Irgendwann war ich eingenickt und ja, das zählt als Schlaf. Der kleinere Bus mit dem ich von Singida bis nach Arusha kommen wollte, hatte kleine Sitze und so konnte ich meinen Kopf auf den Sitz vor mir ablegen und gemütlich auf meinen Armen ruhen, während die Straßen unter uns immer spannender wurden. Als ich  wieder mehr wach als schlafend war, legte ich meinen Blick auf das äußere Geschehen und sah die Landschaft aus ewigen ganz graden Flächen und überraschend großen spitzen Hügelbergn verstreut dazwischen. Hohe und langgezogene, im Dunst der Ferne liegende Bergketten verzieren den Horizont und keine einzige größere Stadt kommt in die Sicht, während der halben Stunde meiner verschlafenden Observation. Die Gegend besteht auf kleinen Dörfern. Öfter aus Lehm und einer Art goldenem Schilf und Stöcken, als aus Beton. Manche Dörfer stehen weit genug abseits von der Straße und bestehen nur aus runden kleinen Bauten mit einem kegelförmigen Schilfdach, auch wenn es definitiv kein Schilf ist. An der Straße sind manchmal kleine Stände oder eine kleine Gruppe aus Booda Booda Fahrern. Am ungewöhnlichsten zu sehen sind große viereckige Klotze, beinahe so groß wie die winzigen Häuser. Diese Klotze sind auch aus Lehm, aber massiv. Es sind hausgroße Stall aus Lehm- oder Torfblöcken, die dort gestapelt werden, wo das Vorkommen die Förderung begünstigt. Erklärt sich…

Und dann waren wir da. Ich komme an nach ein paar zu vielen unruhigen Nachtstunden und lasse damit das selbstbezogene Geldausgeben zurück. Weder für Transport, Essen oder Unterkunft kann, möchte oder darf ich Geld ausgeben. Das ist der Anspruch an mich selbst, nachdem ich im Juli, während meiner Rucksackreise in Europa lernen durfte, wie man ohne Geld überlebt. Beigebracht hatte mir das mein Pariser Freund Frankh. Fünf Wochen reisten wir gemeinsam ohne einen Cent auszugeben. Kennengelernt hatten wir uns, weil wir am selben Strand geschlafen hatten. Wir kamen von Corsica bis nach Berlin, lebten zwei Wochen in Monaco und überquerten die Alpen in neun Tagen. Das also ist der Anspruch. Die Erinnerung an diese Möglichkeit überzeugt mich, dass es möglich ist und dass es ein besseres Leben beyond des Geldausgebens gibt.
Geld werde ich ausschließlich benutzen, um Menschen auf dem Weg eine Freude zu machen oder ihnen zu helfen. Ich werde auf Mahlzeiten einladen und teilen was ich besitze, damit ich hoffentlich bald nach weniger besitze. Wer meine Vision Grande gelesen hat weiß, dass jene Lebensform die Grundlage für alles bildet, was ich in meinem Leben soweit plante erreichen zu wollen. Unsere Bewegung mit dem Namen Gen.ZM wird in Form von Rotationen in Deutschland stattfinden. Ohne Geld und nur mit Zelt und Poncho durch Deutschland laufen, Reden halten, mit Menschen bonden und den Verein überall gründen, wo das Konzept Anklang bei den Menschen findet. Gen.ZM e.V.

Ich wollte nach Arusha und bin stattdessen in Babadi gelandet, welches 160 Kilometer außerhalb Arusha’s liegt. Niemals hätte ich erwartet heute noch anzukommen. Ein junger Mann im Bus, mein Freund und Sitznachbar, war derjenige der meine morgendliche Übersetzung von einem zum nächsten Bus managte, und nun schiebt er mich aus dem Bus und trägt meine Tasche. Keine Ahnung wo wir standen, aber es war heiß und ich versuche das erste mal einen Stoff, der an meiner Rucksackaußenseite gebunden war, um meinen Kopf zu wickeln. Wer mir während der Zeit auf Instagram folgte (@Gen.ZM), weiß ungefähr wie das gelbe Stück Stoff aussah. Mein neuer Freund namens Shigaa bringt mich in den Schatten neben drei netten Damen, die Tee und Andasi Mini-Brote verkaufen. Ich lade meinen Freund auf Essen ein und trinke den Tee nicht, weil Zucker drin ist. Ein herumlaufender Verkäufer kommt dazu und bietet uns Getränke, Nüsse und getrocknete Bananen an, plus Kekse. Ich sage meinem Shigaa, dass er herzlichen willkommen ist und mit dem Mamas neben uns teile ich die Erdnüsse und Bananen auf. Der Verkäufer setzt sich zu uns und durch gutes Karma, durch das Geben an andere, entpuppt er sich als halbstudierter, englischsprechender Freigeist mit einem interessanten Streben. Er spricht mich an und stellt sich vor. Sein Name ist Josef und sein Vater heißt Alfredi. Das ist meistens Teil der Vorstellung. Er studierte einst Jura, aber seine Neigung zu Alkohol machte ihn unfähig das Studium zu beenden. Er ist inzwischen verheiratet und überlebt durch den Verkauf von Waren. Der Grund der ihn dazu bringt, mich anzusprechen, ist seine spirituelle Situation. Er wuchs hier auf. Zwei Religionen wurden ihm präsentiert und beide waren ein Albtraum für hin. Er beschreibt mir das Leiden, welches er durch Islam und Christentum erfuhr und was die Angst vor Gott mit ihm machte. Er ist seit er beide für nichtig hält, auf der Suche nach mehr und sein spirituelles Streben begann, um dieselbe Zeit. Er fand Antworten in sich selbst, anstatt in den Büchern. Er entwickelte Ansichten, die aus seinem eigenen Innern kam und entdeckte Natur, Leben und Welt in ganz anderen Ansichten. Ich bin begeistert ein paar dieser Dinge zu hören und erkläre ihm kurz, warum ich Bartfuß durch Tanzania laufe und was es mit der Meditation auf sich hat. Ein kurzer Einblick in den Buddhismus, welchen er nicht kennt, später, und der junge Mann strahlt mich an. Ich schreibe meine Nummer auf ein kleines Stück Papier meines Notizbuches aus Kanada und reiche ihm das gute Stück. Dann machte ich mich auf den Weg. Davor half mir eine Schwester noch, mein Tuch richtig zu binden. Sie trug auch eins und ich fragte sie ob meines nicht genauso aussehen könnte wie ihres… jetzt tut es das!

Ich lief in die Richtung des Kreisverkehres auf dem zwei riesige Giraffenstatuen aus Holz standen, mit dem noch viel riesigeren Berg hinter ihnen aufragend. Es ist kein mir bekannter Berg, was ihn nicht weniger schön und komplex im Handverlauf macht. Ein einziger grüner Koloss. Ich gehe nach links, die Richtung in die Arusha in 167 Kilometern angepriesen wird. Zwei junge Männer umhüllt von ihren Stoffen mit den Farben, die ihren Stamm repräsentieren, kommen mit Stöcken auf mich zu, an welche ihre Waren gebunden sind. Armbänder und schwarze Sandalen mit bunten Perlen dran. Die beiden tragen jeweils Schuhe aus einem Autoreifenprofil, das mit rotem Lederband um den Fuß gehalten wird. Das sieht so phänomenal aus, dass ich mir sicher bin Schuhe zu tragen, wenn ich solche besitzen würde. Ihre Verwirrung und ihr Spaß bei meinem Anblick ist Gold wert. Eine lange grade Straße öffnet sich vor mir und ich sehe, dass das der grade We nach Arusha ist und dafür bin ich noch nicht bereit. Ich gucke nach rechts zum Berg und um dort hin zu kommen, muss ich durch eine Enge Marktstraße mit unendlich vielen Kilos farbenfrohsten Obst. Viele kleine Fahrzeuge in einem sehr kleinen Raum und ich dazwischen, bis das Stadtgewusel mit einem Mal aufhört und meine Füße auf weiche, kühle, volle und fruchtbare Erde tritt. Auf einmal bin ich in der Natur und ich laufe den erdigen Pfad beinahe einen Kilometer entlang. Ich schreite durch unfassbar höhe Baume und überall um mich herum ist eine Perfektion an Ackerbau betrieben, die in Diversität und Platzgebrauch gar nicht übertroffen werden könnte. Ich sehe das erste Mal Kohlrabipflanzen in Tanzania, Bananenbäume, lange Streifen aus Mchicha, eine Art von kleinem grünen Gemüse. Der dünne Baum der laut jemandem aus der Kasavawurzel wächst und dichte grüne Büschel die ich nicht kenne, füllen die Erde, die noch frei war. Die arbeitenden Menschen des Ackers grüßen mich neugierig mich langsam schwingenden Händen und neugierigen Blicken. Kinder folgen mir in Distanz und die Bananen, die ich grade gekauft hatte, gehen an sieben Kinder. Ich komme über eine kleine Holzbrücke mit Geländer und einzelnen ganz natürlich gewachsenen Planken. Unter uns fließt ein kleiner Strom durch braune Erde und schwarze scharfe Steine. Riesige Wurzeln von Bäumen hängen den Hang hinter und Schatten überall durch die Anzahl an Bananenbäumen.

Die Bäume decken alles in allen verschiedenen Höhen und Dimensionen und nicht lange danach finde ich mich an dem Ufer eines anderes Baches. Dort lege ich mein Rucksack das erste Mal ab und rolle mein Zelt aus, um mich schlafen zu legen. Das funktioniert auch fabelhaft, allerdings belagert mich der Gedanke an Schlangen für eine ganze Weile. Der Wind ist lau und sehr warm, das süße Brüllen einer Kuh breitet sich durch die wunderschöne Gegend voll mit Leben. Kinder spielen in der Nähe und jene sind es auch, die mich nach einer halben Stunde finden und nach Geld fragen. Als ich dann aufwachte, starte ich in das Blätterdach fünf verschiedener Baumarten und wie ihre unendlich verschiedenen Blätter in allen Formen durch den leichten Wind tanzten. Der kleine Fluß neben mir, mein Rucksack zu der Linken an einen dünnen Baum gelehnt. Mit den Kindern breche ich auf zur Straße und sie haben einen großen Spaß daran meine Situation falsch zu interpretieren. Ich lade sie alle auf Chipsy, also Pommes eine, aber davor bringen sie mich noch zu ihrem Elternhaus und ich verbeuge mich vor den Ältesten. Der Vater bindet kurz mit mir und wir laufen weiter. Wir gehen zwischen engen Wänden hindurch, an braunen völlig natürlichen Lehmwänden. Auf einer Wiese sind überall kindestiefe Löcher gegraben und dort wird vielleicht Müll gesammelt. Ich konnte es nicht genau erkennen. Ich war zu beschäftig mit dem Versuch nicht hineinzufallen. Als die Kinder ablassen und ihre Pommes genießen, gehe ich weiter und stolpere nicht lange danach in einen ziemlich betrunkenen oder schwer durch Alkohol geschädigten. Ich glaube nicht dass es das Geld besaß, um jetzt grade betrunken zu sein. Er läuft mit mir und hilft mir meine Schnur vom Rucksack zu entfernen, damit ich alles vorne zubinden kann und den Druck von den Schultern ein wenig nehme. Der Rucksack ist auf Ansatz gefüllt und schwerer als in Erinnerung. Mein guteichender Freund wird auch auf ein Essen eingeladen, aber davor versucht er noch verzweifelt sein Beileid an meinen Füßen auszudrücken. Als wir unseren Essensort erreichen, geht er auf die Knie und hält meine Füße, während er sich entschuldigt, immer und immer wieder. Ich kommentier das nicht. Während dieser Situation hatte ich eine nette Unterhaltung mit einem jungen Mann ganz in ein weißes Gewand gekleidet und erklärte ihm wer ich bin. Als die Dame des Standes das Essen brachte und mir das Rückgeld gab, umarmte ich meinen Freund des Bodens und lief weiter. 

Zu dieser war noch niemand stehen geblieben. Viele Autos hatten mir schon zugewunken, aber niemand kam direkt auf mich zu. Anstarren und ansprechen kann mich ja jeder. Tun auch beinahe alle. Aber keine zwei Minuten auf dem Asphalt Richtung Arusha hielt dann mein erstes Booda-Moped Fahrer. Wir grüßen uns mit dem Handgruß der hier gängig ist, bei dem die Daumen aneinander drücken und dann aneinander vorbei schnipsen und ich erzähl ihm was ich mache. Seine Anfangsfreude verwandelt sich klar sichtbar in Sorge und er deutet mir aufzusteigen. Ich bedanke mich und lehne ab, indem ich ihm sage kein Geld zu haben. Das hatte er soweit schon gewusst und wiederholt seine einladende Geste und schon sitz ich auf meiner ersten Mitfahrgelegenheit. Ganze fünf Kilometer nimmt er mich mit und ich frage nach seiner Familie, den Namen seiner Kinder, über seine Herkunft und ob die Gegend sicher bei Nacht ist. Er möchte über meine Arbeit und mein Wandern wissen und ich erzähle ihm das, für was mein Swahili bisher am nützlichsten war. Ich stelle mich vor wie eine Eins! Jemand wird mich am Abend fragen, ob ich stolz darauf bin, Swahili zu können, und noch nie hatte ich drüber nachgedacht. Die nette junge Dame neben der ich geschenkte Chapati essen würde, bringt mich auf eine nette Idee und ab jetzt bin ich ein bisschen stolz darauf etwas zu können, anstatt jeder Person zu erzählen, dass ich nur ein kleines bisschen weiß und langsam lerne. Quatsch! Ausreichend um jene Menschen kennen zu lernen.

Kurzes Gedankenexperiment. Stell dir vor nach Deutschland zu kommen. Vielleicht warst du zuvor dieser Booda Fahrer in Tanzania. Du hast ein Familienvermögen für Sprachstunden ausgegeben und möchtest täglich an der Last dieser Sprache zerbrechen. Wie wirst die aufgenommen als Schwarzer in einem fremden Land. Hast du die gleichen liebevollen und freundlichen Interaktionen wie ich? Hey, bestimmt, wenn du offen und freundlich genug bist. Aber trotzdem ist es wohl eine ganz andere Hausnummer von hier nach dort zu kommen. Ich möchte es mir kaum vorstellen und bange immer noch täglich mit den drei Freundschaften, die nach Deutschland möchten, um ein neues Leben zu starten. Deutschland, hab Erbarmen.

Ein interessantes Wort. Erbarmen. Barmherzigkeit. Hatte ich davor auch noch nie hinterfragt.

Ein Booda und er bringt mich in ein Dorf und dessen Markt. Ich glaube es hieß Mahugu. Der Fahrer gibt mir Geld und das ist die Spitze an unangenehmen, aber auch an das werde ich mich gewöhnen müssen. Ich hatte gelernt wie man God bless you und Alles Gute sagt und erzähle ihm genau das. Die gängige Formel dafür ist ‘Mungu akusaidie!’ was aber wörtlich übersetzt ‘Gott, er möge dir helfen!’ heißt. ‘Kila la heri’ bedeutet Alles Gute. Oder es heißt was ganz anderes und ich erzähle großen großen Mist an alle meine Helfer*innen. 

Von den 2K Shilling die ich bekomme kaufe ich eine Mango für den vierfachen Preis, um das Geld wieder los zu werden. Die gute alte Frau am Boden, die grade ich Portion zu verkaufende Erdnüsse aufbrach, war erfreut und verwirrt, und ich war froh wieder ohne Geld zu sein. Die Mango kam nicht weit, weil ein kleiner Laden für Booda Reparaturen mich einlud mit ihnen zu sitzen. Ein Stuhl wurde sofort freigemacht und ich stelle meine Rucksack in den schwarzen feinen Sand um uns herum. Durch Ruß und Gummi gefärbt. Niemand möchte ein Teil meiner Mango abhaben, weil sie das mit dem Ohne-Geld-Reisen als zu ernst sehen und so genieße ich eine nicht perfekt reife Mango, geschnitten durch mein väterliches Opinel. Un obwohl jenes zuhause durch unzählige bewundernde Mutterhände ging, und manchmal tagelang nicht in meinem Besitz war, kam es immer und immer wieder zurück. Liebe an meine Mütter. Und noch viel mehr Liebe an dich, Mama. Und du auch Papa. Ich ruf euch nachher an!!

Mein längster Fußmarsch seither startet über eine überaus trockene Straße im nirgendwo, aber auch dieser Marsch endet, und zwar an dem Ort meines Mittagessens. Der Booda Driver ist eine coole Socke gewesen und nur mein Rucksack versuchte mich mit dem Band vorne zu erwürgen, weil er auf einem Sack Reis hinten am Booda aufsaß und mich um weiten überragte. Angekommen, for free, setze ich mich an die schattige Außenseite eines Restaurants und schreibe Bukele, meiner besten Freundin in Mwanza zurück. Ich werde in dem Prozess entdeckt von einem jungen Kerl, der eine hübsche Lücke zwischen den Vorderzähnen hat. Trotz seines Glückszahns bin ich derjenige mit all dem Glück, denn er lädt mich auf zwei Flaschen Wasser und Chipsy ein. Ich bin völlig überrannt und bedanke mich von Herzen. Das ist eine Sache, die man egal nach wie vielen Wochen nicht verlernt. Egal wie viel Gutes dir getan wird, wie viel dir geschenkt wird und was alles passiert - den Dank verliert man ehrlich nicht. Auch wenn das nur ein Mittagessen ist, bin ich trotzdem im gleichen Maße dankbar, als wenn mir englische Touristen in Südfrankreich 50 Euro schenken, während ich Steinblumen einer Fassade in mein Notizbuch zeichne. Es ist nicht das Materielle dahinter für den ich danke, sondern für den höchstmenschlichen Akt des Lebens. Und dafür werde ich immer dankbar sein, weil genau jener Akt es ist, der mich und die Welt am Leben hält. Rede…

Ich komme für eine kurze Weile echt an. Auf einem blauen Plastikstuhl und gleichem Tisch, außerhalb des Restaurants. Ich wurde nicht gebeten drinnen zu sitzen und finde das super. Ein paar Menschen von der Straße kommen vorbei und wir lernen uns ein bisschen kennen. Einer ist Maurer und sparrt für das Geld für den Führerschein um LKW-Fahrer zu werden. Der Andere hat auch eine Geschichte, ist aber interessierter an meiner. Ich zeige ihm alles was ich in meiner Bauchtasche dabei habe. In meinem Portmonee habe ich Geldscheine aus allen Ländern, die ich bisher bereiste, jeweils einen davon. Er ist absolut begeistert von dem 5-Euro Schein den ich besitze und ich verschenke ihn. Dabei denke ich nicht an den Wert des Geldes, sondern sehe den Schein genauso wie er. Als ein hübsches Stück Papier von weither, mit coolen Zeichen, Symbolen und Details darauf, ohne tatsächlichen wert, außer den des Tausches. Über Tausch und Handel gibt es auch noch eine Welt zu besprechen. Wenn ich auf so einer Reise anfangen würde einen kleinen Gegenstand immer gegen etwas Teureres zu tauschen, so dass beide Seiten gewinne, dann käme ich als reicher Freiwilliger wieder in Mwanza an.
Meine Reise soll übrigens nach Dar es Salaam gehen. Hab ich das erwähnt? Ich hab ein Seminar von meiner Organisation dort und einen Monat Zeit um hin zu kommen. Aber eben kein Geld. Kontext, Check!

Der neue Freund des Restaurant sagt, ich könnte hier schlafen und für zwanzig Minuten kann ich tief entspannen mit diesem Gewissen. Dann merke ich, dass das zu einfach wäre und verabschiede mich von meinem neuen Freund. Er las auch schon den Swahili-Brief den ich verfasste, damit Menschen meine Lage in Detail verstehen können. Ich glaube einen kleinen Fan gewonnen zu haben und ihn ein bisschen zu enttäuschen, als ich ihm von meiner Abreise berichte. Er läuft noch ein paar hundert Meter mit mir mit, kauft mir eine Pepsi Diet, die ich 100 Meter weiter wieder verschenke, und dann sagen wir auf Wiedersehen. Kein Wort Englisch war Teil von dieser Konversation. Ich befinde mich auf der Straße, auf welcher mich in zwei Stunden ein Bus aufnehmen wird und kostenlos für drei Stunden bis nach Arusha fährt. Aber zuerst laufe ich und finde gelbe Früchte bei denen manche sagen, es wäre essbar, aber ein alter Herr auf seinem Fahrrad meint, dem wäre nicht so. Glück gehabt. Ich vertrau aufs Alter.
Drei Typen auf einem Booda kommen und der Mann in der Mitte, mit Sonnenbrille, bunter Rastamütze und Dreadlocks drunter, fragt ob ich einen Dollar hätte. Hä? Wieso? Ich hab genau einen Dollar von Hawaii, aber wieso will er den? Ach Mist. Einen Dollar später laufe ich weiter und bin wieder ein bisschen leichter. Soll ich das mit dem Karma nochmal ansprechen, oder kommt es dir als lesender Person inzwischen auch schon natürlich vor, dass bald ein wildes Gefährt halten wird, um mich ein Stück weit zu transportieren? Das Fahrzeug hat die Vorderachse eines Traktors und wird mit ganz langem Hebel gelenkt. Ein Motro sitzt zwischen der Achse und gemeinsam zieht diese Kombination eine riesige Maschine hinter sich her, und an dieser hängt ein kleiner blauer Hänger auf welchem ich sitzen darf. Der Hänger hat allerdings ein Problem mit der Verbindung zum Hauptkoloss und bald müssen sie stoppen, um es zu reparieren. Kein Lastkraftwagen möchte für sie anhalten und ihnen helfen, was mir sehr leid tut, aber dafür halten die sechs Jungs einen Bus an, meinen, und arrangieren meine Fahrt nach Arusha und diesmal bin ich tiefst und ehrlichst perplex, über was grade passiert ist.
Der Bus ist cool drauf und der Fahrer plus die zwei stehenden Arbeiter des Busses lieben meine Geschichte und binden den ganzen Bus mit ein. Ich kriege sogar einen Sitz, allerdings ohne Lehne und Baum plus Rücken leisten ab, während ich drei Stunden mit Rucksack auf dem Schoß versuche mich nach vorne zu lehnen.

Auf dieser Fahrt sehe ich wirklich unglaubliches. Die Art des Lebens ist nochmal so völlig anders von Mwanza und noch nie in meinem ganzen Leben habe ich eine Zebraherde neben der Straße grasen sehen. Als ich meine Jungs im bis frage, sagen sie diesmal entschieden, dass es hier nicht sicher wäre zu campen. Ich sehe mehr und mehr Männer in rot karierten Stoffen und mit den Autoreifenschuhen und bunten Perlen an ihnen plus Stöcker zum laufen und verteidigen an ihren Seiten.

Am Ende der Fahrt werden mir 4K tansanische Shilling von einem Mitfahrer und Bruder zugeschoben, damit ich mir ein Abendessen holen kann. Das werde ich auch. Ich bekomme einen Maiskolben von einem klitzekleinen Grill von der Straßenseite in Arusha und ein großes Wasser etwas später. Meines hatte ich bei den gestrandeten Jungs vom Straßenrand in Nirgends vor der Busfahrt gelassen. Und genau hier beim Wasserstand steigt grade ein Dude namens Joshua aus und spricht mich auf englisch an, was ich vorhätte. Ich erzähle, dass ich einen Platz zum Campen suche und er meint, dass es in der Stadt nicht gut wäre, und außerhalb der Lichts gefährlich wird. Auf die Frage ob durch Tiere oder Menschen, sagt er Menschen…
Er deutet mir in das Dreirad, Bajaji, zu steigen und wird fahren gemeinsam wo hin. Ich realisiere zu spät was er in dem Gebäude macht, aber als er mich einweiht, meint er mir eine Nacht in diesem Guesthouse gekauft zu haben und dann drückt auch er mir extra Geld (5K) in die Hand für ein gutes Essen. Dieser Mann ist sehr gläubig und ich bekomme ein paar wunderschöne Sachen zu hören, bevor er nach hause zu seiner Familie geht. Er meinte noch mich morgen anzurufen und für mich einen Weg zu organisieren, um nach Bagamoyo zu kommen… das wäre bereits das Ende meiner Monatsreise, aber so schnell wollen wir das Ganze ja nicht beenden. Ich gebe auf all meinen Dank in Worte fassen zu wollen, verneige mich tief und wünsche ihm mit der Hand auf dem Herzen eine gute Nacht.

Ich hole mir mein Abendessen in der Straße, wo zwei junge Damen Chapati und Bohnen plus Tee verkaufen. Der Tee ist unglaublich und beinhaltet Tangawizi, Ginger, und Orangenblätter. Ich spreche sehr lange mit einer der beiden Mädchen, weil ihr Englisch ein gutes ist und gehe nach drei Tassen Tee zurück ins Guest House.
Mein Zimmer ist wunderschön. Um das Doppelbett hängt eine Wand aus schneeweißem Moskitonetz und eine Dusche hab ich auch. Ich mache mich fertig, breite mein Zelt neben dem Bett aus und schlafe einen ungewöhnlich schönen Schlaf. Dass ich nicht in Betten schlafe, weißt du ja schon, oder? Aber ist dir auch bewusst, dass nicht das Bett der wahre Luxus ist, sondern die Sicherheit von Wand und Decke, diese wundervolle Ruhe und das Wissen ausschlafen zu können. Die Psychologe hinter Komfort muss ich wirklich irgendwann mal basierend auf eigenen Erfahrungen ausführen. Jetzt grade fehlt die Zeit. Beziehungsweise ich habe besseres zu tun.


Heute ist ein genialer Tag. Es ist morgens. Er startete damit, dass ich ein paar Sekunden vor meinem Wecker noch mit geschlossenen Augen feststellte, genau jetzt wach zu sein. Genau drei Sekunden danach erklang mein Wecker und ich sitze nun hier und schreibe. Ein paar Minuten noch und ich hoffe in Richtung Mount Meru in Arusha unterwegs zu sein. Ich bin wahnsinnig gespannt, was dieser Tag bringen wird. Mein Gott, was für ein Leben…
Ist dieser Life-Style eigentlich die wahrste Definition von Life-Hack?


#2 TZN-Journal - Arusha’s Weg