Spanien feat. Martin Meissner

Ein Hallo aus Spanien
Schon mal 522 Kilometer in drei Wochen zu Fuß mit Rucksack von Alicante nach Valencia und über Ibiza gelaufen? Nein? Dann lies doch gerne unsere kleine, abenteuerliche Geschichte und begleite uns auf dieser hochprofessionellen und gut geplanten Reise…  

Die Mutter der Reise (14.05)
Ein seichter Beginn und eine kleine Erklärung was genau passierte, sonst macht der Rest zu wenig Sinn. Die ersten Tage einer nicht endenden Zeit.
Ihr packt an meiner Seite, reist gemeinsam an und erlebt das Leben eines Einheimischen bei dem ich zwei Tage bleibe. Keine Frucht wird zu Schade zum Probieren sein und kein Hügel zu kaktusgesegnet um ihn zu besteigen.
Alicante ist eine echt nette Stadt direkt an der Costa Blanca in Spanien und beherbergt meinen Po und später auch Martin's für fünf Tage. 

Zwischen Promis und Doktoren (17.05)
Beim Angeln zuschauen kann ja schon langweilig wirken... aber habt ihr schon mal vom Beim-Angeln-Zuschauen gelesen? Hier findet ihr Antwort. Und ihr lernt Alicante an meiner Seite kennen, trefft den unglaublichen Selva, mein neuer Lieblingsdoktor und wenig später wisst ihr dann auch wer diese Person an meiner Seite für die kommenden drei Wochen ist. In Raumkapseln wachen wir ganz nah beieinander auf und starten unseren gemeinsamen Erkundungsausflug durch unsere Anfangsstadt, bevor wir anschießend direkt am ersten Tag mit der Härte unseres Vorhabens konfrontiert werden. Schon nach einem Tag liegen die Ersten unter uns beiden auf Gehwegen und wollen nicht mehr weiter. Gut, dass es nur noch 270 Kilometer sind...

Wer Strandbar ruft, muss auch Wildschwein sagen (19.05)
Trotz unserer Schwerfälligkeit endlich ins Rollen gekommen, kann beinahe nichts Martin und meinen Schritt durch die Städtchen entlang der wundervollen Costa Banca mehr stoppen. Bei dem Versuch der Luftlinie zu folgen, finden wir uns für neun Kilometer auf Eisenbahnstrecken wieder und folgen dem Eisen durch die Berge und ihre Tunnel. Nicht ohne Gefahr. Wir meditieren unser erstes gemeinsames Mal und trinken den Saft von selbstgepflückten Zitronen aus kleinen goldenen Kelchen. An einem Strand finden wir den ersten richtigen Charakter unserer Reise und wir lernen etwas über die Welt des Geldes und wo es hinführt, wenn man dem Hasen tiefer in seinen Bau folgt. Martin erprobt seinen hoffnungslosen Fall eines Zweimann-Zeltes auf ein erstes Mal und wir genießen von jetzt an morgens an Stränden zu erwachen uns als erstes schwimmen zu gehen. Seit Tag Eins haben wir großflächig Blasen... 
Wir kommen von grandiosen Städten der Zukunft und der Spitze des höchsten Hotels Europas zu einer Stadt namens Altea und gewinnen einen Freund für die Reise dazu um Cantaloupes zu schneiden. Es treibt uns über Berge hin zu einem Wildschwein. Wir werden reich an Essen beschenkt und stranden dann in einer absoluten Geisterstadt und werden durch die Flüche eines Irren vertrieben. Vielleicht wollte er aber auch nur spielen. Wer weiß.

Calpe und Denia treiben uns die Beinchen in die Bäuche (22.05.)
In der Theorie sollte dieses Kapitel keinem Freude machen... für uns war es schon schlimm genug 47 Kilometer an einem Tag mit schweren Rucksäcken am Stück zu laufen, aber ausgeschmückt durch der Worte Pracht habe ich dafür gesorgt, dass es dem Lesenden doch zumindest ähnlich ergeht und wir mehr oder weniger gemeinsam dasselbe durchstehen dürfen. Lesen wird hier beinahe zum Sport... so wie für uns gilt: Sitzen ist das neue Duschen. Wir berichten euch im Detail über die Leiden der jungen Dummen und über die Landschaften aus Blasen an ihren Fußsohlen. Genießt es, denn wir konnten es nicht. Allerdings hatten wir unglaublich schöne Städte auf dem Weg und ganz viel Regen. Hätte unsere Reise nicht auch solche Härten aufgewiesen, hätten wir nie die Dankbarkeit verspüren können, die jeden Abend noch schöner machte, als alle anderen zuvor. Wir kommen durch einen dumm gewählten Umweg in eine Bergregion und kaufen uns Milch... hä? In Wäldern finden wir Schlaf.

Mit Schall und Rauch durch einsame Nächte
Und dann war es soweit. Zwei Rucksäcke mit Menschen dran laufen in eine Bar und werden von einem stark Alkoholisierten auf eine Stadtfeier in der Nähe aufmerksam gemacht. Piles. Sein Angebot uns dort hin zu fahren lehnen wir ab und ein bisschen später sind wir zu Fuß angekommen. Eine unglaublich lustige Nacht stand uns bevor und wir dürfen bei Slaven schlafen und einen urkomischen Morgen verbringen. Martin musste Mayonnaise in ein Mikrofon brüllen und wir tanzten Paartänze auf einem Marktplatz.
Das bisher dämlichste kommt uns in den Kopf in Form einer Idee an dem Abend des folgenden Tages. Völlig kaputt steht man in Gandia und guckt sich doof an. Dann der Plan: wir treffen uns morgen um 12 Uhr an diesem Ort - und deuten auf einen Punkt auf der Karte 32 Kilometer entfernt - und wir trennen uns hier.
Es war sechs Uhr abends und die schlimmste Nacht meines Lebens stand bevor, als ich mir getrennt von meiner Maus eine acht Stunden Nachtschicht im Laufen vornehme, zweimal eine halbe Stunde auf Kreisverkehren übernachte, durch fünf Meter hohe Schilfwälder stolpere aus denen Grunzen tönt und schlussendlich an der Costa Blanca kurz vor meinem Ziel unter einer hohen Palme in einer Sandkule zusammen breche. Drei Stunden später soll die Reise weitergehen...

Ein Lächeln für den Schmerz
Martin überstand die letzte Nacht unbeschadet und schlief gut und zu genüge. Mein Anblick, als ich mich in das verabredete Café quäle, erschreckt ihn leicht, aber nicht genug um die anstehenden 29 Kilometer dieses Tages zu verwerfen. Stattdessen beginnt die Folter die ich anscheinend brauchte, um ein Stück weit erleuchtet zu werden. Meine Erkenntnis verändert den Moment, die Reise und mein Leben in einer unabsehbaren Tiefe. 
Martin und ich lernen uns heute besondern gut kennen und mein absoluter Tiefpunkt der Wanderschaft ist durchbrochen. Ab jetzt soll mein Leben für die nächsten unzähligen Wochen nur noch besser werden. Wir wandern bis zu dem See vor Victoria und sind einen Tag von unserem Ziel Valencia entfernt. Wir schlafen friedlichst neben einem gestauten See mit hunderten von springenden Fischen durch die Nacht hindurch. Natur umhüllt uns und gibt uns die Kraft für alles weitere.

Eine Stadt mit Ei - Valencia
Kaum machen wir den ersten Schritt in unser erstes großes Etappenziel der Reise - Valenica, 279 Kilometer nach Alicante, wo wir acht Tage zuvor gemeinsam zu Fuß starteten - und schon sehen wir ein gelbes Schild mit einem Fährensymbol. Keine Minute später und wir buchen eine Nachtfähre nach Ibiza.
In der Stadt erkunden wir Grazie der Architektur, Schönheit der Menschen und die Vollkommenheit des Strandlebens. 
Wir essen das erste Mal Paella. Aber nicht irgendwo. Ein Berliner Freund bringt uns in die Michelin-Küche eines fünf Sterne Hotels und verschwitzt und klebrig finden wir uns im sechsten Stock des falschesten Films wieder. Aber die Welten des Geschmacks der Paella schreib ich ein eigenes Buh sobald ich die Zeit habe.
Wir schlafen nach dem fünf Sterne Hotel wie gewöhnlich auf einem kleinen Feld mit Schnecken und Spinnen und einem Wildschwein auf. Wir essen eine halbe Tafel Schokolade vor dem zentralen Markt der Stadt und erkunden unaufhörlich bis spät abends unsere Fähre auf die wunderschöne mediterrane Insel Ibiza ablegt. Als Martin durch die Security geht, piept der Detektor und ich habe meinen dicksten Lacher des Tages.

IBIZA

Eine Geschichte von Ibiza
Drei Tage, zwei Menschen, ein Erlebnis, viele Worte. Die Städte waren schön, aber die weißen Villen gaben uns Würgreize. Alkohol mögen wir nicht und somit entschieden wir: die Zivilisation der Insel ist nicht für uns. Wir machten und zu Fuß auf den Weg und durchschritten die Insel in dieser Zeit. Wir campten auf dem aller höchsten Punkt des zweithöchsten Berges, fanden phänomenale Höhlengebilde durch das Schwimmen im Meer. Wir aßen Abendbrote auf Heuballen, die auf roter Ackererde standen und lernten den unvergesslichen und inspirierenden Ley kennen - ein echter Bürger der Welt, der beweist, dass Reisen keine Freizeitbeschäftigung sein muss, sondern ein absoluter Life-Style ist. Seine hanf- und leinenbekleidete Person, wird uns noch oft in Gedanken an ihn zum lächeln bringen. Die Städte Ibiza, Santa Eulària des Riu und Sant Josep waren ganz nett und so waren die Menschen. Martin und ich leben immer noch vom absoluten Minimum, grade mal 2-5 Euros am Tag, und hier war es ein wenig zu teuer. Wir müssen anfangen Pflanzen zu studieren und essbares in der Natur finden zu können...

Nicht mehr Ibiza -
Glubschaugen und Vierbeiner
Wir sind wieder da. Also auf festem Land. Noch festerem als dem Boden der Insel Ibiza. Spanien's Valencia nimmt uns auf ein Neues in die Arme und so auch unsere zwei neuen Freunde und ihre beiden Katzen und die große Kakerlake im Badezimmer. Kurz kommen wir hier wieder in Spanien an, bevor dann das große Endintervall antritt.

Cuenca's Schönheit blitzt und Madrid macht Mukke
Martin wird im Blütenschnee erleuchtet, erleuchtet war auch der Gewitterhimmel als wir neben der Statue auf der Bergspitze schliefen und jemand mit blauem Auto karrt uns weg vom wunderbaren Cuenca und den Häusern an der Steilwand hin zum noch schöneren Madrid, wunderbaren klanggefüllten Parks, netten Kunststudentinnen und atemberaubenden Museen. Wir schlafen einmal auf einem Gehweg neben dem See und das andere Mal wieder in einem Feld - das Wildschwein als Wecker war unumgänglich. Madrid beschert uns wunderbare letzte Momente und kleine unbezahlbare Zufälle, bevor mein Martin und ich uns für acht Wochen trennen. Er fliegt nach Haus und bei mir geht es aus mir nicht mehr bekannten Gründen ins unglaubliche... -