieder trocken meditieren wir ein wenig, bedanken uns und gehen den Weg, welchen wir gekommen sind, zurück zur Straße. Schon ab dort hören wir Musik aus einer großen Ferne, aber ein Blick reicht und wir sind uns sicher, dass das unser nächstes Erlebnis wird. Zehn Minuten Fußmarsch und Zähne putzend die Straße hinunter und wir sind da. Wir blicken auf das Willkommenschild einer Schule plus Kirche. Das Symbol zeigt den afrikanischen Kontinent mit einem christlichen Kreuz in seinem Zentrum. Die Musik kommt lauf aus einem der langen flachen Gebäude zu unserer linken. Grade senkt sich die Sonne und links von der Straße,, gegenüber von der Schule, scheint es durch das lose Laub der hohen Pflanzen, der kleinen Büsche, der kleinen Insektenschwärme in der Luft und dem bebauten Feld im Hintergrund, mit Pflanzen die so aussehen wie kleine Papayabäume. Alle Blätter und ihre Ränder leuchten golden und die Luft lebt um uns herum, während alles rhythmisch im Takt der lauten Musik atmet. Wir betreten das Schulgrundstück und bald schon erblicken uns erste Schulkinder neugierig. Sie sind in blauen und weißen Schuluniformen und kurz geschorenen Haaren, Jungen wie Mädchen, kaum zu unterscheiden. Nur ihre Körpergröße und ihre hübschen Gesichter lassen uns während des Abends Durchblick behalten. Sie bringen uns aufgeregt zu dem Haus der Musik und wir werden in den Eingang hinein in das große helle Zimmer gedrückt. Eine Wand aus Schulkindern sitzt in der rechten Hälfte und beäugt uns völlig ungläubig und auf der linken Seite tanzen Schulkinder mit ewig lauter fröhlicher Musik. Eine leitende Lehrerin kommt unfassbar freundlich auf uns zu und begrüßt uns unter der lauten Musik. Sie lässt zwei Stühle bringen und setzt uns in die erste Reihe, noch vor alle anderen Kinder. Was wir beobachten dürfen sind einstudierte Klassenchoreografien, die beinahe so professionell aussehen, wie es den Kindern Spaß zu machen scheintot tanzen zu können. Die Musik kommt von einem klapprigen Musikpult und einem älteren Schüler der amüsiert an Knöpfen drückt und dreht und ab und zu mal das Wort der Lehrerin ungewollt in Klängen vergräbt. Sie moderiert manchmal selbst und manchmal ist es ein Schuljunge. Er wird von ihr gefragt spontan auf Englisch statt Swahili zu moderieren, damit wir auch folgen, und er macht es umstandslos. Die Wahl der Schulpriester steht an, wenn ich richtig verstehe, und Zettel werden an alle verteilt. Die beiden Namen der antretenden ältesten Schüler werden aufgeschrieben und während das Lied laut dröhnt schreiben alle fleißig, wen sie präferieren. Nach dem Wahlergebnis wird ausgiebig zelebriert und alle, auch wir, kommen in eine Reihe nach vorne und schütteln dem Gewinner und dem Verlierer die Hand.
Unsere Lehrerin fragt, ob wir uns vorstellen könnten und ablehnen scheint keine Wahl zu sein. Seit Jahren hab ich vor keiner Menge mehr gesprochen, aber mir scheint, dass das sprechen vor solchen strahlenden und interessierten Gesichtern nicht leichter sein könnte. Ich erzähle von unserer kleinen Reise, von unserem Wohnort Mwanza und dem Zuhause, welches wir im House of Hope unseres nennen dürfen. Loana berichtet den Rest über Bugando, das Krankenhaus, und wo aus Deutschland unsere kleinen Wurzeln liegen. Wir bedanken uns von Herzen bei allen dafür uns bei sich zu haben und zu guter letzt dürfen die Kinder sich etwas wünschen. Überrascht darüber, dass sie mit uns tanzen wollen war ich nicht. Ich gucke Loana leicht verzweifelt an und wir beide müssen einsehen, dass wir noch keine Tanzbeine besitzen. Still stehen ist keine Option und so beginne ich den Kippe-Austreter zu tanzen, bei dem man die Hand vor ich hält, wie mit einem Becher im Griff, und der Fuß am Boden, der mit dem vorderen Teil der Fußsohle am Boden dreht und wischt, so als würde man eine Zigarette austreten. Statt Buuh-Rufe, mit denen ich gerechnet hatte, bekommen wir tosenden Beifall und Jubel und sofort stürmt eine Horde aus Primary- und Secondary- Schülern* auf uns zu und die Musik spielt von neuem. Mit Blicken nach rechts und links lernen wir die fünf Schrittkombinationen, die die Schüler zur Zeit einüben und synchron bewegen sich zwei Weiße in dem Meer aus tansanischen Schulkindern nach links, rechts, oben und unten, wobei kein Körperteil in dem Bewegungsprozess ausgelassen wird. Das Grinsen können wir uns für eine Weile nicht mehr aus dem Gesicht wischen und so bleibt es bestehend, als wir kurz nach dem Tanz nach Fotos gefragt werden und draußen mit jeder Klasse und allen Schülern Gruppenbilder machen. Zucker!

Wir werden so liebevoll verabschiedet wie wir aufgenommen wurden und die Kinder rennen zum Abendessen aus Ugali, während wir mit der Lehrerin, die uns so wundervoll integriert hatte, unseren Weg die Straße weiterführen. Sie erzählt uns von ihrer Arbeit und wie sie zu ihr gefunden hat. Sie selbst kommt ebenfalls aus Mwanza aber liebt die Gegend und dessen Schule von Herzen. Sie ist von fröhlicher Natur und sie empfiehlt uns ein paar schöne Gegenden und Dinge in Mwanza, bevor wir zu einem anderen Gebäude auf dem Weg kommen, welches die Kirche selbst ist. Vor ihr tanzen erwachsene Menschen in sprühenden Gewändern aus der üblichen Farbe und es scheint, als würde ihr Abend ähnlich schön werden wie unserer. Wir verabschieden uns herzlich und hoffen auf ein nächstes Mal. Sie deutet uns in die Richtung des Sees, oder wo wir Natur zum Campen finden. Sie sagt wie weit die nächste Stadt entfernt und ich wir machen uns dankbar für alles weiter auf den dunkleren Weg, jetzt wo die Sonne Weg ist. Es kann nicht viel später als sechs sein, aber uns ist bewusst, dass es wahnsinnig schnell dunkel wird und wir ab sieben nichts mehr sehen werden. Der Verkehr ist beinahe nicht mehr da und ab und zu sind es vielleicht Fahrräder oder einzelne Menschen, die unseren Weg kreuzen. Ich grüßen die meisten und einer von ihnen freut sich besonders, dass wir ihn ansprechen. Er selbst hätte nicht den Mut gehabt. Er stellt sich als der Geschichtslehrer der Schule in der wir grade waren vor, und ist super interessiert uns kennen zu lernen. Er begleitet uns bis zum Dorf Katunguru. Der Fakt, dass er tansanischer Geschichtslehrer ist und Englisch spricht, holt mich ab und ich fange an ihn zu befragen, was seine liebste Thematik zu unterrichten sei. Jackpot! Er liebt die Geschichte der Königreiche vor der Kolonialzeit und erzählt mir von den größten und mächtigsten, von ihren Aufgaben wie dem Handel und dessen Verbindung zwischen Zentralafrika und der Küste. Er vereint ein paar moderne Namen mit den Namen der Königreiche von denen sie kommen und er empfiehlt uns von Herzen ein Museum in Mwanza, Kisesa. Nyamweza war das größte Königreich und liegt zentral im Land, dort wo heute die Stadt Tabora liegt. Ich hätte noch Stunden mit ihm reden wollen und wir laden ihn auf ein Abendessen ein, aber er entschuldigt sich und sagt eine wartende Ehefrau zuhause zu haben. Ohne ihn gut zu kennen, sehe und höre ich eine Liebe aus seinen Worten und Augen sprechen, die mir das Herz ein wenig erweicht. Er hat in den vier Jahren, in denen er hier lebt, noch nie in der Stadt gegessen, weil seine Frau immer für ihn kocht. Er klingt unglaublich dankbar und wie frisch verliebt. Wir bedanken uns herzlich, tauschen Nummern aus, wünschen uns das Beste und gehen getrennter Wege. Wir sind in der Mitte der sandigen Kreuzung im Mittelpunkt des kleinen Dorfes. Neben uns ist ein kleiner Stand und dieser verkauft Pommes, die hier Chipsy heißen und wir bestellen Chipsy mit Ei. Rührei und Pommes. Dabei lernen wir ein paar Vokabeln aus dem Heft in meinem Schoß, schauen die Passanten auf der Straße an, an dessen Rand wir direkt auf einer Bank sitzen und ab und zu schauen wir auf einen Bildschirm in einer kleinen Hütte, in der ein Match des Boxens läuft, das ein paar Einheimische anlockt und mitzufiebern. Es ist stockfinster und wir verdrängen den Gedanken des Nachtplatz Findens, um vorerst unser schönes Abendbrot mit einem kleinen Spieß von lokalem Rindfleisch zu genießen. Old people we greet with a slight bending and by saying Shikamo and young folks get a Habari to hear. Ja, das Ding mit dem Englisch…
Wir laufen weiter und realisieren etwas magisches. Wenn ich zuhause unter unserem Mangobaum liege und einschlafe, habe ich auch ein paar Sterne über mir. Allerdings sind die Nachbargrundstücke mit hellen immer leuchtenden Glühbirnen ausgestattet und dem Himmel wird so einiges geraubt. Hier in Katunguru ist das nicht der Fall und das Resultat verzaubert. Ein weißes Meer aus glitzernden Pigmenten strahlen unendlich weit über uns. Kein Stern ist alle und all gehen ineinander unter und auf. Die Menge an kleinen Punkten überwältigt und hält uns von dem Verständnis fern, dass all jene Leuchtobjekte einzelne Sonnen sein sollen. Mit ein bisschen Glück finde ich auch zwei Planeten, Mars und Jupiter, und Loana deutet nach oben und erkundigt sich nach der seichten Wolke, die unsere Köpfe in einer graden ausartenden Linie überdeckt. Sie hat unsere Milchstraße gefunden, die ganz klar sichtbar und ziemlich hell von einem Horizont bis zum Himmelsmittelpunkt direkt über uns verläuft. Wir laufen mit den Köpfen im Nacken in Stockdunkeln zwischen den kleinen Gebäuden zum Wohnen und den Verkaufsständen hindurch. Ab und zu sitzen Menschen zusammen und beleuchten mit einem kleinen Tastentelefon ihre Spielbretter auf denen sie mir unbekannte Varianten auf einem dünnen Schachbrett spielen. Langsam verlassen wir die dörfliche Umgebung und stehen auf der leeren Straße in Mitten von Feldern. Ein Weg geht nach rechts ab und verläuft mit einem Graben neben sich und etwas Leuchtendes fliegt in der Luft. Kurz danach kommt ein zweiter Punkt dazu und im Gras sehen wir noch fünf Weitere. Loana wollte einen Spaß machen und auf Glühwürmchen tippen, die sie noch nie zuvor im Leben gesehen hatte, und ist reichlich überrascht als ich ihren Verdacht bestätige. Umso weiter wir gehen, umso mehr kleine Insekten betreten das Schauspiel und leuchten uns den Weg in eine abgelegene Gegend und einen äußeren Bereich des Dorfes. Das goldene, beständige und gleichmäßig umherfliegende Licht verfehlt seinen märchenhaften Effekt keines Wegs und nach einer Weile sind wir wieder zwischen kleinen Häusern aus Lehm unterwegs. Ein kleiner Weg ist der unsere und wir kommen zwischen Feldern zum stehen. Ich hatte meine Taschenlampe gezückt und beleuchtete die kleine Baumgruppe neben uns. 12 kleine Bäume ragten aus dem Boden in Mitten des Feldes und als ich die Blätter sah, war mir klar, dass das unser Ort für die Nacht werden würde. Wir hatten einen winzigen Wald aus Bananenbäumchen gefunden und würden unser Zelt zwischen ihnen aufschlagen und eine wundervolle Nachtruhe unter einem Dach aus Sternen und Bananenblättern verbringen, während uns meine Zeltwand den nötigen Moskitoschutz bieten würde. Loana ging aufs Klo, ich baute mein mir heiliges Zelt in weniger als einer Minute auf, benutzte unsere Rucksäcke als Gewichte an den beiden Seiten, um den orangenen Halbkreis mit den schwarzen Netzen stehen zu lassen. Wir verkrochen uns darin, schlossen das Netz und unterhielten und für eine Weile. Es war erst neun Uhr und bevor wir Nachrichten beantworteten oder in meinem Falle Tagebuch schrieben, kramte ich noch das Buch hervor, aus welchem wir schon oft genug miteinander gelesen hatten. Es ist eine gekürzte Fassung des Briefwechsels zwischen Caroline und Wilhelm von Humboldt. In 300 Seiten wird die Essenz dieser unglaublichen und begehrenswerten Beziehung zweier Menschen in ihren eigenen privatesten Worten wiedergegeben und als Lesendem eröffnen sich neue Welten der Wortwahl um Werte und Gefühle füreinander auszudrücken. Der Griff zu diesem Buch erfolge höchst zufällig, aus einem Schrank voll mit Büchern neben dem Ulmer Münster in Deutschland, und nun schmückten unsere Stimmen, aus diesem Buch lesend, die abendliche Luft im kleinen Zelt unter Bananenbäumen.

Tag 2
I heard voices and woke up in an instance without moving. I removed the blanket from my face slowly. Four people, one of them with a long and thin stick, all of them in hanging cloths of color, three men and one woman, stood next to our little forest of bananas and were greeting us with wondering faces. I greet back while Loana slowly comes back to consciousness and explain them that we don’t speak Swahili and ask if it’s ok with them if we stay here. They don’t have a problem, smile a big and warm smile, wave their hands and go. Loana and I grin at each other on a good morning’s start and we’re ready to head out. The natural rhythm of things, like light or people, determined us to wake us up at 6:30. Just as everything else around us was awaking, too.
We slowly get up, reflect on the night in which we heard some strange noises, had mouses penetrating the outside of the tent, got bitten despite the net because our skins touched the net und made each others life a little harder through robbing space or breathing into the face of one another. We sit straight and look around. People stand on an acre just next to us and others who walk by the little path we went with buckets of water on their head look from afar, exchanging ideas of who we might be with each other. We watch some cows standing on a blanket of very green gras, swinging their tails, eating from time to time and hitting their head in an elegant movement on their sides to make the flies vanish. And then finally we get out of the tent.
On the acre in front of the banana trees which gifted some shelter and made our stay the most beautiful, especially when waking up and seeing the giant leaves against the sky or when you watch the little purple reddish crop which grows down to then hold all the bananas on top, looking like an unopened giant blossom, there had formed a little gathering of folks from the village.




They stare out at our doings, young and old, and wave to us with wide smiles as we look to them. Their gathered bubble expands as we go on over the next few minutes and start packing our tent together. Loana made a very cool short video clip, of me being bent over the tent that I’m just packing up and then holding up the camera she films from inside the banana forest to the outside, with the beautiful village surrounding, the trees, the cows, the fresh made acre and the people cheering in big motions. When we finish packing our tent we are ready to leave and get into the group of locals. They ask various questions and we can only answer the most simple ones. Since we don’t know where we are and where we want to go, we are only a little help to them, trying to figure out what we’re up to. I point down the way to our left, the opposite of where we came from last evening and ask if there is the Lake. They answer Victoria and we understand each other a little more. A young man comes out of the group and reveals his fabulous English, which is by far enough to exchange and communicate about anything of importance. We leave our folks of the morning and our new friend guides us towards our destination. We wave the big group of locals, by now maybe twenty of them, and the number of kids following us gets diminished by distance and time until we’re only six people crossing the paths to the lake.
We reach the lake through some rice fields and beds of diverse vegetables as Fabian, the boy who's bringing us, teaches us all the names. We walk through realms of light and insects and banana trees. Big piles of stones build up around us as we walk closely to she shore. The sizes of trees varies more and more and long leashes hang down from some trees. To our left the water plants of the lake start again and we look over the giant water surface with some smaller islands here and there, plus the big island in the far distance which is still centred mysteriously in the middle of the horizon, stretched far in both directions but seemingly without connection of the main land. One tree carries brown smooth fruits with a hard shell which look like massive peanuts but smooth… Fabian tells us the use of it and says that it would be taken as medicine for the tummy. The lake opens to our left even further and an old man washes his cloths between the small stones in the brown water. His back shines in the sun and every bone throws a little shadow behind its curve. His arms and legs are thin but very strong, his hair greying but very full and curly. Behind him on the water we have little wooden boats floating in the vicinity. They are small and only out of wood. Old blue color is on the outside and demolished old ropes go into the water, tying them to the land. Fabian points to an island which is to be reached by boat and tells us that there is a way to take a boat from somewhere close by to cross over there.
We come to an open field of gras right along the shore with one mango tree next to a little stone house, a slightly bigger fisher boat and a man carrying the motor to the boat, walking through the flat water to reach it. Many woman stand on the shore washing their cloths with the water of the lake and in the distant curve of the water surface we see a shining rotating construct, maybe a water mill under a big tree standing. The boys let us rest under the mango tree while they sit on the shore with some friends joining them. The community of the area knows one another. No one is a stranger and you are taken into the heart of the shared living space in nature since you are born. Everyone knows you since you were very little. Some people come by greeting and all of them have their own fun, looking at two Whites already laying and sleeping in the shadow, even tho the day had just began. We don’t manage to sleep exactly, but the brake does its job. I give my mum a spoken update of the journey and take some notes. We eat the green mango of yesterday which still is very much unripe and then take our bags. Well, I try to… Fabian is at our side again and takes my bag once again as we leave up the bigger road towards Katunguru, the little village we have passed yesterday evening getting a snack for dinner. He shows us his spots and teaches us some words of his tribal language Sukuma. The Sukuma are the biggest tribe of Tanzania with its main population here in Mwanza and around the rest of the Lake Victoria stretching down even to parts of center Tanzania. We point at various animals and plants to learn Swahili just as much and with his English the quest is an easy one. Exchanging with him is great fun and his smile is warm, honest and very friendly. He’s one year older than me and lives with his family. They have a herd of cattle and some goats, as many families here have, and his biggest dream is to become a doctor. He is amazed by the fact that we work in the hospital Bugando, that he admires so much and we exchange some knowledge, some ideas and ways to make his dream happening. He is already very interested in the arts of healing practiced in his village by elder people and I hope for him to find enough opportunities to join and learn from them. He is very genuine about his aspirations.
We come to the center of Katunguru once again but he shows us a new place very close by with a giant metal tray that has round forms in its depth for Kitomboa, which is a ball of fried rice liquid that I haven’t fully figured out yet. A chapati making woman is places next to the first, so there is the unsweetened type of pancake to be bought and rice balls. What a dream. We take a seat and invite our new good friend for a meal. Six Kitomboa and two Chapati, milk for us and he orders a tea for himself. We have a very calm, relaxed and time taking good meal. The milk is from the cows close by and has some special sweetness to it. The chapati is still warm and the best one we had so far. That’s what Loana claims to perceive. Next to us blooms a big tree with red small but beautiful blossoms which have a little yellow inside as well. The fruits are long, thin, dark brown and look like a two dimensional banana with small seeds under the crunchy peel. We acquire a great deal of new words and we couldn't be more grateful for the efforts he puts into this exchange. We swap news about the world in Germany and here, comparing life standards and situations of the countries. I ask him what he would do if he was the president of Tanzania. Instead of listing projects, ideas and plans to better the economy or something like this, he says he would apologise. He investigates my phone later on since he doesn’t have one himself. He is amazed by the design, the sharp edges, the big lenses and the smooth screen and its weight. The texture of my grip case under his finger tips and the five Euros and the one Dollar bill I had stored in the cases back. On my background he sees my two soulmates and myself with long hair before I went to Norway. It’s Martin and Nina on the picture taken in Brandenburg. He opens the camera app and is confused as everyone I meet, why my phone would have a black and white screen. I explain vaguely since I can’t describe the addictiveness and distraction a screen carries to someone without even a brick phone and then we take a selfie for which I am very grateful.

He accompanies us a little further up the road and then we say goodbye as he goes home to later have Sunday school. I write my number on a piece of paper for him, and I ask for the names of his siblings in order to find his family again, when we return and then we let Fabian go to his own life, as ours continues down another long dusty road. He showed us a shortcut to Sengerema.
We find ourselves a little further down the road at a stand of an old woman selling us tomatoes and little cube formed brown bread. The elder lady looked so happily confused when we entered her sight, that I couldn’t stop smiling at her. Being on the road we play around with the water we carry to drink and spill a little splash of it. I tried to force feed Loana a sip and made her wet, but was able to escape her attacks until she gives up. After that I stayed paranoid, waiting for my payback, which I would only receive this evening at seven, when we are at home and when myself would expect it the least. She won this one.
We make out a nice little forest area of some lonely needle trees in the distance and go beneath the biggest one of the trees. It’s resting time once again and we need it. I unfold the tent, we lay down on the black plastic and the orange stripe to nap. I try to write a little but my eye lids close without my permission and I’m gone before finding words. People cross at the street, some kids play hide and seek in the forest later, chasing each other and Loana and I take in the softness of time for a short while before we continue the journey quite soon. Loana finds a tiny baby cow tied on a tree to pet. The black and white little new friend wasn’t shy at all. They fall in love right there and then and it was an effort to get my co-volunteer to be mine again and let go of the golden little baby with its soft fur and the small hard head and the big eyes and tiny swinging tail and… bref. Loana, cut it! <3
The only reason that this cow is still standing where she was standing before, is that Loana's backpack was slightly too small. But she tried, trust me -

We see a big horned beast further down at the crossing of a road. I try to share my bitten tomato with her but the cow seems to be uncomfortable having me close by while being bound to a piece of wood in the floor. I take my distance and then a Booda arrives just in front of us to take us half way to Sengerema. We tell him to stop somewhere in between here and the city to let us off as we see a nice neighbourhood. Loana was sitting in the middle and myself on the back of the moped, there where the metal grid part starts, so I sat on thin ropes and my butt had enough. My neck burned a little more and so did our lower arms but at least my feet are still working and walking. Did you keep in mind that I’m barefoot? Maybe you didn’t.
After the booda stops we head into the area blindly following a little path and crossing some plantain of banana and papaya, as we were coming to a clay housing with metal roofs. We see a mother cook inside while the children are outside starring at us after putting a break to their game made of sticks and a ball. We also see a chicken family and think about buying one of the babies but don’t do it then because we are missing ideas about how to go about such a transaction and what to do with the new feathered friend until we’re home. And we can't just steal a baby from a mother, can we? So we chickened out of the plan. Unfortunate because things couldn’t be more hilarious than with a chicken under your arm. Don’t take this as a life philosophy but it’s certainly true. Try it out! Go up to a farmer and give him something of value as a refund, so you won't have to buy the animal and take her for a walk. You will have a day which you will remember for life and you meet many new people on the way through your town. Maybe even THE one. Uhhh...
We walk and walk until we meet two women. One holds a bucket and sees us first. The bucket is filled with dried corn seeds which later will be turned into Ugali, when made to powder and mixed with boiling water, stirred until creamy. She comes with us and she leads us the way back to the road and exchanges numbers. She speaks a tiny English but not enough to exchange any information. Her name was Edeema. We are on the street again and the midday sun is on an UV index of 13 as Loana finds out through her phone and my neck still has its burn from yesterday. If you compare: the boiling sun of a sun in Spain during sommer might have an 8 or a 9. The scale goes from 0 to 16 and 13 is quite a number in those circumstances. It's about how much UV waves are in the sunlight. We find our next Booda and this one gets us into town. The try to flee the midday sun through this drive but despite the wind its still a sweaty mission.The way that this guy drives on unpaved roads, the pace with which he overtakes other vessels and the way he ditches bigger stones on the road, make me have fear for our little lives a few times. Insects find their way into my eyes as we shoot through smaller groups of them and with one other Booda he battles constantly for the leading position. Trucks coming the other way throw up large amounts of dust and we’re covered and sight taken for a little while. I feel the back wheel jumping sideways when driving over a certain loose stone on the sandy road and realise for myself that I’m focusing too much on his driving and that I should relax a little. Could I prevent an accident by being worried about what happens? Maybe not… so I enjoy the fabulous view and the never ending diversity of small housing places, tree kinds and ways of people to make a living instead. The wind does very well in the heat, and sitting here in a small dark and hot room at home, writing about it all, I wish this wind back despite the drive and its dangers. In memory everything is golden. Live Life like a golden memory, as a friend in Spain once said to me. Value each other those seconds we run through, like it would become a dear and very beautiful memory.
We are in Sengerema after one day once again and spot a place to get a mango and two bananas from and we see another little stand with golden yellow kasava, which is fried sweetpotato. We pay 1.4 thousand Tanzanian Shilling and get a plastic bag full of it. That’s 50 cents and we don’t manage to finish the bag as two hungry people even tho the kasava is awesome. The meal we’re having on a bench in the shade next to a street corner with old ladies behind us selling cucumbers and avocados as they are sitting on the ground, on thin green blankets with plastic buckets in front of them, on which the presented food is laying. That's retirement work here. They invite us warmly to them, so we could inspect their offerings. People come by and ask things we don’t know. On the other side of the street corner there are waiting men with their Boodas and they play something on a big chessboard that isn’t chess at all, to have an activity going. Other people have the very common position of a person, who sits at one place without an interaction happening for hours. They are used to waiting and they mastered it. Also in many peoples minds, the act of waiting and letting time pass, is far beyond our understanding and perception of the flow of time. Some people I met claim, that most Africans see time as something circular and ever repeating, day by day, without an exact urge to make something happen that day. I grew up seeing time linear. Action after action. Moment for moment. Maybe this is a thing that revolved about the seasons. Here there are none and all year, all time seems similar. In Europe the seasons make the year and differentiate all the different times.
I think of my Martin, the man I survived Spain with and pray that he will survive when arriving in the politically upset Nepal very soon. His journey seems to escalate similarly to mine. At least it sounds amazing. Teaching chess in Nepal while traveling around as a volunteer and being in a long distance study in a university of Germany… wow. As I realised in Spain, two characters have met back then and I'm most excited about the further way we will share.
We walk down the road, turn right into a living area and follow a long path through some housing, some smaller tropical forest patches, seeing a young black woman in a white dress next to a chicken, sitting in the soft gras while taking a phone call, until finding a big open field close to a forest with giant trees in the wide yard of what later proves to be a church. We get to do our pee business and then get on the tent, nap once again, enjoy eating tomatoes, add a lime that Loana found while peeing on a tree and the last two baked goods in our repertoire vanish as well. I journal after I thought about life while resting with my Glenora Farm Community hat from Vancouver Island on my face. I thought of some of the moments I went through which only happened because of what went before. I feel like every moment is worth being used to its full potential to then deserve what happens next. I could never simply rest and in relaxation go with the flow to let things just happen. I want to live in the illusion that I can influence my luck and its future through giving energy to improvement, inner growth, striving and living fully. I sit here now at 3:23pm and watch goats and two cows on the field.
Moments later a guy in a uniform approaches us and I have the feeling that we messed up… we didn’t! He is very interested in our story and introduces us to the place. He’s the security guard of the church property we are laying on without knowing and he tells me a story about his family and the seven children he has. We greet warmly and he wishes us a good further rest before returning to his post.
A cow makes a loud sound as we rest. Three types of birds are showing off with their sounds and communicate through long distance. Some vehicles on the road close by make some noise and a giant insect flies by. An orange spot on the furry back of it, a blue glazing belly and legs so incredibly long hanging down from it that you would have to blink twice to know that it’s real. This is a rare feeling, but a big one. Seeing something you have never imagined before. As we usually live in the absurd illusion to kind of get what’s going on in this world and as we think to know something, the world can prove us wrong in all ways existing. This living being is a small teaser to exactly that. I appreciate its incredible appearance which gives me imaginations of what animals during the time of dinosaurs must have been like. I thought this guy already to be massive. Oh oh. What a world, really...
Some bells go off loudly and Loana sleeps, dreaming literally of sheep as she tells me a few seconds after the very loud and nice ringing wakes her. When we’re done resting our security guide comes again greeting us and asks for money to get his daily meal and support his family. Ahh. The Buddha said to give where we feel comfortable giving. I explain to him that we’re volunteering and even tho we are White we don’t have a lot of money and then we hand him the left over money we had except the 10K we need for the drive home and then leave after taking a picture all together. I hope we could do him at least a little bit of good… if not through the bit of money, then maybe with our interaction.
Asking someone for money does destroy a certain aspect of the social interaction but I guess we have to clearly separate those things. Asking people for money should be just a normal thing. If you have, you share. If you need, you ask. Why not? Something in the West has disturbed my natural perception of this value given object money. Oh well…
A bomb just hit my brain five minutes before. My mom replied to my message which was telling about the bath in the Lake Victoria. Oh goodness, the poor woman. She sent an article of the German News media channel ARD and I read all about the virus of the polluted water and what it does to the body. About how easy it is to get and how surely I have it. How to barely treat it and what happens to me soon. Quite tensed by that and in deep thoughts we start our walking. Try to go with the flow of words and don’t tense against it. I am totally ok now, but this was what I suffered though in thoughts. See what it did to me, but realise how it’s an elementary part of the experience which was gifted to me.
The disease is called Bilharzia and something is about sweet water snails, their eggs coming through skin, entering the tracks of organs and on the spine, growing up to worms and destroying interior buildings of your body. What a perspective.
A new design of a way about how to cope builds up in myself. I can’t change the disease I’m carrying inside me now and things happen as they have to. I lay extra focus on the moment and breath in the fullest volume while creating plans of nutrition and mediation, breathing practices and sport, which are the bundles of efforts that result of those things I had contact with, that are supposed to strengthen the body and my immune system. Plans to live the most healthy come into shape and give me a thinking purpose instead of going about the happenstance in fear. In the hospital I will immediately get support and feedback from a doctor, that’s the plan. We walk away from the giant yellow church of Sengerema. The sun is still very brutal and slowly but surely my feet don’t enjoy it anymore. The asphalt we had entered being in Sengerema is rough and pointy.
Is this how the journey ends? Yep, absolutely! Why not? We’re have seen some amazing things and we have learned a lot. We slept at an incredible place and took a bath in the world famous Lake Victoria, Africa's biggest lake, the world's largest inland lake I believe. Don't trust random facts you read on random blogs!
We will survive everything that comes up. I will get medicine from the hospital and on the same day I take it, just hours later, I will get to know my biggest hero. A self taught medicine man and creator of the Good. He tells me that the healing property of the median agains worms that I took in the morning of this day, are extracted from the papaya seeds. I will eat a papaya soon and am totally safe with that.
For my feet - Loana and I were brought to the bus station and took the drive home. We found a lovely new spot to get food from in our home area of Nygezi Station.
We talk and reflect about highlights of the weekend sitting at that place. Loana really liked to not have a plan and wander around and being present in each place feeling like it was the first time. She really enjoyed the school slash church and the singing. She didn’t like to wake up with my breath in her face but loved the animals on the road so much that she quickly forgot about the first thing. When she asks about me I try to express my love for every change of linear acts. We walk straight and the beautiful moment is the one of change. We see something and go off the path. We hear something and follow it. Freely from here to there. Real freedom and the loving kindness of people are my highlights. Their open hearts, smiling faces, genuine interests and helping hands. The sleep beneath banana trees stays on the top and waking up to many people around us had definitely hilarious aspects to it.
I explain to Loana what the expectation of sickness from worms inside me does to my mind and it’s a good result I’m telling her about. I also explain to her the time back in Canada, pretty much to the end of my year, when my work colleague and beloved Kristine had to drive me to the hospital because I was bitten and scratched by a bat living in our attic two weeks before and just then 14 days later learned about the existence of rabies. I recall the thoughts of having inevitable death in front of me and the lesson it taught me. Five vaccinations, two in Overseas and three in Germany, Munich, and I was good to go. This feels a little similar and I enjoy the flashbacks of a good time on Vancouver Island.
We get home by walking our well known hill up 2.5 kilometres and shout 'Hooodi' at the gate which means something like knock knock and see our beloved mamas again which greet us calmly and friendly.
It’s most wonderful to be home. We are not the same anymore but have grown a little more and everyday which we are spending here we grow a little more. Every new path we take is an experience we add to our being and this weekend was a big one for the both of us.
Will we manage to backpack through all of Tanzania? At least I am planning on. But time will tell and for now we have done enough.
Thanks for reading, my friend. Apologies for the switch in languages somewhere in the middle. I felt like it and let’s see what it’s going to be good for.
To end the day we will meet each other sitting on the floor of our living room with Paula our dog sleeping next to us, as I put on a video of my beloved Wim Hof and we practice Breathing Exercises. Most wonderful, most healthy.
Catch you in the next one!
Ich hab ne geile Idee... willst du als nächstes in den Tagesablauf eines ganz besonderen Samstages schauen? Die Proteste wälzten nur einen Tag zuvor nach den Präsidentschaftswahlen durch alle großen Städte Tansania's und dieser Eintrag berichtet über was passierte, aber vor allem über diesen besonderen Tag bei uns zuhause. Lerne das House of Hope um ein Vielfaches besser kennen im Riot Tag Drei Artikel. Die direkte, volle Ausführung des Ablaufes dieser Proteste, in einem Land, das in seiner ganzen Geschichte noch nie etwas dergleichen erlebt hatte, findest du in einem anderen Eintrag. Mal schauen ob ich den ich verlinken werde... vielleicht vergess ich es. Folge der Chronologie wie einem weißen Hasen und du wirst finden.