Die Nacht war überraschend kalt. Der Wasserstrom neben mir gab der ganzen Luft eine Bewegung und die Höhe der Berge, in welcher ich mich befand, tat den Rest. Ich öffnete die Augen und blickte in den blau schimmernden Innenraum meines Zeltes, während draußen das erste Tageslicht den Job der nächtlichen Glühwürmchenveranstaltung ablöste. Ich liege in meinem Zelt umrundet von Urwald, neben einem Flüsschen und dessen kleinen Wasserfällen und Stromschnellen, mit einem Hang aus Bananenbäumen und winzigen Feldern auf der gegenüber liegenden Seite und einem Mangobaum über mir, welcher statt Mangos die übernehmende Frucht der Honigmelone in sich trägt, welche in ihren wuchernden Astwurzeln vom Nachbarbaum überhalb des Wassers heran gerückt kam. Idylle ist das Wort für meinen Zu- und Umstand. Hier könnte ich bleiben, aber der Fakt, dass sich zu wenig Essbares finden lässt, scheidet die Möglichkeit des Bleibens aus. Stattdessen setze ich mich in den Zelteingang und zücke den hübschen Laptop und lasse ihn lange genug in meinem Schoß verweilen, sodass ich genug Zeit habe, um vom vergangenen Tag zu berichten. Danach treibt mich der Druck des Eierlegens ins Gebüsch und ich bin mal wieder überaus dankbar immer Klopapier an mir zu haben. Das Resultat wird im Sand vergraben und ich beginne mein Zelt zu packen. Auf den Feldern der Nähe steht ein junger Mann und ist vertieft in seine Gartenarbeit, aber er grüßt überrascht und sehr freundlich und wir gehend winkend unserer Wege. Zurück auf der wie durch Kinderhand in die Landschaft gezeichneten Straße finde ich mein Gehtempo und beginne den Tag mit meinem Stock, mit dem Rucksack der all mein hab und Gut trägt und natürlich ohne Schuhe. Die ersten Stunden ohne Schuhe sind meistens wirklich problemlos. Dass das Ganze spätestens zum Abend hin oder in der Mittagshitze seine Schwierigkeiten mit sich bringt, steht außer Frage. Mir kam ein dunkelgrüner Zufall entgegen gerollt und das Gefährt aus drei Rädern und einer Ladefläche vollgepackt mit drei Meter langen Zuckerrohrstangen. Die beiden Fahrer, die sich einen gemeinsamen Platz vorne auf dem Motorrad teilten, kamen neben mir zum Halten und luden mich ein aufzusteigen und mitzufahren… dass sie mich den gesamten Weg bis hin zu Lushoto bringen würden, war mir noch nicht ganz klar. Ich kletterte umständlich seitlich die 1.60 Meter hohe Brüstung mit meinem Rucksack hinauf und plumpste auf die Unmenge an grün schillerndem und rot leuchtenden Zuckerrohr, welches um einen halben Meter über das Ende der Ladefläche hinaus ragte. Ich machte es mir bequem und mit Sicht hinter uns auf die Straße fuhren wir langsam los. Das Gefährt ist bei aller Ehre weit entfernt von etwas Schnellem gewesen. Und als wir strandeten, weil das Petroleum leer wurde, verlor ich Teile meines Glaubens in das grüne tuckernde Motorwesen. Nichts desto trotz überzeugte es schlussendlich als wir die letzte Huckelpiste nach Lushoto hinein nahmen. Dass die Fahrt bis dort hin die wohl Schönste in meinem Leben war, kann ich versuchen in Worte zu fassen, aber Einiges wird mir entwischen. Lushoto liegt tief in den Bergen, welche mit einer solch unfassbaren Natur in ihrer absoluten Omnipräsenz überseht ist. Das Gestein ist orange farbend und in den höchsten Höhen türmen sich Wolkenhaufen über die Spitzen der Berge. Intensive Landwirtschaft der kleinen Menschen wird in allen Flächen betrieben, und Häuser aus Lehm stehen an Hängen, die für eine absolute Fitness durch das Leben der Bewohner sorgen müssten. An einem Punkt gibt es Mangobäume zu beschauen, aber am meisten werden Bananen angebaut und ein paar Felder sind gefüllt mit kleinen Maispflanzen. Die Menschen, welche die Straße hinter unserem Gefährt hinauf kommen, grüßen mich belustigt, weil ein barfüßiger Weißer auf der Ladefläche zusammen mit Zuckerrohr wohl selten gesehen ist. Einmal kommt ein winziger Bus mit Ladefläche hinter uns an und auf seinem hinteren Teil stehen zwei ausgewachsene Kühe, welche jeweils in die entgegen gesetzte Richtung gucken. Der Fahrer versucht uns wagemutig zu überholen und ich mache mir schon Sorgen was alles mit Kühen auf der Rückbank passieren kann. Platz genug hätte ich noch neben mir für eine halbe Kuh. Leute überall winken mir mit diversen, ziemlich coolen Handzeichen hinterher und ich merke innerhalb der Zeitspanne der Fahrt, dass in jenen Gesten eine bisher unerforschte Sprache wohnt… ich übe die restliche Fahrt, die Handzeichen passend zurück zu geben. Ich beschreibe…

Ein vorbei fahrender Busfahrer wird dich als potenziellen Kunden anschauen und seine Hand mit einer kurzen zackigen Bewegung schütteln und dann mit der Handfläche nach oben, den Fingern leicht gekrümmt, nur durch Gestik fragen, ob du mitfahren möchtest. Daumen und kleiner Finger plus Ring schauen dabei am weitesten nach oben. Der nächste Gruß ist jener, welcher mir schon aus Honolulu, Hawaii bekannt ist. Daumen und kleiner Finger sind von der Faust abgespreizt und man nennt den leicht wackelnden Gruß Shaka-Gruß. Dass der Name hier ein anderer sein wird, ist mir bewusst, aber die Ausführung ist dieselbe. Dann gibt es noch zwei Kleine - einmal werden beide Fäuste gehoben und voreinander gehalten und leicht verschoben, und als letztes gibt es einen Daumen hoch bei welchem der Daumen rhythmisch von links nach rechts wackelt. Dass jede Person mit einem solchen Gruß mich zusätzlich noch anstrahlt und seinen oder ihren Spaß bei meiner Beobachtung hat, ist wie die Kirsche auf der Torte. Frauen grüßen meistens durch Winken und reagieren im Gesicht noch überdachter und charmanter als ihre Artgenossen. Eine Gruppe aus Booda Fahrern pfiff mir hinterher und ihre Nachricht war offensichtlich, dass ich ihnen ein Zuckerrohr zuwerfen sollte. Einer der Fahrer nahm sein Gehstock und aus der größer werdenden Distanz sah ich, dass er mir veranschaulichte wie er in großem Tempo auf und ab an dem Stock aß und mit seinem Gehstock ein Zuckerrohr symbolisieren wollte. Es war nicht in meinem Kompetenzspektrum ihm einen süßen Stamm entgegen kommen zu lassen. Schuldigung. Mein Ausblick bleibt jener meiner nackten Füße wie sie auf Zuckerrohr ruhen und wie Welten aus dicht bewachsenen und sehr komplexen Bergewelten an mir vorbei ziehen. Nicht vergessen. Zeitgleich brummelt unser Lift an immer wieder neuen bunt gekleideten Menschen vorbei und langweilig wird das Ganze nicht. Eine ganze Weile dauert die Anreise nach Lushoto. Einmal halten wir an einem kleinen Markt und seinem etwas größeren Dorf. Kinder kommen an um mir rote kleine Bälle einer prallen Frucht zu verkaufen, die vielleicht ein Pfirsich sein könnte. Der Fluss ist hier nahe zum Menschen furchtbar voll von Unrat und diversem Plastikmüll. Ein gelber kleiner Vogel sitzt in einem Bananenbaum und pfeift. Bald darauf sind wir in Lushuto und ich werde mit großen Augen und freundlichen Gesten empfangen, um daraufhin loszulaufen und die Gegend abseits der Straßen erkunden zu können. Gegessen habe ich noch nichts und ich wunder mich wie ich die gesamte Strecke wohl wieder zurückkommen werde. Ein Busticket würde der einfachste Weg sein, aber der Fakt des geldlosen Reisens bleibt bestehend und könnte nicht umgangen werden, da ich jenem Umstand meine gesamte Erfahrung und den Verlauf der Reis schulde. Also bleibt es Geld befreit und besser so.

Ich biege von der Hauptstraße ab und verlasse den Asphalt zum ersten und letzten Mal für heute. Ich komme eine sandig durchsetzte Straße entlang, die zu kleinen privaten Häusern führt. Der winzige Weg führt entlang ihrer Hecke zwischen die Felder und tiefer in die grünen Sphären. Der Weg ist viel angenehmer barfuß als alles zuvorige und ich gehe immer weiter in die Felder und Bäume, weiter weg von der Straße. In Mitten eines Feldes sehe ich die Dame, die ihre Arbeit auf dem selben verrichtet. Als sie mich bemerkt und ich sie freundlich grüße, bahnen wir uns einen vorsichtigen Weg zueinander und die warmherzige alte Frau stellt sich als Judith vor. Das ‘J’ wird auf Swahili als ‘DSCH’ weich ausgesprochen und der Name steht ihr wundervoll. Ich berichte ihr von meinem Reiseplan und dass ich nur kurz zu Besuch bin und mich wundere was in diese Richtung zu sehen wäre. Auf Swahili sage ich ‘Ninatembelea hapa kwa siku mbili na ninataka kuona mazingira ya Lushoto’ und das reicht aus, um ihr meinen Ansatz in den Grundzügen darzulegen. Wir unterhalten uns ein wenig weiter und ich lerne, dass sie gemeinsam mit einem alten Rastaman zusammen lebt. Etwas in ihrer Art hätte mich diesen Umstand erraten lassen können. Sie trägt eine unfassbare innere Ruhe mich sich, während wir den kleinen Weg vor ihrem Haus entlang schreiten und die Blumen ihres Hauses betrachten. Bei der kleinen Straße deutet sie mir die Richtung, welche mich in eine schöne Gegend bringen soll. Ich danke Judith und gehe eine Weile weiter. Kinder kommen und gehen und mit ihnen kann ich mich verständigen. Manchmal sprechen sie zu schnell, aber sie sind bereit geduldig das Gesagte langsam zu wiederholen. Sie mögen meinen Geschichte und rennen in die andere Richtung und rufen mir hinterher, ob wir ein Bild machen können. Kleine Fans, die ein Selfie mit meinem Smartphone machen wollen. Ich muss lachen und gehe grinsend und kopfschüttelnd weiter bis ich an einen riesigen Baum komme, der mich mit all seiner strahlenden Schönheit einlud, unter ihm zu warten und zu ruhen. Nicht dass ich schon müde wäre, die Arbeit des Tages war unwahrscheinlich begrenzt, aber manchmal sucht man nicht aktiv den nächsten Ort und die nächsten Menschen, sondern bleibt am besten Ort um jene wie von selbst zu treffen. So auch hier. Der richtige Ort scheint die richtigen Menschen anzuziehen. Ich breitete meine Zeltplane aus und legte mich in meine lilande Decke gehüllt mit Bauchtasche als Kopfkissen auf den harten Sandboden und ruhte für eine ganze Weile mit geschlossenen Augen. Ein Zustand den ich inzwischen beinahe gemeistert habe. Stundenlang dazuliegen und sich nicht zu bewegen kommt überraschend nah im Resultat an echten Schlaf heran. Man realisiert, dass die Essenz von Schlaf nicht unbedingt das schwarz vor Augen werden ist und nicht bei vollem Bewusstsein zu sein, sondern die tiefste Entspannung im gesamten Körper. Fun Fakt, wenn man am Boden schläft gibt es keine andere Möglichkeit um einschlafen zu können, außer durch absolute und totale Entspannung. Am besten in Rückenlage, welche sich nicht verändern wird, wenn man es schafft mit ihr einzuschlafen. 

Der Baum beschützt mich vor dem leichten Regen der feinen Wolken in den Bergen umher und als ich wieder aufrecht sitze, kommt eine nette Person vorbei und gibt mir den Raum, um eine absolute Vorstellung meiner Reise zu geben. Die Menge an Praxis von Swahili die ich beim Reisen einholen kann, ist mit keinem mir bekannten Schulmodul vergleichbar. Die Person kann Englisch, aber hört gerne zu und als ich ‘Human Value Exchange’ auf Englisch sage, weiß er was ich meine. Danach scheint er ein bisschen überwältigt und wünscht mir alles gute bevor er geht. Ich fand ihn süß und nehm ihm keines Wegs übel mir nicht weiter zu helfen. Er half mir mit der Sprachpraxis. Und Dinge geschehen nach einer gewissen Logik und einem natürlichen Fluß der Dinge. Hätte ich mich nun bettelnd an seine Waden gehangen und um Hilfe gefleht, dann hätte ich diesen natürlichen Fluß der Dinge durchbrochen. Wer sich mehr für diese Art des Herangehens des Lebens interessiert und wer wissen möchte, wie man ohne Resistenz mit seinem natürlichen vorgefertigten Weg treiben kann, tut sich selbst einen Gefallen mal in die Philosophien des chinesischen Daoismus zu lesen, die Lebensphilosophie über den Weg der Dinge. Ich preise solche Dinge gerne an, ohne selbst die geringste Bildung über den Inhalt zu besitzen. Meistens bekam ich einen winzigen Einblick und meine zu erkennen, welche Welt aus Ideen dahinter ruhen kann. Dasselbe mach ich mit Buddhismus, von welchem ich nichts weiß, außer jenes was ich während meiner vier Tage im buddhistischen Kloster in Norwegen lernen konnte. Ich empfahl auch regelmäßig Freunden und Familie das Buch ‘Per Anhalter durch die Galaxis’ zu lesen, hatte aber selbst keine Seite davon verzehrt. Mir wird danach von jenen immer berichtet, wie unglaublich es sei… ich hatte von meinem Deutschlehrer in der fünften Klasse mal einen Vortrag über einen einzigen Paragraphen in diesem Buch gehört. Er sprach damals vom Sinn des Lebens und wie er 42 sei. Viele Jahre des eigenständigen Denkens liegen zurück ohne einen Gedanken daran verschwendet zu haben, das Buch selbst zu lesen. Mein Lehrer meinte selbst, dass die Antwort nicht in dem Buch zu finden sei. Zurück in Lushoto sitze ich da und frage mich was nun. Meine Person von grade entfernt sich in die Richtung der Straße von der ich kam. Vor mir ragt ein Hügel auf und verteilt stehen flache breite Gebäude in blau und weiß und sind offensichtlich eine Schule, zwei Tage bevor die Schulzeit wieder beginnt. Der Aufbau von Schulen ist meistens der selbe und dieser hier ist klar zu erkennen. Ich packe meine Sachen wieder zusammen und mache mich bereit weiter nach Essen und schönen Orten zu suchen. Ein Mann in blau kariertem Hemd kommt von einem Weg aus dem Dorf in die Nähe des Baumes und ich grüße ihn höflich, um ihn dann zu fragen ob er wüsste, ob hier in der Gegend die Früchte namens Zambalao wachsen würden, welche ich in Mwanga so sehr mochte. Er scheint belustigt und verwirrt von der Frage und mein Redefluss ist bei dieser Unterhaltung ein grausamer. Ich schaffe es grade so zu erklären, warum ich nach Früchten suche, aber bald stellen wir uns vor, er als der Lehrer an dieser Schule, und ich als geldloser Reisender ohne Schuhe von Mwanza nach Baagmoyo. Sein Gesicht beginnt zu lächeln, aber sein Mund schafft es noch den Umstand zu verdecken. Dann grinst er und lädt mich zu mich nach Hause aus, und bei meinem überschüttenden Dank lacht er. Wir unterhalten uns weiter als wir bei ihm zuhause ankommen und ich habe viele Fragen. Er ist seit dreißig Jahren Lehrer staatlicher Schulen und seit neun Jahren an jener. Er hat drei Kinder in großen Zeitabständen. Eine Tochter mit 27 Jahren, eine mit 20 Jahren und einen kleinen Sohn, nicht älter als 10 sein kann. Die kleinere Tochter ist genauso alt wie ich, aber ein Kind. Sie singt am nächsten Morgen, als sie aufwacht und das scheint laut ihrer großen Schwester ihre absolute Leidenschaft sein. Die Älteste ist ein verlorener Mensch, wie die meisten von uns, und mit 27 hat sie ihr medizinisches Pharmaziestudium zwar hinter sich, aber scheinbar nur um zu wissen, dass sie das nie wollte und nur nach dem gut gemeinten Willen ihres Vaters handelte. Sie wollte schon immer ein Tour-Guide werden und neues entdecken. Sie liebt das Draußensein und ist nicht so sozial wie ihre kleine Schwester oder Mutter. Sie meint fest zu stecken und auf der Stelle zu treten. Ihr Englisch ist einbahnfrei und als sie mich näher kennen lernt, verbindet sie was sie auf TikTok über Spiritualität gehört hatte mit meinem Life-Style. Wenn ich es schaffe, werde ich nachher die Interessantheit des Abends und unseres Gespräches versuchen in Worten zu halten. 

Als ich an ihrem Zuhause zusammen mit dem Vater Ephraim ankomme, sitzen Mutter und älteste Tochter grade im kleinen Hüttchen, welches als Küche dient, mit einem kleinen selbstgebauten Lehmofen am Boden und mit dem Ziegengehege links und dem Schäferhund rechts von ihnen in einer zusammen gewürfelten Holzbox gehalten, bei welcher kein Stück Holz dem nächsten glich. Die Mama ist dermaßen erstaunt über meine Erscheinung und fragt mich begeistert aus, während sie einen Stuhl anschaffen lässt und mir eine große Mango aufschneidet. Während ich mich erkläre, lernt mich ihre große Tochter ebenfalls kennen und beide lachen über mein Alter und ich bin mal wieder ungewollt süß. Mist. Ich erzähle von der Reise, den Tieren bei Nacht, der Schönheit ihrer Glühwürmchen am Wasser, meinem kurzfristigen Besuch hier und meinem Schlaf unter dem großen Baum. Ich lerne, dass die Kinder der Gegend den Baum furchtbar finden, denn tritt man auf eine seiner Früchte, so entsteht ein Geruch in der Luft, der es einem unmöglich machen würde, länger an diesem Ort zu bleiben. Ich hatte Glück auf nichts gelegen zu haben und keinen besonders ausgeprägten Geruchssinn zu haben. Mama und Tochter sitzen an zwei großen Metallschüsseln auf dem Feuer und kochen Bohnen und Mais zu einer Suppe. Aus dem Schlund des schönen Lehmofens glüht eine Landschaft aus Feuer und Hitze, welche Menschen der früheren Zeit die Inspiration zum Gedanke der Hölle gegeben haben muss. Von hier aus betrachtet ist die Glut eine Welt der pulsierenden Schönheit. Ich darf später helfen auf einem kleinen Holzhocker zu sitzen, an dessen Ende eine Klinge mit Ziffern um das runde Ende befestigt sind. Mit jenem Gerät hülle ich zwei Kokosnusshälften durch schabende Bewegungen aus um das Kokosnussmehl mit heißen Wasser vermischt und geknetet in die Bohnen-Mais-Mischung zu geben und das fertige Gericht köcheln zu lassen. Einmal gehe ich in der Gegend spazieren, was sich ohne Gepäck sehr frei anfühlt. Nur mein Stock ist bei mir und ich treffe auf Familien tief versteckt in dichten Bananenbaumwäldern und Ausblicke über eine langsam verschwindende Sonne hinter den Bergketten Lushoto’s. Ich finde Sägespäne und bin froh in ihnen stehen zu dürfen. Es ist eine Weile her solche gefunden zu haben und es ist einer meiner liebsten Untergründe nach Moos und nach Steinwänden zum Klettern. Ich fand die zwei kleinen Nachbarjungs der Familie, die auf die 14 Ziegen der Familie aufpassen. Papa Ephraim treffe ich auch nochmal und gemeinsam holen wir eine der Ziegen ab, lassen sie von den Kindern fangen und anbinden und reisen mir ihr gemeinsam die Straße hinunter, um den Pfarrer der Gegend zu besuchen. Dieser kauft die Ziege für den selben Preis, für welchen ich in Mwanza mal ein paar Schuhe erworben hatte. Hübsche Ledersneaker für 70.000 Shilling, was keine 25 Euro sind für gute Schuhe und für eine ausgewachsene Ziege. Der Pfarrer mag meine Geschichte und ich lerne über den Heiligen hinter seinem Kirchennamen. Zurück zu Hause bekomme ich einen gebratenen Maiskolben vom Feuer und wir sitzen weiter versammelt an der Feuerstelle und stellen uns weiter vor, lernen die Stammessprache der Gegend Kisambaa. Wir befinden uns inzwischen in der Region von Tanga, der Stadt am nördlichsten Teil des Indischen Ozeans des Landes Tansania. Hoffentlich komme ich in spätestens zwei Tagen dort an. Irgendwann ist das Essen fertig und ich werde eingeladen mich noch schnell zu duschen. Mein Raum wir mir gezeigt und ich mach mich einmal komplett frisch. Die drei Nachbarskindern sind bei uns und wir essen zu neunt aus dem Topf mit Bohnen und Mais. Es gibt eigene Avocado aus dem Garten, große Stücken von perfekter Mango und ein kurzes Gebet vom Papa bevor es losgeht. Ich bin überaus dankbar für solch eine nette Familie und die Sicherheit dieser Nacht. Nach dem Essen finde ich die älteste Tochter an ihrem Lieblingsort, der warmen Feuerstelle, wo sie viele Abende und Nächte allein verbringt, tief in Gedanken über was ist und war. Sie hörte von Spiritualität und möchte lernen, sie hörte von Mediation, versuchte es und meint gescheitert zu sein. Als ich ihr sage, dass das was sie hier täglich am Feuer tut, Meditation ist, sie es aber nicht bewusst macht und als solches Unterfangen sieht, bringt sie zum Nachdenken. Wir sprechen über Gedanken, Potenzial und freie Entfaltung. Alles war in ihrem Interesse Unterhaltungen darüber zu führen, aber sie meint niemanden für solchen Austausch zu haben. Sie tut mir leid und scheint besonders limitiert durch die Wünsche ihrer Eltern und deren Strenge, dass sie nicht aus dem Haus der Familie entlassen werden könnte, ohne eine richtige Arbeit zu haben oder durch Heirat. Sie erzählt mir, dass sie ihrer Muter sagte, mit mir zu kommen, wenn sie es nicht verbieten würde. Ich finde den Mut das auszusprechen beträchtlich und erzähle ihr von der Art von Reisenden die ich kenne. Davon dass es nicht viele gibt und wir unser Wissen um das eigene Überleben immer nur in Person weiter geben können. Einen von uns zu treffen ist furchtbar selten und die Chance zu ergreifen mit uns auf die Reise zu geben, öffnet nicht selten alle Türen der Welt. Für mich war es Frankh, mit welchem ich für fünf Wochen reiste und ohne Geld an den grandiosesten Orten unterkam und das reichste aller Leben lebte. Später beobachten wir die Sterne, die ihr noch völlig fremd sind und ich zeige Beatrice ihren Stern im Orion. Danach gehen wir als letzte im Haus zu Bett und ich versuche auf dem schönen Doppelbett zu ruhen, aber kann das Vorhaben nicht zu Ende bringen, weil mich die Bettwanzen in den Rücken stechend wach halten. Also schlafe ich am ehrlich kalten Boden und fühle mich wohl. Das Kühle lindert das Jucken am Rücken. Ich lade alle elektronischen Geräte und wache vor meinem Wecker zum Singen der zwanzig jährigen Tochter auf. Der Name der Familie ist Moshi und als ich mich mit Lenadi Mtui vorgestellt hatte, lachten sie erst und waren dann höchst erstaunt, dass ich in dem Heimatgebiet des Vaters in Moshi, Marangu bei der Familie Moshi gelebt hatte. Die Welt scheint wahnsinnig klein zu sein.

#15 TZN-Journal - Lushoto’s Spirit und grüne Sphären