Marx… ah, was für ein hässlicher Name! Die Meisten die ihn schon gehört haben, werden verängstigt zurück schrecken und sich fragen, warum dieser Mann, der irgendetwas mit Kommunismus zu tun hatte, hier aufgeführt wird. Glücklich diejenigen, die grade nichts besseres zu tun haben und unverbunden gucken möchten, um was es denn geht. 

Weniger interessant für uns ist heute, wer genau dieser Mann war, unser Karl. Er ist schließlich schon länger tot und die Welt hat er auch nicht gerettet, egal wie toll seine Ideen auch sein mögen. Aber warum kennen ihn dann Leute? Und was lässt ahnungslose Systemler erschrecken, wenn sie diesen Namen des kapitalistischen Schrecken hören? Relativ einfach. Er hat weltverändernde Ideen in die Welt gesetzt und sowas beängstigt Menschen, wenn sie zur Zeit durch Falsches profitieren. Ausserdem macht neues Ideengut immer ein wenig mulmig in der Magengrube. Wir wollen aus Unzufriedenheit heraus immer alle Veränderung, aber sich selbst dafür zu ändern… - das möchte man bitte nicht! Was genau Marx ändern wollte, ist weit gefächert. Er hatte angefangen, wie wir in diesem Buch, das Problem und dessen Kern allen Leids zu verstehen, um es dann durch Worte zu bekämpfen. Er analysierte den Kapitalismus ins Tiefste und legte seine Widersprüche und Fehler offen - seine ausbeuterische Natur und wie dreckig dem Arbeiter geschehen würde. Es zog das System nackig aus und stellte es öffentlich völlig bloß. Mit seinem gewaltigen Verständnis kreierte er auch einen ganz neuen Ansatz wie Menschen in Friede und Gleichheit leben könnten, ähnlich wie wir das ja wollen. Es hat seinen Ansatz so konkret und vollständig gemacht, dass es seither Grundsatz unzähliger gutstrebender Menschen wurde. Ihm ging es damals vor allem um das Wohl des Arbeiters. Das war seine Fan-Crowd. Wir haben heute den Vorteil, dass wir uns um alle Menschenleben und um unseren Planeten fürchten müssen und damit haben wir eine doppelte Motivation zur Veränderung. Nichts tun ist gar keine Option mehr, weil das Thema nicht relevanter sein könnte. Wir haben ein existenzielles Problem vor der Nase…

Um Marx besser zu verstehen, müssen wir wie er zuerst das System in dem wir leben betrachten und verstehen. Es wird an dieser Stelle sehr sehr grob und einfach…

Es beginnt so spannend, wie es endet. Wir werden geboren. Fertig. Unsere Eltern ziehen uns auf, ernähren und kleiden uns mit dem was sie von dem Geld, welches sie über den Tag erarbeiten, kaufen können. Wir nennen das den individuellen Wohlstand. Außerdem haben sie einen Wohnort, den sie mit Wasser und Strom und anderen schönen Sachen versorgen können und wenn uns was mal passiert, können wir ins Krankenhaus sausen und werden versorgt, ohne dass unsere Eltern dafür arm werden müssen. Gesundheit ohne Familienruin ist doch was feines… das ist übrigens ein Privileg, von welchem die Wenigsten von uns das ganze Ausmaß begreifen. Dann gibt es noch die Schulen - ein System welches uns beibringt wie wir unser Gehirn in der Gesellschaft nutzen können, wie wir Probleme lösen und Aufgaben bewältigen. Es bringt uns Sprache und Zahlen bei, erklärt uns die Welt wie sie ist und war und ermöglicht uns einen sozialen Kontakt, den wir als Menschen so sehr brauchen. Sie lehrt uns ein wenig darüber, wie wir interagieren und kommunizieren und Mensch sein können, ohne an unserem System anzuecken. Danke Schule!

Nach ein paar Jahren kostbarer junger Jahre haben wir das Meiste gelernt und können nun beinahe frei entscheiden, ob wir direkt für den Rest unseres Lebens arbeiten gehen oder ob wir uns noch nicht genug gebildet haben. Manche nennen es Studium, andere Prokrastination. Die Illusion der Wahl für ein ‘gutes’ Leben. Manche von uns können dann durch Glück, gebildete Eltern, ausreichend Geld und anderer Privilegien studieren gehen und sie haben die Chance jeden Beruf auszuüben, den sie sich wünschen, wenn ihre Noten passen und man sich genügend Einzelstunden der Nachhilfe leisten konnte. Schlau sein ohne Dokumente hat aber auch anerkannte und ruhmreiche Positionen im System. Viele von uns arbeiten später nur in wenigen Arbeitsfeldern in ihrem Leben. Sie sind schließlich auch nur für einige durch ihre Bildung dafür qualifiziert und dadurch rechtfertigen wir den schmalen Grad an Erfahrung... viele Individuen erleben sogar nur Eines. Das muss nichts schlechtes sein und es passiert alles mehr oder weniger freiwillig und wird von mehreren Faktoren festgelegt. Zum einen ist es wichtig wie viel man verdient, na klar. Kinder fragen Erwachsene nicht ob es Spaß bereitet oder ihnen eine tiefere Freude gibt, sondern wie viel sie in ihrem Job verdienen. Hat man genug Geld, kann man die Wohnung und alles zum Leben benötigte bezahlt werden und man hat ein wenig Freizeit neben dem Arbeiten, um selbst zu leben. So die Theorie. 

Hat man nun einen schlechten Job, eine hohe Miete oder vielleicht sogar Kinder, sieht das Ganze schon ganz anders aus. Sobald ein zweiter Job angenommen werden muss, um zu überleben, hat der meiste Spaß dann sein Ende gefunden. Im Tierreich nennt man etwas ähnliches ‘The struggle for life’, ein Prozess der durch Hürden die Stärkeren herausfiltert, nur dass das hier nicht zutrifft. Es sind keine natürlichen Gesetze, die entscheiden, sondern soziale Umstände vielerlei Art. Oft entscheidet sich die Lebenssituation nicht auf Fairness, da manch andere viel erben, oder man selbst andere zu versorgen hat, oder Schulden trägt, in einer Gegend mit unverschämten Mieten wohnt, kranke Eltern hat oder einfach keinen besseren Beruf erlangen kann. Es scheint Willkür zu ein. Wenn wir neben dieser Art des Lebens - also geboren werden, Schule, Arbeit, eigene Kinder, Rente und Tod - auf das schauen, was unser Leben eigentlich so besonders, spannend und einzigartig machen kann - was zum Beispiel Weltreisen, das Treffen mit Freunden, Hobbys, kreative Auslebung oder leckeres Essen sein kann - dann merken wir, dass wir unter diesen Umständen weniger Zeit für das haben, umso mehr wir von Arbeit und Geld abhängig sind. Allerdings brauchen wir Arbeit und das damit verbundene Geld unbedingt, sonst können wir keine Wohnung bezahlen, nicht uns und auch keinen Mitmenschen ernähren und vor allem auch nicht in den Urlaub fliegen, fahren, laufen oder unsere Freizeit mit den Dingen gestalten, die uns Spaß machen, denn selbst die kosten Geld. Ohne Geld scheint gar nichts zu funktionieren… aber sind wir nicht Menschen auf einem Planeten, der erst ein paar tausend Jahre die Währung Geld kennt? Wie funktioniert denn Leben, wenn man nicht von unserem Zeitumstand geblendet werden würde. Die Frage begleitet uns noch eine Weile. Wie lebt ein natürlicher Mensch, was haben wir verloren und was können wir durch Bildung zurück gewinnen... 

Viele wird dieser Text nicht im Ansatz betreffen, geschweige denn interessieren, sie haben sich schließlich gebildet, verdienen und wirtschaften gut - man liest sogar Bücher. Sie haben satte Kinder und sind jedes Jahr mindestens einmal im Auslandsurlaub und im Supermarkt wird nicht auf die Preise geschaut und Bio gekauft. Viele andere, vor allem junge Menschen, sind aber vielleicht des Öfteren den Tränen nah, wenn sie sich ihr Leben unter den Umständen vorstellen müssen, wie sie es bis dahin erlebt haben. Mietpreise, die immer höher steigen, Inflation, Pandemien, Affenpolitik und unser Verstand gegen die KI... Das alles wäre genug, um unsere missliche Lage zu rechtfertigen, aber zusätzlich muss das Gehirn mit der Frage umgehen: lohnt sich das jahrzehntelange Schaffen und habe ich die Chance auf ein Leben wie es andere grade führen? Kann ich in dieser Welt alt werden und bekomme ich Kinder oder sterbe ich im Jahr 2045 in einem Krieg, an Wassernot, in einer ausartenden Naturkatastrophe oder an verhinderbarem Krebs? Wie soll ein junger Mensch unter diesen Umständen vernünftig denken können? Wie kann man wollen, dass Generationen, die ihr Leben noch nicht nutzen konnten, um zu erleben und zu sein, ihre gesamte Zeit von jung auf in eine Arbeit stecken, die ihnen womöglich nicht gefällt, die sie körperlich oder durch Stress zerbrechen lässt und die keinen Lichtblick der finanziellen Freiheit am Ende des Tunnels bietet, ohne dass sie je richtig raus kamen, frei waren, ein Leben des Abenteuers und aller Möglichkeiten vor sich hatten? Das ist die höchste und frechste Zumutung, die nach einer gewissen Befreiung verlangt. Arbeit ist keine Wahl wenn sie nicht frei gewählt geschieht, sondern ein Gefängnis auf überlebenslang. Die Basis jenes Gefängnisses ist in unserem Kopf manifestiert und hält uns sicher in der Zelle des Lebens mit einem Ausblick durch Gitterstäbe auf die echte Welt - wie ein schwarzer Panther in seinem Käfig. Die Unfreiheit beginnt in unseren Köpfen. Freiheit kann insofern auch beigebracht werden. Bildung ist wie immer der Schlüssel, nur erinnern wir uns, dass Schulen das beibringen, was wir für das Leben aus Arbeit im System benötigen. Echte Bildung der Welt, des Menschseins und des Lebens braucht andere Orte - und das Reisen. 
Marx meldet sich nochmal. Er wollte Folgendes:

Die Abschaffung des Kapitalismus. Die Beendigung der absoluten Abhängigkeit des Arbeiters vom Arbeitgeber und dessen Geld. Er wollte, dass alle produzierten Waren auch allen gehörten - aufgeteilt je nachdem wer wie viel leistete und wer wie viel benötigt. Der Mensch solle nicht unter Zwang arbeiten, sondern das selbst gewählte Feld an Arbeit aus freiem Willen verüben, um sich selbst zu entfalten. Wie wunderschön sind diese Worte einer Weltvorstellung? - Er wollte beenden, dass Arbeit nichts mehr mit dem eigenen Wesen zu tun hat. Dass man ein Produkt anfertigt von dem man selbst nichts hat außer das bisschen Geld, welches für den Arbeitenden* abfällt. Er verabscheute, dass man so viel arbeitet und dafür nur den Mehrwert - den überschüssigen Gewinn am Produkt - für den Kapitalisten erzielt und selbst nur das Minimum, dass man zum leben, also zum Erhalt der eigenen Arbeitskraft, verdient. Wir werden lediglich abgespeist mit einem winzigen Anteil, der grade ausreicht, um uns in der jetzigen Situation der Wirtschaft und Welt am Leben hält. Der Erhalt unserer Arbeitskraft. Wir in Deutschland haben Glück; der Standard ist zur Zeit noch hoch. 

Der Firmenbesitzer wird immer reicher und das eigene Leiden über das Tag für Tag Gleiche nimmt kein Ende. Wären Unternehmen nicht Profit orientiert, könnten sie das Plus, welches sie durch ihre verkauften Waren erwirtschaften, a den Arbeiter geben, damit der etwas von seiner guten Arbeit hat. Aber das wäre sozial. Stattdessen reinvestieren Unternehmen alles, um als Firma zu wachsen und selbst mehr zu akkumulieren. Wachsen wachsen. Wie Kinder oder Krebszellen, mehr fällt mir dazu nicht ein. Das kann zu mehr Arbeitsplätzen führen, allerdings werden diese genauso gering bezahlt und zusätzlich steigt die Konkurrenz zwischen den Arbeitern, die sich am Ende noch mehr ausnutzen lassen müssen, um ihren Platz nicht zu verlieren. Wenn man die Arbeitsstelle verliert, verliert der Arbeitnehmer* neben der Stelle womöglich auch die Wohnung und die eigene Sicherheit. Man kann seine Familie nicht ernähren und könnte am Verlust der Arbeit zugrunde gehen. In dieser Sichtweise ist beinahe jeder gefangen in diesem System. Frei sind auch jene mit allem Geld nicht. Sie sind gezwungen weiterhin zu profitieren und auszubeuten. Ehrlich auch keine schöne Arbeit. Wir können nur sehr sehr schwer ohne Geld und müssen zwangsweise das untergeordnete Opfer des Systems sein, um mitschwingen zu können. Freiwillig benachteiligt. Wir können nicht frei entscheiden wann wir arbeiten, was wir arbeiten oder mit wem, sondern müssen uns fügen, um das Elixier verabreicht zu bekommen, welches uns am Leben hält und die Welt zu zerfressen scheint. Geld! 

Das sind elementare Probleme des Kapitalismus und obwohl es genug Leuten fantastisch geht, allein durch ihre lebenslange Arbeit ohne dabei reich geworden zu sein, liegt trotzdem ein fauliger Geruch in der Luft. 

In Marx’ Zeit ist die Knechtschaft und ihre Arbeitsverhältnisse so schlecht gewesen, dass Menschen tatsächlich bereit waren zu handeln. Inzwischen ist der Kapitalismus fortgeschritten und erreicht bald das Endstadium. Dieser Fakt ist es wert besser verstanden zu werden. Hier beginnt dein Selbststudium. Der Vorteil dieses kurzen Zeitraums in dem wir uns befinden, ist, dass es den Reichen so gut geht, dass selbst wir als untere Klassen ein angenehmes Leben führen könnten, wenn wir all unsere Arbeitskraft verkaufen und uns dem System stumm und freundlich fügen. Wichtiger Hinweis ist, dass das nur aus dem Sichtwinkel des Konsums tatsächlich handfest ist. Es wird einfach so viel produziert, dass der Wert der Sachen sinkt und sinkt, und wir mit dem bisschen Geld in der Tasche auch billig und viel konsumieren können - großartig! Bis auf dass wir immer noch Gefangene sind, keine freie Zeit haben, nichts individuelles an unserem Leben finden, nichts Kreatives schaffen, nicht unser Buch schreiben können und die Weltreise, die wir schon immer geplant und erträumt haben, immer weiter verschieben in der Hoffnung, dass in der Rente etwas daraus wird, weil man ab da ja so viel Geld und Zeit hat, stimmt’s? Wir definieren uns inzwischen durch unseren Besitz und unsere Arbeit… zumindest das hat das System geschafft zu überschreiben. Unser Besitz hat einen unfassbaren Stellenwert bekommen, der unseren krankhaften Konsum tatsächlich rechtfertigen könnte. Unsere Träume wurden mit Geld erstickt und uns wurde die Idee eingepflanzt, dass wir durch Materielles sein können. Umso mehr wir haben, umso besser sind wir. Herrlich, wie einfach der menschliche Verstand auf so einen Raub des eigenen Potentials reinfallen konnte. Wir müssen umdrehen. 

Wir geben unsere einzigartigen und besonderen Leben auf, um sie für ein paar Euros die Stunde Jahr um Jahr an jemand anderen zu verkaufen und uns mit dem Resultat zufrieden stellen. Wir streben das Leben der Generationen vor uns an und wollen endlich unsere Familie gründen, egal in welchem höllischen Schlamassel die Welt grade steckt. Wir möchten den großen Vierräder und die eigene Firma, den eigenen Wohlstand und Erfolg. Vergiss wie das System wirtschaftet!

Unser Lebensumstand wird sich in der Zukunft radikalst verändern und wenn es soweit ist, kommen selbst die besten Ideen und Versuche zu spät. Der Schlüssel zu unserer Rettung liegt darin, das Problem frühzeitig zu erkennen, die Entwicklung der Dinge klar zu sehen, zu reflektieren, sich zu bilden, mit anderen darüber zu reden, gemeinsames Bewusstsein zu erschaffen, uns zu organisieren und außerhalb des Komforts zu handeln - also obwohl es uns zu dieser Zeit eigentlich noch gut geht schon zu allem Nötigen bereit sein. Wie das geht, kommt später. 

Wenn wir uns nicht aufraffen und dazu bekommen zu handeln, ist alles Schaffen, alle Energie, alles Leben umsonst gewesen und unsere Leben, unsere Arbeit und unsere Kinder werden keine Zukunft in der Schönheit dieses Planeten haben. Die Hölle auf Erden, gebaut auf Milliarden Leichen wartet hinter dem Vorhang auf dessen Auftritt. Noch sind wir auf der Tanzfläche und können das Theaterstück selbst schreiben. 

Der Untergang ist eine schlimme Vorstellung. Wir müssen uns aber damit konfrontieren, sonst können wir auch keine Hintergründe erkennen. Dieser Umstand wird von Menschen erzeugt. Das Leiden der Welt geht auf konkrete Positionen zurück. Ich kenne ein paar und du vielleicht auch. Und es heißt wir gegen sie. Das soll uns nicht radikalisieren, sondern uns nur zum geeinten Handeln zum Mensch-Sein und Mensch-Bewahren bewegen. Es beginnt nun und dieses Streben kann nicht auf Dich verzichten. 

1.3.2 Marxismus - Materie des Würgreizes oder Zukunftsideal? - Zu-Le-le