Jetzt wollte also jemand, dass ich jene Nacht überlebe… dass ich mir durch die letzten fünf Stunden ihrer Dunkelheit hindurch absolut sicher meines eigenen Endes war, hatte ich versucht in Worte zu fassen. Echte Lebensangst kann man nur hoffen nicht zu erleben, wenn man sie einmal richtig erfahren hat. Ich glaube diese Nacht zählte. Beim ersten Sonnenschein und den Vogelstimmen des Morgens überwältigte mich dann doch final der Schlaf und vier Stunden döste ich vor mich hin. Der erste Hirte weckte mich um zehn Uhr und grüßte freundlich, als er seine Herde aus über zwanzig Tieren an mir vorbei trieb, das trockene Flussbett hinunter. Ich begann Liegestütze zu machen, um direkt wach zu sein, dann langsam zu packen und meinen Laptop zu zücken, um in einem aufgeräumten Zelt und dessen Eingang sitzen zu können und Tasten penetrieren zu können. Irgendwann später, Zeiteinheit zwei weitere Hirten mit Ziegen und mageren Kühen später, war alles getippt und ich packte mein Zelt und begann den barfüßigen Weg zurück zur Brücke, wo ich gestern Abend noch völlig überzeugt von einer guten Idee in das staubtrockene Flussbett und seine Landschaft und Tierwelt der Nacht stieg. Ich könnte mir selber Eine klatschen, so doof fühl ich mich für die Freude, als ich dort entlang gedackelt bin und wirklich überzeugt war einen tollen Ort gefunden zu haben. Menschen sind schon für weniger doofe Dinge drauf gegangen. 

Zurück auf der großen Straße Richtung Ziel. Wir befinden uns circa 30 Kilometer außerhalb von Moshi und circa 250 Kilometer weit weg vom indischen Ozean und der angesteuerten Stadt Tanga. Unser Ziel ist Bagamoya, Dar es Salaam und die Kilometerzahl ist mir noch abwegig, aber wir kommen unsrem Ziel näher. Schritt für Schritt auf sehr heißem Asphalt. Mein Tag hatte keine wahnsinnig umwerfenden Wendungen und war bis zu meiner Rettung am Abend auch wirklich nur nervenaufreibend. Ich sprach das erste Mal mit Lastkraftwagenfahrern und fragte ob sie mir für den Weg behilflich sein könnten. Ich hatte mir keine Worte zurecht gelegt und merkte in dem Gespräch, dass ich noch null Prozent Vokabular für eine solche Anfrage gebildet hatte. Sie meinten erst Morgen nach Dar es Salaam zu fahren, und so lernte ich nur, dass die meisten LKW’s auf der Reise zur größten Stadt Tansania’s waren. Ich habe das Gefühl, dass wenn ich zum Ende der Reise hin einen von ihnen erwische, den gesamten Restweg reisen kann. Da ich aber nicht vor habe länger als nötig in Bagamoyo zu sein, werde ich den Joker vorerst im Ärmel meines T-Shirts auf Oberarmhöhe stecken lassen. 

Bald darauf stieß ich auf eine charmante, leicht alkoholisierte Gruppe aus Booda Fahrern und wurde Teil von vielen neuen Bildern. Meine orange glänzende Beachvolleyballbrille, welche ich das letzte Mal in Spanien gezückt hatte, kam heute das erste Mal zum Einsatz und wurde dankend und liebevoll von jenen Boodas aufgenommen und integriert. Einer von ihnen sprach Englisch und war in unser Gespräch so vertieft, dass seine Augen so aussahen, als würden sie zu diesem Moment nichts anderes auf der Welt wahrnehmen als mich. Er war wirklich süß, nicht angetrunken, und kein echter Booda Fahrer, sondern nur ein Booda Besitzer, der mit den Jungs am sozialisieren war. Ich bestellte ein Wasser für mich und fragte mich mit diesen begeisterten Augen aus, sodass es unmöglich für mich war ihm nicht die bestmögliche Vorstellung meines Erlebten zu geben. Manchmal, vor allem wenn ich mich vor Menschen rechtfertigen sol, fehlt mir die Muse alles im Detail zu schildern. Manche glauben dir auch einfach nicht, und da liegt es außerhalb meines Schaffensmächte sie durch meine Art der Beiträge umzustimmen. Hier ging es wie von allein und der Kontext entscheidet. Die Jungs sahen mich schließlich schon von weitem ankommen und wissen genau in welchem zufälligen Teil des Landes wir grade sind. Dass dieses Setting von Barfußreisen mit Rucksack so wichtig für mein Auftreten ist, darf wohl klar sein, oder? Der Kontext entscheidet doch viel zu viel und ich habe meine Schwierigkeiten meine Art der Interaktionen in Mwanza oder Zuhause beizubehalten, wenn man doch lebt, wie ein ganz normaler Mensch. Aber auf Reisen kann ich jemand völlig Neues sein und mich selbst jedes Mal selbst erfinden, wenn mir danach wäre. Weil ich meine eigene Geschichte aber verehre, habe ich zum Erfinden nicht einmal den Drang. Ich sehe schließlich was meine Geschichte mit diesen Augen macht und das gibt mir unwahrscheinlich viel. Mein glubschäugiger Freund mit der weichen Stimme heißt übrigens Samson. Nachdem er mich auf das Wasser einlud und zuließ, dass ich mich aus der Enge seiner Enge liebenden Mannschaft befreite und weiter lief, holte er mich ein und fragte wie er mich helfen kann. An der Art wie sich manche Menschen mit freundlichsten Worten nicht abschütteln lassen, meine ich deuten zu können, dass ich ihnen einen größeren Gefallen tue ihre essenzielle Hilfe anzunehmen, anstatt ihnen ein bisschen Geld zu sparen, sie aber enttäuscht und unzufrieden mit schlechtem Gewissen zurück zu lassen. Ein geringer Preis für beide Seiten, auch wenn ich mich immer noch schwer tue Hilfe anzunehmen. Er kauft mir also 70 Gramm Erdnüsse namens Karanga für umgerechnet 22 Cent und nimmt mich mit zu seinem Geschäft, welches noch hinter einem aufrollbaren Eisentor geschützt liegt. Er ist Mechaniker und hat durch seine Schulzeit und vielleicht seine Ausbildung ein gutes Englisch. Er bietet mir ein Platz zum Sitzen an, eine dünne Holzbank auf der ich in Kürze flach liegen werde, während er kurz einen Kunden betreut und mir dann beibringt, welche die nächsten Städte sind und was ich ansteuern könnte, um eine sichere Nacht zu haben. Er kümmerte sich ehrlich um mich und brachte mir an der Straße die Gesten des Landes bei, um jemanden zum Anhalten zu bewegen. Wenn ich meinen normalen Hitch-Hike Daumen ausstrecken würde, so meint er, dann schließen die Fahrer daraus, dass mir nichts fehlt und ich kein Problem habe. Wenn ich meinen Daumen jetzt angucke, macht das verdammt viel Sinn. Stattdessen vollführt er die Geste einer Handfläche, die sich rhythmisch nach unten bewegt und beugt sich dabei leicht nach vorne über die Straße, um den Fahrern zu bedeuten, langsamer zu werden. Ich bedanke mich herzlich für die kleine Lektion und werde mich heute trotzdem noch nicht dazu überwinden können, es zu integrieren. Irgendetwas hält mich davon ab, denn mein Reisen wäre ein völlig anderes, wenn ich mich zum hitchhiken entscheiden würde. Ich möchte weiterhin den gut gemeinten Zufall und die frei entschiedene Hilfe von anderen walten lassen. Und so laufe ich weiter, den Hügel hinauf, rechts von mir ein Erdberg mit solchen extremen Hängen, dass ich mich wundere wie Menschen, vor allem Kinder, sicher auf ihm wohnen können, ohne diese 20 Meter jemals aus Versehen herab zu stürzen. Es muss wohl schon passiert sein. Der Anblick ist ein toller, mit rot sprühender Farbe in den Baumkronen vor dem Hügel und mit der flachen weiten Landschaft hinter diesem Erdenkoloss. Ab und zu werde ich auch im kommenden immer mal wieder von Menschen heran gewinkt. Manchmal schaltet mein Hirn sofort ab, weil ich weiß, dass es nur die nächsten sind, die zu ihrer eigenen Bespaßung jemand interessant aussehendes ankommen lassen. Und es gibt wohl weniger Dinge die legitim sind. Aber mit einem knurrenden Magen und brennenden Fußsohlen und einem so unbeständigen Marsch-Flow ist das Ganze zehrend und nimmt mir mehr als es mir gibt. Die Menschen freuen sich trotzdem und manche Unterhaltungen machen mir schließlich auch Spaß. Mich stört glaube ich nur, dass Menschen mich heran winken und mich zum Hund machen, wenn ich mich grade barfuß abschleppe und dann den steinigen Pfad zu ihrem Haus laufen darf, ansatt dass sie mich auf meinem Weg einholen und kurz mit mir laufen, wenn sie eine Frage haben. Vielleicht liegt es an mir das Zeichen zurück zu geben, damit sie zu mir kommen statt anders herum. Wenn man jemanden kommen lassen möchte, dann spricht man ‘Njoo’ aus und die Handbewegung ist eine offene Hand, die sich hin zum eigenen Körper zieht und sich dabei zur Faust schließt.

An meinem körperlichen ersten Tiefpunkt des Tages finde ich einen kleinen Baum am Wegesrand und eine dermaßen unangenehme Wiese, welche dort hin führt. Neben meinem Baum steht eine große schwere schwarze Kuh mit leeren Euter und grast fröhlich oder emotionslos vor sich hin - aus der Distanz konnte ich das nicht bestimmen. ALs ich näher komme, bedeutet mir ihr Gesichtsausdruck immer noch dasselbe und da sie sich nicht beschwert, fühle ich mich toleriert und lege mich neben sie in den Schatten, unter den Baum. Ich schaue im Gras umher und habe ein paar dieser gelblichen Grashüpfer auf Augenhöhe. Die Geschichte der Bibel, welche ich in der Schule mal so halb mitbekommen hatte, welche über die paar Plagen berichtete, die den Pharao Ägypten’s in die Klemme brachten, handelte ebenfalls von einer Heuschreckenplage, bei welcher das Land und seine Ernte von solchen Unmengen von Tieren überfallen wurde, dass gesamte Ernten ausfielen. In meinem kleinen Kopf ist kein Zweifel übrig, der mir erzählen könnte, dass es eine andere Art von Heuschrecke gewesen sein könnte. Die Größe und Farbe entsprechen dem Bild, welches ich im kopf hatte Eins zu Eins. Ich ruhe für eine halbe Stunde in aller Entspanntest auf dem grün schwarzen Tuch am Boden, mit dem gerollten blauen Zelt als Kopfkissen. Mir geht es ziemlich gut, aber es wird keine paar Minuten dauern, bevor ich doof genug bin um selbstverschuldet den Zustand von Gesundheit ins große Schwanken zu bringen. Die zwei Besitzer der Kuh kommen an und verraten mir den Namen der Kuh auf Nachfrage. Einer von beiden kommt aus Mwanza und wir haben einen perfekten Chat auf Swahili. Die Unterhaltung endete natürlich verlaufend genau am Rande meiner Sprachkenntnisse und der Dude muss denken, dass ich einen Plan von der Sprache hätte… sie nehmen mich kurz mit, zeigen mir ihren Arbeitsplatz voll mit Baumaterial und langen Holzplanken, und wollen freundlich sein. Irgendwann muss die Sonne mit meinem Kopf gemacht haben, was mein Kopftuch anscheinend nicht abwehren konnte, denn sie bieten mir Wasser zur Hilfe an und ich trinke den Scheiß!!!! Ahh, wer so lange überlebt, geht anscheinend irgendwann für nichts und wieder nichts drauf. Ich trinke einfach Wasser und sehe Partikel drin und trinke trotzdem. Wie doof man sein muss, möchte ich wissen. Ich könnte, ich könnte, aber tue es nicht, weil es zu spät ist. Geschluckt ist geschluckt und den Finger steck ich mir nicht in den Hals. Für solch einen Move bin ich echt enttäuscht… die Folgen muss ich selber aushalten, aber dass du, Mama, das lesen und leiden musst, das tut mir wirklich weh. Sorry von meiner Seite. Bis auf die Schmerzen am gestrigen Abend gehts mir jetzt übrigens gut, aber ich geb dir nachher nochmal ein Update! Love…

Kurz nach diesem unangenehmen Zwischenfall treffe ich auf einen Booda, der ohne lang zu überlegen meint, ich solle aufspringen. Während der schnellen Boodafahrt erfrischt sich mein ganzes Körper und ich erzähle ihm meine Geschichte und er macht sich Sorgen um die Sicherheit bei Nacht… ich glaube ich habe gelacht, als er das sagte. Als er mich von der brutzelnden Straße in die nächste Zivilisation brachte, fragte er mich ganz konkret ob ich Wasser oder Nahrung möchte und ich entschied mich dankbarst für Essen. Er fand mir einen kleinen Imbiss mit netten Menschen und bestellte auf meinen Wunsch Reis mit Bohnen. Ich bedankte mich herzlichst für seine Hilfe. Das Essen ist unendlich wohlschmeckend und beim Verzehr beobachte ich eine Katze und ein Huhn, welches seine Flügel ungewöhnlich weit hängen lässt und in seiner Gangart ein absoluter Dinosaurier ist. Sie bekommt ein paar Reiskörner und zeigt sich dankbar. Ich spreche mein Tischgebet und versuche mich ebenfalls dankbar zu geben. In Wahrheit bin ich es in aller Tiefe. Dafür dass mir ein solches Leben geschenkt wird und dafür dass ich von Menschen am Leben gehalten werde. Dankbarkeit lässt Alles gut schmecken. Danach geht es direkt weiter und weiter und weiter, und die stupide Handlung des Laufens lässt mich den Weg irgendwann einstellen. Ich sehe eine Raststätte und schlurfe dort an, um mich auszuruhen, und denke vielleicht einen Lift zu bekommen. Den angestellten Damen, welche an den Zapfsäulen stehen und die Kundschaft beehren, erkläre ich kurz meine Lage und frage ob ich mich hier ausruhen könnte. Sie haben nichts dagegen und sie werden es auch sein, die eine vorbeifahrende Familie auf mich aufmerksam machen und mir alles Kommende ermöglichen. Ich lag auf einer niedrigen Steinwand, ganz schmal, neben einem künstlichen Grasstück an der Straße, das Kopftuch über mein Gesicht gezogen, weil die Palmen über mir den Job des Sonnenschirms nicht ausreichend praktizierten. Das Auto mit der Familie hupt mich kurz an und mir wird gedeutet kurz zu kommen, was ich durch die Hilfe meines Stockes tue, allerdings schon in langsameren Schritten als am Morgen, weil meine Fußsohlen wieder beginnen ein persönliches Problem mit meinem Life-Style auszudrücken. Die Familie besteht aus einem Vater am Steuer, einer jungen Dame, seiner Tochter, an dem Fenster an dem ich stehe, einer Mama und einem älteren Sohn hinten im Auto. Die Konstellation finde ich durchaus interessant. Die Dame der Tankstelle führt noch kurz ihre Erklärung aus, bevor sie mich dann zurück lässt mit der Erklärung meines Lebens vor dieser Familie. Der Vater versteht einen hauch Englisch, aber ich versuche mein Bestes aus Swahili. Nur das Verstehen scheitert am Ende und so deutet er auf seinen Sohn, der nun beginnt zu erklären, was sein Vater grade von sich gab. Anscheinend fahren sie zu einem Grundstück in die Richtung, in welche ich möchte. Sie bieten mir an zusammen dort hin zu fahren und vermuten, dass ich dort auch über die Nacht bleiben könne. Ich bin begeistert, aber habe Mitleid mit jenen im Auto, die noch nicht 100 prozentig überzeugt davon waren, mich mitzunehmen. Das ist eine Mutmaßung, aber ich bin mir sicher, dass die Mama gerne noch mehr erfahren hätte, bevor ich übel riechend ein Teil der Rückbank wurde. Den Geruch muss ich vermuten, denn riechen tue ich selber nicht viel und von mir selbst schon gar nichts. Wir fahren für 15 Minuten und ich lerne, dass sie ein Grundstück hier haben, welches sie an einen weißen Mann namens John vermieten. Die Kinder werden zusammen mit mir an jenem Grundstück abgeladen und die Eltern fahren wieder, um die Bekannten des Ortes getrennt zu besuchen. Wir bleiben also zu dritt an dem Grundstück und anscheinend habe ich doch einiges an Vertrauen gewonnen, sonst wäre ich jetzt nicht hier allein mit ihrem 17 jährigen Sohn und der 12 jährigen Tochter. Mir wird eine Matratze aus einem Schuppen geholt, damit ich mich ausruhen kann, wie freundlich!?, und die beiden beginnen den fleckenhaften Rasen mit einer schwingenden golfschlägerähnlichen Kling zu bearbeiten, dann vier Haufen aus pflanzlichen Resten zu formen und alle Vier mit Feuer zu entfachen. Qualm und Staub füllt den Raum für eine Weile, ich ruhe mich nach meiner anfänglichen Meditation ein wenig aus und habe dann Besuch von der jungen Dame namens Lucia, welche meine gute Freundin für den Abend wird. Wir warten gemeinsam auf ihre Eltern und lesen in meinem Buch ‘Atomic Habits’ an einer zufälligen Stelle, an welcher es um ein US-Soldaten im Vietnamkrieg geht und darum, wie sich ihre Heroinabhängikeit nach der Heimkehr verhielt. Aus gegebenen inhaltstechnischen Gründen konnte ich ihr nicht alles übersetzen. Für dich als Erklärung geht es darum, dass Abhängigkeiten und schlechte Gewohnheiten sehr von dem Setting und von dem Umfeld abhängig sind. Wir verbinden einen Ort mit einer Tätigkeit. Für den Rest musst du dieses wirklich grandiose Buch lesen, welches Ansätze zu absoluter Lebensveränderung besitzt. Atomic Habits. 

Mit Lucia übe ich Swahili und Englisch. Sie ist ein wacher junger Kopf und malt mir eine hübsche junge Dame auf das Papier meines Zeichenblockes. Ich schenke ihr das letzte Spielzeugauto, welches ich noch mit mir führte und welches aus Mwanza vom House of Hope kommt, frage sie Diverses und lerne ein nettes Lied auf Englisch. Der Text ergab nicht immer Sinn, aber das was ich verstand hieß: May the road raise to meet you. May the wind be a your back. May the sun shine upon your face. May the rain fall warmly on your face. For everything there is a season. A time to meet you and a time to say goodbye. Bis auf den letzten Satz war es das… ich bin überrascht wie gut sich ihr Gesang in meinem Kopf eingeprägt hat. Ihre Eltern kommen zurück und mit der Neune Freundin als Dolmetscherin verstand ich, dass mich ihr Vater zum Familienabendbrot einlud und mir einen Schlafplatz in dem Ort verschaffen wollte, um am nächsten Tag wieder zu kommen und mir weiter zu helfen. Meine Überforderung konnte ich nicht ihm gegenüber ausdrücken und ich werde sie mir auch dir gegenüber sparen… Mama und Papa von Lucia haben ein Geschäft, in welchem sie das sogenannte ‘Millet’ Korn verkaufen, aus welchem auch das lokale und sehr beliebte Bananenbier mit dem Namen, den ich ständig vergesse, gemacht wird. Der Vater scheint unabrückbar davon überzeugt mir zu helfen und ich lasse los von dem Willen etwas über die Hilfe, die mir angeboten wird, kontrollieren zu wollen.

Wir fahren wieder eine Weile, finden einen Ort zum Essen und am selben Platz ist auch er Ort meiner Nacht. Papa Lucia, mein neuster Narugift, zeigt mir das Zimmer und ich schreibe mich ins Gastbuch ein. Ich merke, dass ich meine Passportnummer auswendig weiß. Dann kommen wir zurück zum Familientisch, der draußen neben der Straße steht und keinerlei Lichtquellen in seiner Nähe hat. Eine leere braune Serengeti-Bierflasche stand noch dort und ich lege meine Handytorch unter das Glas, um für ein bisschen Atmosphäre zu sorgen. Papa und Bruder gehe um Essen zu holen und wir warten ein wenig, reden und spielen Daumen-catchen, was sie super findet und noch nicht kannte. Die männliche Gattung erscheint erneut mit gegrilltem Rinderfleisch für die Familie und Chipsymayay, also Pommes mit Ei, für mich. Sehr viel und sehr gutes Essen mit einer liebevollen Gemeinschaft. Kann man sich mehr wünschen? Ja, ich komme nochmals auf die Bauschmerzen zurück. Von jenen hätte ich mir echt erhoffen können, weniger zu haben denn ein paar Schmerzwellen treiben mir echt eine Grimasse in die Visage. Nur Lucia bemerkt es und ich deute ihr nichts zu sagen, weil alles gut ist. Sie dreht sich um und sagt Mama, dass ich Schmerzen hab. LoL. Ich kann zuerst gar nicht beantworten warum, aber bald fällt mir das Wasser ein und die Eltern sind besorgt und fragen, ob ich Medikamente dabei habe. Ich habe Medikamente, aber werde später heraus finden, dass die richtigen leider kein Teil davon waren… sie sagten ich bräuchte Parazetamol. Aber lass mich kurz nachdenken, weil mir kam es so vor als wäre das ein Schmerzmittel, oder nicht? Haben sie mir einfach ein Schmerzmittel empfohlen? Das wäre witzlos… so oder so hatte ich es nicht. Morgen werde ich versuchen eine Papaya ausfindig zu machen, um an die Kerne zu kommen. Das dürfte nach meinem absolut minimaoistischen Verständnisstand meinem ganzen Organismus einen Neustart verleihen. Am nächsten Morgen ging es mir auch ohne irgendetwas wieder gut, aber die Idee und der Wille zählt. Ich singe mit meiner Lucia, erzähle noch mehr Geschichten und zeige Mama meinen Hintergrundbildschirm, auf welchem ich mit meinen zwei Seelenfreunden Martin und Nina noch vor Norwegen stehe, mit langen blonden Haaren, die auf der Schwarz-Weiß-Bildschirm unschwer zu erkennen sind. Die meisten Menschen schätzen trotzdem immer zuerst, dass ich Martin in der Mitte wäre. Später lasse ich sie durch Fotos von Norwegen und Deutschland schauen, praktischer Weise sind meine Favoriten so ausgewählt, dass ich sie unbedacht an Menschen geben kann, und sie scheinen das Spektakel aus Pixeln zu bestaunen, die ich grade wieder farbig gestellt hatte, damit sie alles genießen können. Danach stelle ich es wieder zurück. Mein Handy ist nun seit über 1.5 Jahren schwarz-weiß und hinterfragen tue ich das Ganze schon lange nicht mehr. Papa kauft noch Minibananen und Erdnüsse für alle und wir teilen sie in dem Teller in der Mitte auf. Ich spiele ein Puppenspiel mit Lucia, indem wir unsere winzigen Bananen reden lassen. Dann zeige ich die paar kleinen Tricks, die ich besitze und bekomme Lucia’s schönes Lachen als Geschenk. Ich habe ein Tuch, durch wessen Spitze ich eine unsichtbare Nadel und Fasen ziehe. Dann ziehe ich an dem Faden und die Spitze des Tuches knickt synchron mit dem Faden ab. Magie… Papa hat auch einen. Er legt eine Hand auf den Tisch und die andere auf jene Hand. Er hebt mit der oberen Hand die untere scheinbar an, obwohl beide flach aufeinander liegen, und dann schnellt die untere Hand zurück zum Boden als ob sie sehr schwer wäre und als ob sie magnetisch an der anderen Hand gehalten worden wäre. Ich finde den Trick super! Ich verspreche meiner neuen Freundin in sieben oder acht Monaten wieder in der Nähe zu sein und wir beginnen dem Abend ein Ende zu setzen. Eine Familie aus Katzen streunert um unseren Tisch herum und wird ab und zu von der Mama verjagt. Ich umarme Lucia, wünsche den Anderen alles Gute und sage dem Papa bis morgen. In meinem Zimmer steht ein grün und ein blau bezogenes Bett und es braucht nicht lange, bevor ich gegen meine Absichten auf dem grünen Bett einknicke, und nach Wochen das erste Mal auf einer Matratze schlafe. Auch nicht schlecht. Morgen möchte mein Narugift mir helfen zu einem See zu kommen, der in der Nähe sein soll. Lake Chala. Mal schauen ob das was wird… 

Mama und Papa, ich hab euch beide super lieb. Macht euch nicht zu viele Sorgen!

#11 TZN-Journal - Unspektakulär ist essenziell