Das Gesetz auf Rädern und meine Urlaubsclique (07.05.)
Eine Nacht an einer Tankstelle und freundliche Polizisten, die Ostküste Sardinien’s und meine liebe Familie auf Urlaubsmission, Budoni
06.06.2025, 10:16 am Abend auf dem stacheligen Gras neben einer Tankstelle nach meinem ersten Kontakt mit der Polizei Italien’s auf einer Autobahn
Nach einem wundervollen Tag des Liegens, Schreibens und Schlafes hätte ich mich nicht besser fühlen können und plante so den restlichen Abend bis spät in die Nacht zu wandern und vielleicht schon bis zur Küste zu kommen. Es passierte nicht viel. Den Sonnenuntergang genoss ich zusammen mit Nero, einer streunenden Katze in einem kleinen Nebenort auf einer Anhöhe. Ich gab ihm etwas zu trinken und teilte den getrockneten Fisch, den ich immer noch aus Norwegen bei mir trug und welcher meinen Rucksack so abartig mit Geruch verpestet hätte, wäre er nicht in einer gut verschließbaren Tüte verstaut. Mitgenommen ins Gepäck hatte ich ihn nur, um meinem liebsten Martin in Spanien die spirituelle Erfahrung des Fischriechens zu ermöglichen. Ich glaube er hatte einen winzigen staubtrockenen Fetzen probiert, dann ausgesehen als würde das Gegessene nicht in seinem Inneren bleiben und anschließend teilte er mir höflich mit, dass das wohl reichen dürfte. Man vergas den Fisch bis jetzt - Nero, relativ zurückhaltend, konnte diesem Monstrum trotz aller Angst nicht standhalten und so genoß er das gute alte Fischfleisch und ich den schönen Moment mit kleinen kläffenden Hunden auf der Straße mit mir in ihrem Visier, angelehnt mit dem Ellbogen an einer groben Steinwand mit hellen glatten Seiten, der Vegetation am Abhang vor mir und dann diese wundervolle Sonne über den landschaftlichen Unweiten des unglaublich schönen Sardinien’s. Nero’s netten wachen Augen leuchteten mich gelb an und ununterbrochen musste ich daran denken, wie er perfekt in meinen Rucksack passen würde, wenn ich den kleineren Rucksack vorne trage und der Große dann Platz für zehn kleine Katzen hätte. Er würde da einfach auf meinem Pullover und der Wolljacke mit weißem Futter innen drin sitzen und ich könnte ihm Wasser und Tuna kaufen. Er war eine kranke Katze mit vielen Spuren von Auseinandersetzungen und Pickeln, die großflächig sein Fell zum ausfallen brachten. Ich musste mich in der letzten Sekunde doch noch besinnen und mir vor Augen führen, dass ich keine Fähre der Welt dazu bekomme, eine Katze mitzunehmen - eine bis zum Himmel stinkende Ausrede, aber sonst hätte nichts dagegen gesprochen. Am verführerischsten war der Fakt, dass in diesem Fakt eine Möglichkeit vor mir lag, die sofort entschieden wäre, aber mein Erdendasein auf eine gewisse Weise unweigerlich auf ganz neue Pfade lenken würde. Aber ich entschied mich dagegen und mit der Zeit kamen mit mehr Ausreden und ich rückte mich in die Position des richtig Handelnden. Die Besitzer der Katze würden das unterschreiben, aber an die hatte ich im Ganzen nicht gedacht… ich dachte stattdessen daran, dass die Katze Nero die Alpen nicht mögen würde. Hatte ich schon erwähnt, dass ich versuche statt direkt mit der Familie nach Hause zu fahren, stattdessen durch Südfrankreich und dann durch die Alpen nach Hause wandern möchte? Mal gucken ob so eine spontane Idee Wirklichkeit werden kann, erstmal genieße ich den Urlaub mit meiner geliebten Familie. Der Sonnenuntergang war prächtig und mir kam wieder der Gedanke, wie lebhaft die Welt um uns herum war. In Spanien war es manchmal ziemlich still. Wenige Vögel sangen, es gab auch keine Kühe oder andere Tierscharen auf unserem Staubweg und auch die Grillen waren weniger laut. Hier auf Sardinien vibrierte die Luft permanent durch die Unmengen an Klängen, welche durch sie hindurch schwingen. Das Leuten der Glocken von den vielen kleinen Herden aus schönen und kräftigen weißen und braunen Kühen. Das Zirpen und Zwitschern, das Bellen von den Hunden, welches ich in keinem der beiden Länder vermisst hätte, und das Orchester aus Fröschen, welches mich so oft an jene ohrenbetäubende Nächte auf Vancouver Island erinnerte, mit hunderten von Fröschen direkt im kleinen Teich neben unserem großen Holzhaus.
In einem anderen kleinen Städtchen fragte ich in einer Pizzeria nach einem Wasser und die komischerweise mit Personal gefüllte Küche setzte sich gänzlich in Bewegung, um mir ein kaltes Getränk zu beschaffen - das Lokal war ansonsten völlig leer und man schien sich über die Aufgabe etwas tun zu dürfen zu freuen. Sehr nette Menschen lächelten mir da entgegen. Ein junger Mann fragte ohne Umschweife nach meiner Website und ich konnte ihm strahlend meinen kleinen Link www.gen-zm.com auf eine Serviette kritzeln. Eine sehr positive und ungelogen wichtige Erfahrung für mich, denn bisher war ich viel zu verschlossen unterwegs, aber ich wünschte mir viel mehr in Kontakt mit den Menschen der Region zu kommen; Sprache zu versuchen und Kultur durch die Menschen hier zu erleben. Mit Martin hatte ich Gesellschaft genug und nur ganz ganz selten hatten wir die englische Sprache als Werkzeug. Zu Zweit schottet man sich aber automatisch immer mehr ab. Logisch und auch schön. Aber ein Land erleben hat mehr Facetten, als jene die ich jetzt grade schon erleben könnte. Mein Weg führte mich schließlich nach Trudda wo die Straße abzweigte und auf die Autobahn ging.
Ein paar Kilometer und die nächste wichtige Lektion sollte beginnen. Das Blaulicht erschreckte mich nicht und freundlicherweise sparten sie sich das ohrenbetäubende Geräusch der aufheulenden Sirene. Sie hielten hinter mir und deuteten auf die Ausbuchtung in der Autobahn wo sie parkten und zu dritt ausstiegen. Schnell mussten wir feststellen, dass eine völlige Sprachbarriere existierte und einer der drei machte sich mit schnellen Fingern an die Arbeit mit Google Translator. Sie hielten mich wohl eher für einen Idioten als für einen Freigeist, aber sie waren so freundlich wie es die Situation zuließ. Der älteste Kollege wiederholte auf Italiano, dass es gefährlich sei auf dem Seitenstreifen einer Autobahn zu Fuß unterwegs zu sein und ich entnehme daraus, dass er sich Sorgen um mich und auch um die Autofahrer machte. Sie schauen meinen Personalausweis an und nennen mich beim falschen Namen, wofür ich dankbar bin und dann versuchen sie heraus zu finden, wohin ich laufe. Eine knifflige Frage, denn ich selbst habe genauso wenig Ahnung und fabuliere diese Unentschlossenheit eloquent auf italienisch und gucke dabei auf gebissene Unterlippen, die mich nicht verstehen. Auch der Fakt, dass ich niemanden auf der Insel kenne und meine Familie erst in drei Tagen kommt, hilft ihnen nicht und mir eben auch nicht.. ich muss auch die Aufforderung ein Taxi zu nehmen ablehnen und sage kein Geld zu besitzen was nicht stimmt, aber was ehrlich damit gemeint war, ist dass mir Taxi’s zu teuer wären und ich das als Verschwendung angesehen hätte. Klassisches Missverständnis. Der Polizist, welcher sich der Übersetzung gewidmet hatte, schien inzwischen besser von mir zu denken und war mir nicht einmal böse als ich meinte, dass ich auch die nächsten Tage in der Natur und an Stränden schlafen muss. Die drei schienen allgemein verzweifelt, aber mitnehmen wollten und konnten sie mich nicht, auch wenn per Anhalter mit der Polizei eine super Story gewesen wäre. Es wären noch vier Kilometer bis zu meiner Ausfahrt gewesen, vier kleine, aber wir sind ziemlich knietief in der Nacht. Stattdessen hängen sich die Männer in Blau schön scheinende Warnwesten über und laufen mit mir einen Kilometer zurück bis zu der Tankstelle, an der ich vorhin vorbeigekommen war. Ihre Taschenlampen scheinen vor ihnen auf den Boden und nicht unauffällig läuft einer von ihnen vor mir und einer hinter mir. Der Trott bis zum eitrigen Pickel einer Autobahnausfahrt. Sie erklären mir, dass ich hier schlafen soll, deuten dabei auf einen Fleck am Boden neben gestapelten Paletten und sagen, dass ich dann per Anhalter zu meinem Ziel reisen muss. Ich war in der ganzen Situation belustigt und lächle mehr, als sie das vielleicht möchten. Ich glaube es ist auch nicht ganz zu glauben, wenn man jemandem seinen Schlafplatz hier vorstellt und jene Person dann strahlt. Sie können ja nicht ahnen, wie dankbar ich für eine solche Stelle bin und wie toll ich es finde nicht mehr laufen zu müssen. Das alles ist eine wirklich gute Lektion und ab jetzt wird sich mein Reisestil ändern. Ich muss mich gezwungener Maßen überwinden mit Leuten zu reden wie ich es mir schon seit langem wünsche, damit ich dann mitgenommen werden kann. Eigentlich echt eine wunderbare Möglichkeit zu lernen und zu wachsen. Es ist 10:40 und der Lärm ist echt übel, aber ich bin sicher und kann bald schlafen, um dann morgen an der Küste anzukommen. Insgesamt ein wirklich ausgezeichneter Rest-Day! Die erste Hälfte Schlaf, dann eine kleine Aufschrift mit anschließender Bewegung, mit ein paar netten Menschen, mit keinem Essen, dann die Autobahn und ihre Geister bis hier zum Boden voller harter Grashalme, die sich durch meine Isomatte von Martin durchbohren und sie nicht nur kaputt machen, sondern mich aufpiksen. Die Schnecke neben mir habe ich im Visier und die vorbei rasenden Autos und ihre grellen Licher sehe und höre ich kaum, wenn die ich dicke schöne graue Decke, die ich zuhause vom Sofa mitgenommen hatte, ganz weit über meinen Kopf ziehe… Nacht!
Erlebnisdichtung
07.06.2025 In dem Café einer Raststätte sitzend, eintretende Menschen und ihre Interaktionen beobachtend und auf Mitfahrgelegenheit wartend, 9:24am
[Originaltext auf deutsch]
Viel belebter und fröhlicher geht es hier zu, als ich es in Deutschland jemals an einer Raststätte erlebt hätte. Unmengen an Menschen scheinen auch einfach nur so zum Besuch hereinzuschauen und sich nett unterhalten zu wollen, andere sind wohl Stammkunden auf dem Arbeitsweg vorbei an ihrem morgendlichen Suchtkaffee und vermutlich heimlich allesamt in die Bedienung verliebt, welche die Eintretenden schon in der Tür mit Namen grüßen. Ich sitze am Fenster in der hintersten Ecke mit dem ganzen Schauspiel vor mir, der Rucksack hinter meinem Stuhl an die Heizung unter dem großen Fenster angelehnt und lasse dabei die Sonne auf meinen rechten Arm scheinen und schreibe währenddessen so vor mich hin. Nach außen sehe ich wie jede andere junge Person in völlig verlorener Abhängigkeit zum eigenen Bildschirm aus. Aus der Erscheinung rettet einen kein Outfit und auch kein Riesenrucksack dieser Welt. Erkauft habe ich mir diesen Platz aus rotem Hartplastik durch eine furchtbar teure Wasserflasche für drei Euro - dafür hätte ich den gesamten Tagesvorrat an Essen kaufen können. Es scheint dementsprechend nicht der Wasserpreis zu sein, der Menschen hier her zieht. Auf der anderen Seite kosten Zigaretten im 20er Pack nur fünf Euro, aber die meisten wollen nur Croissants. Rasthofgebäck muss wirklich so unschlagbar sein, wie davon geschwärmt wird, ansonsten macht hier vieles in seiner Quantität nicht ausreichend Sinn.
Nach gestern Abend und dem Vorfall mit der Polizei, bin ich nun dazu verdammt nach einer Gelegenheit zu fragen, um bis zur nächsten Ausfahrt mitfahren zu können. Ein erstes Mal und wie es halt bei ersten Malen ist, drückt man sich ein wenig vor der Angst des Ungewissen. An sich gar keine große Sache, aber ich schiebe es immer weiter auf und genieße stattdessen das Sitzen hier und zu schreiben. Der Name des Cafés ist Mariposa und die Bedienungen sind unwahrscheinlich freundlich. Es ist beinahe ein soziales Kunstwerk, das mir da präsentiert wird und ich bin froh da zu sein. Dieser Umgang mit Kunden ist ein echtes Aufführen und wird von allen bewundert, aber noch schöner sind die Unterhaltungen, welche ich nicht verstehe, zwischen den Mitarbeiterinnen, die sich so positiv zusprechen, gegenseitig zum Lachen bringen und an allesamt scheinen an ihrem Lieblingsort zu stehen, dort zu dieser Zeit hinter dieser Theke. So etwas habe ich davor noch nicht sehen dürfen und es zieht mich eine Weile in den Bann. Es sind noch circa 13 Kilometer bis zum Strand und vier davon werde ich definitiv mit einem Auto zurücklegen. Das sollte den Vormittag füllen. Mein Schlaf war übrigens überwältigend - ununterbrochen, ausreichend lang und kuschelig unter der Decke. Nachdem ich den Trick mit den selbst gemachten Ohrstöpseln aus einem gedrehten Taschentuchfetzen bestehend, rausgefunden hatte, war die Autobahn kein Problem mehr und auch das Gras war bis auf ein paar sehr harte dünne Stämme in der Pobacke und später meinem rechten Oberarm eigentlich kein Problem.
Ok... ich glaub es muss irgendwann passieren. Und besser frage ich jetzt irgendjemanden als unnötig spät. Werde hier nicht jünger.
09.06.2025 Im seichten Schatten von großen Pinienbäumen auf weißem Sand im Holz- und Nadelgemisch hockend, mit Blick über den geleerten Strand Budoni’s und die vielen Bergketten im Hintergrund, 6:29 am Abend
In den letzten zwei Stunden bestanden meine Bewegungen hauptsächlich aus dem Umplatzieren meiner Position, um nicht aus dem langsam kriechenden Schatten meines Baumes zu rutschen und zudem die krampfhafte Haltung meiner Finger, entweder um das Buch mit dem gelblichen Bund und der Landschaft darauf, welches Martin mir im besten Willen zum Anfang unserer Spanien-Reise schenkte mit dem wunderbaren Namen ‘And there was light’ und später um den Bleistift, der mir das Zeichnen des Ausblickes in meinem Block für Zeichnungen ermöglichte. Zwischendurch konnte ich auch schlafen und inzwischen ist mein Schlafpensum wieder einigermaßen aufgeholt und auf einem gesunden Niveau. Seit meine Familie wieder in meiner Nähe ist, geht es mir in allen Abschnitten meines Seins besser und ich kann die Zeit mit ihnen sehr genießen. Es ist die Sicherheit und der Komfort, den das Kennen von Personen in der Welt mit sich bringt. In einer anderen Welt würde ich die Vier vielleicht niemals kennen lernen, aber umso dankbarer bin ich, dass sie in diesem Dasein als meine Familie auftreten. Gestern Abend sind sie angekommen und von dem Essen, das wir anschließend zum Ferienwohnung beziehen teilten, hatte ich ja schon berichtet. Eine unglaublich gute und dazu billige Pizza, selbst für mein Budget. Also nicht so, dass ich zahlen müsste, aber nur für das rein Rechnerische... der Ort an dem ich wie eine Pflanze vor mich hin vegetiere, ist jener mit schönster Aussicht durch die vereinzelten, Nadeln tragenden Pinienbäume auf den viel zu weißen Strand. Um mich herum sind ganz vereinzelt Familien auf dem beschatteten Sandboden verteilt und die meisten schlafen, während ich mir die Zeit genommen hatte auf meinem Zeichenblock den visuellen Bestandteil des Momentes festzuhalten. Praktizieren tue ich das aus unbekannten Gründen. Ich bin keineswegs ein begabter Zeichner und zum Ausdruck bringen kann ich durch Gezeichnetes auch noch nichts. Ich nehme an ich praktiziere nur das Skizzieren, bis mir einfällt was ich wirklich damit tun könnte. Das Warmhalten einer Fähigkeit und ein Tun zum Zwecke der Diversität. Es macht Spaß und der beste Part ist, dass ich später eine gestochen scharfe Erinnerung des Momentes haben werde. So geht es mir jedes Mal wenn ich etwas gezeichnet habe. Jeder Strich den ich auf Papier tätige, ist mir wie ins Gehirn tätowiert und ich kann mich auf wundersame Weise bei Meditationen in diesen Momenten wieder finden. Bislang scheint das die Superkraft zu sein, die ich im Zeichnen für mich finden konnte. Hier ist ein Bild von dem Gemalten, immer nur mit Bleistift, da ich mich nicht an Farben heran traue.

Ich erinnere mich an einen anderen Ausblick, der erste den ich jemals gezeichnet hatte. Durch mein unfassbares Glück mit bestimmten tollen Menschen Bekanntschaft gemacht zu haben, war es in Kanada der Fall, dass meine Partnerin für den freien Tag eine abenteuerliche Entdeckerin war und keinen freien Donnerstag verstreichen ließ, ohne die Insel weiter zu erkunden und mich nahm sie oft dafür mit. Ein Mal brachte ich die Idee, ob wir nicht einen drei Tage Marsch zu dem höchsten und bekanntesten Wasserfall auf Vancouver Island machen wollten, den unglaublichen Della Falls. Ich weiß nicht ob ich das zum Spaß oder aus Ernst gesagt hatte, aber Mia meine Kollegin, hatte darin keinen Spaß gesehen und machte sich sofort an die Planung. Kaum einen Monat später fuhren wir dann mit unserem legendären Auto für die Freiwilligen, dem Kia Soul, vier Stunden in den Norden um von dort aus ein gebuchtes privates Kleinboot samt Fahrer zu nehmen, der uns 20 Kilometer in die Tiefen des Waldmeeres fuhr, über einen unglaublichen See mit den fantastischsten Bergen und Wäldern zu allen Seiten. Fünfzehn Kilometer wanderten wir dann bis zu jenem Wasserfall, das ganze mit schwerer Ausrüstung, Nahrung für die Zeit und dem Zelt, und schauten uns das 440 Meter hohe Naturwunder aus nächster Nähe an. Wir campten dann in der Nähe der Aufprallstelle und ich machte eine kleine Tour um 2 Uhr nachts mit Taschenlampe zu den Wasserfällen, um die wahnsinnig helle Milchstraße und ihre Abermillionen von Sternen um die herabfallenden Wassermengen zu bewundern. Eine unvergessliche Nacht, aber nicht der Ausblick von dem ich berichten wollte. Wir hatten Glück und wurden nicht von Schwarzbären gestört und nachdem die Nacht überstanden war, ließen wir die Rucksäcke zurück und kletterten die Bergseite hinauf, die dem Wasserfall gegenüber lag. Auf der Spitze dieser Bergseite sollte es einen traumhaften See geben, den Love Lake, und als wir dort ankamen, stellte sich jener als noch so viel unglaublicher heraus als vorgestellt. Kein Alpsee wird jemals für mich an diesen Ausblick heran kommen und kein Wasser wird jemals wieder so klar erscheinen. Wir verbrachten den ganzen Tag dort im Wasser und ich zeichnete die Steilwände die den riesigen See umgaben. Genau das ist das visuelle Bild in meinem Kopf, von dem ich meine Erinnerungen seither speise. Seitdem bin ich mir für jede Zeichnung dankbar die ich tätige, um der Erinnerung Willen und trotz der Demütigung nicht meinen Ansprüchen gerecht zeichnen zu können.
Das war ein kleiner Exkurs - zurück zu unserer schönen Insel Sardinien und meinem Ausblick hier. Eine der anwesenden Familien, die auf dem wurzeldurchzogenen Sand unter den Nadelbäumen lag, bestehend aus drei jungen Erwachsenen und einer schlafenden Tochter, packt grade ihr Zelt zusammen, wobei das Kind von einer der jungen Damen in den Arm genommen wurde und die Frau sich anschließend an einen Baum setzte mit dem circa fünfjährigen Mädchen im Schoß liegend. Das Ganze hätte ein eigenes Bild für sich verdient. Gemeinsam stehen sie auf und gehen in Richtung Straße durch den sonnendurchdrungenen Wald hinfort. Zurück bleibe ich mit der Erinnerung an den Tag heute. Ein langes Ausschlafen in einem Bett viel zu groß für nur mich allein, mit einer Matratze so endlos weich und ein spätes Frühstück aus so vielen leckeren Kleinigkeiten, dass man beinahe nicht von allem ein wenig probieren konnte, erschufen den Beginn dieses Tages. Ein Luxus an den man sich beinahe nur schwer gewöhnt. Die Gespräche mit meiner Familie sind erheiternd und typisch deutsch und wir haben eine Menge zu erzählen. Unsere drei Haustiere fehlen natürlich, aber umso mehr kann ich mich dann in der Zukunft freuen unsere Hündin Coco oder die beiden Katzen Java und die Andere wieder zu sehen.
Ich wurde schon wieder abgelenkt... diesmal nicht von außen, sondern von dem Tumult an Ideen von innen heraus. In meinem immer wacher werdenden Kopf schwirren aller Hand verrückter Einfälle, wie ich meine weitere Reise denn schmücken könnte. Von der Idee nicht direkt mit meiner Familie nach Hause zu fahren, wissen meine Eltern zwar noch nichts, aber bald werde ich sie davon unterrichten. Was ich nun grade nachschaute waren Boottickets zu einer wunderschönen Insel im Norden, eine Empfehlung eines Einheimischen, die Isola di La Maddalena. Zusätzlich schaute ich Bus Routen nach die ich nehmen könnte, um ganz in den Norden zu kommen, wo dann eine andere Fähre auf mich warten könnte, um mich nach Korsika zu bringen... richtig, Korsika. Soll ganz nett dort sein und auch ganz schön bergig. Dort bin ich dann schon mal auf französisch sprachigem Territorium und würde nach einer Inselbesichtigung eine andere Fähre nehmen, um in dem Süden von Frankreich selbst zu landen. Mich hatte ein wundervolles Pärchen von dort angeschrieben, dass sie meine Geschichte und mein Profil interessant finden und sie hatten mich über die Platform Couchsurfing eingeladen, dass falls ich jemals in der Nähe wäre, gerne bei ihnen unterkommen könnte. Das Angebot ist zwei Wochen her und damals hätte ich noch nie im Leben gedacht, vielleicht wirklich eines Tages in Frankreich zu sein, aber damals wusste ich auch nichts davon nach Ibiza oder Sardinien zu kommen. Für meine lange Endetappe hatte ich dann vor durch die Alpen zu reisen und nach Deutschland zu kommen. In München muss ich meine damals in Norwegen verlorene Bauchtasche abholen, die mir von einem Spanier, der Freunde in München hat und sie dort besuchte, auch dorthin mitgebracht wurde. Dieser Spanier war der Mann, der damals im kalten Morgenzelt Norwegens, als ich bei allen Fähren anrief um nach der Tasche zu fragen, der Angestellte war, welcher neben meiner Tasche stand. Er war super freundlich und wir hielten privat Kontakt bis er sie überbrachte. Jetzt liegt es an mir nach München zu kommen und meine wundervolle Bauchtasche, die ich aus Kanada mitgebracht hatte, wieder in meinen Besitz zu schließen. Sie beinhaltet drei meiner wichtigsten Mini-Bücher und ich bin sehr aufgeregt sie wiederzusehen. Es lebt sich sehr anders ohne Bauchtasche. Wenn ich erstmal in München bin, möchte ich auch direkt nach Berlin kommen und Deutschland auf dem Weg sehen. Jetzt wo ich so viel von Deutschland gehört habe, aus den Mündern von Menschen, die Deutschland als spannendes Ausland betrachten, habe ich richtig Lust es selbst auch einmal als solches zu erleben. In Berlin brauche ich einen Termin beim Konsulat der tansanischen Botschaft für mein Visum, um dann im September nach Tansania zu gehen und dort dann freiwillig für ein Jahr zu arbeiten. Wenn ich Berlin geschafft habe und allen Familienmitgliedern die dort ansässig sind ‘Hallo’ gesagt habe, werde ich versuchen zügig in den Westen zu kommen und in der Nähe Frankfurt ein zehntägiges Vorbereitungsseminar, wie ich es auch schon für Kanada hatte, wahrzunehmen. Ich bin super gespannt wie das wird und ob auch nur ein einziges Ding von den Plänen, die ich nun aufgezählt hatte, in Erfüllung geht.
Jetzt warte ich hier noch für fünf Minuten und dann sollte meine Familie dazu kommen, die grade einkaufen waren, damit wir hier an diesem schönen Ort picknicken können. Eine schöne Demonstration des Faktes, dass nicht jeder Abend im Urlaub aus Restaurants bestehen muss. Ich genieße die Neuheit!
- Das Abendessen war ein sehr schönes. Eine sehr leckere Wassermelone wurde zum Anlass geschlachtet und dazu gab es Äpfel und Nektarinen. Meine Mama hatte große Weissbrote für jeden mitgebracht, die wir dann mit selbst gemachten Aufstrich bedeckten. Einen Tomatensalat gab es auch noch. Bei so viel Gesundem und gut Schmeckenden machte es richtig Spaß sich satt zu essen. Wir saßen auf unserer Picknick Decke und blickten über die Küste und sahen bald nach dem Essen die orange Sonne in ihrer ganzen Größe langsam hinter die Gipfeln der fernen Berge sickern. Meine Familie ging anschließend nach Hause und ich lief noch ein wenig am Strand entlang, malte ein kleines Bild in den Sand, sah ein paar Gleichaltrige im Sand Fußball spielen und kam dann hinterher zum Ferienhaus. Ein schöner Abend. Dabei war der Tag ein scheinbar echt kurzer gewesen. Alles flog ein wenig an mir vorbei seit wir am Strand waren. Ich hatte meinem Dad geholfen alles aufzubauen was er zum ‘Foilen’ brauchte - eine Art des Surfens mit winzigem Brett, einem großen T-Stück aus Karbon unten als Finne und ein Segel in Flügelform, um sich damit anzutreiben. Mein Papa hatte mir beim Warten auf den Wind beigebracht wie man den Drachen oder das Segel lenkte und es dazu bringen konnte Kraft auf einen selbst auszuüben und später das Board in Bewegung zu setzen und ich hatte meinen Spaß es auf dem Sand zu versuchen. Als er dann ins Wasser ging, hatte ich mich wegen fehlender Sonnencreme in den Baumschatten zurück gezogen und ihm bei seinen Versuchen des Surfens zugeschaut. Sonnencreme benutzte ich seit der Mitte von Spanien nicht mehr. Das Resultat waren nicht vermehrte Sonnenbrände, sondern ein natürlicher Sinn der dafür entstand, wie lange ich in der Sonne wäre und ob alles an Haut vernünftig bedeckt ist. Vielleicht würde ich das Surfen in der Art wie es Papa hier und in Deutschland vorführt auch noch für mich entdecken können. Mein angefangenes Buch von Martin war ein wirklich wundervolles und bevor ich im Ferienhaus eingeschlafen bin, war ich tief darin versunken. Die Geschichte wurde von einem erblindetem Mann erzählt, der in der Zeit der französischen Resistenz gegen die deutsche Schirmherrschaft mitrebellierte - also zur Zeit des zweiten Weltkrieges. Das Buch begann mit der Erzählung dieses Mannes über seine Kindheit. Wie er unglaublich unbeschwert und glücklich mit scheinbar perfekten Eltern aufgewachsen war, wie er schlechte Augen hatte, das aber nicht wusste und so aus einer Welt aus Farben, Licht und Formen lebte. Bei einem Unfall im Alter von acht Jahren verlor er beide seine Augen und er lud uns in die Welt eines Blinden ein und seine Wahrnehmung von der Welt. Unglaubliches beschrieb er dort und machte dem Leser verständlich wie viel lebendiger die Welt um einen herum wird, wenn man sie richtig zu lesen versteht. Wie jedes Objekt zu einem spricht und Töne gibt, wie Farben und Licht beim erblinden nicht verschwinden müssen, sondern eher zu ewigen Verbündeten werden. Ein wirklich erleuchtender Text geschrieben von einer durch und durch frohen Person, so schien es und so sagte er es auch. Die Worte schienen einen wirklich anzulächeln und einzuladen neu zu denken und wahrzunehmen. Dass ich danach einschlief hatte rein gar nichts mit dem Buch zu tun, sondern mit den vier Wochen konstantem Schlafmangel. Und genau aus dem Grund werde ich nun auch diesen schönen Tag zu Ende bringen.