Ein Jahr im Leben 25

Ein Jahr im Leben 25

Vor dir geschrieben liegt das bisher unglaublichste Jahr meines Lebens in Kurzform als Übersicht. Jede Etappe ist mit entsprechenden Links von den Blog-Einträgen der Zeit verbunden und bei Interesse kannst du in jede Zeit der Reise durch mehr Worte eintauchen. Falls dir dieses Jahr aus meinem Leben gefällt, freue ich mich schon sehr das Nächste mit dir zu teilen

Falls es richtige Schritte gibt, um sich vom Standard und von jeglicher Normalität zu entfernen, so habe ich dieses Jahr jeden Einzelnen davon getätigt. Das wohl beeindruckendste Jahr meiner Existenz liegt hinter mir und ich wunder mich, ob da noch was geht ohne dabei drauf zu gehen. Von unendlich wertvollen Erfahrungen für das eigene Sein, wollen wir in der Zukunft versuchen, unser Potenzial in die Welt zurück zu geben, durch mehr freiwillige Arbeit und Worte, Werte, Inspirationen und mit Präsenz.

Das Jahr begann im fünften Tag meiner ersten jährlichen intensiven Fastenzeit. Tag Fünf von 19 Tagen Gesamtfasten führen mich an ihrer Hand in den neuen Zyklus einer Sonnenumkreisung und ohne bezahlende Anstellung, zuhause in der Wärme von Familiennähe und Ofen, mit genug Tee und einem kristallklaren Geist und heilendem Körper beim fasten startet das Erlebnis. So begann mein kurzzeitiges, aber intensives Selbststudium von Sprachen, Literatur, dem Programmieren, der Lehre des Fastens, Meditation und meinem Höhepunkt des Buchverfassens; meines ersten Buches ‘Zusammen Leben leben’. Beinahe zwei Monate vegetiere ich ungestört in dieser absoluten Homöostase meines Geistes, diesem Gleichgewicht aller Dinge, von denen ich wünschte zu existieren, bis ich beginne einen kleinen Job bei einem schon bekannten Ort wieder aufzunehmen, was im Endeffekt meine Finanzierung des kommenden sozialen Jahres darstellen wird, wenn es im September so weit war. Ich arbeite  als Angestellter in einem Getränkemarkt und tue das zu großen Teilen, um mich auf einen Plan vorzubereiten, der mir wage vorschwebt. Ich möchte lernen auf jede Art von Mensch zugehen zu können und befähigt zu sein soziale Interaktionen zu starten. Lange genug an einem Ort zu sein und mich intellektuell mit mir selbst und der Weltensituation auseinander zu setzen, brachte mich zu dem Entschluss, dass das nicht alles sein kann, und definitiv nicht das Richtige… ich dachte stattdessen ans Reisen. Und dafür musste ich lernen mit Menschen umgehen zu können. Ein kundenbeschenkter Arbeitsbereich mit vielen Angetrunkenen ist vielleicht nicht das absolute Optimum, aber es reichte um mir den Grundstein für Alles zu geben.
Jetzt hatte ich vom Reisen ungefähr so viel Ahnung wie du! Ich habe ein Jahr in Kanada gelebt und freiwillig gearbeitet, und wöchentlich auch Ausflüge unternommen und in den dunklen Waldtiefen Tagesabenteuer erleben dürfen. Das einzige Rucksackerlebnis war allerdings nur eine drei Tage Wanderung zu den unglaublichen Della Falls auf Vancouver Island, wo aus 400 Metern Höhe Wassermassen mit brutaler Wucht auf die Erde treffen. Meine sportliche und viel rationalere Freundin Mia hatte meinen Po durch das Ganze hindurch gebracht. Fun Fact: jene Person ist die Fotografin unseres Blog-Hintergrundes und des Titelbilds in allen Medien. Props meine Liebe! Von Reisen hatte ich danach trotzdem noch keine Ahnung…

Ich dachte an Norwegen. Warum weiß ich nicht. Ich belas mich nicht über die klimatischen Bedingungen im März des Landes und stolperte unahnend in alles kommende, bei Minusgraden, Schnee und als fast einziger Backpacker in dem Land zu der Zeit. Im Zelt. Dass ich mit einer reichen Person aus dem Sektor der Finanzen in der Nachbarstraße des Königs in Oslo wohnen würde, mit 50+ Gesprächsstunden in 4 gemeinsamen Tagen und mit Einblicken in alle Ecken der Welt aus Geld, war mir nicht bewusst. Ich ahnte nicht mich in Kristiansand im Süden in eine Stadt zu verlieben, wusste nicht dass ich barfuß über Eis in die Gebirge der Preikestolen steigen könnte und an der weltberühmten Pulpit Rock Klippe alleine Zelten würde. Dass ich auf jenem Berg auf vier buddhistische Mönche treffe und anschließend vier Tage mit ihnen lebe, klänge für mich auch nach einem Bilderbuch, wenn es nicht genauso geschehen wäre. Meine beiden dort kennen gelernten Freunde aus Amerika und Äthiopien haben einen unersetzlichen Wert auf meiner Reise zur Spiritualität gewonnen und die Lehren der Mönche werden eine Basis für Vieles in meinem Leben sein. Dank dafür reicht als wort nicht aus um zu erfassen, was die Bereicherung dieses Treffens war. Danach wusste ich, dass ich in die Welt des Nichtbesitzes und der Meditation gehöre, anstatt in das wirtschaftliche Lebensstreben nach Glückseligkeit durch Besitz.
Norwegen in kurz ist durch, und ich stand da mit dem Selbstvertrauen eines Kriegshelden, der alles überlebt hatte, was in seinen Weg kam, mit dem Denken, dass wer Norwegen im März allein überlebt, auch den Rest der Welt in Angriff nehmen kann.

Ich kam nach Hause, um 20 Jahre alt zu werden, wachte am 1. April um fünf Uhr morgens auf, schrieb den Traum meines Lebens auf Papier, sagte anschließend mein bereits zugelassenes Studium in New York, wo ich in einer Camphill Kommune namens Copake ‘Social Therapy’ studiert hätte, ab, da ich mich nicht als Student, sondern als Weltbereisender wieder erkannte. Mit diesen Neuigkeiten begrüßte ich meine Mutter an jenem Morgen und ich wurde böse angeguckt, weil ich die Regeln des Tages gebrochen hatte, und todernst über die Entscheidung war. Noch am selben Tag fand ich den Ort, an welchen ich stattdessen gehen wollen würde. Tansania, Mwanza. Arbeit mit behinderten Kindern. Eine einzige Bewerbung, an welche ich alles Vertrauen hängte, schickte ich der Organisation ‘Freunde Waldorf’ und ignorierte den Prozess dann solange, bis ich während meiner Europareise auf einmal merkte, mit begrenzter Zeit und ohne Geld nach Hause kommen zu müssen. Elf Wochen dauerte die Fußreise nach Hause und genau dieses Abendteuer startete im Mai, nachdem mein bester Freund des Geistes Martin und ich, vor Monaten zufällig entschieden zu dieser Zeit gemeinsam durch Spanien zu laufen. Wie das kam und dass das tatsächlich geschah, ist wirklich eine Art universelles Wunder, und mein Leben sollte nie wieder das Selbe sein können. Bevor es startete arbeitete ich einen weiteren Monat, hatte das Geld für Tansania beisammen und genug übrig, um von nahezu nichts während der Reise zu leben.

Martin und ich liefen mit zwei Rucksäcken und einem absoluten Ein-Personen-Zelt, egal was die Beschriftung sagt, von Alicante bis nach Valencia in acht Tagen. 279 Kilometer in acht Tagen und blutende Füße mit Schmerzmaßen außerhalb von allem davor Erträumten. Von Valencia aus billig mit einer Fähre nach Ibiza, dort in schönster Natur campen und ebenfalls auf unseren ersten Bürger der Welt treffen, der uns erste Einsichten verschafft in wie das Leben in der Welt aussehen kann, denn Reisen muss keine Freizeitentscheidung sein, sondern kann zum ultimativen Life-Style lokaler Unabhängigkeit mutieren und einem für nichts, außer der richtigen Entscheidung die Welt und ihre gesamte Schönheit eröffnen. Die gesamte Reise mit Martin an meiner Seite und all dem Leiden, dauerte drei Wochen und brachte uns 522 Kilometer by foot. Er flog von Madrid aus nach Hause, um später durch Nepal freiwillig arbeitend zu reisen und ich versagte in Madrid geldtechnisch und konnte mir nur einen Flug auf die nahe liegende, italienische Insel Sardinien leisten. Nun wieder alleine gestrandet in italienischer natürlicher Schönheit, war Reisen wieder eine ganz andere Sache. Ich schlief auf Olivenäckern zwischen Wildschweinen und lebte mit einem Pärchen in den nordsardinischen Bergen, wo sie selbstversorgend und zivilisationsunabhängig existierten… unglaubliche Freunde, beides Franzosen. Danach traf ich nicht ganz zufällig auf meine Familie auf der Insel, die dort ihren Familienurlaub verbrachte, und vereint war es ein schönes geteiltes Erlebnis. Wir bestiegen unseren ersten Berg gemeinsam als Familie und diese Zeit machte es mir möglich problemlos wieder auf wiedersehen zu sagen und länger ohne Familie zu bleiben. 

Ich lebte in einem wunderschönen Zustand des mir heiligen Minimalismus. Nun da ich meine Eltern traf, übergaben sie mir mein bis dahin abwesendes Zelt und ich konnte völlig unabhängig von allen zivilisationsgegebenen Sicherheiten reisen. Ich gab pro Tag 2-3 Euro aus und lebte unfassbar einfach, gesund und erfüllt von was ich tat, mit abnormalen körperlichen Leistungen, die ich mir nicht zugetraut hätte. Das war die Zeit in Spanien und Sardinien, aber als ich auf die Nachbarinsel Korsika reiste und sie zu Fuß halb überquerte, schlief ich in der Stadt Ajaccio neben einer Person am Strand, die mein gesamtes Leben und meine Vorstellung von Leben, Menschen und dem Erdensein auf den Kopf stellen würde. Der junge Pariser heißt Frankh. Gleich alt und gleich ausgerüstet reisen wir beide. Ich bis dahin mit wenig Geld, er völlig ohne. Er bringt mir die Kunst dieses Lebens nebenher bei und gemeinsam reisen wir fünf Wochen, ohne uns je mehr als wenige Meter von einander zu entfernen. Über diesen Charakter könnte und werde ich hoffentlich Bücher schreiben, denn jemanden wie ihn zu kennen, machte die ganze Welt und das Spiel um Geld plötzlich zum kindlichen Abenteuer in dem Alles möglich ist - vor allem wenn man ohne Geld lebt. Was das bedeutet, merkten wir spätestens als wir von Korsika nach Südfrankreich nach Monaco kamen, um dort zwei Wochen in einem der umwerfendsten Restaurants zu leben, zu wachsen, freiwillig zu arbeiten und der Besitzerin Beistand und Liebe in ihrer Lebensphase zu leisten. Wir überlebten durch menschlichen Werteaustausch, anstatt durch Geld. Wir lebten das Leben der aller Reichsten, denn wir waren reich. Reich an allem was das Leben wirklich bedarf. Freiheit, Gesundheit, wundervoller Gemeinschaft und zusätzlich Gerichte, die ich mir nie hätte leisten könnte, täglich! Mit dem gleichen Selbstbewusstsein vieler Reichen, aber mit weniger Problemen und einem unbeschwerten Leben, keinen Verantwortungen und vor allem kein Geld, was unser Schlüssel für das Meiste bleiben wird. Mensch sein statt reich sein. Nur zwei grandiose Geister, die miteinander durch Europa liefen. Frankh’s Erscheinungsbild mit einer Mutter aus dem Kongo, hoch gewachsen, ich mit blonden Haaren, selber Körperstatue und viel zu breitem Grinsen, weil mich das Leben zu der Zeit einfach umhaute, waren ein unschlagbares, unvergessliches und unendlich interessantes Duo. Wir schliefen an den schönsten Stränden, Wäldern und Bergketten, waren frei und jeden Tag prall gefüllt von der Hilfe und dem Essen Anderer. Wir überquerten die Alpen in neun Tagen, sagten meiner Familie zuhause hallo, als sich zwei Welten in meinem Dasein vereinten und meine Reise in mein Haus kam. Ein ganz komisches Gefühl. Als wir nach Berlin kamen, endete unsere gemeinsame Zeit, als er nach Paris kehrte und ich nach Frankfurt kam, um ein Seminar wahrzunehmen, welches mich auf mein kurz darauf beginnendes, zweites soziales Jahr vorzubereiten. Tansania. 10 unvergessliche Tage und ein wundervoller Ort in Deutschland, um mich selbst und meinen Charakter frei auszuleben und auf Begeisterung zu stoßen. Das war eine sehr schöne und bestärkende Erfahrung. Ein Monat der Familienbesucherei startete und ich versuchte die letzte Zeit auf Dauer in Fülle zu genießen. 1200 Kilometer waren es, die ich zu Fuß auf Reisen bis zu diesem Punkt zurück legte. Alles mit den selben Barfußschuhen, die inzwischen Löcher in den Sohlen bekamen.
Das Leben in Tansania begann am Anfang des Septembers. Zuerst erreichte ich die riesige Stadt Dar es Salaam und lebte eine Woche in der Einrichtung einer inklusive Waldorfschule in Vikindu und durfte kurze Einblicke in das Unterrichten von Kindern erhalten. Dann reiste ich mit meiner MItfreiwilligen Loana nach Mwanza in den Norden des Landes, 21 Stunden Busfahrt, um im neuen zuhause Mwanza anzukommen. Auf einem Hügel mit Sicht über den gigantischen See Viktoria, mit Arbeit am Krankenhaus Bugando und einem geteilten Heim namens House of Hope mit behinderten Kindern und ihren Mamas, die Kinder belastet mit Wasserköpfen und gespaltenen Wirbelsäulen. Ein traumhafter Ort, an welchem ich auch jetzt noch wohnte, wenn ich nicht auf Reisen zum Seminarort unterwegs wäre. 

Ich sitze am letzten Tages dieses unfassbaren Jahres barfuß in Moshi am Fuße des größten Berges Tansania’s, dem Kilimanjaro, ohne einen einzigen tansanischen Shilling den ich meinen nennen könnte, nur mit einem großen Rucksack und einem Zelt, einer brillanten Gesellschaft und dem Ziel ohne Geld die 1480 Kilometer zurück nach Dar es Salaam zurück zu legen. Bisher läuft das Ganze geschmeidig und jetzt hier zu sein, scheint eine gerechte Krönung zu allem Schönen meines Jahresergebnisses zu sein. Ich wohne bei einem Kunsthändler, Tourveranstalter und Community-Being, der sein Lebenswerk der Unterstützung von Mitmenschen widmete. Ein paar Einzigartige und Wesen auf dem Weg zur Erleuchtung waren auf meinem Weg des Reisens. Ein Weg, der in sich selbst und seinem Erlebnis wohl ein einziges Unikum darstellt. Und wie cool, dass ich diesen Pfad gehen konnte. Aus Ehre jenem Weg gegenüber verfasse ich seine Etappen und versuche Einblicke in ein so völlig anderes Leben zu geben. Ohne das Streben nach Geld, Komfort und Besitz. Sondern nach Menschlichkeit, Natur und der puren Schönheit unseres Erdendaseins.

Ich bin endlos begeistert, inspiriert Mensch zu sein, Veränderung in die Welt zu tragen, Liebe zu verbreiten, Leben zu verbessern und auf der nicht endenden Suche nach dem Ort und den Menschen, um mein Potenzial auszuleben, komme ich durch unzählige Orte meines Herzens und kann nicht anders als zu lieben, was mir als Leben vermacht wurde. Ich versuche zu schreiben, um eine Nachricht in die Welt zu geben. Um zu beschreiben, zu beweisen und zu erklären, wie wir Alles anders machen können, Freiheit gewinnen von Umständen und Gedankengefängnissen, um uns schlussendlich besser selbst ausleben zu können. Mehr Dankbarkeit, Erfüllung, mehr Miteinander, mehr Menschlichkeit und ein besseres Leben für alle Communities, die auf meinem Weg liegen. Wie ich das anstelle, liegt vor mir. Wie ich meine Worte für dieses Ziel benutzen kann, finde ich grade noch heraus. Was du dafür tun kannst ist leicht. Fühle dich herzlich willkommen geheißen in der weltweiten Community und ihren herzlichen Menschen in dem Rahmen, den ich Gen.ZM nenne. Unglaubliches wartet auf uns!

Willkommen im Geiste meiner Idee der Vision Grande!