So, did wa did... schön dass das ganze Konstrukt noch weiter gesponnen wird und wir wieder unterwejens sind. Für die zukünftige Leserschaft gilt anzumerken, dass der Artikel über die inklusive Schule in Vikindu, meinen zweiwöchigen Wohnsitz, in der Veröffentlichungschronologie erst später eingefügt wird und bis dato noch nicht existiert. Für alle die grade live dabei sind, hier ein kurzer Einblick in Anfang, Mitte und Letztem des Vergangenem, bis es nun weiter ging.
Die Schule hatte mich als einen Teil ihrer selbst integriert und auf den hinteren Bereich des Gelände zeltend, fügte ich mich ebenfalls fabelhaft ins Schulgeschehen ein, während ich nachts in der Dunkelheit des Schulgartendschungels meinen Frieden fand. Meine vier Mitfreiwilligen schenkten mir eine wundervolle Episode des gemeinsamen Sitzens und Redens, der Kinderbetreuung und des breit gefächerten Werteaustausches, bis hin zum Tangotanzunterricht. Ich fand einen Schrank voll mit unglaublichster Literatur und durfte Unterrichtsstunden miterleben, in welchen ich mich in allen Details versinkend verlor und von Moment zu Moment immer wacher zu einer Welt aus Fein- und Kleinheiten wurde, die nicht aufhören wollten mich zu faszinieren. Ein unaufhörlich schöner Aspekt meiner erneuten Präsenz vor Ort, nachdem mein erstes Erscheinen hier durch meine aller erste Woche in Tansania vertreten war, ist geblieben wie viel tiefer ich die Menschen der Gegend und Schule nun kennen lernen durften; wie viel tiefer und verständlicher mir jedes geistliche Wesen erschien und welcher Austausch ihr seither zugewachsen war. Sprache genießend, Faust lesend, war die Zeit unschlagbar, aber um kurz auf unseren Reiseaspekt zu sprechen zu kommen - jener ging flöten und gab mir den langvermissten Genuss von Komfort, selben Menschen für eine Weile, bezahlte Nahrung, die dadurch katastrophal in ihren Gesundheitswerten abfiel, zu wenig Bewegung, schlechte Haut, schlechter Schlaf durch kurze Regenintervalle täglich um fünf Uhr morgens, krähende Kühe und muhende Krähen plus Hähne als direkte Nachbarn, aber neben dem nicht viel, dass mich zum mentalen Situationszoff bringen könnte. Ich schrieb wie immer viel, oft im Lokal unserer Wahl beim guten alten Hassan, mit welchem ich dann gemeinsame Mittagsschläfchen auf den orangenen Stühlen seines Geschäfts an der Straße nachholte, während ich über diese Tage hinweg vor allem auf meine Meditationspraktiken und geschriebene Anleitungen hin zu jenen nachdachte und die Seiten meines Blogs wie The Garden Within schmückte. Außerdem startete ich die Page des HuVEx, des menschlichen Werteaustausches und seiner Dimension des Einflusses und schrieb begeistert das ein oder andere darüber. Als der letzte Tag antrat wurde mein Zelt ein letztes Mal vor Ort gepackt und mit einigem Sand eingerollt, dann in seine Plastikhülle gepfropft, vom grünschwarzen Stoff eingehüllt, an den Rucksack gebunden, auf meinen Rücken gehievt und von Person zu Person getragen, die auf meinem Verabschiedungsweg lagen. Aber warte, da fällt mir noch was dazwischen ein… meine gleichaltrigen weißen Geschwister schlafen noch und ich habe noch ein Kribbeln unter meinen Fingernägeln, weshalb ich erst noch schreiben wollte. Ich finde mich zu aller erst im letzten Morgenkreis um 7:30 Uhr ein, besage dort meinen Dank und gehe dann in das für Freiwillige designierte Räumchen, genannt Büro, mit einer kleinen Zahl von Büchern, einem Tisch und Kinderspielzeug. Dort werde ich die erste Weile verbringen bei dem Versuch Dinge in Pixelform zu pressen. Ich war mir sicher, dass ich die Anreise nach Vikindu und die Zeit dort in einen gesammelten Artikel pressen könnte, aber dir ist vermutlich ebenfalls aufgefallen was stattdessen im Busachterbahn und seiner ausschweifenden Art geschehen ist. Viel Luft für mehr ist nicht verblieben und so ist das Resultat eines Schreiberlingmorgens ein kurzer Artikel und eine beendete Lektüre auf meinem Laptop. Das Buch gab es kostenlos, wie die gesamte restliche Literatur der Mönche einer antiken thailändischen Waldkommune der Buddhisten unter dem Namen Theravada Buddhismus als ihre Religion. Ich verlinke mal die beiden Seiten auf denen ihre Literatur und Hörbücher zu finden sind, falls Interesse bestünde. Tut euch keinen Zwang an… www.forestsanghapublications.org / www.amaravati.org
Jener Abschluss des Buches ging um einen Verurteilten, fälschlicherweise für Mord, und seine letzten Monate in Haft. Einer der auftretenden Mönche durfte ihm als spiritueller Begleiter in seinen letzten Tagen beisitzen und erzählt von der Reise des jungen, wahnsinnig talentierten Mannes. Ihre gemeinsam Vorbereitung auf den unausweichlich bevorstehenden Tod war bereichernd zu lesen und jedes Mal fasziniert es mich neu wie anders ein Leben wahrgenommen werden kann. Es gebrauch nur die Worte aus dem Versstand eines solchen Menschens, ich glaube in diesem Fall war es Ajahn Passano, und man ist zutiefst bereichert in einer zuvor unbekannten Weise. Das restliche relativ kurze Buch ging über Moral und Lebensweisen, Fragen von Laypeople wurden beantwortet und über das Leben von Kindern innerhalb der Klosterkommune wurde ausgetauscht. Mit dem Lesen hinter mir suchte ich noch schnell nach dem Audiobuch was mir seit ich denken kann, empfohlen wird. Es trägt den Namen der Känguru-Chroniken und kostet. Nicht viel, aber genug um mich noch davon abzuhalten, aber cooler Weise gibt es eine Hörprobe und ich sitze für zwei Minuten so überrascht und begeistert da, in tiefster Liebe zu unserer Sprache, in höchstem Ansehen über die Fähigkeiten des Autors Marc-Uwe Kling’s und seine Begabung zu schreiben und zu lesen. Ein wahres Meisterstück und ich kenne die ersten paar Sätze. Irgendwann wird es mir zufallen und mit dem höchsten aller Genüsse werde ich es dann verschlingen… bis dahin packe ich meine Sachen und mache das was ich scheinbar am besten kann. Ich breche wieder auf. Ich glaube nicht, dass ich verständlich ausdrücken kann, wie sehr mich die Unsicherheit und Ahnungslosigkeit über was kommt übermannen möchte. Ich habe keinerlei Ausblicke und fühle mich gefährlich verloren. Trotzdem drückt mich etwas entschieden in die Richtung, aber innerlich leide ich ein wenig über den temporären Verlust eines Ortes, seiner Menschen und des einhergehenden Komforts.
Schöne Momente ohne jegliche Traurigkeit vergingen, als ich zuerst den beiden Farmern des Ortes auf Wiedersehen sagte und das Wiedersehen sehr ernst meinte, in der Hoffnung bald mit dem Austauschprogramm zwischen Dar es Salaam und Mwanza zu starten und wieder hier erscheinen zu dürfen. Juma und Simoni heißen die beiden viel zu coolen Jungs, die meine angehimmelten Helden wären, wenn ich nicht schon erwachsen und größer als die beiden wären. Mein Altersdefizit spielt wieder mal bedeutend wenig in das Bild herein, was ich angenehm finde. Man wird langsam als Person alterslos angesehen. Mit Juma hatte ich vor einer kurzen Weile noch im Zelt gesessen, als ich den ganzen Tag krank war und begonnen hatte Faust’s Zuneigung auswendig zu lernen - da kam er mich abends besuchen und wollte mit mir zusammen Englisch lernen. Er kann leider nicht lesen, nicht schreiben, aber wir arbeiteten mit Symbolen und lernten Buchstaben plus Englisch. Ich mag die beiden sehr und mit wenigen lache ich so viel hier, wie mit ihnen. Mit fällt grade auf, dass ich wirklich vergessen hatte nochmal auf Simoni zuzukommen, wegen der Kuh die ich so sehr melken wollte… klingt nach einer Aufgabe des nächsten-Mal-Lennarts. Meine nächste Gestalt auf dem Weg zum Tor war ein hoch angesehener und hoch gewachsener Lehrer namens Sir Alfredi in dessen Klasse ich mich zufälliger Weise gesetzt hatte und von wessen Mathematikklasse meine Erlebnisdichtung im Artikel über Vikindu handeln wird. Das ist Kompliment genug, um mir jenes an dieser Stele sparen zu dürfen. Er erfährt nun über meine Reise und ihre Zusammensetzung und da ich noch niemanden von der Schule wirklich eine Vorstellung meiner Selbst und meiner Lebensweise gab, war er dementsprechend absolut perplex, genauso wie meine Freiwilligenvorgesetzte, die dazu stieß und gleichermaßen verloren über solch eine Neuigkeit schien. Einzuwenden hatte niemand was… wäre auch gelacht. Die Dame ist hochschwanger und ich hoffe ihr mit solchen neuen kleinen Sorgen nicht in Ungnade zu fallen. Ich wünsche ihr fröhliches Gebären aus der Unsicherheit heraus, was einer solchen Situation ziemen würde, Gesundheit dazu und verabschiede mich dann. Mit großen schweren Schritten schiebe ich mich durch den Spielplatz voller Kinder und bekomme die ein oder andere Hüftbeule von Kindern, die sich energisch in meinen Weg ‘stellen’… sie scheinen es zu schaffen mit Anlauf zum halten zu kommen und einen kleinen Menschen nach dem anderen fertige ich lächelnd ab, Patrick genauso wie seine wundervolle Mutter Esta, unsere zwei Mitbewohner in Mwanza, als sie zum jährlichen Besuch kamen, bevor ich dann meine Mitfreiwilligen im Arm habe. Alle vier sind mir furchtbar lieb und mit großem Herz, offenem Geist und viel geschwisterlicher Liebe wurde ich aufgenommen und umsorgt. Unsere Gespräche haben mir noch so viel mehr gegeben als sie sich das ausmalen könnten und dieser Umstand wird mich noch eine ganze Weile nähren. Falls ihr jemals dazu kommt das hier zu lesen, dann möchte ich euch von Herzen Danke sagen. Ihr seid wirklich sehr besondere Menschen auf meinem Weg und es war mir eine größte Freude… ich glaube nur nicht, dass ich euch jemals von dem Blog erzählt habe. Vielleicht dauert es also eine Weile bis man sich genau hier an dieser Stelle im Geiste trifft. Bis dahin.
Ich habe die schwarz bestrichene Tortür in der Hand und lasse sie aufschwingen, zwinge meine Rucksack hindurch und mache die ersten Schritte in den tiefen lauwarmen Sand vor dem Tor. Es sind ein paar Wolke zu haben und das Wetter zeigt sich gütig, so auch der Sand und sein Aggregatzustand, der diesmal nicht Feuer ist. Ich komme am Haus des uralten Richards vorbei, obwohl ich dazu sagen muss, dass ich ihm jeden Tag einen anderen Namen gab, weil mir sein an Tag Eins verratener Name direkt entfiel. Ihn scheint das am wenigsten zu stören und heute laufe ich auf ihn zu um ihm die Hand ein letztes Mal zu geben. Das klingt fies zu schreiben, letztes Mal, weil ich grade aufbreche, aber in dem Alter in dem er sich befindet liegt eine gewisse Meisterleitung und es könnte ein letztes Mal aller Ebenen sein. Er isst grade diese frittierten Dreiecke mit Kartoffel innen und Teigtasche drum, die Samosa genannt werden und besteht darauf, dass ich auch einen verzehren sollte. Es kam mir vor als hätte er meine Situation erkannt, auch ohne dass ich nur ein Wort gesagt hätte. Seine Augen sind zusammen gedrückt, feine Falten ziehen ein Mandala um die Lider und in den Pupillen liegt dieser blaue Ring, den ich noch nirgends außer hier in Vikindu beobachten durfte. Ich sah es in einem Kind und in den ältesten. Eine tiefdunkle Pupille mit einem feinen aber deutlichen hellblauen Rand um die Pupille herum. Ein umwerfend schönes Detail und diese Augen scheinen tief in mich hinein sehen zu können. Ich würde so gerne anfangen in einer und derselben Sprache denken zu können und einfach los zu reden. Diesen Menschen würde ich so unfassbar gerne kennen lernen; sein Alter verbirgt eine mir noch geheime Welt. Ich bin unfassbar dankbar für den Geschmack im Mund der perfekt warmen, gekochten Kartoffel plus süßem Teig und gehe weiter meiner Wege. Abdul ist nicht zuhause und ich muss ihn vorerst ohne Abschied zurück lassen. Mein erstes Ziel gilt Hassan vorne an der Straße und nach dem Kilometer dort hin werde ich wie immer herzlich zum Sitzen eingeladen. Er weiß was ich sonst an Morgenden gegessen hätte und ist drauf und dran mir genau das wieder anzuschaffen, aber ich wehre ab und erkläre all das Geld aufgebraucht zu haben. Das Geld kam übrigens von dem Truckfahrer der mich von Moshi nach Mwanga brachte. Er hatte damals nach seiner Einladung zum Mittagessen mit seinem Chef telefoniert und geeint hatten die beiden mir einen kleinen Haufen überreicht, den ich während der Reise nicht gebrauchte, der mir nun aber ermöglicht hatte beinahe zwei Wochen lang von Hassan’s Gerichten zu leben. Das Geld ist aufgebraucht und ich muss weiter reisen, was mir sehr willkommen ist. Wer Hassan kennt, kann sich seine Reaktion erdenken. Es strahlt wieder das bekannte Kind aus ihm heraus und er ist wieder voll im Bilde von dem Tag als ich hier ankam. Ich kann es ablesen. Er merkt, dass ich wieder aufbreche, was wegen dem Rucksack keineswegs schwer zu erkennen ist und weil er meine Geschichte schon ausführlich kennt, scheint es ihm eine Ehre zu sein nun Teil dieser Reise zu werden und mir auch zu helfen, als ich kein Geld mir habe. Ich bekomme einen guten Tee und Brote, die mich satt machen und anschließend packt er mir noch zwei süße Gebäcke ein, die alle Keki nennen, die ich wegen deren Zucker nicht essen werde, aber nachher zu einem guten Zeitpunkt verschenken kann. Hassan lege ich in unserem Gespräch dar, wie mein Plan aussieht und was alles passieren könnte, aus der Sicht heute. Er lauscht begeistert und ihm gegenüber ist mein Swahili beinahe auf seinem höchsten Niveau. Ich fühl mich wohl bei ihm und seine Augen strahlen, ich möchte das wiederholen. Er lebt die Spannung meiner Reise ungefiltert und direkt mit und nach einer Weile eigener Meditation fühle ich mich bereit. Sein Geschenk ist verpackt, sein Dasein liegt mir tief im Herzen und mit beiden Dingen sicher bei mir kann ich mich auf den Weg nach links machen, erneut ohne zurück zu schauen. Das habe ich noch nie gemacht und ich sehe keinen Grund darin jetzt damit anzufangen. Meine Pläne Hassan gegenüber sind so schwammig wie es nur geht, aber die Möglichkeit all jener Ideen macht mich zum innerlichen Flummi. Es kann sein, dass ich drauf gehe - das wäre doof… wenn ich aber am Leben bleibe und die Reise heile überstehe, dann kann es passieren, dass ich bei Nacht in Dar es Salaam lande und dann rausfinden darf wie ich nun um alles in der Welt irgendwo unterkommen soll. Es könnte auch sein, dass ich nach einer Weile meinen ersten freundlichen Lkw Fahrer finde und nach Dar komme, auf der Straße lande, die in meine Zielrichtung führt und dann direkt einen zweiten Truck bekomme und ganz entspannt noch heute in der Hauptstadt des Landes, Dodoma, lande. Ähnliches Problem der Nacht, anderer Ort. Ich überlege auch was passieren würde, wenn ich bis zum Hafen von Dar es Salaam käme und wie es vielleicht von statten gehen könnte, dass ich mich mit einem wahnwitzigen, gleichgesinnten Fischer zusammen tuen könnte und eine nächtliche Übersiedlung nach Sanibar in seinem Boot vollbrächte. Das wäre auch super, aber super lebensgefährlich wenn ich mir Hassan’s Worte in Erinnerung rufe und außerdem gibt es diese Einheit namens Polizei, die vermutlich gut genug dafür bezahlt wurd, um solchen Reisewahn zu unterbinden. Bisher helfen mir Polizisten aber nur… zum Beispiel jetzt.
Ich lief also los von Vikindu und das für eine ganze Weile. Mit jedem Truck der am Straßenrand stand, sprach ich aus Prinzip, um wieder sozial warm zu werden und jede Person anquatschen zu können, und vielleicht zwei Kilometer außerhalb von Vikindu wurde ich sehr energisch von einem jungen Mann zu sich gewinkt und seine Entschlossenheit mit mir zu sprechen war ansteckend. Er saß zusammen mit seiner Truppe aus anderen jungen Männern auf dünnen Holzbrettbänken, die aus einem dünnen Holzbrett bestanden. Die Bankbeine sind in den Sand eingelassen worden. Er möchte alles erfahren und findet jede Information bereichernd. Er drängt sich ein wenig auf, weil er unbedingt möchte, dass ich länger hier bleibe, bis vier Uhr nachmittags ist der Wunsch, weil ich unbedingt möchte dass sein Bruder mich kennen lernen konnte. Am Anfang widerstrebt mir der Gedanke so kurz nach dem Anfang der Reise wieder zum Halten zu kommen, aber ich gebe die Resistenz auf, fließe mit dem Strom der Dinge und setze mich zu ihnen. Ich zeige ihnen meine Ausrüstung von Kleidungsstücken bis hin zu Apple Smartphone und Laptop, was sie umhaut und ich fühle mich unwohl, weil ich die Situation unwohl für mich gestalte. Die Jungs bewundern einfach nur das Stück Technik. Aber dieser Kontrast von meinem Reisestil und der gepredigten Geschichte zu diesen zwei Stücken Besitz, kontrastiert zu stark, als das Harmonie daraus entspringen könnte. Ich sehne mich nach der bald kommenden Deutschlandrotation (Vision Grande) und dem technikbefreiten Umstand. Ich lese eine Nachricht auf meinem Handy, die über die Situation zuhause mit meiner Mitfreiwilligen handelt und bekomme ein komisches Gefühl im Bauch, welches mich in eine lange Meditation treibt. Danach beginne ich einen Kanal im Schreiben auf Papier zu finden und lege mir die Nutzung von Worst-Case Szenarien zurecht. So wandle ich innerhalb einer Stunde eine Situation, die mich drohte stark zu belasten, in eine Möglichkeit, die sich in alle Richtungen entfalten kann, wenn sie nur als diese Option wahrgenommen und genutzt wird. Ich bin nun gespannt und bereit, anstatt mental belastet und freue mich dann sehr, als ich auf die Runde Reis mit Tomate essen der Jungs um mich herum eingeladen werde. Er schmeckt herrlich und sie bekommen meinen Fisch, den ich nicht esse und ich schenke das süße Brot von Hassan und sie freuen sich. Ich bekomme Wasser und mein Freund vom Anfang, welcher immer in meiner Nähe ist, um jegliche Anregung im Geist zu teilen, fragt mich begeistert aus über dieses Leben, welches ich mir entsinne vor mir zu haben. Er definiert mir, was ein Phänomen ist und wie es von umveränderbarer Natur ist. Er wundert sich, warum ich mich selbst in dieses Denken und jenen Weg verbanne, der mich weg von Norm und Sicherheit, Komfort und Besitz bringt und stattdessen in diese Ungewissheit mit Potential. Ich versuche mich zu erklären und spreche über Privilegien, die mir zuteil wurden, die ich moralisch nicht mit mir vereinen kann und sie nicht für meinen eigenen Vorteil nutzen wollen würde. Nur weil ich männlich, weiß, aus Deutschland, gut gebildet und aus toller Familie komme, gesund bin und alles was ein System anbietet erreichen könnte, schreckt mich trotzdem nichts mehr ab, als jenen Weg zu gehen, um dann wieder für mich zu profitieren. Um mehr zu verdienen, großes Haus und gute Familie - nichts davon fühlt sich richtig im Anbetracht des allgegenwärtigen Weltenleidens an und mir ist fremd, wie ich jenen Weg gehen sollte ohne dabei mein Potential zu vernachlässigen. Befreit von all jener Norm scheint mein Potential unbegrenzt aufblühen zu wollen… als ich meinem Kollegen, Nikolas bei Namen, erzähle zwanzig zu sein, kippt er halb von der Bank. Er selbst ist neunzehn und das überraschte mich schon stark. Er ist von hellem Verstand und stellt wirklich gute Fragen und das längere Bleiben entlohnt sich. Mit Loana, meiner Mitfreiwilligen unterhalte ich mich danach und merke, dass die Situation gar nicht schlimm ist und dass ich das Englisch unserer Administratorin falsch übersetzt oder gedeutet hatte. ‘Disturbing’ ist aber auch ein doofes Wort. Und trotzdem möchte ich kurz ausführen, was mir in meiner Meditation entgegen kam und welche Wege mir als möglich erschienen. Hier meine Gedanken, nur für euch…
Wäre eine Situation eingetroffen, in welcher ich nicht nach Mwanza hätte kehren können, weil ein gemeinsames Leben nicht mehr denkbar wäre - die Hintergründe könnten nicht egaler sein - wenn also meine Arbeit weiter gehen müsste, ich aber nicht vor Ort ansässig bin, dann täten sich zwei wunderschöne Wege auf, die meine Arbeit und mein Leben bereichern könnten. Der eine befasst sich damit, wie ich, wenn nicht im House of Hope, dennoch in der Gegend leben könnte - ohne Geduld. Gar kein Problem seit meine beste Freundin in der Nähe wohnt, ich andere Kontakte haben, die mich gerne unterbringen und eine Community schon kenne, bei der ich in jedem Haus mal leben dürfte. Man kennt und hilft sich… Kommune eben. Kennt man das noch in Deutschland? Das wäre also kein Problem. Aber eine ganz andere Situation eröffnet sich, wenn ich mit meiner Arbeit beim Haus der Hoffnung und beim Bugando Krankenhaus nicht ortsgebunden wäre, sondern meine Organisation meinen Wert als Schriftsteller anerkennt und ich anfangen würde ihnen mitzuteilen, welche Arbeit ich zusammen mit der Spendenorganisation aus Deutschland mache, die bisher nicht in meinen Arbeitsbereich gezählt wird… Freizeit nennt man das glaube ich, was ich bisher dafür aufwende. Wenn das ein wenig offizieller wäre, dann könnte ich mir folgendes vorstellen. Lennart mit Laptop und Rucksack und Zelt wie jetzt auch. Allerdings mit der aktiven, noch aktiveren Arbeit des Spendensammelns und dazu brachte die Meditation neuen Input. Es gibt viele Wege des Schreibens selbst und Newsletter in Deutschland, Blogging oder Social Media sind die leichtesten. Alles mit einem Laptop machbar. Nun bin ich aber nun mal vor Ort und lebe auch noch total spannend und denke mir auch sehr gut mit Menschen des Landes zusammen kommen zu können, um zum Beispiel Dinge wie CSR-Hunting betreiben zu können. Ehrlich, kein Plan was das ist und wie es klappt, aber seit ich die Abkürzung CSR mal von einer schlauen Person, dem Dad meiner Deutschschülerin, gehört hatte, stelle ich mir tolle Sachen dahinter vor. Es ist ein Teil des jährlichen Umsatzes jeder Firma, der für eine nichtprofitable Organisation im Land über internationale gespendet werden muss. Manchmal wird den Firmen bestimmt eine tolle Idee fehlen und an mir könnte es liegen, jene von unserer Sache zu überzeugen. Das existiert bestimmt schon in ganz großem Stil, aber ich kam eben erst jetzt darauf. Dann gibt es noch die Option, die flüssig mit dem Gedanken des Morgens bei Hassan Hand in Hand geht und er handelt von Sansibar. Wie schön wäre der kombinierte Strand-Life-Style denn, wenn man von Zeit zu Zeit noch in Touristen stolpert, international bondet und ich persönliche networke, während jene gute Menschen mir Spenden für die Sache zukommen ließen. Aus Mitleid, aus Bewunderung, aus gewissentlicher Selbstbefriedigung heraus, oder gerne jedem anderen Grund, der einem sansibarischen Touristen zufallen könnte, um helfen zu wollen. Darüber schreib ich dann auch gerne meine Reisejournale, ganz sicher!
Meditation Ende und meine Zeit hier kommt ebenfalls zu einem. Ich lerne noch Nikolas’ Bruder kennen, welcher perfekt Englisch spricht und einmal eine Weile im Belarus lebte und dort eine Baustelle leitete. Den Kontext verpackte er mir nicht. Er würde sich über eine Verbindung mit mir freuen, mit welcher er gebrauchte Lastkraftwagen von Europa nach Tansania importieren könnte… ich werde noch viel zufälligere Sachen gefragt und das täglich. Es wird einfach die Situation genutzt einmal aussprechen zu können, was man erreichen will, einfach weil ich etwas verkörpere, das hoffen lässt. Den Satz habe ich geschrieben, bevor ich drüber nachdachte und jetzt wo er da steht, mag ich ihn ein bisschen, aber würde ihn mir selber nicht nochmal so eingestehen können… - ok. Ich laufe wieder nachdem ich das Geldangebot von Nikolas ablehnte und fröhlich, sehr aufrecht, am Straßenrand weiter lief. Die Sonne ist tiefer und verschont mich. Ich laufe ein paar Kilometer und komme an die Ausfahrt eines riesigen Industriegeländes, aus wessen Pforten viele Lastwagen entschwinden. Jene lenken meinen Blick für längere Zeit weg von den zwei Polizisten, die sich gegenüber von der Fabrik auf meiner Straßenseite positionierten. Als ich auf die treffe sind sie belustigt und gut bespannt, sie behandeln mich mit Respekt und ohne mich lange aufhalten zu wollen, tauschen sie schnell Nummern aus und rufen ein Dreirad, ein grünes Bajaji zu mir, zahlen den Preis in die nächste Stadt und schicken mich meiner Wege. Ich muss sagen, dass das eine ungemein coole Aktion war und dass sie sich unfassbar professionell verhielten, was die Art der Interaktion anging, und trotzdem wie zwei neue Brüder auf mich wirkten. So wohl habe ich mich selten bei Menschen in Uniform gefühlt. Und ja, über mein White-Privilege könnte ich mir keinesfalls noch bewusster sein!
Der Bajajifahrer ist super cool drauf und er bringt mir ein bisschen Sprache bei. Wir kommen durch die riesigen Straßenmärkte von Mbagala, zumindest dachte ich dass sie riesig sind, weil ich erst in ein paar Stunden das erste Mal in den Tiefen von Dar es Salaam sein würde. Ich mache ein einziges Video und es war unfassbar gut gelungen und erfüllte mich mit Freude. Ich hatte das Smartphone aus der Fenstertür gedeutet und hatte Glück, denn neben uns eröffnete sich eine große und sehr weite, sehr volle Straße. Ich hatte den dreifachen Zoom aktiviert und irgendetwas ist anders, wenn diese Linse filmt. Das Ganze bekommt eine völlig andere Art von Tiefe und ich liebe den Effekt sehr. Die ganze Straße schaute ich damit herunter, während die Menschen in allen Ebenen vor der Kamera an uns vorbeiliefen und ich Gesichter überall ganz klar erkennen konnte, was ungewöhnlich für meine sonstigen Videos ist. Glück gehabt. Kurz danach werde ich abgesetzt und stehe in Mbagala. Hier war ich schon einmal gewesen, als ich in Poncho verkleidet meine Bankeinzahlung für meine Organisation tätigen musste, aber dieses Szenario ist nun denkbar anders. Die Größe des Geschehens nimmt mich ein als ich den Weg durch die Marktnische neben der riesigen Straße starte. Nichts passiert für eine lange Weile und damit meine ich das überall die ganze Zeit etwas passiert. Tausend Blicke und einhundert Grüße später setze ich mich an eine Tankstelle und quatsche die Arbeiter an, um einfach jemanden zum Reden zu haben. Den tankenden Truckfahrer frage ich nach seiner Route und er sagt Morogoro, was ehrlich exakt und perfekt auf der Route liegt, aber ich erzähle ihm von meinem Reisestil und dass ich kein Geld besitze. Er macht eine mir völlig verständliche, entschuldigende Geste und ich verabschiede mich nett, um weiter zu wandern. Die Situation die mich aus dieser misslichen Lage befreit und stattdessen in eine todgefährliche bringt, ist eine Konversation gestartet mit drei Männern. Nach ein paar Sätzen standen noch zwei andere dabei, jene deuteten nach kurzer Weile, wahrscheinlich weil ich Swahili sprach, zu den älteren Herren die am Laden dahinter saßen, die vorbeilaufenden des Straßenrandes blieben stehen und nach den paar gesprochenen Sätzen hatte ich nicht mehr die Hand voll Leute vor mir, sondern eine echte kleine Traube aus Vielen, die hören wollte was grade erzählt wurde. Das ist ein erstes Mal und ich werde mich noch viel daran gewöhnen müssen. In diesem Fall konnte ich sehr ruhig und angenehm berührt bleiben und was geschah ist folgendes. Ein junger Mann mit Motorrad war Teil der Runde und sein Gefährt sah anders aus, als die sonstigen auf der Straße. Irgendjemand hatte mit Ahnung daran herum geschraubt und gleich weiß ich zu welchem Zweck. Er deutete mir belustigt aufzusteigen und mir zu helfen auf meinem Weg und wir verließen die Truppe aus Menschen, die nun live dabei waren, wie ich reise. Er fuhr an und beinahe kippte ich hinten runter vom Motorrad, wäre da mein Rucksack nicht gewesen. Bei der nächsten Tankstelle tanke er für einen Euro und dann begann der Höllenritt meines Lebens mit ungelogen flatternden Augenlidern, nicht aufhörenden Lachkrämpfen und einer Fake-Gucci Cap in der Fresse, während dieser Dude mit blauer Plastikbrille für Kinder mit einem Affentempo den gesamten manchmal stockenden Verkehr zu überfliegen schien. Er balancierte bei starken Bremsungen mit dem ganzen Körper und Füßen am Boden, nahm Fußwege und Gegenverkehr mit, um mir vermutlich was zu beweisen, er machte eine Vollbremsung und eine Kehrwendung, als ein Polizist mit Knüppel auf ihn zueilte, weil er sich im Gegenverkehr befand und er berührte einmal eine Zaunwand und einmal den Hinterreifen eines anderen Bodas. Auf mein Lachen sagte er mir nur, ich solle genießen und dann beschleunigte er meistens wieder, was mich das Lachen bereuen ließ, aber es gleichzeitig wieder verstärkte und es hallte auf ein Neues durch die Straßen von Dar es Salaam. Einmal standen wir an einer Riesenkreuzung ganz vorne und sahen wie ein Polizist Bodafahrer mit Knüppel vertrieb, die sich grade irgendwo lang schummelten. Harte Stockschläge trommelten auf die Jungs ein und glücklich sahen sie nicht aus. Sie hatten sogar Personen hinten drauf, die das Ganze wenig zu stören schien. Normalität mal anders… er kam über diese riesige Kreuzung hindurch wie kein zweiter und dann meinte er gelassen, dass sein Job gefährlich wäre und er Gott dankt am Leben zu sein. Wie kann dieser Dude zwei Kinder und Frau haben und trotzdem so fahren?? Ahh, ich kam nicht drauf klar und bedankte mich maßlos für solch ein Erlebnis, in der Hoffnung nie wieder bei ihm aufzusitzen. Ich lief dann endlich wieder auf schwammigen Beinen, bis mich Mister Ben, namens Benitho fand, mir den Weg erklärte und dann erkannte was ich mache. Auch er lud mich auf sein Boda ein und wir fuhren vier Blocks gemeinsam. Netter Kerl und der nächste Nette wartete nicht lange, teilte dann einen Fußweg von zwei Kilometern mit mir, in die gegengesetzte Richtung seines Zuhauses, lud mich auf eine schöne Portion Reis mit Bohnen und Erbsen ein, wir sprachen über seine Liebe zum DJ sein und dass er Carpenter ist. Übersetzt hatte ich das mit Zimmerer, aber es stellt sich heraus, dass er damit den Beruf des Tischlers meint, was ich noch cooler finde, da ich damals nach Canada wirklich vor hatte Tischler zu werden und nur durch ein paar Wendungen und Umständen von meinem späteren Chef überredet wurde, dass Zimmerer die bessere Option für mich wäre. Praktische Ausbildungen sind trotz oder grade wegen meiner Kündigung drei Monate in der Ausbildung die Sache, die ich jeder verlorenen oder praktisch veranlagten Person ans Herz lege, weil hieraus das Wissen gezogen werden kann, was einem und der eigenen Community später einen großen Wert zukommen lässt und man bekommt Einblicke in die Tiefen der Arbeitswelt einer Mittelschicht, was von unfassbaren Wert ist, vor allem wenn man später als Akademiker in geistreicher Arbeit enden würde…
Als mein Freund Alex mir die Straße zeigte, in welche ich nun weiter laufen müsste, war es bereits tief in der Nacht und meine Wanderlust drohte zu schwinden. Die Namen der Menschen denke ich mir übrigens nie, außer heute morgen bei Robert aus, und viele heißen hier einfach Nikolas, Alex, Anna, Josef, Adolf und Joshua. Noch viel häufiger sind allerdings Namen aus religiösem Kontext und sowas wie Rehema - Treue, Amina - Glaube, Joy oder Happiness sind nicht selten. Mary ist aus gegebenen Gründen genauso häufig wie Michael. Aus dem Islam kommen Hassan, Abdulkarim und Zainabu und mehr Namen liste ich nicht mehr auf. So, ham wa!
Meine Nacht beginnt und es wird noch viel passieren… sind wir wach genug, oder brauchen wir eine Pause? Ich muss ganz doll aufs Klo und wollte auch langsam aufbrechen, um die Person wieder zu treffen, die ich nun in den folgenden Schritten kennen lernen würde. Mein Leben bleibt nicht mehr lange das selbe und ich bin zu aufgeregt, als dass ich noch lange hier sitzen bleiben könnte und mich nicht bewege und erlebe… ich breche also auf und hoffe dich als Leser nicht allzu verloren zurück zu lassen. Habe einen wundervollen Tag, meditiere zwölf Minuten und versuche Dankbarkeit und Präsenz zu praktizieren. Ich beeil mich mit dem Weiterschreiben. Hab euch lieb!