Bedeutungserklärung
Schmeckt wie es klingt. Vielleicht etwas hochgestochen, denn wer wären wir, wenn wir unsere Randnotizen und Kritzeleien Dichtung nannten? Im Endeffekt ist Erlebnisdichtung ähnlich wie jedes Video und Gruppenfoto oder Tattoo oder Messerklinge in einer Baumrinde - eine Momentaufnahme. Nur eben durch unser geballtes Worte-Sammelsurium.

Ziel und Zweck
Das Ziel ist es, einen Moment festzuhalten und das kann man am besten im Augenblick selbst. Man sitzt und schreibt über was einen grade umgibt. Man zielt darauf ab, die eigene gesamte sensorische Wahrnehmung, alle Gefühle, Einfälle und Regungen, jeden Aspekt des eigenen Erlebnisses in jenem Moment das Gewand der Worte überzuhängen.
Na und wieso? Tja - schreiben ist Reflexionsarbeit. Worte sind die Tautropfen unseres Geistes. Schreiben heißt verarbeiten, vertiefen, genießen und für die Zukunft aufbereiten. Diese Momente, einmal durch Worte im Detail erfasst, können unserem inneren Auge kaum mehr entfliehen. Es können Orte aus Augenblicken entstehen, an die unser inneres Treiben uns immer wieder zurück bringen kann. Zuflucht und Sicherheit. Aber noch viel schöner:
Man erschafft etwas aus Worten, einen Bruchteil des eigenen Erlebnisses, und gibt durch diese Worte einen Schlüssel für Andere, das Eigene auch selbst mitzuerleben. Es ist der direkteste Schlüssel an unsere Vorstellungskraft und das zählt für einen selbst und andere. Für dich wirst du einen Draht zu diesem Moment kreieren, den du durch das Geschriebene immer wieder besuchen kannst. Eine eigene Erinnerung durch eigene Worte festgehalten, lösen mehr Bildliches in einem aus, als es das kleine viereckige Bildchen auf dem Smartphone jemals könnte. Zudem trägt dieses Gerät leider maßgeblich dazu bei, dass wir unsere eigene Welt aus Erinnerungen immer mehr und vielleicht bald nur noch durch Fotos besuchen. Unser Weltenerlebnis ist eh schon davon bedrängt, dass uns kaum mehr Momente der Schönheit selbst gehören, sondern dass sie sich die Bühne mit der Kamera teilen müssen. Das scheint in jenen Momenten des Fotonehmens kaum schlimm, aber spätestens, wenn man die Erinnerung in der eigenen Ruhe des Geistes durch Fotos beschauen ersetzt, hat der brillante und wunderschöne Menschengeist etwas verloren.
Erlebnisdichtung bringt einen zurück zum Potenzial im Raume der Fantasie und Vorstellungskraft. Zwei völlig verschiedene paar Schuhe und trotzdem im Schreiben dieses Vorsatzes vereint. Unsere Vorstellungskraft sollte für uns den Wert von Gold haben. Dass sie das nur unterbewusst hat, ist nicht unsere Schuld. Unsere wäre es nur, wenn wir uns wissend gegen den Weg zurück zur Schönheit der eigenen Geistesbilder stellen. Aber hier ist der Weg... entscheide.

Ausführung
Jetzt ist das ganze keine Zauberei. Obwohl... da mir völlig fremd ist, wie die bildliche Vorstellung funktioniert, hat es wohl etwas magisches, aber der Ablauf des Festhaltens selbst ist einfach zu vollführen. Man nimmt sich etwas zum Schreiben. Spezialisten können gerne auf ihrem Handy anfangen, aber dürfen nicht vergessen, dass das einzig wahre Schreiben auf einem Papier stattfindet. Erst wenn die eigene Hand einen Stift über die weiche Oberfläche weißen Papieres fahren lässt, kommt der Freigeist in uns mit unserer Fähigkeit 'Echtes' auszudrücken in Verbindung. Irgendwo in 'Also sprach Zarathustra' hatte Nietzsche es sogar so ausgedrückt: 'Schreibe mit Blut: und du wirst erfahren, dass Blut Geist ist.' Muss jetzt echt nicht unbedingt sein, aber der Gedanke dahinter faszinierte mich. Was würde man schreiben, wenn jeder einzelne Buchstabe aus deiner eigenen wertvollsten, verbrauchbaren Substanz bestünde? Anderes Thema...
Für unsere Materie brauchen wir im Optimalfall also nur einen Stift und ein Papier. Einen Ort von jeglicher Bedeutung und fungierende Sinne. Was auch immer dir als erstes in den Sinn kommt, ist ein gelungener Anfang. Vielleicht beginnt es mit dem ersten Detail deiner Aussicht, deinem Sitzplatz, deiner Tätigkeit oder dem Gefühl den Boden zu berühren oder deine Kleidung an deiner Haut zu spüren. Vielleicht hörst du Dinge du beschreibst das Papier unter der rollenden tintengetränkten Kugel deines Stiftes. Was auch immer es ist, es wird echt. Das einzige zu Beachtende ist ein Fehler, welcher mir meine gesamte Schreibzeit immer und immer wieder unterlief. Ich floh aus jenen Momenten meiner Aufschrift und verlor mir stattdessen in was Geschehen war. Seit Jahren renne ich dem Moment hinterher und denke ihn erreichen zu können, wenn ih über alles bisher passierte geschrieben hätte. Eine Phantomjagd und für dich wünsche ich mir einen besseren Weg. Schreibe nicht über deinen Tagesverlauf und greife nur auf Erinnerung zurück, wenn diese in direktester Form von Dingen in deinem Moment ausgelöst werden. So eine Erlebnisdichtung kann eine Viertelseite füllen oder der Beginn eines Lebensromanes sein, welcher von einem Moment zum nächsten fließt und so sein Geäst aus Erlebten immer weiter strickt. Ein solches Werk ist ein Zeitenphänomen und von historischer Wichtigkeit, denn durch Erlebnisdichtung findet man so manchen Draht an das direkte Erlebnis eines Individuums. Ich wünschte meine Großeltern hätten mit einem solchen Aufschrieb mal einen oder zwei Tage ihres frühen Erwachsenseins gestaltet. Welchen unschätzbaren Wert eine solche Schrift nun für mich hätte.

Einbringung in mein Reisejournal
Na und wenn du mich, also Lennart, oder beim Künstlernamen Gen.ZM, schon kennst, dann erinnerst du vielleicht an die eine oder andere Stelle meiner Weltenreise der Pilgrim's Journey und wie ich versuchte bestimmte Eindrücke und Momente in Worten zu halten und so zum Nacherleben meiner Leserschaft zu konservieren. Der Schreibstil war ein einziges Gemisch... vielleicht sollte man sich dafür auch irgendwann mal entschuldigen. Aber ich hangelte mich beim Schreiben nur an manchmal stichpunktartigen Notizen meines Tagebuchs entlang, an Fotos und dann ab und zu mal eine Erlebnisdichtung. Aus diesem Netz sollte ich durch Erinnerung vereint dann die Bücher der Reise spinnen. Gibt wohl leichteres. Ich würde vieles dafür geben, dass ich öfter inne gehalten hätte und in jenen Fällen auch gerne mein immerzu gemiedenes Smartphone genutzt hätte, um Momente zu behalten. Mir hat wohl oft die Wertschätzung und Anerkennung der Schönheit vieler Momente gefehlt und ich wusste nicht, dass selbst das Festhalten von nicht schönen Lebensepisoden eine wunderbare Erinnerung wäre. Ob aus Schulstress um den Abschluss, Lehrzeiten mit Frostbeulen, Tiefs in zwischenmenschlichen Beziehungen und Trauer. Stell dir vor du hättest bei einem Spieleabend mit Familie aus der Jugend mitgeschrieben. Das alles ist unser einzigartiges Erlebnis und es verdient geschätzt und gehalten zu werden!

Falls es noch Fragen zum Moment und der Suche nach jenem geht, kann ich freche Eigenwerbung für The Garden Within machen. Auch nichts Neues, aber immerhin von Essenz...

Speaking of 'nichts Neues'. Das Wort 'Erlebnisdichtung' ist wie alles Gute, natürlich auch nicht meins, sondern nur 'übernommen'. Das süße kleine Geschwisterkind-Wort für 'geklaut'. Aber vielleicht kann dieser Diebstahl noch grade gebogen werden, wenn mit jenem der Ursprung größeren Zulauf bekommt. Es ist mein liebstes Gedicht aus Schulzeiten. Ulla Hahn hatte es verfasst und es trägt den Titel 'Ars Poetica'. Bevor ich meinen Deutschlehrer kränke, welcher es in einer solch überwältigenden Weise dargelegt hatte und die Flamme der Begeisterung in mich übertrug, und ich einfach was Falsches erzähle und interpretiere, verknüpfe ich hier einfach die Datei und alle sind herzlich eingeladen mal hinein zu stöbern. Nicht erschrecken - bei den ersten drei Mal durchlesen versteht man kein Wort...

Nomina si pereunt, perit et cognitio rerum.
-Carl von Linné
Wenn die Namen verschwinden, verschwindet auch das Bewusstsein der Dinge.

(Für jene, die es grade tatsächlich interessiert, gäbe es drei Schriftstücke in kurz, die ich zu meinen Liebsten zähle. Ars Poetica von Ulla Hahn, Dunkel war's und die Zueignung von Faust, Goethe. Vierstropher und das wohl mich tiefbewegendste Stück Schrift meiner gesamten Zeit als junger Mensch.)

Die Rotation Gen.ZM
Nein, das auch noch! Man dachte fast, man könnte mal einen einzigen x-beliebigen Artikel von mir durchstöbern, ohne auf adipöse Zukunftsideale meiner selbst zu stoßen. Pech gehabt. Unsere Bewegung in Form einer Deutschlandrotation steht weiter an. Beginn ist das Frühjahr 2027. Keine Ahnung wann du das grade liest. Zu Fuß, ohne Geld aber mit einem Verein im Rücken, reise ich durch Deutschland und versuche Gen.ZM e.V. an so vielen Schlüsselpunkten wie möglich zu initiieren. Die Erlebnisdichtung soll auch hierfür eine besondere Rolle spielen. Die Schrift auf Papier als Gesamtes sowieso. Einladungen für Neulinge zum Verein, sollen von wissenden in Briefform gefasst sein, also Papier und Tinte, und wenn ich zum ersten Mal in eine Ortschaft komme und das Ersttreffen organisiere, dann wäre es das größte Kompliment Erlebnisdichtungen der Anwesenden in diesem Zusammenkommen zu finden. Generell sollen die Einblicke und somit die Werbung zur Weiterverbreitung Gen.ZM's von den Besuchenden des Vereins selbst kommen, die ihr Erlebnis in der besprochenen Form der Dichtung mit der Community und dem Land der Neulinge teilen. Und ich glaube, mehr hätte ich gar nicht loszuwerden. Das war's! Entdecke die Schriftweise für dich selbst.

Erlebnisdichtung!

Erlebnisdichtung