Tja, ich hab versagt. Mein Wecker schrie mich an, aber ich gab ihm den tödlichen Wischer und ruhte weiter. Wichtiges Detail! Denn basierend auf dieser Verzögerung folgt nun mein gesamtes restliches Leben. Ein Leben, welches ein junges Leben in Deutschland, Freiwilligenarbeit in Kanada, eine begonnene Zimmererlehre, winterliche Selbstexperimente, Rucksackreisen durch ganz Europa, ein zweites freiwilliges soziales Jahr in Tansania, eine barfüßige Rucksackreise ohne Geld, aber mit Zelt, sechs Tage in Folge des Aufstehens um 5:30 Uhr morgens, und nun eben auch einen siebten Tag, bei dem ich mein Streben versagte, und mein Leben in völlig unbekannte und neue Bahnen lenkte… glaubst du ich übertreibe? Denkst du mein Leben könnte mit etwas Glück dasselbe werden, egal ob um 5:30 Uhr oder 7:10 Uhr begonnen? Meine Mama - hallo Mama - glaubt nicht an den Schmetterlingseffekt, der besagt, dass jede kleinste noch so unwichtig erscheinende Situation eine sich immer weiter entfaltende Veränderung in sich trägt. Jeder Augenblick verschiebt sich in der Zeitbahn um winzige Aspekte und schon bald ist der Weg ein Lebenspfad, der jene Situation in sich aufnahm und wunderbar integrierte, in jenen einen Pfad und Fluss welchen wir den unseren nennen. Undenkbar auch nur das kleinste Geschehen zu ersetzen oder weg zu denken, denn niemals, so meine Einschätzung, könnte daraus das Leben folgen, welches uns jeweils zu Teil wurde, basierend auf allen noch so winzigen Einzelheiten. Wer es schafft diese Herangehensweise zu verinnerlichen, wird merken, welche Importanz mit jeder kleinsten Handlung und Entscheidung mitschwingt. Das ist kein Überdenken, aber ein Bewusstsein über das Potenzial das eigene Leben zu erschaffen. In jedem Augenblick. Jetzt bin ich schriftlich an einem Ort gelandet, von dem ich vor acht Minuten niemals hätte denken können, aber das scheint die Schönheit des ungefilterten Schreibflusses zu sein. Es wird seinen Zweck haben, jetzt grade darüber zu schreiben und dir, als lesendem Dabeisitzenden, möchte ich die absolute Suche nach jenem Augenblick vermachen. Ich möchte Worte finden, die sich wie Gold leicht schillernd aus dem Bildschirm erheben, dir tief in die Augen schauen und auf sich deuten, um dir in einem vertrauten Ton zu sagen, dass hinter ihnen ein Schlüssel zu vielem Großen liegt. Ich möchte dir das Bewusstsein vermachen, welches es gilt über den Augenblick, den Moment zu erwerben, um ihn für dich zu gewinnen. Jene Momente klar zu sehen, welche einem nach dem anderen dein gesamtes Leben ausmachen. Ich möchte auf das Werkzeug deuten, welches all jene Augenblicke für dich verfügbar macht und dir ermöglicht, in jedem Augenblick zu entscheiden, wie du dein Leben leben möchtest… jetzt kommen diese Worte von jemandem, der seinen Wecker diesen Morgen verschlafen hat, aber verzage nicht an Zweifel. Ohne das Verschlafen würde ich niemals hier sitzen und versuchen dir ‘zufällig’ die Grundzüge der Meditation attraktiv und erstrebenswert zu machen. Ich versuche das aller Beste aus einem gestrigen verschlafenden Morgen zu machen und das beinhaltet anscheinend das Teilen, meines größten Schatzes. Der Schlüssel zu unserem eigenen Sein. Die Pforte, die uns in jene Schatzkammer führt, in welcher bereits alle Antworten für alle Probleme unseres Lebens warten. Der Ort innerer Stille und dein Versteck des Friedens, um klar zu sehen, zu verstehen, zu fühlen und was dir lieb ist zu nähren. Der Ort des tiefsten Lernens und der Schlüssel zum persönlichsten Metisnutzen unseres eigenen Seins. Metisnutzen ist ein Neologismus des höchst geschätzten Martin Meißner’s. I’m sure viele erinnern sich noch gut an meine Spanienmaus mit der ich drei Wochen lang zu Fuß durch lief. Jener erfand dieses Wort, teilte es mit einer dazugehörigen Erklärung, und du liest es nun. Genieß den kurzen Einblick in den wohl charmantesten Kopf, der mir bisher vor die Füße rollte. Bühne frei für einen Martintext:
…
Als wir in Spanien darüber redeten, meintest du circa. "Intelligenz beschreibt wie gut man Probleme lösen kann." Ich nutze nun das Privileg der Zeit und führe meinen Gedanken, unabhängig zu deinem fort.
"Intelligenz ist der Gebrauch von Informationen die einem zustehen."
So ergibt sich "höhere" Intelligenz dadurch, dass man effizienter Gebrauch von seinem Wissen machen kann. Gleichzeitig ist Intelligenz hier nicht eine Charaktereigenschaft, die jemand einfach besitzt, sondern eine Fähigkeit, die man konstant beweisen muss und die nur einzelnes Handeln beschreibt, anstatt Personen einzuordnen.
Ein Teil der Definition, wird manchen Menschen nicht gefallen, denn theoretisch ist die Steigung der Intelligenz nicht durch die Erhöhung von Information möglich. Lediglich erweitert es den Raum des Möglichen und macht nicht-intelligentes Verhalten sogar wahrscheinlicher als intelligentes Verhalten. Umso mehr Informationen, umso mehr Verantwortung diese zu nutzen, aber umso mehr Potenzial diese effizient und weit verbreitet anzuwenden.
Diese verwirrende und nicht intuitive Gleichung erfüllt mein Ziel der Definition. Intelligenz ist nicht abhängig von Bildung; beide Graphen verlaufen nicht parallel. In den meisten Fällen ergibt sich, dass mehr Bildung und Informationen sogar verminderte Intelligenz beweist, da intelligentes Handeln möglich sei (und dem Subjekt bewusst ist), aber nicht angewendet wird.
Nun könnte man sagen "Martin, du gehörst auf den Scheiterhaufen für die Gottlosen!" "Du bist Selbstmord süchtig und verkleidest dich nun als Märtyrer der Menschen! Deine Definition hat es schon gegeben! Und wenn nicht, dann pervertiert es das Wort Intelligenz wie wir es nutzen wollen!"
Deshalb, my people, stelle ich mein neues eigenes Wort vor:
Metisnutzen
"Ihr Metisnutzen hat uns helfen können"
"Ihre Metisnützlichen Schachzüge werden Ihr den Sieg sichern"
Metis ist in der griechischen Mythologie eine Titanin, die durch ihre Intelligenz und Weisheit charakterisiert wird. Laut den Geschichten konnte sie sich durch ihre Intelligenz in jedes Tier transformieren.
Spricht man von "Metisnützlich", beschreibt man via. der aufgestellten Definition, dass eine Person ihr Wissen zu nutzen macht. Genauso wie Metis nicht durch ihre Genetik ihre Fähigkeiten gewann, war es das Anwenden ihres Wissen, dass ihr Handeln möglich machte. Strengt man sein Köpfchen an und wendet die Informationen die einem zustehen "metisnützlich" an, so handelt man effizient und präzise, in einer Weise der einst der Metis nützlich war.
…
Also ich bin verliebt… mein eigener Schreibflow fühlt sich ein bisschen nach stammeln an, wenn er so entblößt neben Martin’s dahinvegetiert, aber wäre es mein Nutzen solch neues Wort in die Welt zu geben, so sollte es meine höchste Aufgabe und Ehre sein.
Wer drauf aus ist, kann Martin’s Wortneuschöpfungen und Meine gerne vergleichen und selbst urteilen. Martin’s Metisnutzen versus mein Narugift. Nachtruhenschenkende, als Bezeichnung für die Person der vermachten, nächtlichen Ruhestätte.
Ok, den Bogen, den es zum Eigentlichen zu spannen gilt, will ich sehen, denn theoretisch wollte ich dir verscherbeln, welches Leben dir bevorsteht, wenn du aus eigener Kraft die Kunst des Am Boden Sitzens und Nichts Tuens für dich entdeckst, das Ganze Meditation nennst, und deiner Existenz den Rahmen und die Zeit schenkst, um auf sich selber klar zu kommen. Kein Buch der Welt könnte dich dazu bringen. Kein Aufschrei und keine Ausführung was es dir geben würde. Ich kann versuchen dich freundlich aufzufordern, diesen Moment zu nutzen und etwas Neues zu versuchen… Du! Ja du, hallo! Dieser Moment. Siehst und hörst und spürst du ihn? Wir sitzen alle gemeinsam in ihm. Egal was du grade tust, du bist ein Teil von ihm. Wenn deine Situation es zulässt, mach deinen ersten experimentellen Schritt. Stell dir einen Wecker auf 12 Minuten, setz dich im Schneidersitz auf den Boden und beweg dich nicht. Schließe die Augen und erkunde was kommt. Hab keine Angst und fühl dich bejubelt, dafür dass du den ersten Schritt in etwas völlig Neues wagtest.
Wenn du das liest und die Möglichkeit hast es auszuprobieren, aber du tust es nicht, dann liest du meinen Blog wie du Content im Internet konsumierst. Bitte entferne dich aus dieser Website, denn ich wollte nicht deine Zeit rauben durch leere Worte, sondern dir Einblicke, Inspirationen und Ideen vermachen, auf das dein Leben wächst und gedeiht, sich entwickelt und vielschichtiger wird. Mach das gerne auch aus Liebe zu dir selbst!
Ich bin selbst geschockt, dass mein körperliches Sein, über dessen Umfeld und Ergebenheit ich in dem Rahmen dieses Travel-Blogs berichten wollte, in der Geschichte immer noch im Zelt ist, nachdem wir unseren Alarm das erste Mal verschliefen. Mein Tag ist so gesegnet von Dingen, dass ich völlig Baff bin vor der mir stehenden Wand aus Ereignissen noch die Zeit genommen zu haben, so dermaßen wie dort oben im Text abzudriften. Nun denn, so startet nun dieser achte Tag meiner Reise.
Nachdem das gestrige Journal eifrig im Zelteingang sitzend mit Sicht auf die Apartments über der Kunstgalerie, bei welcher ich nächtigte, getippt wurde, bewegte mich der Drang der Darmleerung zum auf und ab gehen, unwissend über den Ort einer Toilette. Mein Freund von gestern wird basierend auf seinem dezenten Alkoholkonsum dementsprechend lang schlafen und ich erwarte kein zu Hilfe eilen von seiner Seite. Zum Glück besitze ich Klopapier und mehr brauche ich nicht. Nur mit Klopapier konnte ich auch von Spanien bis nach Berlin zu Fuß und ohne Geld reisen. Ich bin wie immer barfuß, Schuhe besitze ich keine, und steig mit gehobenen Beinen durch das Buschunkraut auf der Wiese neben mir. Als ich weit genug von allem zivilisationsgenannten entfernt bin, knie ich nieder um ein gelbliches, grün gesprenkeltes Ei zu legen. Ich könnte auf viele Details angehen, aber stattdessen möchte ich deine Vorstellung darauf lenken, dass ich in einer Wiese mit kleinen knospen und Blüten sitze, Insekten in Größen, Formen und Farben um mich schwirren, die ich mir nicht hätte erdenken können und dass ich einen perfekten Blick auf den direkt vor mir aufragenden Kilimanjaro habe, welcher um die Spitze herum von Wolken geliebkost wird. Die große Wiese ist ummauert und zwischen mir und den Apartments steht ein riesiger blassgrauer chinesischer Schiffscontainer. Ich hocke auf Kopfhöhe mit den Pflanzen in der Mitte einer Wiese und lege ein gelbes gesundes Ei. Basierend auf dem Eierscheinungsbild weiß ich, dass ich gesund bin, aber zu viel Reis esse. Die Färbung kann ich mir nicht erklären, denn das Kacke braun ist, gerät langsam in Vergessenheit und ich wunder mich was unseren europäischen Kot färbt. Ich habe bereits Babies mit grüner Kacke gesehen. Suuuper interessantes Thema, aber aus Zeitgründen verschieben wir den gesamten Exkurs auf später.
Mein Naru-Freund Rochord kommt zu gegebener Zeit und wir beginnen den Tag in seiner Kunstausstellung, welche grade von seinem Mitarbeiter aufgestellt wird und ich versinke in der Welt aus Farben für 1.5 Stunden. Ich lerne meh darüber, wo Rochord seine Kunst herbekommt und welche liebe zu Kultur und Erhaltung der alten Kunst dahinter steckt. Wie kunstliebend er selber ist und was seine Gedanken zu seinem liebsten Stück Malerei ist. Ich versinke viele Minuten in Meditation mit geöffneten Augen in die Welt eines Bildes starrend und liebe die Geschichte, welche mir von der Farbenpracht geschildert wird. Eine abstrakte Landschaft aus Farben und eine wandernde Elefantenherde unter dem leuchtenden Himmel aus verschiedenen Kugeln in der Art wie Planeten aussehen. Ein Anderes zeigt eine gezeichnete braune Maske, mit gold schimmernden aus dem Bild hervorschauenden, geschlossenen Augenlidern, bunte Formen die auf Wangen und Nasenrücken verlaufen und eine Tiefe aus Azurblau im Hintergrund, welche die Maske wie schwebend im Raum macht, während magische Charaktere in allen Ecken des Bildes auf des Betrachters Auge warten. Ich kürze hier stark ab, aber meine Aufgabe als Schriftsteller wäre es, um jener Stufe von Kunst gerecht zu werden, einen gesamten Artikel der Imaginationsdichtung über dieses Werk zu verfassen. Zu gegebener Zeit wird mich nichts mehr davon abhalten können.
Mit Rochord fahren wir in die Stadt und mit ihm fühle ich mich wohl genug, um diese angenehme Art des Schweigens und in aller Ruhe Existierens zu teilen. Er ist ein guter Mensch und seine Arbeit ist wahrhaftig dem Wohlergehen der Völker am Kilimanjaro gewidmet. Von den 200 Arbeitern, die von ihm und seiner Organisation von Touren abhängig sind, zu der Kunst, die Stämmen erlaubt durch ihre Tradition zu leben, über die NGO, dessen Chairman er ist, welche für die Sicherheit, Gerechtigkeit und das Wohlergehen von lokalen Ackerbaubetreibenden sorgt. Der Mann macht Vieles und ist ein kleiner Engel für Viele dieser Menschen, aber die Last von Menschen, deren Leben auf ihn angewiesen sind, ist eine wahnsinnig Hohe. Wenn ich ihm die Meditation näher bringen könnte und er dadurch Distanz zum Gift des Alkohols aufbaut, wäre ich erfüllt von Dankbarkeit.
Wir fahren in die Stadt. Wohin weiß ich erst, als wir ankommen. Es ist ein großes Gebäude und sein Büro sitzt im vierten Stock. Auf dem Weg dahin drückt er mir sein Handy in die Hand, um in einer Instagram-Story seine Partner aus Amerika kennen zu lernen, mit welchen er den Rahmen von ‘Roots and Peaks’ gründete. Ein Reiseunternehmen, welches mit der selben Liebe und Rücksicht auf Menschen, Natur und Kultur nachhaltige Reisen und Erlebnisse erschafft. Ich mag ihren Ansatz Tourismus so zu gestalten, dass es nicht wie so vieles Westliches ausnutzt, sondern Unterstützung, Bereicherung und Gutes an die bereisten Orte bringt. Natürlich sage ich das Alles nur, weil mir Unmengen an Geld zugeschoben werden und ich unglaublich von der Werbung die ich mache profitiere, um dann weiter ohne Geld zu leben. Alles logisch -
Die nächste Szene nimmt Platz in seinem Office, wo ich zuerst den einsamen Arbeitskollegen kennen lerne, weil der Rest der Mannschaft von zuhause arbeitet. Ich erfahre was sein Job ist und wie er die eigene Website der Firma von Rochord leitet, mir dem Namen CliffAfricaAdventure und wie das Geschäft dahinter funktioniert, Geld an Plattformen wie TripAdvisor abzudrücken, damit jene das Angebot anpreisen. Ganz schön teuer das Ganze. Umso mehr du zahlst, umso mehr wird man angepriesen. Den Ausspruch hätte ich mir sparen können, so offensichtlich ist es, aber trotzdem stört mich was daran. Und die Situation kennen zu lernen, stört mich noch viel mehr, weil das Streben Rochord’s ja inzwischen einen kleinen Platz in meinem Herzen hat und ich von den Menschen hinter ihm weiß und den Wert, den er weit über dem von Geld durch seine Arbeit erschafft. Die Firma muss also erbittert um Kunden kämpfen, in einer Schlachthofsoße wie dem Internet. Niemals würde ich in meinem Leben in einer solchen Situation stecken wollen. Müsste ich Geld durch meine Art des Publizierens und meine Online-Präsenz machen, würde ich abkratzen. Wie gesagt, sehr gut, dass ich kein Geld besitzen möchte. Umso freier bin ich nun, um kreativ meinen Kleingeist zum Gebrauch warm zu machen und eine gewisse Art der Hilfestellung zu geben. Aber bevor ich soweit bin, betritt eine neue Person mit erheblicher Charakterstärke die Tanzfläche und macht mich neugierig für die Welt. Ein alter Mann im ruhe Stand, in einem schimmernden olivgrünen Anzug, mit schwarzer Käppi, einer Speckfalte im Nacken, leicht gekrümmten aber gutem Gang, einem Loch im Socken und jeder Menge Humor kommt herein. Ich saß grade im Schneidersitz am Boden und versuchte einen Skript für ein kurzes Video auf Papier zu schreiben, welches potenziell mein erstes publikes Travel-Reel werden könnte. Den Nutzen sehe ich noch nicht, denn weder hatte ich vor jetzt schon berühmt zu werden, noch möchte ich die schwarzen brodelnden Meere des Internets weiter mit meiner Pixelsoße verpesten, aber irgendwas wird sich schon ergeben. Kommt wie es kommt. Mein Moment besteht nun aus einem Raum voll mit einem CliffAfricaAdventure Mitarbeiter und einem alten Mann mit Brille und sehr schlauen Augen. Warum diese Augen so blitzen können, erfahre ich sobald ich mich gewappnet genug fühle, um einen offensichtlichen Gesprächsgiganten in freundschaftlichen Angriff zu nehmen. Zwar habe ich bisher keine Situation im Kopf, in welcher ich sagen könnte, dass mein intellektueller Austausch versagt hätte, aber aufgeregt ist man trotzdem jedes Mal vor dem Beginn eines solchen Gesprächs. Wir stellen uns auf Swahili vor und schon bald weiß ich mehr über ihn. Dreißig Jahre lang Professor für Journalismus in Dar es Salaam zu sein, erklärt das Eine. Seine Berufspraxis in Nairobi, Kenia, das Andere und seine Aussage, dass es eine sehr gefährliche Situation für einen Tansanier wäre in Tansania aufklärerischen und investigativen Regierungsjournalismus zu betreiben, verrät mir den Rest. Warum er in diesem Umstand seine Karriere und Liebe zum Beruf in Kenia ausübte ist mir klar. Wie er es bewerkstelligte dreißig Jahre lang Studenten in diesem Land zu unterrichten Journalisten zu werden, mit dem Wissen über den Umstand des Landes, ist mir völlig unverständlich und ich bin zu doof, um dieses Mal nachzufragen. Jener Mann heißt Julius. Auf meine Geschichte reagiert er und sein Freund nicht schlecht. Das Gesicht, welches ich schon jetzt so bewundere, guckt mich mich dermaßen erstaunten Augen an, bis er am Ende auf einmal entspannt und man sieht, dass er eine Lösung im Kopf hat, die alles zu erklären scheint. Er entgegnet nach meiner Geschichte, dass ich zuhause in Deutschland eine reiche Familie habe, die mich durchsponsert und mich finanziell frei macht. Ich lache über den Gedanken und denke voller Liebe an euch, meine Liebsten, und wie witzig es wäre, wenn ihr mir Geld schicken würdet, damit ich so einen Quatsch machen könnte. Meinen tiefsten Dank, dass ihr es nicht tut, denn so konnte ich ihm mit einem breiten Grinsen entgegnen, dass ich unabhängig von meiner Familie existiere. Der Ausdruck seines Gesichtes vom Zuhören zuvor rutscht ganz kurz zurück, dann dreht er den Kopf so zur Seite, wie jemand der lange auf einen Bildschirm starrte und sich davon losreißt und er macht diesen kleinen Ton, der vielen Kehlen hier entfernt, wenn man etwas nicht ganz verstehen möchte. Danach sind wir Freunde und mit einer solchen Einleitung und einem guten weiteren Austausch über westliche Werte und die Eliminierung von Kulturen, was das Internet und Smartphonegebrauch mit uns macht und wieso ich so anders geworden bin, beginnen wir den Teil, der um das Business geht und meine ungefilterte Hilfe. Jene ist ungefiltert möglich, weil diese Beiden mich nun im Kern kennen und ich das Projekt sehr mag.
CliffAfricaAdventure ist benannt nach Rochord’s Großvater Cliff. Sie organisieren Bergbesteigungen am Kilimanjaro, und sind verbundene Vermittler für Safaris und Sansibarausflüge. Ihr Problem ist die Masse an Kompetition, also der Konkurrenz und wie man herausstechen kann ohne zu große Verluste zu erleiden. Schwierig, denn es gibt grobgesehen nur zwei Richtungen in die man gehen kann. Ihre Idee ist die Richtung nach unten, indem man heraussticht durch einen niedrigeren Preis. Nächste Woche wollen sie auf allen Plattformen den Preis senken und für Februar arbeiten sie an der Organisation eines Events, bei dem sie eine Tour auf den Kilimanjaro bei Vollmond anbieten. Grandiose Idee finde ich, nur stehe ich in Gedanken nun an der selben Problemschwelle, welche auch hier die Stimmung drückt und den Stress in Rochord’s Kopf erzeugt.
Ich erinnere mich an den Sohn der Pfarrerin von vor drei Tagen und seine Situation als Studierter junger Mann Teil einer riesigen Menge an menschen in Tansania in derselben Situation zu sein. Wie kann er heraus stechen und einen Job in seiner Branche bekommen, anstatt Booda Fahrer sein zu müssen, mit so viel Bildung im Schädel? Er meinte die Verbindungen seien Schlüssel, aber sein Weg dort hin war unklar. Er wartet und betet. Das verbindet schon, aber öfter verbindet es den Po mit einem Stuhl, als das eigene Wesen mit einem anderen. Für ihn war mein empfohlener Schlüssel die freiwillige Arbeit für Berufserfahrung und Verbindungen in einer Firma, für die er kostenfrei ein Projekt planen und ausführen dürfte. Das klappt im Tourismus-Business natürlich nicht. Aber auch hier geht es um den Service, den man anbietet. Ich frage die Beiden, warum manche Restaurants hohe Preise für ihr Essen verlangen können und dann frage ich ob sie für weniger Geld operieren wollen und dafür an Qualität einbüßen möchten, oder ob sie ihre Preise durch den angebotenen Service rechtfertigen wollen. Über das Problem des Networkings sprechen wir über den Gebrauch vom sozialen Medium und der Rolle eines Travel-Influencers. Jetzt könnte man meinen, dass mein Hintergedanke ist, kostenlos auf den Berg zu kommen und dafür darüber zu schreiben, um Leute anzuwerben. Aber du erinnerst dich, ich habe bewusst das Schreiben ohne bisherige Reichweite gewählt und kann diesen Service gar nicht anbieten. Möchte ich auch nicht, denn es geht darum, dass sie es selbst rausbekommen. Wäre ja zu billig sich selbst als Lösung zu verkaufen… wir tauschen uns aus wie das Network eines Influencers funktioniert und wie man jemanden dazu bekommt, die eigene Route zu nehmen und das Erlebnis als Werbung zu publizieren. Discounts und der Wert der Erfahrung für den Menschen hinter der Onlinefratze sprechen für die Idee. Über das Internet denken wir eine Weile gemeinsam und ich führe an, dass ihr direktester Weg zum Medium die eigenen Costumer wären. Jene kommen aus einer Gesellschaftsschicht, die sich diese Tour leisten kann. Jene haben eine Online-Präsenz und könnten bei freundlicher Aufforderung und Gegenleistung ihren Anteil leisten. Wenn sie sich entscheiden Videos und Einblicke ihres Erlebnisses mit der Firma zu teilen, so könnte jene ihre eigene Onlinepräsenz mit den Momenten ihrer begeisterten Kunden schmücken und so als Content-Lab agierend am Ende vielleicht sogar durch das Medium Aufmerksamkeit bekommen. Ein Weg auf den ich keine Hoffnung mache, aber ihn als Möglichkeit darlege. Und dann kommen wir zum Service… wie sticht man durch Service bei einer Konkurrenz von über 2.000 hervor und was möchte eine reisende Person von einem Erlebnis wie diesem dazu gewinnen. Meine erste Meldung handelt von der Customisation und der Anpassung des Angebots an das Budget und die Wünsche des Käufers. Dass man wissen möchte, was man kauft ist klar, und dafür soll es das soziale Medium und dessen Einblicke geben. Dass man auswählen kann, was genau man erlebt und in welchem Ausmaß ist ein schöner Luxus. Und trotzdem bleibt am wichtigsten, ob die Tour eine Wanderung auf den Berg und wieder herunter ist und man seinen Liebsten und Freunden erzählt auf einem hohen Berg in Afrika gestanden zu haben, oder ob man bei Nachfrage beinahe explodiert und der fragenden Person beginnt von allen Details, Etappen und Erlebnissen der Zeit zu berichten. Aber dafür braucht man eben ein Erlebnis und das ist der Kern des Angebotes. Ich versuche zu erfahren, was die genauen Aufgaben der Menschen sind, die als Begleitung die Menschen von Außen auf den Berg bringen. Das Team besteht aus den Posten eines Tour-Guides, eines Koches und den Menschen die Gepäck und Toiletten tragen. Das klingt nach einer Wanderschaft. Das Erlebnis aus Menschlichkeit beschränkt sich dann auf die Englischkünste der Begleitung und wie offen und bereit sie sind Dinge zu teilen und Gespräche zu führen. Da ich jetzt seit vier Monaten in dem Land bin, an dem kein Ort wie der nächste ist, meine ich zu sehen was ein Tourist verpassen würde, wenn es den Kilimanjaro besteigt und keinen tiefen Austausch genießt. Das lokale Leben bleibt unbekannt. In die phänomenale Sprache wird man kaum Einblicke bekommen und von der Kultur und Tradition hat man auch nur wenig. Und das ist schade! Wir leben in der Zeit in der ein Erlebnis in der echten Welt Konkurrenz von Filmen und unglaublichen, gefilmten Dingen auf Plattformen bekommt. Das Leben versucht verzweifelt besserer Content als die Pixel des Internets zu bleiben und das ist manchmal schwierig. Das komische Gefühl auf einer Reise im eigenen Kopf, ob das grade wirklich toll ist, was man erlebt. Zweifel daran was man grade tut und eine gewisse Verlorenheit. Kennt man? Kennt man! Ich meine Entertainment als Überschrift für etwas zu sehen, was ich darauf in Worte fasse. Eine Reise müsste nach heutigen Standards eine Art Bespannung und menschliche Bereicherung über dem eigentlichen Erlebnis hinaus sein. Wie einfach wäre es eine extra Person mit auf die Reise zu schicken, die für die Unterhaltung und des Austausch sorgt. Wie leicht könnte man ein Team darauf koordinieren mit den Gästen Sprache zu lernen, Tänze beizubringen und gemeinsam zu singen? Warum endet die Reise am Fuß vom Berg und nicht beim gemeinsamen Essen in einem der Dörfer? Wo ist der traditionelle Stoff der Chaga People als wertvolle Erinnerung. Alles mit im Preis, aber ein etwas höherer Preis der sich rechtfertigt… ein neuer Posten im Team, ein Erlebnis, welches von sich selbst überzeugt und durch seine teilnehmenden Menschen selbst Werbung macht.
Weil ich als ungelernter theoretischer Vollidiot nicht zu all viel mehr im Stande bin, halte ich das grobe Gerüst meiner Ideen anschließend schriftlich auf Papier fest und übergebe es den neuen Freunden. Der Morgen vergeht, der Hunger kommt und wir machen uns wieder zu viert vereint auf den Weg in die Stadt. Das Nachbarbüro von CliffAfricaAdventure ist neben dem Büro des Roten Kreuzes. Auch schön die Ottos hier zu sehen, in deren Krankenhaus ich in Berlin geboren wurde. Sind wohl beide einen weiten Weg gekommen.
Essen gibt es von Rochord ausgegeben, Pilao, Mchicha Greens, Bohnen und rote unglaublich schmackhafte Soße, in welcher ein Fisch treibt, den ich vermeide. Danach besuchen wir die Ecke in Moshi wo straßenweit der Fokus der Arbeit rund ums Auto liegt. Jedes Geschäft und jeder Abschnitt übernehmen ihren kleinen Part und als Einheimischer muss man genau wissen mit welchem Problem man wo hinzufahren hat. Das Problem des Autos sind zwei nicht öffnende Schiebetüren und ich erinnere mich an die Zeit nach der Schule, als mich die Überforderungen an Interessen zu dem Gedanken brachte, einfach für viele jähre diverseste Ausbildungen zu machen, um von allem etwas erlernen zu können. Statt 35 mit 5 verschiedenen Ausbildungen bin ich jetzt 20, geldlos barfuß am reisen und schreiben. Das braucht keine Wertung…
Ich melde mich bei beinahe allen Menschen die mir am Herzen liegen, indem ich versuche telefonisch ein Gespräch zu finden, während ich an der lauten Straßenseite auf Stein sitze, unserem Autohelfer bei der Arbeit zusehe und Menschen zunicke, die vorbei laufen. Lustiger Weise leben wir noch in der Zeit in welcher jede Person ein Handy besitzt, alle aber stumm geschalten sind und niemand spontan mal telefoniert, vor allem in den stressigen Schimmeltagen nach Weihnachten. Stattdessen mache ich ein paar Audios, wünsche fröhliche Weihnachten, gebe Updates und freue mich aus den Leben meiner Lieben zu hören. Süße Menschen, die ich bisher kennen lernen durfte. Mit den Wenigsten habe ich noch wirklich Kontakt. Mit den Menschen mit denen ich in Kanada zusammen lebte, habe ich seit vielen Monaten nicht einmal mehr telefoniert. Aber das ist der Preis, wenn man immer den Ort und die Menschen wechselt. Die Liebsten der Vergangenheit sind immer fern und neue Freunde des Momentes kommen und gehen beständig. Dafür hat man für späteres Reisen immer Freunde und Unterschlüpfe überall in der Welt. Und da in Person das einzig Echte und Wahre ist, ist der Schmerz über verpasste WhatsApp Chats gering, um ehrlich zu sein. Meine Freundin Maria aus Bulgarien, Sofia, meinte letztens zu mir, dass sie sich das hart vorstellt, ich dafür aber nicht wüsste und nicht erleben würde, wie es ist mit einer Person eine lange Zeit zu verbringen. Recht hat sie irgendwo. Erleben durfte ich es zwar in Kanada, auf Reisen mit Frankh und Martin, oder auch hier in Tansania mit Loana, aber ein wirkliches Verständnis von was es bedeutet für unabsehbar lange Zeit an einem Ort mit denselben Menschen zu sein, ist mir fern.
Unser nächstes Ziel ist der zentrale Markt, nicht zu vergleichen mit dem gigantischen Brudermarkt in Mwanza, aber auch hier bekommt man alles was man braucht. Ich stehe barfuß zwischen Ständen randvoll mit Gemüsen, winzigen Weißkohlköpfen, allen erdenkbaren Früchten, riesige Säcke voll mit gentrockenen Dingen wie Süßkartoffel oder Maiskörner mit anderen Säcken voll mit dem daraus entstehenden Puder. Eine Ecke ist voll mit Bergen aus winzigen Fischen namens Dada, welche ich geruchstechnisch nur begrenzt lange aushalte. Manche Stände verkaufen unzählige orange Bottiche gefüllt mit Öl, andere sind randvoll mit Gewürzen, die meistens ganz klein in Plastikpäckchen in Reihen abgepackt sind. Jeder Schritt riecht anders… das denk ich mir aus, weil ich selber nichts außer den Fisch geruchstechnisch wahrnehmen konnte, aber das liegt an meiner Nase und das Erlebnis des Lesens auf deiner Seite sollte nicht durch meine Unfähigkeit einbüßen. Also, ganz viel Geruch. Wir fahren zum Doktor unserem Freund nach Hause und verbringen den Abend erneut dort, dieses Mal mit ein paar anderen Männern, alle verbunden durch ihre Tätigkeit im Tourismus-Management Bereich und ich bin froh ein Teil der lustigen und spannenden Runde zu sein. Mein Highlight des abends bleibt ein Anderes. Das erste große tolle Ereignis war, dass ich auf die Toilette vom Doktor durfte, weil ich wirklich kurz vom Platzen war. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so knapp vor einer Hosengeburt stand. Üble Sache, aber minus zwei Kilo und das Ganze ist erledigt. Dann zum eigentlichen Highlight. Rochord und Doktor wissen beide, dass ich kein Fleisch esse, aber ich teilte mit ihnen meine neue angestrebte Philosophie, die besagt, dass ich Fleisch esse, wenn ich das Tier selber töten durfte… ok, wie soll ich erklären, welche Ehre es mir war, dass Doktor ein Huhn nur für mich kaufte und ich nun erlaubt bin, diesem Tier das geschenkte Leben wieder zu nehmen? Noch nie in meinem Leben habe ich etwas größeres als einen Wurm getötet und der nächste Kontakt mit etwas Totem waren die Mäuse unserer kanadisch heimischen, sehr gut funktionierenden Mausefalle. Jetzt also ein Huhn. Ich bin heilfroh, dass ich bei einem Besuch bei Freunden, Deutschschülern, in der Nachbarregion von Mwanza, einer Mama schon ganz genau bei einer Schlachtung zusehen durfte. Ich betrete sein Grundstück durch ein rotes dickes Metalltor und bekomme ein laut klagendes Huhn in die Hand gedrückt und trage es, wie ich es auf den Straßen sehe, mit einer Hand um beide Flügelansätze geschlossen. Er läuft durch seinen großen Vorgarten, der gänzlich gepflügt wurde und zeigt mir einen Ort zum Sitzen, ruft dann seine Familie, drei Töchter und einen Sohn, und jene sollen mir helfen beim Zerlegen des Tieres. Ich spüre meinen Puls und er ist ruhig. Ich denke an das Leid von Kindern, an die offenen Wunden im Krankenhaus und daran wie neutral und schockierend unbewegt ich davon blieb. Nun bin ich gespannt wie mein Herz auf meinen ersten Mord reagiert.
Basierend auf den kommenden Details, empfehle ich alles Kommende für Menschen über dem Alter von 14.
Das Huhn ist nicht gebunden und völlig frei in meiner Hand. Es macht furchtbar laute Geräusche und das klägliche Boken wird auch nach dem Tod nicht ersticken. Ich bekomme ein furchtbar stumpfes Messer in die Hand, dessen Holzgriff ein wenig lose ist. Das Huhn lege ich auf den Boden und meine nackten Füße drücken die schuppigen gelblichen Beine des Huhns in den weichen braunen sehr feinen Sand. Es versucht sich zu befreien, aber spätestens als mein linker Fuß die beiden Flügel am Boden einspannt, ist das nicht mehr möglich. Ich bin besorgt um die Kraft, die das Huhn haben wird, wenn der Schnitt vollbracht ist, und ob es sich unerwartet kräftig befreien könnte und dann wie in meiner Horrorvorstellung ohne Kopf durch den Garten rennt. Die Vorstellung dass mich ein kopfloses blutspritzendes Tier anspringen würde, lässt mich leicht mich dem Kopf nach links zucken. Die älteste Tochter sagt mir, ich könne das Huhn jetzt töten und die jüngste Tochter, keine vier Jahre steht noch neben mir und streichelt das Tier. Wir unterhalten uns über die flauschigen Federn und ich meine, dass es ein leckeres Essen wäre. Das kleine Mädchen, sichtbar unbeeindruckt, wartet auf das Schneiden und zeigt mir die Linie mit ihrer kleinen Hand am Hals vom Tier, wo ich das Messer führen soll. Ich nehme den Hals etwas unterhalb vom Kopf und drücke behutsam zu. Das Tier wird ruhig und bewegt sich nicht. Es bewegt sich auch nicht, als ich das stumpfe Messer ansetze. Auch das erste kräftige Schneiden bewirkt nichts und erst als ich am Halsknochen ankomme und ihn mir Kraft zertrenne, krampft der gesamte Körper mit einem Mal, streckt sich und ich sitze mit einem beinahe abgetrennten Kopf in der linken Hand und einem rüttelten, zuckenden Tierkörper unter mir da. Die Älteste sagt mir, den Kopf ganz abzutrennen und als ich das tue, bereue ich ein paar Dinge. Zum einen merke ich, dass die Jeans nie wieder sauber sein wird. Ich bereue mich vorgebeugt zu haben, denn ich bekomme Blutspritzer ins Gesicht und meine Füße sind eh hin. Das Problem ist, dass der Hals als der Fleischschlauch der er nun mal ist, noch einiges an Leben in sich hat und wild windend in alle Richtungen schaut. Das nächste Problem ist die immer noch pumpende Arterie in diesem Hals, welche durch die Schlauchfunktion des Halses überall blutig bewässert. Ich drücke mein Messer an Halsnähe auf das Tier, damit es sich nicht zu arg bewegt. Die Beine und Flügel sind festgesetzt, aber mögen tut das keiner der beiden Partien. Zwei Details, die ich aus der Grausamkeit heraus teile, die ich als Erlebnisdichter besitze, sind einmal der Kopf, der nun völlig leblos in meiner linken Hand in der Luft gehoben wartet und sich zwar nicht mehr durch Muskelstärke bewegt, aber dafür ein anderes Attribut an sich hat. Das Kopf schluckt und ich spüre die feine Bewegung im Hals. Das noch grausamere Detail ist wohl das furchtbare Geräusch, das beinahe unverändert von dem lebenden Klagen ertönt. Allerdings logischer weise nicht aus dem Kopf heraus, sondern aus dem Stumpf des Halses und dem kräuselnden Körper am Boden. Das kochende Wasser ist schon bereit, aber um kurz auf meine eigene emotionale Lage klarzukommen, welche eher ruhig und interessiert blieb, warte ich eine kurze Weile, bis das Zucken weniger wird. In mir regte sich nur ein bisschen Ekel vor dem Blutspritzen und ein davor nie gespürtes Gefühl durchströmt mich in der winzig kurzen Sekunde, als ich das Leben des Tieres unmöglich mache und den Kopf abschnitt. Ein furchtbares Gefühl, welches ich als höchst natürlich und echt empfand, aber wenig bis keinen Spaß doer Reiz darin fand. Das muss etwas sein, was Mama Natur vor langer Zeit in uns gab und wir bis heute tragen und nur selten benutzen. Ich hebe nun den schlaffer werdenden Körper an und lege ihn ins heiße Wasser, schmeiße den Kopf hinterher und beginne dann direkt das Federrupfen, welches ich bereits kenne und sehr mag. Diese Art von Huhn lässt seine Federn sofort los und in drei Minuten ist es vom eigenen Kleide befreit. Dann wird mir gezeigt, wo dir Schnitte durch die Gelenke zu machen sind, um die Einzelteile zu erzeugen, welche Orange zu gebrauchen sind und wo die Gallenblase ist, welche auf keinen Fall zertrennt werden darf, ansonsten ist das Ganze ungenießbar. Den Prozess hatte ich schon mit meiner Familie in Arusha an Weihnachten durchgemacht und das Innere des Tieres begeistert mich. Zusätzlich versuche ich darauf klarzukommen, wie schnell das grade noch lebende Wesen in meiner Hand, durch wenige Schritte zum beinahe fertigen Essen wird. Welch kleiner, aber weltbewegender Schritt zwischen Leben und Tod herrscht. Ohne solch eine Erfahrung ist einem das vermutlich fremd.
Warum, geliebte Leserschaft, konfrontierte ich euch nun mit solch einer Abart von Brutalität? Abart? Davon spricht wohl niemand, oder? Was du grade gelesen hast, ist wohl eines der natürlichsten und menschlichsten Prozesse unserer Geschichte. Und trotzdem kennen die meisten von uns nichts dergleichen, um an ihr Essen zu kommen. Ein Land der Supermärkte hat vieles in unserem Leben abstrahiert und ich glaube, dass das Töten von Tieren ein großer Verlust für uns war. Wir verbinden das Tier nicht mit dem Produkt, wissen nichts von dem dahinter steckenden Leid, konsumieren zu viel und zu viel, haben kaum Wertschätzung für das Leben hinter unserem Genuss. Was für eine Verschwendung an Leben und Leid, wenn nicht mal die Wertschätzung da ist. Mein Ansatz war deswegen zu beginnen, nur Fleisch von Tieren zu essen, die ich selbst tötete. Von dem Genuss des Fleisches danach muss ich nicht berichten. Wir sind eine völlig unnatürliche und entfremdete Zivilisation von dem eigentlichen naturgegebenen Leben auf der Erde und die Möglichkeit mal ein Tier zu töten und den eigenen Fleischkonsum zu überdenken, sollte jeder Person zu stehen. Also liebe Freunde… dumm gesagt versuche ich zu predigen, statt Vegetarier Tiermörder zu werden. Das hat mehr Fuß.
Am Abend breche ich ebenfalls meine Alkoholabstinenz, welche mich seit meinen zwei Wochen geldfrei in Monaco zusammen mit Frankh und sehr gutem Wein begleitete. Allerdings nicht für irgendeinen Alkohol, sondern Bananen-Millet-Bier aus dem Dorf ganz in der Nähe. Könnte man schon mehr als Medizin statt Spaßgetränk ansehen. Eine blass braune Flüssigkeit mit winzigen weißen Splittern drin, mit flachem angenehmen Geschmack, ein Hauch von Banane, Konsistenz leicht flockig und kühl. Wenn man nur Wasser und selten zuckerfreien Tee trinkt, ist das ein wirklicher Zungensegen gewesen. Wir bleiben bis tief in die Nacht und dann mache ich etwas viel gefährlicheres als alleine ohne Geld und ohne Schuhe als zwanzigjähriger durch Tansania zu reisen… ich steige in ein Auto gemeinsam mit einer betrunkenen Person. Ich glaub ich hatte selber einen Aussetzer und mein Herz flatterte die ganzen 10 Minuten Fahrt. Mama, Papa, tut mir wahnsinnig leid. Wusste mir nicht ganz zu helfen, und das war völlig daneben. Aber heile komme ich im zuhause meines Narugift’s an und er heißt mich herzlich willkommen. Seine Frau ist eine furchtbar süße junge Dame mit dem hübschen Namen Majoma und sie hat ein zwei Portionen Essen mit Kartoffelbrei und gebratenem Gemüsen plus ein bisschen Obst und ein Glas Milch für uns. Es ist mitten in der Nacht und sie blieb wach für ihren Mann und mich. Die Beiden sind leider kinderlos geblieben und wohnen in einem hübschen großen Haus mit jeder menge Kunst und einer sehr guten Ausstattung. Ich frage ob ich am Wohnzimmerboden schlafen darf, was okay mit ihnen ist, aber ich muss auf dem Zebrateppich schlafen, mache mich fertig und nenne den Tag einen erfolgreichen. Danke für das dabei sein. Mir macht das Schreiben großen Spaß, aber in welcher Welt könnte ich wissen, ob man durch das pure Lesen davon irgendetwas dazu gewinnt, etwas im eigenen Kopf erlebt, Interesse geweckt wird, man dazu lernt und fühlt… kein Plan. Ich freu mich über jedes Feedback und habe euch alle lieb. Beim nächsten Mal denke ich mir einen Term aus, mit dem ich Euch, liebe Leserschaft ansprechen kann, um nicht mehr liebe lesende Person schreiben zu müssen.