Über das Versuchen von Neuem und dem Erfolg außerhalb des Komforts (10.06.)
Erlebnisdichtung
10.06.2025, 10:10 nachts, auf dem Sofa vegetierend, welches im Wohnraum der Bleibe seinen Platz gefunden hatte, verziert durch ein lila Laken mit weissen Rosen
Vergiss den beschriebenen Ort, denn in der Sekunde des Schreibens oder besser in der Sekunde davor, hatte ich mich erhoben und jene errungene Position im Raume aufgegeben, um meinem unplausiblen Drang nach Geschmack und dem wesentlich gerechtfertigteren Drang nach Flüssigkeit nachzugeben. Das Abendessen war etwas mehr als um eine Stunde vergangen und sollte mich in wenigen Momenten mit meinen eigenen Vorstellungen und Handlungsmaximen ringen lassen. Den inneren Kampf möchte ich dir in kurzer Form darlegen, allerdings in dem Versuch dir nichts Neues beibringen zu wollen oder dich zu ändern, sondern nur in der Hoffnung dich mit einem Umstand zu konfrontieren, der dich zum Denken bringt. Es geht um das Trinken beim Essen.
Einen Schluck Wasser hatte ich genommen bevor wir los zum Restaurant des Abends gelaufen waren. Diesmal entschieden wir als Familie uns nicht für jenes schon bekannte die Straße nach oben, sondern suchten das Neuland in Richtung des Hanges auf. Wir stießen auf den Ort des abendlichen Geschehens und ließen uns von unserem sprachgewandten Vater ohne Italiano-Kenntnisse einen Tisch für fünf anschaffen. Wasser wurde auf Anfrage in einem durch äußere winzige sichtbare Perlen auf der weißen Flasche, die auf Kühlung schließen ließen, serviert und ich schenkte allen ein ohne selbst etwas übrig zu haben. Die Bestellung einer zweiten Flasche wurde leider überhört, aber problematisch war das nicht, denn ich hatte trotz den Ansatzes nichts trinken zu wollen, zumindest ein halbes Gläschen voll Pfirsichsaft. Die Auswahl des Getränkes war eine völlig zufällige, aber sie erweiterte meinen Sprachschatz um zwei Wörter und das machte den zuckrigen Geschmack wieder wett. Die Sache über die ich dir berichten möchte ist folgende. Du musst dir etwas kleines vorstellen, aber ich bin positiv, dass wir das durch gut gewählte Worte und einen aktiven flexiblen Geist hinbekommen. Es geht um unsere Nahrung und den ungewissen Weg durch den Körper. Ich werde besondere Aufmerksamkeit auf die Flüssigkeiten legen und dann versuchen den Umstand des Trinkens mit ein zu berechnen. Wir essen also etwas. Das ganze wird zerkaut, zerkleinert, mit Speichel getränkt damit es besser rutscht und dann von der Zunge in Richtung Speiseröhre geschoben und geschluckt. Die Spucke hat der Verdauung nützliche Enzyme in sich und kriegt einen Daumen hoch für ihr Dasein. Ein Brei aus oft undefinierbaren Dingen, in Kombinationen wie sie in der Natur original nie denkbar gewesen wären und in Komplexitäten ihrer Strukturen, dass kein Supercomputer der Welt die richtige Zusammensetzung aus Säuren und Basen zur Zersetzung herausfinden könnte, rutscht nun mit Anlauf an der Innenseite unseres Hals entlang und lässt den Adamsapfel mehr oder weniger tanzen. Dementsprechend ist unser Magen und seine Säuren ab diesem Punkt schon völlig überfordert. Eigentlich sind die Augen ja da, ihm zu berichten was da kommt. Der Speichel passt sich der Nahrung auch schon an und zumindest sollte dem Hirn in etwa klar sein was man sich da in die Nahrungsluke kippt - könnte schließlich giftig sein. Oft ist das bei unseren gemischten Gerichten nicht mehr herausfindbar und wir müssen der kochenden Person vertrauen, dass sie uns weder vergiften möchte noch dass sie ins Gericht gespuckt hat. Fertiggerichte bestehen oft aus Dingen, die wir niemals in Essen erwarten würden oder aus Substanzen, dessen Namen wir noch nie gehört haben. Woher soll ein Magen wissen, welche Säure etwas braucht, ohne die Information des Hirns über die Augen oder Grundwissen und Verständnis zu bekommen, was das zu Verdauende denn überhaupt wäre? Egal... der Mix aus Gemüse und Obst, aus Teig und Fisch mit ein wenig Fleisch und noch ein kleiner Saft daneben, klingt doch trotzdem nach einer sympathischen Mischung. Man möchte ja beinahe loben wie abwechslungs- und facettenreich ich esse und wie meine Darmflora mich doch auf Händen dafür tragen sollte, dass sie so reich beschenkt wird und in ihrer Millionenschaft aus kleinen Dingen mit vielen Namen so jedermannslieb genährt wird, aber eigentlich ist es eine einzige Beleidigung an meinen Verdauungstrakt eine solche Meisterleistung der Entschlüsselung zu erwarten ohne ihn anschließend mit der nötigen Ehrfurcht zu zelebrieren! Nicht nur das, sondern kommt es noch viel schlimmer, denn wir essen jene tollen Speisen - bei mir war es wie gesagt ein Teller voller Miesmuscheln, eine herrliche Speise die mir davor völlig fremd geblieben war, zusammen mit einer hervorragenden Soße, kleinen Tomaten die getränkt von der Soße kaum zu überbieten waren, mit knusprigen Knoblauchbrot und Olivenölspritzern darauf, zusammen mit kleinen Happen Pizza die ich von Familienmitgliedern testen durfte und einem Ring der Sepia aus ihrem tropfgeformten Körper, von meiner Schwester, welcher frittiert in Öl seine Konsistenz versuchte zum Besten zu geben. Sepia ist zwar eine Spezialität, die ich zu schätzen lernte, als ich mit einem Freund Marcel in Kroatien im Alter von 13 Jahren selbst eine Sepia, einen kleinen weißen Farbe wechselnden Tintenfisch gefangen hatte, töten musste und unter dem Tintenwahnsinn ausnehmen und säubern sollte, das alles bei Nacht auf dem Steg ohne unsere Eltern, allerdings zuhause unter der Leitung der Mutter meines Freundes das Zubereiten vollbrachte. Das ganze in Öl gebraten war einfach fabelhaft. Zurück zu dem Abend kommend, ist mir wichtig eines zu sagen. Mein Magen fängt nun an einen Mix aus Säuren zu formen, der befähigt sein soll, so viele Nährstoffe, Minerale, Vitamine und Bestandteile des Gerichts zu extrahieren und für den Körper nützlich zu machen. Er vollbringt eine enorme Vorarbeit, um später dem Darm energieschonend zu ermöglichen das Gegessene in die kleinsten Stücke zu zersetzen und vermutlich über die Darmwand ins Blut wandern zu lassen. Viele schwache Ketten der Nahrung werden von der Säure allerdings zerstört und manche Dinge werden nicht richtig zersetzt und einfach ungebraucht ausgeschieden, da die Säure nicht stark genug gewesen ist, aber immerhin versucht unser Magen die Mitte zu finden, bei der er so viel wie irgendwie möglich verdauen kann und es so nützlich für den Körper macht, beziehungsweise für die Kleinwesen unseres Darmtraktes, welcher dann alles weiter zersetzt und in die Blutbahn durch die Darmwand geben soll. Wir können davon ausgehen, dass er einen verdammt guten Job macht, den wir ihm nur unsagbar schwer durch unser krankes Essverhalten machen, welches wie gesagt mit Natur nichts mehr gemein hat, oder? Nachdem wir gegessen hatten, gehen wir nach Hause. Alle Familienmitglieder hatten ihr Wasser und zusätzlich entweder ein Süßgetränk oder das nicht wegzudenkende Bier der Erwachsenen - schließlich ist man ja im Urlaub, muss nicht mehr fahren und will genießen. K.I.Z. beschrieb es am besten in ihrem Lied ‘Bier’. Wir lieben Deutschland und seine verseuchte Alkoholkultur. Wir gehen also nach Hause und verbringen eine Weile debattierend auf unserer nun abgekühlten und von lauer Luft geschwängerten Terrasse, wobei wir die jüngste Angehörige der Familie um ihren wirklich furchtbaren Ganz-Köper-Sonnenbrand bemitleiden und den Tag und seine Ereignisse Revue passieren lassen, da sie alles Geschehene verpassen musste. Zu viert war der Rest heute eine Stunde südlich gefahren um sich dann an einer vier Kilometer Wanderung zu versuchen, um durch Wald und Wiesen entlang eines Salzwassersees und schönsten Bergen, Korkeichen mit ihren wunderschönen Malereien in der endlos dicken Rinde aus weichem Kork und immer umgeben von lautesten Gesängen der tausenden Zikaden, (ist Zikade ein spitzer Baum oder das Tier?), und den Gesprächen meiner Liebsten, an einen Strand zu kommen, der keinem zuvorigem in meinem Leben gleichen sollte. So war der Sand eine angenehme Mischung aus feinster grauer Erde und weissem Sand, und alles was der Strand an Klarheit nicht hatte, machte das Wasser mit der eigenen wieder gut. Für viele duzende Meter war es möglich stehend hinein zu waten und das Tauchen in bauchnabeltiefen Wasser mit einer solchen Klarheit und solch einer Weite, war wie das Fliegen durch einen luftleeren Raum. Man konnte ewig weit sehen, auch ohne Taucherbrille, die wir vergessen hatten, und man glitt so leicht vor sich hin und konnte dabei Wendungen nehmen und sogar auf dem Rücken tauchen und dabei das Wasser und seine Oberfläche von unten her wie im Traum beobachten. Leider hatte meine kleinste, sonnengestrafte Schwester nur das Glück billige Bilder davon zu sehen, meine andere Schwester hatte genug von jenen gemacht, aber die Vorstellung von jenem Ort blieb ihr vermutlich auf größtes verwehrt, und die Erfahrung selbst sowieso. Wie schade. Als ich mich von dem Tisch entfernte, um mein Tageswerk an Arbeit zu vollenden, welches nicht nur aus schreiben, sondern auch aus einer Buchanalyse bestand, fand ich mich auf dem Sofa wieder und wollte das Schreiben beginnen, nur um zu merken, wie dehydriert ich war. Ich komme nun so langsam meinem Punkt näher, den ich seit dem Beginn machen wollte. Ich sah mich einem großen Problem gegenüber, denn mein erworbenes Halbwissen über die Verdauungsabläufe des menschlichen Körpers erklärte mir, welch Unglück ich über mein Essen im Magen bringen würde und wie ich allen Aufwand von jenem zunichte machen könnte, indem ich jetzt trinken würde. Gut ist, dass ich weiß was ich falsch mache und mich bewusst dafür und dagegen entscheiden kann. In diesem Moment entschied ich mich gewissenhaft dafür falsch zu handeln und zu trinken, aber schreiben tue ich meine Worte, um mir und dir nochmal vor Augen zu führen, warum es denn falsch gewesen wäre eine Stunde nach dem Essen zu trinken. Und auch möchte ich erklären, warum der Saft aus Pfirsich und jeder Menge Zusatzstoffe während dem Essen schon kein guter gewesen wäre. Stell dir also alles bisher passierte im Körper vor. Die gute und so farbenfrohe Nahrung, die sich vom Mund bis in die Speiseröhre quälte und dort als der gut gekaute Brei seinen Abgang machte. Die Säuren, die nun langsam in den kleinen Raum des Magens fließen würden und beginnen, alles zu zersetzen, während der Magen den Brei rühren und wälzen würde und dabei vielleicht blubbert. Das ganze ging nun seit 1.5 Stunden so, bis sich der Besitzer des Körpers, in diesem sehr besonderen Fall eben ich, dazu entschied nicht nur eins, sondern zwei Gläser Wasser hinunter zu kippen. Diese landen übrigens auch erst im Magen, bevor sie dann in die Blase absickern können. Was passiert nun? Der Körper sieht es kommen und möchte eigentlich ohnmächtig werden mit den Worten ‘Wie zur Hölle ka.... blub blub blub’ und dann ist der ganze Brei und seine Säuren bis zum Hals in Wasser getränkt und wird komplett durchgespült. Das ganze Wasser bringt den Gesamtkomplex zum schwimmen und durchmischt alles nochmal richtig ordentlich, vor allem die Säuren haben ihren Spaß bei dem Bad - die meisten ihrer Säurenfreunde kommen bei dem Massaker um, denn Wasser neutralisiert. Mhm, aber vielleicht werden sie sich sobald das Wasser weg ist einfach ein Handtuch nehmen, sich abtrocknen und weiter an die Arbeit gehen, oder? Oh nein, hoffentlich sind sie dabei nicht ertrunken oder noch schlimmer, wurden völlig verdünnt und überspült. Oh oh, Wasser und Säuren sind vielleicht gar nicht die besten Freunde und mit ein bisschen Pech haben wir grade die Chance verloren unsere Nahrung zu vollständig oder auch nur gut zu verdauen und Dinge daraus zu gewinnen, die wir für den Körper bräuchten und stattdessen werden wir es jetzt einfach ohne richtige Verarbeitung in den Darm schicken müssen, der wiederum stark überfordert sein wird und froh darüber ist, wenn er es denn endlich ausscheiden kann. Er bräuchte für die Verdauung trotzdem mehr Energie, gewinnt aber wegen dem Säureunglück schlussendlich weniger aus der Nahrung und im Gesamten ist die Energierechnung damit eine schlechte. Energie ist übrigens unsere Lebenszeit. Genug Leute haben ihre Wissenschaft zu jenem Thema betrieben und ich werde die Einsichten vorerst nicht weiter verbreiten. Wir sollen erst einmal selber darüber nachdenken und in uns hinein fühlen. Vielleicht geht es und gut und gleichgültig bei dem Gedanken, vielleicht erkennst du aber auch schon langsam, wie unbewusst über die Vorgänge im Innern wir Leben. Das bezieht sich auf physisches und psychisches. Mit einer gewissen Selbstachtung könnte hier eine Menge Veränderung ins Leben treten. Oder eben nicht. Das wäre doof... Aber stimmt das denn? Ist es wirklich alles das, was passiert, wenn wir während oder nach dem Essen trinken? - vermutlich nicht. Zum einen ist unser Körper eine Wissenschaft und ein Wunder, welches von einfachen Worten eines unzureichend gebildeten Jünglings einfach nur beschmutzt werden. Alle Prozesse sind tausend Mal komplizierter und gut dass wir es nicht wissen, sonst würde man sich ja bei jedem Essen schlecht fühlen, wenn man seinen Erkenntnissen nicht nach ginge. Wir würden nur verstärkt im Zwiespalt leben… wir schauen einem Prozess wie bei allen Dingen in die Augen. Der Moment hält nur die Möglichkeit bereit, dass wir uns für eine Richtung entscheiden könnten.
Ich hatte geschrieben keine Lehren zu geben und niemanden dazu bringen zu wollen, Gewohnheiten zu ändern. Du sollst nur drüber nachdenken. Ich selbst trinke leider zu wenig und komme nur selten auf meine 3-4 Liter am Tag. Dass ich nur 10-20 Minuten vor Mahlzeiten trinke und dann stundenlang nichts mehr, macht das Ganze oft noch schlimmer, aber mir geht es mit der Gewissheit besser, eine gute Arbeit für meinen Magen zu ermöglichen und deswegen nehme ich manche durstigen Momente hin. Aber manchmal, so wie heute, nehme ich auch einfach hin, dass nicht alles perfekt laufen kann und dass der Durst auch als Gewinner vom Tisch gehen darf. Ich hatte Spaß beim trinken. Aber beim nächsten Mal denke ich wieder mit einem Lächeln an meinen Magen und lasse das Glas beim Essen unberührt stehen. Es ist 11:16pm, ich liege in meinem viel zu großen Bett und vermisse ein paar Leute die mir sehr am Herzen liegen, aber alle in der Welt verteilt sind. Schlaf gut, du liebe*r Mitreisende!
Das restliche Inselgeschehen Italien’s bis zum Sonnenaufgang im Norden Sant Helena
Das nun Geschriebene ist einer der täglichen Tagebucheinträge. Diese Disziplin hatte ich in Kanada begonnen und tagtäglich eine beinahe hirnlose Prozedur des Tippens gestartet, in welcher ich meist im Zeitraum von bis zu einer Stunde jede Handlung des Tages nieder brachte, oft ausschwenkend in viele Details. Die englische Sprache lag mir durch die unzähligen Stunden aller Tage während der Pandemie schon recht gut und in der Kommunikation gab es seltenst Probleme, nur das Schreiben hatte ich mir noch nie aneignen können. Durch das Tagebuch verfassen, welches ich bald in Englisch begann, auch wenn das ein langgezogener holpriger Weg ist. Es scheint mir nun im Hinblick der Beste gewesen zu sein. Tagebuch schreibe ich seither und beinahe täglich, vor allem wenn mich das Durchlebte merkbar reizt. In dem kommenden Reisen hatte ich zwar nicht täglich die Chance, aber immer doch von Zeit zu Zeit. Die restlichen Lücken werden von den Erinnerungen und meiner Galerie gestützt. Der Schreibstil ist ein anderer. Der Rohtext wurde zwar überarbeitet, aber trotzdem handeln meine Einträge, auch wenn das während Kanada noch nicht ganz klappte, mehr vom Innenleben und meinen Ideen und Aussichten. Ich hoffe damit noch ungefilterter das Erlebnis darzulegen und mich ein wenig von dem puren Erlebnisschreiben zu distanzieren. Beziehungsweise die Mitte zu finden. Die schöne Mitte -
12.06.2025
12:23am, nachts im Bett liegend, unter einer feinen Decke, warm vom Sport aber kühl von der Luft überspült das durch das halboffen Fenster kommt, dahinter Blick auf die Straße, dahinter das Meer, in der Ferne links ein absurd cooler Berg mit steilem Abhang links und runder langer Kuppe, der ewige Strand dazwischen mit den hochgewachsenen aber breitfächernden Nadelbäumen dazwischen, ein unglaublicher Sternenhimmel der mit seinen Bildern sein schützendes Netz über uns auswirft
Heute fuhr meine Familie aus Eltern und großer kleiner Schwester nach Olbia, eine Stadt etwas nördlicher in welche damals Gilles und Emmanuelle unterwegs waren, als sie mich mitnahmen. Die drei wollten dort die Stadt anschauen und einkaufen. Die Idee ein Teil des Geschehens zu werden, konnte ich getrost verwerfen. Städtetourismus ist die eine Sache, aber zusätzliche Klamotten hätten eh nicht in meinen Rucksack gepasst… hatte ich erwähnt, dass meine Eltern mein gutes altes Zelt, welches in der Norwegenreise schon mit mir warm geworden war, mitgenommen hatten und mit meiner Entscheidung selbst nach hause zu reisen, statt mit in ihr Auto zu krabbeln, die bezahlte Fähre zu nehmen und nach 20 Stunden zuhause zu sitzen, einverstanden waren? Sie hatten sich während der Reise natürlich Sorgen gemacht… dass ich täglich aber meine Rohtexte des Erlebten teilte und sie so ausführlich und täglich alles mitbekamen, machten das Ganze vermutlich mehr aushaltbar. Mich nun zwischendrin nochmal zu sehen, ist für uns alle endlos schön. Meine Haare waren wieder ein bisschen seit Mitte Mai nachgewachsen und als Familie waren wir vermutlich noch nie hübscher anzusehen. Ein kleiner Traum so aufgewachsen zu sein. Amelie, meine fünf Jahre jüngere gleich blond aber grünäugige Schwester und ich schimmelten also zuhause. Ich aus überzeugter Faulheit und Übersättigung von Erlebnissen, sie aus wirklich übelsten Schmerzen am immer noch völlig von der Sonne verbraten Körper. Zuerst am Tag gab es draußen ein großes Frühstück mit den weißen großen Broten, leider Weizen, aber unsere integrierte Urlaubsausnahme, Orangen- und Zitronenmarmeladen mit Stückchen, harter dunkelgelber Käse der in feinen Splittern abzutrennen ist, lokaler dunkelgoldener Honig und Erdnussbutter aus Deutschland. Eines jener ungeleerten Gläser sollte mein kleines Geschenk werden, für die weiterführende Reise und leer wurde sie erst in Ajaccio am ersten Abend als Birnenstückchen und klein geschnittener Apfel den Rest aufbrauchten. Ein angenehmer Wind zog beinahe immer vom Meer hergetragen durch die Terrasse und den Frühstückstisch. Die Gespräche waren gelöster, fröhlicher und heller genauso wie alles im uns herum, was in der starken Morgensonne anfing zu strahlen. Sie gleißenden Fassaden, die farbige gerasterte Tischdecke und die vollen Teller auf ihr. Sogar wird selbst waren alle hell und sommerlich in schöne Farben gekleidet und alles passte herrlich zusammen und wurde direkt zu einer schönen Erinnerung, noch als man in dem Moment selbst saß.
Nicht nur das Zelt, gute Laune und Erdnussbutter waren bei dem Gebrachten von meiner Familie dabei, sondern auch mein Laptop, welchen ich während meiner Zimmerlehre kaufen musste, daraufhin merkte, dass jener nicht für die gebrauchte Anwendung nützlich war und kurz danach aus der Lehre selbst entlassen wurde. Eigentlich eine längere Geschichte, aber festzuhalten ist die danach gefühlte Freude über Freiheit, die Gutherzigkeit meines Arbeitgebers meine Gefangenschaft in einem solchen Szenario vor den sonst abzusitzenden zwei Jahren abzubrechen und mir meinen jetzigen Lebensweg ermöglicht zu haben. Die Zimmerei ist ein zu begnadendes Handwerk mit einem endlos hohen Wert für das eigene Sein. Die Einblicke in die Wirklichkeit vieles Anderes werden mir für immer bleiben und mein Laptop eben auch noch für eine Weile. Ich nutzte jenen nur zum Schreiben, zum Chinesisch lernen, zum Programmieren und nun eben auch zum Lesen, nachdem ich mir mein allererstes Buch online erworben hatte. Ein sogenanntes Werk mit dem charmanten Namen ‘The Copywriter’s Handbook’. Copywriting also… verdamm mich nicht, denn dazu kommen wird es nie, dass ich meine Schreibfähigkeiten für Geld verkaufen müsste. Allerdings müssen wir uns daran erinnern, dass ich zum Zeitpunkt damit beschäftigt bin einen Weg zu finden, auf unbegrenzte Zeit auf Reisen zu sein und im besten Fall dafür zu schreiben. Ich dachte an Werbungen für Produkte, die ich selber in meinem Leben als nützlich ersah und ich meine mich zu erinnern, dass ich der Schuhfirma meiner Barfußschuhe schrieb, die ihren Sitz irgendwo in Südfrankreich hatten. Als ich ihnen schrieb, meinte ich allerdings gerne für sie schreiben zu wollen und als Austausch ein neues Schuhpaar zu erhalten, weil meine jetzigen, wirklich wunderbaren, aber innen mit Fell geschmückten und perfekt für den März in Norwegen, aber nicht für Spanien’s Maisonne gemacht waren, und zusätzlich die Sohle begann, ihre Arbeit einzustellen und meine eigene nackte Fußhaut und den Boden nur noch durch ganz wenige Millimeter trennte. Wäre ich stumpf nach Hause gelaufen, wäre ich wohl an der Grenze zu Norditalien barfuß liegen geblieben. Ich fragte also nach neuen Schuhen und beendete meine Karriere als Copywriter damit bevor sie überhaupt begonnen hatte. Die Antwort muss wohl irgendwo im E-Mail-Stau stecken geblieben sein oder hatte einen Unfall auf der Reise. Hören tat ich nichts mehr… aber dieses Buch! Wie interessant von den Menschen zu lesen und zu verstehen, mit welchen psychologischen Tricks unserer Gesellschaft Produkte untergejubelt werden und wie Sprache zur Überzeugung eines Kaufes genutzt werden könnte. Fleißig fasste ich alle Kapitel in ein kleines schwarzes Notizbuch, in welchem ich immer ein paar Seiten für eine andere Kategorie nahm - manchmal die Handschrift des Codierens, dann Chinesisch oder zwei Seiten Norwegisch, italienisch, eine Zusammenfassung über die Thematik der Rastafari Bewegung. Mal gucken was noch dazu kommt; jetzt grade eben kommen Seiten dazu, die mir kompakt verraten wie ich korrekte Werbetexte vielerlei Sorten verfassen kann. Der psychologische Aspekt erschien mir vielversprechender.
Anschließend hatte ich mit der ebenfalls hier gebliebenen Amelie unser Mittagsmüsli wohlbedacht kauend verschlungen und mit ihr viel über unsere Beziehung als Geschwister geredet, mich für ein paar Sachen entschuldigen können, ihre Sicht versucht zu verstehen, meine Lage erklärt und gemeinsam konnten wir ein wenig von dem Schaden beheben, welchen meine viel zu geringe Kommunikation während Kanada angerichtet hatte. Ein Jahr als 18 jähriger in diesem Umstand auf Vancouver Island in welchem man sich so sehr verändert, dann aber seine Engsten nicht mitfahren lässt, was einen bewegt… sowas erschafft Probleme. Viele mir unendlich wichtige Beziehungen waren an der Distanz und meiner Inkompetenz des Kontakthaltens zugrunde gegangen. Meine Geschwister mussten ihren lustigen Bruder für lange aufgeben und bekamen einen völlig neuen Menschen zurück. Die Verwirrung darüber ist gerechtfertigt, die Trauer und der Ärger den normalen Bruder von davor verloren zu haben auch. Das Ganze war ein emotionales Unterfangen und man befand sich nun langsam auf beiden Seiten in einem Alter, in dem eine solche Konversation eine viel größere Wichtigkeit für die kommende Lebensbeziehung zu tragen scheint. Die Art wie meine Schwester vermag sich auszudrücken und wie rational sie ihre Punkte und Sichten darlegen kann, bewunderte ich schon seither. Sich danach ausgesprochen zu haben und scheinbar ein paar Schritte zurück zu einander gefunden zu haben, bedeutete mir unsagbar viel und sie nach kurzer Zeit wieder loslassen zu müssen, tat diesmal umso eher weh. Ich bin gespannt auf unsere geteilte Zukunft…
Ich gehe anschließend barfuß wie immer spazieren, verpackt im schattenspendenden Poncho und der Leinenhose, die bisher nur die schwarzen chinesischen Schriftzeichen überall verteilt trägt, welche Tugenden und Moralen in dieser wunderschönen Form der Worte darstellen; ohne Handy ließ ich mich am Strand in dem Wald nördlich nieder und meditiere für eine halbe Stunde bevor ich ermattet auf dem Nadelboden unter mir einschlafe, Halbschatten auf den Augenlidern, tobende Gedanken in der Birne, die ihre Aussicht auf das Kommende nicht greifen kann.
Zurück zuhause sind meine Eltern mit Annika zurück und Papa trägt alles aus Leinen und hat neue Schuhe farblich zum Rest passen. Vermutlich sah er noch nie so cool aus und mit diesem kleinen Umschwung der Kleidung und des Materials faszinierte er mich ein bisschen. Toll sah er aus und die dunklen, blonden, längeren Haare saßen toll. Die Urlaubsstimmung hatte ihm ein Strahlen ins Gesicht gezaubert und auch während den Gesprächen die wir teilten, bohrten die Beiträge aus seinen ständig gehörten Podcasts weniger oft in das Gesamtgespräch. Schmerzhaft wurde jedes Mal wieder die Erinnerung aller, wie die Unterhaltungen zuhause, spät Abend nach seiner Arbeit am Tisch aussahen. Den zerstörerischen Pessimismus über was ist, welchen ich überwunden hatte und in Ambitionen verwickelt zu haben scheine, und von welchem meine Schwestern guten Abstand durch eine gewisse Ablenkung erschufen, schlägt bei ihm in aller Tiefe ein und täglich hatten diese Nachrichten über das Weltgeschehen ihn tiefer an einen Abgrund gerückt, den er als einziges nicht wahrhaben wollte. - Annika hat drei neue farbenfrohe Tops aus Olbia ergattert und wir machen das Abendbrot fertig. Mama benutzt ihre Kochkünste und verwandelt Nudeln, Kichererbsen, Aubergine, Tomaten und Öl in eine super Mischung zum Brot und den Spaghetti, nur ein kleines bisschen zu salzig. Es gibt auch grünes Pesto, welches selbst aus dem Supermarkt neben an in der Straße nicht so gut schmecken kann wie das selbst gemachte Bärlauch Pesto von den zuhause wachsenden Bärlauchwäldern die einen Waldboden so schön wie sonst nur weniges schmücken können und ein dichtes Meer aus grünen breiten Blättern bildet, die allseits leicht durch den Wind in Bewegung gesetzt werden und dann Wellen durch das tiefe Grün sickern lassen. Unser sehr alte sardinische Nachbar von unten, der Mann mit den schönen braunen Augen und dem großen weißen Schnauzer der meinem früherstorbenem Großvater damit so ähnlich sieht, schenkt uns selbst gemachtes, dünnes Fladenbrot von seinem Grill und zudem noch Schweinefleisch in einer Spirale gerollt dazu und ist super nett zu uns Kindern. Er hatte uns als er uns beim zurück kommen gesehen hatte zugetrunken und vorgeführt wie er das überall zu kaufende hauchzarte Brot backte. Während wir ins beäugen huschen seine Katzen um ihn herum, darunter verspielte haarige Kleinkinder und beim Nachbarn auch menschliche Kleinkinder die sich in einem starken italienischen Akzent zurufen und spielen. Wir aßen fertig und ich machte entspannt den Abwasch und liebte es dabei das warme Wasser zu spüren, dreckiges sauber zu machen und mich dabei sehr an Kanada zu erinnern, wo das Abwaschen meine Lieblingsaufgabe war und meinen Pluspol zu dem vielen Eisbaden und Kaltduschen gab. Ich hatte es geschafft mein Hirn damals zu manipulieren und bei dem ganzen kalten Wasser meines damaligen Lifestyles die Schönheit des Geschirrwaschens gefunden. Der wunderbare Schrank über der Spüle ist für abtropfendes Geschirr und dieser Einfall bekommt einen dankbaren Daumen von mir. Mit dem Patent bekommt grade irgendwo auf der Welt eine sehr vernünftige Person eine hübsche Rente ausgezahlt… draußen auf der Terrasse sitzen beide Eltern am Handy und sind süß, weil sie meinen Blog lesen und wir uns dann mit ihren Fragen bewaffnet schön über das Passierte austauschen können. Meine liebsten Fans. Ich habe nicht das Gefühl dass ich noch mehr als die Beiden bräuchte und da ich minimalistisch reise und freiwillige Arbeit bereits für mich entdeckt hatte, kann mich zu jener Zeit wohl nichts dazu bringen, allzu aktiv das Geld machen mit dem Bloggen anzustreben. Wenn ich wüsste, dass ich das nie anstreben werde, hätte ich mir selbst damals schon sehr gut gefallen! Heute arbeitete ich ebenfalls ein wenig weiter an meinem Buch ‘Zusammen Leben leben’, welches aus der impulsiven Initiative des Frühjahrs entsprungen ist, als meine Weltengeschehenrecherche am Höhepunkt war. Die meisten Kapitel des immer weiter strickenden Werkes wurden während meiner 19 Tage absoluten Fastens am Jahresanfang verfasst, als meine Energielevel und das Konzentrationsvermögen mit jedem Tag, an dem ich nichts aß, sich langsam ins endlose zu steigern schien und meine Arbeit im Selbststudium wohl nie mehr übertroffen werden sollte. Ich schrieb an jenem Tag das voraussichtlich letzte Kapitel vorab, ohne dass ich das Buch im Ansatz zu einem Ende gebracht hätte. Ich werde es hier teilen und mit Belustigung später noch feststellen dürfen, was sich alles an dem Text für die gewählte Art der Publikation noch alles ändern sollte. Gleich aber Stand jetzt!
Am Abend hatte ich noch die Rahmenbedingungen für Gilles und Emmanuelle ausgearbeitet um Freiwilligenarbeit auf ihrem Hof im zivilisatorischen Abseits zu ermöglichen und ich hatte Emmanuelle alle Fragen geschickt, die ich beantwortet brauche, um ihr die Antworten darauf zu geben, was laut meiner Recherche alles nötig seie, um ihre kleine Vision für einen wundervollen Ort, den sie zuhause nannten, umzusetzen. Um Mitternacht hatte ich wie gestern auch schon eine zehn Minuten lange Box Session gemacht, geschwitzt und dann geduscht. Ich stand einfach alleine auf der Terrasse und hatte mir eine Kombination aus Luftschlägen zurechtgelegt, die einen in den Flow von konstanter Bewegung führt und mit etwas Übung immer schneller zu vollführen wäre. Grader Schlag links, Haken rechts, Ellbogen links - grader Schlag rechts, Haken links, Ellbogen rechts und von vorne immer und immer wieder. Nach zehn Minuten ohne Pause ist man hin. Vor dem Einschlafen lese ich immer noch kurz aus ‘And there was light’, dem Buch von Martin und denke dann noch lange an ihn, während die Augen sich sachte über das verblasste Weltenlicht schließen.
Ich war positiv überrascht von wie gut und viel ich heute gelernt und gearbeitet habe. Die Materie des Buches über Copywriting interessiert mich und das Wissen kommt schnell an. Mama hatte gestern eine sehr schwierige Phase mit der Feststellung, dass ich scheinbar ‘niemals’ vorhabe ein normales Leben mit Familie und Studium in ihrer Nähe zu leben und ich bin froh, dass sie nicht recht hat und bestimmt alles zu unserem Besten kommt. Aber es muss furchtbar schwierig zu sein, alle eigenen Wünsche und Hoffnungen für das Leben deines Kindes mit seinen eigenen verrückten Ideen und leicht daher gesagten Zielen zu kombinieren. Oft tut sie mir direkt nach meinem Aussprechen schon sehr leid, weil mein Aufgeregt sein oft Geschichten in unabsehbarer Größe ergibt. Nur bisher wurden diese Geschichten immer wahr und das ist bisher wohl noch eine Hemmung in der Freude, die wir gemeinsam auf das Kommende teilen könnten. Amelie hatte große Fragen in unserem Gespräch aufgeworfen im Anbetracht darauf wie meine Eltern über mich denken, während sie etwas sagte, dass ihr später sehr leid tat. Auch wenn einem alle anderen der Welt und ihre Meinungen über dich egal sind, so sind es doch die Eltern, von welchen man sich am längsten nicht distanzieren könnte. Ich hoffe sie irgendwann ganz auf meine Seite der Ansichten und Aussichten zu bringen. Ich finde meinen Weg so vertretbar - da muss doch ein gewisser, allgegenwärtig zu verteidigender Kontext zu finden sein. Ich mache ja nichts aus böser Absicht.
Ich habe über diese Kunstfigur nachgedacht die ich erschaffen habe. Gen.ZM. Welcher Körper uns Geist in ihr stecken, welche Kleidung sie sich überhängt, welche Werte sie anstrebt und welche unglaubliche Wucht eine Bewegung haben könnte, die sie anstößt. Es könnte alles furchtbar schnell gehen und das ist unheimlich und hält mich vom Publiken fern. Noch könnte ich keines Falls und zum Glück baut sich so etwas mehr oder weniger vertretbar mit der Zeit auf. Ich hoffe der Moment wählt mich zur richtigen Zeit für eine solche Wendung in meinem Leben aus.
Ich spielte seit ein paar Tagen mit dem Gedanken ein Netzwerk aus Menschen zu erschaffen, welche in der Form wie Gilles und Emmanuelle leben, damit junge Menschen weltweit so etwas erleben können, damit den Rahmen der freiwilligen Arbeit ausbreiten und das alles im Rahmen Gen.ZM’s, welches der Träger von allem sein soll. Ein Verein, eine Platform, eine Partei, eine Bewegung, ein Gedanke und die Taten. Und jetzt grade ein Blog und seine vorlauten Ideen. Ich muss meine Gedanken in die Welt bringen - auf was warte ich eigentlich noch?!
Annika meinte meine Idee mit Korsika und Spanien cool zu finden und damit steht eigentlich alles fest. Von Sardinien über Korsika nach Südfrankreich wo zwei Menschen hausen, die mich anschrieben und meinten einen Seelenpartner in meiner Biografie auf Couchsurfing gefunden zu haben und mich dementsprechend hoffentlich hosten wollen und können, dann über die Alpen ins Allgäu und vielleicht mit zwei Freunden namens Alina und Dani treffen, anschließend in München meine Bauchtasche, die ich in Norwegen vergessen hatte und die mir ein Spanier nach München zu seinem Freund brachte abholen, irgendein Arztbesuch zuhause, ok Mama, dann nach Berlin trampen und das Tansanische Konsulat abklappern, Berlinische Squatting Häuser besuchen, die gesamte Verwandtschaft in Spandau treffen, nach Frankfurt am Main reisen und zehn Tage meines Vorbereitungsseminars für das FSJ absitzen, dann nach Speyer reisen und bei Mama Linnéa wohnen bis meine liebste Linnéa vom Studieren nach Hause kommt und dann zurück zur Familie um hoffentlich jene Erinnerungen zu erschaffen, die uns dann getrost durch ein weiteres Jahr Abwesenheit behütet tragen würden. Was für ein Leben! Wenn das mal klappt…
Der nun folgende Auszug ist also jenes letzte Kapitel für mein erstes dem Verfassungsprozess unterfallenden Buches mit dem Namen ‘Zusammen Leben leben’; jenes Kapitel ersann ich an dem Tag der oberen Niederschrift. Ich hatte den eigentlichen Schreibprozess des Buches begonnen, da saß ich noch im Winter Deutschland’s nach der beendeten Zimmereilehre und war von neuen Freiheitsgefühlen nach dessen Endung beflügelt. Am besagten Zeitpunkt hatte ich ein wahnwitziges Selbstexperiment am laufen, bei welchem ich belesen mit zwei Büchern an die Grenzen meines körperlichen Vermögens treten wollte. Außerdem wollte ich Änderung in meinem Leben und die größte und mächtigste ist wohl der völlige Verzicht auf Nahrung - das Fasten! Innerhalb dieser 19 Tage oder 461 Stunden ohne auch nur eine Mahlzeit erlebte ich Dinge, die ich mir selbst mit dem besten Essen nicht erträumen könnte. Kurz gefasst stellt sich der Körper nach circa drei Tagen des Fastens von der Zuckerverbrennung auf die Fettkörperverbrennung, die legendäre Ketose, um! Deine Energielevel sind danach konstanter und höher weil Fett wesentlich mehr Energie freigibt. Man nimmt ab und der Raum der Innereien entschlackt - ein herzlich gesunder von de Natur vorgesehener Prozess… zu jener Zeit schrieb ich die meisten Rohtexte, welche mir meine frei erdachte Inhaltsangabe vorgab.
Von diesem Buch verfasste ich also den voraussichtlich letzten Teil - das Endkapitel.
Dieses Buch ist noch beflügelt von diesem unkonkreten Drang etwas zu tun. In diesem Fall einfach endlose Seiten schreiben. Ein Ende von einem nicht beendeten Buch zu schreiben, Monate nach der aktiven Verfassungsphase ist nicht nur schwierig, sondern schwammig. Ich hoffe bald mehr von jenem schreiben zu publizieren, dass jener Einblick nicht für lange der einzige bliebe. Also, hier die Frage, welche mich wohl zu beschäftigen schien und ihre Antwort - warum dieses Buch?
7.1
Warum dieses Buch
Ich werde zu aller erst klar empfehlen, dieses Kapitel nicht ohne die Vollendung des Reststückes zu lesen. Ich spreche zu den Leuten, die immer aus Interesse, sobald sie ein Buch beginnen, die letzte Seite lesen… völlig unverständlich. Verschwinde du Wicht!
Wir haben uns gemeinsam durch allerlei Themen gekämpft, mussten mit vielen unfassbar schlechten Nachrichten klar kommen und haben zu selten einen Lichtblick erhalten. Noch scheint das klare Sehen durch einen Schleier verhindert und der Weg liegt immer noch nicht leuchtend ausgebreitet vor uns. Wir hatten nach einer Lösung und einer klaren Ansage geschaut und nur erniedrigende Umstandsbeschreibungen erhalten. Auch hielten diese verdeckt was meine eigene tiefste Überzeugung ist und was der wesentliche Antrieb war, dieses Buch zu verfassen.
Hier ist eine dieser tiefen Überzeugungen: Sie lautet ‘Egal was kommt es wird gut, sowieso!’. -
Ich sehe bildlich vor mir, wie Bücher angewidert durch den Raum fliegen und zu meinem großen Glück kann ich es erklären. Was neben bodenlosen Mark Forster-Zitaten kommt, ist nämlich Folgendes: Eine Katastrophe viel größer als wir sie uns ausmalen können oder wollten und ein Sterben der Menschheit in Zahlen, die niemand jemals greifen könnte. Sterben wir also aus? Nein! Aber wir sorgen trotzdem für unseren eigenen Untergang, damit meine ich nicht dich und mich, sondern alle, die sich nachdem sie darauf aufmerksam gemacht werden, bewusst und überzeugt trotzdem nicht handeln. Wir haben genau eine einzige uns Menschen vermachte Aufgabe und das ist unsere Welt vor ihrem schmählichen Untergang zu bewahren.
Es kursiert ein Parasit. Er hat in der letzten Zeit seine Anzahl exponentiell vervielfacht, alles gefressen was in seiner Reichweite war und hungert nun aus, weil alle seine Ressourcen verbraucht sind. Er stirbt. Nicht weil er ein Parasit ist und zum Tode verurteilt war - so etwas hätte im Laufe der Evolution keinen Platz gehabt - viel mehr kommt der Tod aus seinem Verhalten, seine Art alles zu verzehren was das Leben und die Natur ihm gibt und sich unkontrolliert zu vermehren. Kommt dir bekannt vor? Hoffentlich nicht, denn der Mensch, falls du darauf aus bist, ist kein Parasit. Er ist der Mensch. Aber auch hier gibt es einen Parasiten, nur in einer ganz anderen Form. Wir nennen es Gedanken. Unser Denken. Unser Verhalten. Hier gibt es sehr wohl Parasiten, jede Menge. Ein Parasit wäre das vorhin beschriebene Beispiel, dass eine Person nicht dazu bewegt wird etwas zu ändern und zu verbessern, wenn man sie über den Misstand aufklärt und sie über das eigene Handlungspotenzial belehrt. Unser Nichthandeln ist also ein Parasit. Unser Konsum der andere. Unsere egozentrische Lebensweise, ja sogar unsere ungezähmte Lust viele schöne Kinder zu haben ist eine Art parasitären Denkens. Denn wir schauen in die dunklen Tiefen eines Abgrundes und ändern trotzdem nichts… wie rechtfertigen wir uns dafür? Wie?
Dieses Buch hat ein großes Ziel. Es soll uns retten von diesem Denken. Uns darüber bewusst machen wie falsch wir leben und was wir alles ändern müssen, um den ewig schon verlorenen Einklang wieder herzustellen. Es soll den Bann brechen, welcher uns zu den Zuschauern des Untergangs macht und uns stattdessen dafür sorgen lassen, alles in unserer menschlichen Kraft stehende dafür zu tun, dass diese Welt nicht noch mehr geschadet wird. Das Leiden zu minimieren, die Todesfolgen so klein wie es die Erde noch zulässt zu halten. Es geht immer nur gemeinsam und unsere Aufgabe ist es, der Welt beizubringen, wie man eine Ressource wie Geld, das große Resultat allen Unfugs und allen Schadens den wir über die Welt brachten, dafür nutzt, sie auch wieder zu retten. Wir sind es ihr schuldig. Eine Person ist schuldiger als die andere und wir sind am schuldigsten in unserer kleinen Realität, wenn wir uns wissentlich für den falschen Weg entscheiden.
Die Welt bestehend aus ihrer Natur und ihren Menschen wird also einer natürlichen Selektion unterlaufen und wir nennen es Evolution und nun sind wir selber an der Reihe. Die Natur vernichtet dann all diejenigen, die sich nicht leisten konnten sicherer und besser zu leben. Weil ihre Rache gegen den zugefügten Schaden blind und ungerecht ist. Wenn wir nicht handeln, werden nicht die Schuldigsten gestraft, sondern ihre unterworfenen Schafe. Arme Menschen werden am schwersten von den Klimakatastrophen betroffen sein. Und trotzdem werden die Guten am Ende die Überlebenden sein, denn die Guten sind jene, die an die Welt anstatt an sich selbst denken und die Guten sind jene in meiner Fassung, welche begriffen haben wie wir in Einklang mit der Natur existieren können, auf das wir uns noch Millionen von Jahren weiter entwickeln können. Eine lachhafte, nicht zu bedenkende Zahl und doch spricht so viel dafür. Es gilt für uns alle selbst das parasitäre Denken zu überkommen und den Keim in uns auszulöschen, der unser Denken dazu treibt uns selbst zu vernichten. Nur existieren zu viele falsch denkende Personen - und dann noch an den Positionen der Macht; das Ding nach welchem sie so sehr strebten die Falschdenkenden - und diese werden nicht überleben können, wenn sie nicht selbst begreifen oder von uns erleuchtet werden. Ihr Schaffen könnte uns alle in den Abgrund ziehen. Der Parasit löscht sich selber aus und diese Menschen werden es ihm nachmachen, wenn wir ihnen nicht rechtzeitig helfen. Wir müssen also im Auftrag der Natur und aller aus ihr entsprungenen Menschen das einzig Richtige tun. Wir haben eine Entscheidung zu treffen und einen essenziellen Beitrag zu leisten. Es gilt eine Heldentat im Auftrag des Lebens selbst zu begehen…
Fangen wir an!
12.06.2025
Bevor dieser letzte ganze Tag mit meiner Familie so aktiv werden konnte, wie er schlussendlich war, gab es noch ein paar Stunden des Morgens vor der Pein die uns der Nachmittag bescheren würde. Ich bastelte an der Website umher auf welcher du grade so unbedacht wellen reitest und versuchte eine Seite einzurichten auf welche man gesandt wird, nachdem man den anscheinend nicht zu umgehenden Teil des Accountanlegens hinter sich bringt, damit man mit hoch gestochenen Worten gepriesen wird. Falls das in deiner Historie deines Erlebnisses mit meinem Blog nicht vorkam, muss im Endeffekt wohl irgendetwas schief gegangen sein. Überhaupt war dieser gesamte Blog keines Wegs eine Heute-auf-Morgen Geschichte, sondern verkörpert die Ausgeburt aus unendlichen Gedanken des Frühjahrs und vielen Skizzen auf Papier, welche Themen ich besonders in Angriff nehmen möchte und durch welche Mitteilungen mit eine direkte Mitteilung zu der Welt ermöglicht werden konnte. Man sagt immer, dass alles ein langer Prozess wäre und ich war überrascht, dass Dinge auch ganz genau auf mich zu treffen können und dass ich keine Ausnahme bin, wenn es um den Prozess des Schaffens geht. Viele Schweißtropfen verließen meine Stirn; einige Arme wurden schwenkend gen Himmel geworfen in dem panischen Versuch das Internet und sein unverständliches Wesen zu meinem Freund zu beschwören. Bis zu diesem Punkt habe ich mir einen Domain gekauft und mit dem Platform Provider ‘Ghost’ ein monatliches Abonnement. Es gibt bestimmt noch leichtere und billigere Wege, aber ich habe versucht und gesucht und gefunden. Mal schauen.
Beim durchstöbern meines ziemlich inaktiven E-Mail Fachs, welches sich in den letzten vier Wochen des ungeachtet vor sich Hinvegetierens kaum verändert hatte, traf ich auf die kleine Meldung einer der freundlichen Damen des Freunde-Waldorf-Büros, welche von mir wissen wollte, wann ich denn den sogenannten G-35 Arzttermin wahrnehmen möchte, welches für das tansanische Visum anscheinend von Nöten sein würde. Ich hatte das Unterfangen Tansania’s schon wieder viel zu weit aus den Augen verloren. An den Tatbestand, dass es für mich im September nach Tansania gehen sollte um freiwillig arbeitend dort ein FSJ wie schon in Kanada zu verbringen, hatte ich noch nicht ganz meinen Glauben gefunden, und so schwirrte dieses Konzept eines Plans für die aller längste Zeit bis dahin als völlig verloren und angezweifelt in meinem Köpfchen. Niemals hätte ich gedacht rechtzeitig nach Deutschland zu kommen, bei dem ganzen Quatsch der sich noch in meinen Weg werfen würde. Nichtsdestotrotz arbeitete ich das Verlangte ab, setzte mich in Kontakt mit dem Büro der Freunde, welches sich um meine Tickets hin und zurück kümmern sollten und speicherte das Vorhaben im Schädel ab, möglichst bald in ein kleines Telefonat zu rutschen mit der jungen Dame, die voraussichtlich meine Mitbewohnerin in Tansania sein sollte, an dem Ort des House of Hope. Ihr Name ist Loana. Ich war schon ein bisschen aufgeregt du erinnere mich gut, dass ich vermutlich alle Ideen ihres Seins bis zum eigentlichen ersten Treffen beim Vorbereitungsseminar durchgegangen war. Da wartet irgendwo in der Welt die Person, mit der man bald soviel Zeit auf Unbestimmtes absitzen würde. Und bald sollen wir uns kennen lernen. Ich bin positiv gespannt.
In dem Buch über die Kunst des Copywritings ging es heute um die vier U’s zur Bewertung der Stärke einer Überschrift und mein Repertoire wurde mit Beispielen gefüllt. Dann, mit meiner Familie erwacht und nach dem Verräumen aller Verbrauchsgegenstände auf den äußeren Tisch, versammelten wir uns zeremoniell auf unseren Stühlen und aßen gemeinsam wie es jeden Morgen bisher reichlich schön von statten ging und dabei schmiedete sich ein Plan für den Tag wie von selbst. Dass ich dabei tatsächlich wählen durfte, kam mir zuerst noch wie ein Segen vor, sollte aber seinen Rattenschwanz an Problematischem tragen. Ich konnte sie wohl ein wenig offener für das Reisen und Wandern machen, nachdem ich nun selbst das Erlebnis der Fußbewegung selbst in Schrift verkörpert hatte. Sie waren also allesamt bereit ein vielleicht erstes richtiges Bergsteigen und Wandern zu versuchen. Wir waren zwar schon so mal auf längeren Spaziergängen an diversen Orten wie am Bodensee entlang oder einmal in der Nähe des Hohen Ifen, aber keinesfalls hätte man es als eine gängige Aktivität unseres Familiendaseins betiteln können, was angesichts unserer ungemeinen Nähe zum wunderschönen Allgäu eine wahrlich große Schande ist. Mit meinem Papa war ich als kleines Kind ungefähr drei Mal auf dem Brocken im Brandenburger Harzgebirge, aber mehr gibt die Erinnerung auch nicht her. Wir wollten also zu viert wandern gehen und ich vollführte die Kartenarbeit indem ich auf der Smartphone Karte einmal raus und irgendwo wieder reinzoomte, dann das Bergähnlichste wählte und eine Straße in den Bergen suchte, ihr dann folgte um einmal weg von der Spitze zu gehen und nach der falschen Richtung hin zu den Höhen des Gebirges. Die Straße führte zu einem auf der Karte benannten Checkpoint und wenn ich an jenen weiter zoomte, dann offenbarten sich die ähnlich zu Straßen eingefügten Pfade der Wanderwege. Ich war schon beim heraus suchen aufgeregt und legte mich auch sofort auf jenen Berg fest. Eine Möglichkeit Bilder von dort einzusehen oder Bewertungen geschweige denn Beschreibungen über die Wanderung gab es keine. Nur den Namen - Monte Maggiore. Kein Gigant aber 970 Meter über dem nahen Meer. Genug für einen Ausblick dachte ich und kaum eine halbe Stunde später waren wir auf den Beinen, dann im Auto und auf der Fahrt. Ich war wohl zu sehr im dahin träumen vertieft und dachte meine Aufgabe des Ort Aussuchens damit als völlig beendet. Ich kam nicht darauf beim Tasche packen zu helfen oder das Schuhwerk meiner Wegbegleitenden zu überprüfen. Vielleicht hatte ich einfach nicht ausreichend verbalisiert, welche Art der Wanderung uns bevor stand, oder ich wusste es einfach selbst nicht… da ich selber barfuß losging geh ich von zweiter Option aus.
Wir fuhren eine Weile und kamen dann an den Ansatz der langen in den Berg hinein gewundenen Straße, die zu unserem Glück eine Bande zum Abgrund trug, aber auch so überwältigend schnell und kurvig in die steinigen Höhen ragte. Das Gestein ein grobes und graues, mit klaffenden Öffnungen und weit hervorstehenden Klippen, Bäume in den unwahrscheinlichsten Schlitzen und wie durch eine unsichtbare Hand zusammen gehalten und vor dem gesamten Einsturz bewahrt. Mir wurde schon lange nicht mehr im Auto bei Fahrten schlecht, aber heute kamen wir alle an unsere undefinierbaren Grenzen. Als die Fahrt doch nicht ewig nach oben weiterging, endete die Straße in einer hübschen Schlaufe zum Wenden und an der entgegengesetzten Seite von jener war ein kleines Becken eingeschlagen und umrahmt von eckigen graden Steinblöcken. Der dauerhaft plätschernde Wasserhahn preiste durch sein goldenes Schild darüber eine alte und verlässliche Quelle an und das Wasser war eiskalt und schmeckte nach Leben. Also nicht nach Leben in dem Wasser - ich bin mir sicher dass es kaum oder gar keine Mikroorganismen in sich trug - aber es schmeckte wie genau diese durchsichtige Flüssigkeit, durch welche alles Leben auf der Erde überhaupt zustande kam und nun überlebt und nach jener Flüssigkeit nach der sich unser Körper so innig sehnt und jeden Tag auch ohne Abwechslung immer wieder literweise in sich schütten kann. Wasser halt. Aber kalt und klar an einem schönen Ort. Fündig Meter zurück dahin woher wir kamen ist der Eingang zum Pfad und die ersten Zweifel kommen auf. Wieso ist das so ein kleiner Rumpelpfad, da liegen ja überall etwas größere Steine und breit genug ist er auch nicht, als dass das Gebüsch unsere sommerlichen Oberteile nicht streifen würde. Wie weit ist es denn? Das Schild erklärt, dass der eine zur Spitze vier Kilometer und ein ganz bisschen hätte. Na dann geht’s doch, oder? Ehrlich gesagt lag da auch mein eigener Denkfehler, aber meine Familie willigte bei vier Kilometern doch ein. Ich Depp! Die Sonne stand nun am höchsten Punkt und nach der Hälfte des Weges war vom Wasser nicht mehr viel übrig. Meine Nerven standen auf einem sehr wackligen Gerüst und täuschten Laune und Aufregung über die Spitze vor, um das ganze Konzept eines Ausflugs nicht völlig kollabieren zu lassen. Mama hatte Fußschmerzen und ihre hübschen fein bestickten Ledersandalen trieben ihr Blasen an die Achillessehne. Meine Schwester hatte von Anfang an keine Lust und wurde anfangs dafür gefeiert sich auf so ein Unterfangen einzulassen, aber inzwischen hatte sie Unterstützung auf der eigenen Seite bekommen und niemand war wirklich mehr begeistert. Papa litt, weil es seinen Mädchen schlecht ging und alle waren ein wenig missmutig, weil ich ja doch keinen Plan hatte und ich weder die Route wusste und selbst die vier Kilometer unverschämt länger und länger zu werden schienen. Familie… wir quälten uns alle mit den eigenen Problemen dort hoch, hockten manchmal versteckt unter Sträucher, von denen es wenige in der richtigen Größe gab und kauerten am wenigen Wasser nippend vor der Sonne versteckt. Die letzten paar hundert Meter musste ich mir jede Motivation aus der Nase ziehen und mir hatte das Ganze nun auch nicht den erhofften Spaß gemacht. Als wir nach beinahe zwei Stunden dort ankamen, setzten sich die drei irgendwo hin und tranken und aßen das bisschen Futter was wir dabei hatten und ich lief direkt los um zu erkunden, aber auch um mich von ihren Stimmen zu distanzieren. Ihr Erfolgserlebnis hatte noch nicht Überhand genommen, auch wenn das Gejammer des Weges nun den Mantel der Ruhe des Ankommens überworfen hatte. Die Fläche war eine groß erstreckte voller kleiner Büsche und schwierigem Terrain, vor allem barfuß durch Nadelgewächse. Zwei große Steinhäufungen ragten links und etwas rechts hinauf und ich entschied mich für die Rechte. Die Kommentare der Familie waren nicht hilfreich und mein Ego, welches sich das Klettern absolut zutraute, vor allem barfuß, wurde von da unten aus ein bisschen herunter gezogen. Barfuß war die kleine Reise aber tatsächlich problemlos und so kam es, dass nur ich sehen durfte, was es von da oben aus, dem höchsten Punkt, zu erleben gab. Ich sah das Meer ewig Fern und in ihr flochten sich lange weiße Wellenkämme sichtbar über hunderte von Meter. Zwischen mir und dem Wasser legten sich in dem Kilometer Luftschicht eine dunstige Eigenheit und die Hitze schien eine ganze Menge an Wasser zu uns herauf zu tragen. Das Waldmeer des östlichen Sardiniens erstreckte sich überall da, wo das Meer nicht hinlangte und der Berg es nicht verdeckte. Meine Familie saß in ihrem kleinen Dreieck ohne kleinste Schwester und genoß den Blick von dort aus, aber niemand von ihnen würde das Meer von dort sehen. Ich klettere weiter und finde eine Höhle und grotesk verformte Steine vor dem Eingang, ein loser großer Stein welcher das Stehen im Eingang ermöglicht und ein kalter Schatten welcher mich vom Innern heraus berührte und mir den Rücken entlang krabbelte. Es sah beinahe so aus, als würde sich eine steinerne Riesenhand um mich legen wollen, so als wäre ich die Fliege kurz bevor mich die Pranke erwischt. Geschwollene Knöchel, eine verkrampfte Handfläche, alte dicke Finger und die Kälte ihres Schattens. Ich saß da, glotzte ein bisschen und fand es mindestens hübsch. Das gefunden zu haben, gab mir die Erfüllung, die mich durch das Nörgeln meiner Mitreisenden nicht erreichen konnte. Ich war zwar stolz auf alle drei und bewunderte sie dafür nicht umgedreht zu sein, aber ich machte mir Sorgen über den Zurückweg. Ich kämpfte mich also durch eine lange Passage auf der Ebene voller Sträucher, zerriss ein kleines Stück meines Hemdes, welches ich in Valencia mit Martin erworben hatte, schützte meine Kopfhaut, welche von den 7 Millimetern Haarpracht noch nicht ausreichend geschützt war, trat in mehrere spitze verdorrte Wurzeln im Boden und kletterte dann drei Meter über eine kleine Steinwand hinter der meine Familie saß und aß, um sie freudig über meine Entdeckung aufzuklären.
Die Reise zurück nahm eine ganz unerwartete Form an und ich bereute nun selbst das ein oder andere. Meine Familie war beflügelt von dem Gedanken weg von dem Berg zu kommen und über die Zeit hängten sie mich ein ums andere Mal ab. Mein Problem wurde ein ganz verkopftes in Form meiner hübschen, sehr hübschen Füße, die feinste Muskeln überall durch das viele Barfußlaufen aufwiesen, die eine stramm gespannte Haut hatten durch welche vor allem an den Seiten selbst die feinsten Adern zu sehen waren und von einer ausgezeichneten Blutversorgung zeugten. Die Risse in den großen Zehen und a den Fußballen machten sich nun in unerwarteter Form bemerkbar. Ich ging davon aus, dass in den vielen Wochen des täglichen Laufens meine Füße bestimmt noch dazu fähig wären problemlos barfuß unterwegs zu sein. Das letzte Mal barfuß war ich an dem ersten Tag mit Martin in Alicante, seither nicht mehr. Ich war aus der Übung und hatte mir eine überdurchschnittlich schwere Wanderung für das wieder Hineinkommen ausgesucht. Und ja, mir fällt grade auch wieder ein, dass ich natürlich auch zwischendurch nochmal barfuß war. Um zum Strand zu laufen, oder zur Pizzeria an der Ecke. Brachte mir nun aber alles nichts und ich litt in jeder Sekunde und jedem Schritt. Meine Haut fühlte sich da unten wie rohes Fleisch an und jedes kleinstes Detail am Boden stach wie Nadeln tiefer in meine Wahrnehmung. Mir wurde abwechselnd schlecht und kalt vom Schmerz und ich würde so gerne übertreiben, aber in den langen Momenten in denen ich ewig hinter meiner Familie war und ich wusste dass ich noch drei dann zwei später einen ganzen Kilometer vor mir hatte, begann ich zu wimmern, zu flehen, Tränen zu unterdrücken und durch mein schlechtes Gewissen gegenüber meiner Familie, der Verzweiflung darüber aus welchen Karmagründen ich nun so leiden müsste, und dem dumpfen immer größer werdenden Schmerz meiner Fußsohlen langsam zu zerbrechen. Ich fragte in den luftleeren Raum nach Gott und bekam keine Antwort, was kein Grund war, weiter zu jenem Erdachten zu bitten. Ich versprach so einiges im Gegenzug aus dieser scheinbar nie endenden Qual entkommen zu dürfen und in jenen Abgründen des physisch Durchlittenen erreichte mich das eine oder andere zuvor verborgene Gedankengut. Es war eine Reise in Geist und Welt und ich wurde wenn auch zu hoher Kost, reich beschenkt. Dazu muss gesagt werden, dass Schmerz immer nur relativ zum bisher Erlebten gelten kann und durch die Intensität des Momentes und die Kraft des Geistes bestimmt werden kann. Für mich war da eine bisher nicht gesehen Grenze an der ich mit jenem Erlebnis entlang schlängelte.
Ich sah das Ende von jenem Weg, den meine Eltern vorhin so hinterfragend beäugt hatten. Die letzten etwas größeren Steine mit scharfen Kanten bohrten sich tief in meine Haut ohne einen sichtbaren Schaden anzurichten und dann stand ich auf dem furchtbar groben Teer der Straße und hatte fünfzig Meter vor mir. Ich könnte ab hier abbrechen und einfach ein paar kleine Minuten überspringen, aber es wäre wohl besser einzusehen, wie jeder Schritt ab nun einer tiefsten Überwindung bedurfte. Ich schleppte mich weiter als nur zum Auto, und zwar bis hin zum immer fließenden Wasserhahn der Bergquelle. Meine Familie saß in dem Baum gesegneten Grün um welches sich die Schlaufe der Straße zog und sie warteten auf mich. Mein vertrockneter Mund nahm Schluck auf Schluck in sich auf, zu große als dass es später keine leichten Schmerzen auslösen würde, aber selbst besser wissend konnte das gut übergangen werden. Neben dem Becken voll Wasser gingen zu beiden Seiten lange Sitzflächen aus dem selben Gestein aus welchem der Rahmen der Quelle geschlagen wurde. Zwar schlief ich grade in meinem Bett, aber die Wochen und Monate ohne seit Mitte Kanada hatten mich an vieles gewöhnt und mit jener erdrückenden Erschöpfung die in mir pochte, hätte ich überall schlafen können. Ich driftete in etwas sehr unruhiges, kaum Schlafgleiches ab. Der Schatten war das einzige von Essenz. Als ich erwachte stand eine neue Familie neben mir am Wasser und las das Schild. Sie schauen mich an. Sie sprechen Deutsch miteinander und tauschen sich untereinander darüber aus, dass der Arme da am Boden liegen muss. Ich lächle, grüße und erkläre dann meine missliche Lage aus Fußschmerzen und Müdigkeit. Die Familie stellt sich vor und ist nicht eine Familie, sondern zwei Elternpaare und ein Kind. Die Erwachsenen kennen sich aus alter Freundschaft und hatten sich für ganze 15 Jahre nicht gesehen. Dass sie sich heute treffen ist eine Überraschungsreise gewesen, nachdem das deutsche Paar diese Reise nach Sardinien zusammen mit ihrer beeinträchtigten Tochter bewältigte, wo sie früher meinten gelebt zu haben. Die Freude der tiefsten Überraschung über das Aufleben einer so alten Freundschaft gemeinsam mit einer neuen jungen Person im Bunde ist wunderschön von außen zu betrachten. Sie scheinen tief glücklich und sie alle so zu sehen, verbreitet selbst in mir diese innere Wärme der Glückseligkeit. Das Pärchen aus Sardinien stellt uns allen, auch meiner nun dazu kommenden Familie den Ort vor und diesen halbberühmten Brunnquell, und trägt ihr Wissen in Italienisch vor, was die deutsche Mutter für uns flüssig übersetzt. Die Beiden funktionieren in ihrem kurzen uns allen geschenkten Akt wie ein Uhrwerk und sie scheinen sich auch nach so ewiger Zeit wie eh und je zu kennen und zu verstehen. Wir freuen uns alle über das Treffen und wünschen ihnen eine gute Wanderung und fahren selbst mit unserem ollen superduper Toyota die unglaubliche Straße wieder hinab. Die Stimmung ist bei uns auf einmal eine ungelogen Gute. All die Ärgernisse wurden vergessen und der Stolz füllt den Brustraum aller, die das kleine Unternehmen erfolgreich überwunden hatten. Mir geht es auch besser. Als wir am Abend zu unserer Pizzeria liefen habe ich keinen Schmerz mehr in den Füßen und eher verstehe ich Polynomdivisionen als warum meine Füße so schnell nichts mehr zu klagen hätten.
*Bild mit Familie
Den Sonnenuntergang in welchem unser Familienbild genommen wurde durch den Selbstauslöser meiner verlässlichen Smartphonekamera, beschaute ich von einer Mauer aus auf die ich kletterte, zwischen bunten Büschen aus Hibiscus und Oleander. Die Berglandschaft, das wohlgeformte Land unter unseren Füßen, die hübschen Häuser und die Farbenpracht der Natur waren von hier aus völlig einsehbar, außerdem kam der Gesang eines Esels dazu und hallte in diesen Gängen und Tiefen und Tälern unseres Urlaubsortes wieder. Wir fanden die Pizzeria unseres Vertrauens und fanden uns heute umgeben von zwei separaten Tischen voller Briten. Wir Kinder konnten den Akzent kaum ernst nehmen, verstanden jedes der zu laut gesprochenen Worte und tauschten Blicke aus, wenn die Lache einer der Damen wieder besonders laut durch die Außenanlage des Restaurants schallte. Wir waren belustigt, meine Eltern ein bisschen genervt, aber bevor sie den Fehler machen konnten, den Sitznachbarn um ein wenig mehr Ruhe zu beten, hatten jene zum Glück bezahlt und gingen ihren lachenden Weg von dannen. Die anderen Briten waren Weintrinker und würden sich vermutlich als Weinkenner ausgeben. Der Wein war hausgemacht und mir ein wenig zu süß. Ich nahm die Pizza 42 ohne nachzuschauen was drauf wäre. Mein Papa war bei der Numero Zwei seit jeher stecken geblieben und beschreibt sie als vollkommen weil (seine Worte): sie hat keinen Käse auf sich. Der macht sie sonst wässrig und der Käsegeschmack verfälscht. Die sonnengereifte Tomatensoße ist das Beste und einzig wichtige an einer perfekten Pizza. (Er meint, dass man alle Pizzen nur an Hand jener Grundlage miteinander vergleichen kann). Der Pizzabrotgeschmack ist noch verstärkt von der Hitze des Ofens und man kann jede einzelne Zutat heraus schmecken. Knuspriges Brot, leicht süßer Tomatengeschmack und der Knoblauch. -
Als wir nach Hause kehren, gehe ich sofort zu Bett. Mir wurde etwas klar, aber ich war zu kaputt mich darüber noch zu genüge freuen zu können. Ich schlief neun Stunden und zwanzig Minuten und…
13.06.2025
Der sofortige Gedanke nach dem Aufwachen heute los zu müssen überkam mich direkt. Aufregung mischte sich damit, dass ich bereit jetzt traurig war meine Familie nicht mehr zu sehen. Diesem Gedanken folgte immer und immer wieder alles, was ich mir für das Kommende in Korsika und Südfrankreich ausmalte. Ich blühte innerlich wieder auf. Zuerst kam das Frühstück mit der Familie, dann wurde die Tasche neu und besser gepackt. Dafür hatte ich alles in meinem Gepäck erst auf dem Tisch ausgebreitet und nun anschaulich meinen gesamten Besitz für die nächsten Wochen, ja sogar das gesamte kommende Jahr vor mir. Da lag ein QM Basic Zelt, blau eingepackt - meine kaputte super coole orange spiegelnde Beachvolleyballbrille in ihrem schwarzen Etui - meine Lieblingsmuscheln, die ich auf dem Weg als Glücksbringer fand und die ich nun meiner Familie vermache - eine Plastikflasche 1.5 Liter - ein Bade/handtuch, Badehose vom Hawaiiausflug, meinen Pulli aus Kanada, die weiße Hanzi-Leinenhose, mein Poncho, drei Unterhosen, zwei Sockenpaare, ein weißes Tanktop und ein Hemd auch aus Kanada, einen großen Plastikregenponcho in schwarz von Mama geschenkt - mein kleines blaues Notizbuch, ‘And there was Light’ von Martin geschenkt, mein Zeichenblock in dem ich Landschaften und Menschenskizzen anfertige und Schattierungen übe, mein schwarzes Notizbuch in welchem ich Chinesisch, Copywriting, Programmieren und italienisch Zusammenfassungen habe - eine Powerbank 20K mAmp, Ladegeräte und Kabel, ein kleines rotes erste Hilfe Täschchen und Sonnencreme, wunderbares Klopapier und zwei Zurrgurte ohne die mein Rucksack nirgends mehr hingehen würde, Streichhölzer lang, Zahnbürste billig, Nagelknipser wunderschön und verkopft, ein Rasieraufsatz ohne den Stil dazu, zwei Ohrstöpsel die wie Bäume aussehen und wieder viel zu komplex für ihre simple Aufgabe erscheinen, mein weißes langes Seil das mir von Straßenarbeiten in Spanien geschenkt wurde und welches viel essenzieller als jemals gedacht wird und die von Martin mitgegebene Isomatte, die mich nun schon viele viele Nächte begleitet - als Proviant bekomme ich von meinen Eltern Haferflocken mit getrockneten Früchten und Nüssen, bio, Apfelmus und ein Dreiviertel volles Glas hundert prozentiger Erdnussbutter und die wunderbaren Minimeals von Papa, welche gepresste Taler sind, die alles an Nährstoffen und Vitaminen in sich haben, die man theoretisch bräuchte. Mit der kleinen Tüte voll könnte ich eine Woche auskommen und ich werde sie mir weise einteilen, bis ich den aller letzten an einem Lagerfeuer in den Alpen bei nächtlichen Starkregen teilen werde. Zahnseide hab ich auch!
Der heutige Plan ist mir ein ganz besonderer. Ich hatte es geschafft mit Emmanuelle und Gilles zu verabreden, dass wir sie als ganze Familie besuchen würden! Ich war furchtbar aufgeregt meinen Eltern diesen Ort und diese wundervollen Menschen vorstellen zu können. Auch war die Freude groß meine beiden Gastgeber wiederzusehen und sie nochmal in den Arm zu schließen. Wir fahren die Stunde und machen einen Zwischenstop bei einer kleinen Ausfahrt in den Bergen bei einem Haus mit Pferd und Pool auf relativ kleinen Platz und ein Bach bahnt sich durch das Grundstück. Da hatte jemand mächtig Glück, so scheint es. Wir kommen den selben Weg, wie Gilles und ich damals das erste Mal ankamen, nur dass unser Vierräder nicht nach Olivenöl roch. Das Tor wurde geöffnet und endlos herzlich wurden wir aufgenommen und alle Sorgen von allen verflüchtigten sich. Meine Eltern hatten sich einen Kopf gemacht, dass sie sich ja nicht verständigen könnten, aber das darauf folgende Gespräch beim Tisch mit einer Besucherin der beiden aus Frankreich und dem lokalen Guiseppe, der zusammen mit Gilles am arbeiten war, entsteht ein lustiger Mix aus vielerlei Sprachen. Wir Kinder übersetzen manchmal Englisch auf Deutsch, Gilles erklärt Giuseppe manchmal das Thema und ich verstehe ein paar Worte. Guiseppe scheint mehr interessiert an der Besucherin aus Frankreich und beide scheinen einen Crush aufeinander zu haben was süß ist. Guiseppe hat eine großen Krausebart mit grauen Haaren und unglaublich ruhige Augen. Die trockene gespannte Haut auf dem Gesicht legt sich in viele kleine feine Falten wenn er auch nur andeutet zu lächeln. Sein Gesicht spricht Bände und selten fand ich einen älteren Mann süßer. Er schwärmt im Gegenzug dafür, dass er was aus unserem Gesprochenen mitbekommt, davon zurück wie gut denn das Fleisch von Wildschweinen auf Sardinien wäre. Dass ich es liebe zu reisen ohne Dinge zu haben, nur um neue Orte und neue Menschen kennen zu lernen, ist laut seinen Worten, aber vor allem laut seinem Gesicht das absolut unverständlichste was er je gehört hatte. Er macht sich ein bisschen Sorgen, man merkt es ihm an, aber Gilles weißt auf meine Körpergröße und meinen Bau hin und meint, dass ich sicher wäre. Es geht viel um das Surfen und später auch darum, wie man auf einem Boot leben kann. Meine Eltern schwärmen seit langem darüber und die Vision stand lange im Raum, dass sie das Haus zu ihrer Rente verkaufen und nur von Hafen zu Hafen im Mittelmeer pendeln und ein Boot statt Haus hätten. Ich weiß nicht wie durchdacht das war und wie tief die Recherche ging; meistens sind meine Eltern aber sehr genau bei solchen Dingen und träumen nicht nur zum Spaß. Gilles kann ihnen eine Menge verraten, er lebte schließlich selbst sieben Jahre als Surflehrer auf seinem Segelboot bei den Inseln Polynesien. Eine Sache die mich besonders interessiert hatte, war eine Sprache der Seeleute des Mittelmeers, welche anscheinend ein kompletter mix aus mehreren Sprachen aller Küstenländer darstellte. Das mein Vater die zufälligsten Dinge weiß, passiert ständig und irgendwie gewöhnt man sich daran. Annika, also Schwester und ich, saßen da und genoßen vermutlich beide unsere Eltern so angeregt in einem so komischen durch Sprache manchmal furchtbar lustigen Austausch sitzen zu sehen. Ich wünsche mir schon ewig Freunde für meine Eltern uns es ist schade sie zuhause in einem so scheinbar nicht passenden Kontext zu erleben. Man kann nur hoffen, dass man gemeinsam den Ort in der großen Welt findet, an welchem ihre Leute auf sie warten. Niemanden würde ich es mehr gönnen. Wer ein Leben lang arbeitete, damit die eigenen Kinder die besten Chancen im System bekämen und weil einem niemanden erklärte, wie man parallel dazu erleben könnte, verdient es dann doch zumindest schließlich in die Welt des Weltenabendteuers eingeführt zu werden und endlich die immer gesuchten Menschen zu finden.
Es gibt Pfirsiche und Brot und Kaffe. Danach bauen Guiseppe und Gilles weiter an dem kleineren Gebäude vorne am Zaun, wo sie alles erst abreißen und dann auf wundersame Weise Neuheiten anbringen. Dem zuzuschauen ist spannend genug, aber Papa und ich tragen auch ein paar Steine mit und schauen dann lachend gemeinsam dabei zu, als Guiseppe auf die Baggerschaufel geladen wird und Gilles ihn an die Spitze des Mauerwerks führt, damit er dort turnend eine rote Schnur anbringt. Als das beendet ist, weist uns diesmal Emmanuelle den Weg zum Nachbargrundstück wo die orangen Füllen aus Orangen und Mandarinen und Zitronen wartet. Ich kenne den Weg und die beiden großen weißen Hunde Mana und Manuia laufen neben uns auf dem trockenen Boden entlang, während wir uns um den Fuß des Hügels rechts von uns schlängeln und dann den offenen Obstgarten erreichen. Die Hunde rennen voraus und in einem schönen Baumschatten mit einem Wurzelgeflecht, das eine eigene Welt für sich zu erschaffen scheint, finden sie eine größere Schildkröte und beginnen an ihrem Eingang zur Panzerhöhle zu knabbern und brechen eine kleine Ecke ab. Ich nehme die Schildkröte und bringe sie hinter einen Schlupfwinkel aus Wurzeln aus dem sie wieder heraus kommt, aber wo die Hunde sie aufs erste nicht wieder zu finden scheinen. Der Garten ist genauso gefüllt wie vor einer Woche noch uns genießend tasten wir uns wieder durch die Geschmackswelt, die so niemals in einem Markt zu finden wäre. Der Genug lag bestimmt auch im kostenlosen Aspekt. Da jene Früchte nicht geerntet werden, machte in dem ganzen niemand einen wirklichen Verlust, außer die Mikroorganismen im Boden, die den zusätzlichen Frischdünger dankend in ihre Reihen aufgenommen hätten. Als unsere Bäuche nicht voller werden könnten gehen wir zurück und müssen nun langsam wieder nach Hause kommen… nach Hause? Ich muss in den höchsten nördlichen Punkt an die Fähre von Santa Teresa, so viel dazu. Wir verabschieden uns herzhaft und Guiseppe hat ein Geschenk für uns. Er bringt zwei große Plastikflaschen und beide sind randvoll mit einer blutroten Flüssigkeit und er sagt ‘Vino!’ Süß von ihm und später am Abend nehme ich einen Schluck und sehe die Flaschen dann nicht wieder, weil ich abreise. Bin kein Weinfan und damit lässt sich das Kommentar sparen. Ist halt süß und fruchtig und Alkohol. Ich bin im Team Wasser. Jesus hat in meinen Augen einen Fehler gemacht…
Auf der Fahrt halten wir an einem Nordstrand und kommen zuerst durch gelbes Wasser, welches nicht ganz zu identifizieren war, um anschliessend in leuchtendes Glas einzutauchen und ein letztes Mal für mich in diesem Jahr im Meer mit Familie zu plantschen. Amelie fehlt natürlich. Die sandigen Füße sind wie immer das Problem bei Strandbesuchen und dem Zurückschlüpfen ins Schuhwerk. Man überlebt es. Dann kommen wir eine halbe Stunde später in Santa Teresa an und schlendern eine Stunde durch die abendliche Stadt, essen ein Softeis und finden einen schönen Ort zum Abendessen. Die Aussichten beim Spaziergang über die mediterranen Steilküsten waren ein schöner Abschluss und das Restaurant und genauso nett wie vermutlich alle dieses ungemein freundlichen Ortes voller fröhlicher Menschen mit einem schönen Marktplatz und einem sehr alten runden Turm an der Brandung. Mein letztes von der Familie bezahltes Essen waren Spaghetti mit Muscheln, ein paar Schrimp und kleine Stücken Krabbe. Die letzten Meter zum Auto und dann stehen wir gemeinsam vor dem Kofferraum. Dahinter sitzt mein zu großer Rucksack und die graue Kuscheldecke von zuhause ist um das Zelt gerollt, die Isomatte ist im Hauptraum zwischen meinem Rücken und dem kleineren schwarzen Rucksack innen als Stütze, weil mein Rucksack nicht genug hergibt. Ich schaue alle drei an. Mir ist komisch bei dem Gedanken jetzt los zu gehen. Ich war grade noch so sehr im Familiengeschehen, so schön abgelenkt, so unbesorgt, sicher und ohne mir einen kopf darüber zu machen, wie ich den Tag überlege. Kurz bin ich unsicher. Wieso steige ich nicht ins Auto, komme heute Abend zu meinem weichen Bett, helfe morgen das Auto zu packen und zur Fähre in Olbia zu fahren, mit der Fähre zum Festland Italien’s, wo sie ein sehr billiges und tolles Café mit unglaublichem Fischmittag finden werden. Ich würde viel schlafen können, während uns Papa sicher nach Hause bringt. Dort würde ich dann sitzen. Ich denke dann an Martin. Wunder mich wie ich die Zeit umbekomme bis zum September. Mache die Vorbereitungen für das Visa und suche mir wieder einen kurzzeitigen Job. - Wenn ich nun zurück denke, dann lag die wichtigste Entscheidung in meinem Dasein bisher darin, an diesem Tag meine Tasche aufzuschultern, ein wenig unter dem Gewicht zusammen zu sinken und meine Eltern anzustrahlen, sie zu umarmen und einfach loszulaufen. Sie sagten mir, dass wenn ich in zehn Minuten doch nochmal anders denken würde und nach Hause möchte, einfach anrufen könnte und sie kämen um mich zu holen. Das gibt mir Komfort, aber vor allem Gewissheit, dass ich das nicht tun würde. Ich glaube kurz in den Augen von Annika gesehen zu haben, dass ich beinahe so cool wirkte, wie ich mich zu dem kurzen Moment fühlte. Auch wenn es kindisch und lächerlich klingt, dann liegt mir doch ganz ganz viel daran, dass mich meine Schwestern cool finden und einen großen Bruder haben, den man traut vorzuzeigen. An die Beiden musste ich viel denken. Hätten sie mich gefragt mit ihnen nach Hause zu fahren, hätte ich es getan.
Stattdessen gehe ich und möchte nach Korsika. Und so lief ich los, schaute aus Gewohnheit nicht zurück und machte Schritt nach Schritt unter dem Gewicht des Rucksacks, welches ich leider ein wenig verdrängt hatte. Die Stadt wurde langsam immer dunkler, die Straßen voller und froher und mir war ein wenig mulmig. Es stand wieder alles offen. Der Weg ein endlos langer vor mir und in jedem Moment könnte das Schlüsselereignis stattfinden, welches meine Reise am meisten prägen würde. Überall könnte die Person sitzen, die sich als nächstes zu einem Teil meines Lebens macht. In der Stadt hatte ich Leute angeschaut und war dann durch bis zum großen dicken Turm gelaufen. Vor jenem stand ich eine Weile, schaute aufs Meer und zurück in die Stadt hinter mir und konnte mich nicht entscheiden. Gezwungen sozial war ich noch nie zu gebrauchen und ich fühlte in mir auch nur ein stummes Verlangen nach Ruhe und Zeit für mich. Einen kleinen Weg links runter am Turm konnte ich im Dunkeln ausmachen und die grobschlächtig geschlagenen Treppen ging es hinab vorbei an Hinterhöhen von Hotels mit Sonnenstühlen und Pools bis zum ersten Strand, welcher auch mein letzter sein würde. In einer kleinen Hütte in der Mitte vom Strand sitzt ein riesiger Typ mit wohlgeformten Bauch. Er guckt belustigt und auf italienisch frage ich, ob ich wohl eine Nacht hier verbringen dürfte. Er mag meine Erscheinung und scheint ganz und gar nichts dagegen zu haben. Als jemand der wohl schon immer Meer um sich hatte, müsste er wohl am besten wissen wie schön und wichtig diese Art von Ort zum Rückzug und Schlaf finden ist. Er fragt zuerst noch, ob es mir gut geht und ich alles habe. Danach bin ich mir sicher, jemand gutes über mich und meinen Schlaf wachen zu haben, bevor ich mich in die letzte dunkle Ecke des hinteren Strandes verdrücke. Sein ganz heißer Tipp ist die Uhrzeit des Sonnenaufganges, der hier wohl das unglaublichste sein soll. Der Wecker ist auf dem Weg zum Schlafplatz gestellt und ich komme vorbei an einer einsamen Dame, die im Dunkeln im Sand sitzt und am Handy tippt. Ich laufe bevor ich schlafe noch einmal am Strand rauf und runter und als ich sie grüße, sagt sie etwas. Ich verstehe nicht was es ist und war mir sicher es wäre italienisch und kam deswegen kurz näher, um mich mit ihr zu Unterhalten. Wäre ich mit ein wenig mehr Mitgefühl und Bedachtet ausgestattet, hätte ich vielleicht gemerkt, wie meine Poncho Erscheinung bei Nacht wirkt, nachdem ich mich mit riesigem Rucksack an ihr vorbei schleppte. Ich möchte mir ihre Angst nicht ausmalen. Sie begann etwas auf ihrem Handy zu tippen und ich spürte immer noch nichts von ihrem Zustand, kniete mich neben mich und starrte gespannt auf den Google Translator. Sie war Spanierin, das hatte ich dann raus bekommen. Ihre Nachricht würde mich lange verfolgen und in tiefes Grübeln stürzen, denn was da als Text vor mir erschien, war trotz der Wortbarriere ein erbittertes Flehen. Die Worte schienen sich am mich zu hängen, an mir zu ziehen, aber mich gleichzeitig auch mit aller Kraft wegzustoßen. Ich konnte mir in dieser Sekunde nicht erklären, warum mich diese junge Frau anfleht wegzugehen, sie allein zu lassen und bitte auf keinen Fall wieder zu kommen. Sie bat mich inständig den Strand zu verlassen und ich war verdattert. Ich wollte ihr helfen oder etwas beruhigendes tun, aber diese Illusion war natürlich unangebracht, das wusste ich. Mein Schlafplatz war dreißig Meter entfernt und ich habe mich wenig vorzuwerfen, außer dass ich nicht auf ihren Wunsch eingegangen bin den Strand zu verlassen. Zehn Minuten nach unserem Treffen schlief ich und als ich morgens aufwachte und schwimmen ging, war sie noch da.
Wenn mich in meiner späteren Lebenszeit Frauen ansprachen und fragten, wie ich es schaffte so zu reisen, wie ich es in etwa fünf Tagen beginnen würde, dann stand ich vor einem Dilemma. Auf der einen Seite bin ich völlig überzeugt, dass Reisen einfach auch nur eine zu erlernende Sache ist und uns die Bildung darüber fehlt und wir die menschliche Basis aus den Augen verlieren, auf welcher jede Person jeder anderen helfen würden. Wenn mir Frauen sagen, es wäre für mich zwar möglich von Spanien nach Europa zu laufen, aber für sie aus Sicherheitsgründen nicht, dann kann ich das nicht völlig ablehnen und trotzdem bin ich weit davon entfernt ihnen zuzustimmen. Dass diese Welt ein beschissener Ort für Frauen ist, muss nicht diskutiert werden, aber dass uns allen Wege geschenkt werden, das eigene Potenzial zu entdecken und entsprechende Dinge damit anzufangen ist ebenso nicht zu leugnen. Nun wäre es da leichteste einer Frau zu empfehlen, sich einen verlässlichen männlichen Partner zu krallen und die Welt mit dieser Schutzwand zu entdecken. Wäre das Erlebnis allein zu reisen nun nicht das größte uns Menschen überhaupt geschenkte, dann wäre das okay. Aber wenn du als Frau alleine reisen möchtest, dann geht das auch. Es bedarf längerer Vorbereitung, einem ausgeprägteren Sinn für Gefahren und mehr Erfahrungen in einem sicheren Rahmen von Gruppenreisen oder eben zu zweit. Erst dann kann ich das überhaupt empfehlen. Welches Land zu wählen wäre, in welche Regionen man sich traut, zu welchen Uhrzeiten man an welchen Orten nicht zu sein hat, wie man Low-Budget oder gar ohne Geld unterwegs ist, von wem man Hilfe erwarten kann … das gehört alles zu der nötigen Bildung eines Reisenden. Für Frauen aber unendlich mal mehr als für irgendwelche Typen, die mit Norwegen im Winter anfangen können und dann auf gut Glück von Spanien nach Hause wollen. Es ist immer noch alles möglich. Man braucht eine gewisse Vorbereitung, die richtigen Menschen zum Üben und eine große Menge Glück. Dann gehört uns die Welt.
14.04.2025
Um fünf auf und gebadet an Spiaggia Rena Bianca, Sonne geht unglaublich rot auf, diese Spanierin wandert, Francesco tschüss gesagt und zum Hafen gegangen, Ticket für originalen Preis kaufen müssen, mit anderen gewartet, Deutschen zugehört, Leute analysiert, auf Fähre ausgeruht und in Bonifacio aufgewacht
Und damit haben wir es geschafft. Die nächste Insel liegt hinter uns und trotz des grausamen Fährenpreises von 34 Euro für diese viel zu kurze Strecke geht es mir gut. Bonifacio ist der südliche Anlegepunkt auf Korsika. Ich habe eine andere Fähre in fünf Tagen in Ajaccio gebucht. Da muss ich hin. Und damit können wir das Abenteuer Korsika’s eigentlich auch schon flüssig im Übergang beginnen lassen. Der entscheidende Teil meiner gesamten Reise begann hier - wie schön, dass ich dich dafür dabei haben kann. Komm noch ein Stückchen weiter und ich gebe dir eine Handvoll echter Schätze des Wissens über unser aller Leben und über unsere Möglichkeiten auf diesem Planeten, in diesem Dasein!