Unsere jetzige Art des Verweilens hat so manchen Vorteil. Wenn ich auf alle eingehen würde, wäre dieses Kapitel unüberschaubar. Wenn ich allerdings wagen würde, im Ansatz die Nachteile des Systems zu analysieren, dann entstünde im Nu ein Buch wie jenes hier. Will ja keiner. Also halten wir die Vorteile lang und Nachteile kurz - man möchte von Zeiten ja auch mal schönes zu lesen bekommen. 


(Ich stelle im Folgenden die Dinge dar, die unser Leben spezifisch hier in Deutschland ausmachen und impliziere unser Zeitalter direkt als Standart.)


Eine Sache, die jeden Gedankenexkurs wert ist, wäre der Umstand unseres Daseins in genau diesem Moment, welches nur durch eine unendliche Reihe an unzählbaren Zufallsanreihungen hier her führte und mit jeder kleinsten Änderung der Vergangenheit nicht zum selben geführt hätte. Dieses Leben und dein persönliches Dasein ist ein Teil des Unwahrscheinlichsten was jemals geschah. Dass überhaupt etwas geschah, muss wohl das absolut Überraschendste für alle gewesen sein. 

Niemand wäre an Ort und Stelle, wenn nicht in genau jener Zeit diese witzige Anreihung an universellen Zufällen, die uns genau hier abgesetzt haben, eingetroffen wären. Wenn wir nun kurz da sitzen, das verdauen und wieder bewusst darüber werden was dieser Moment, in dem wir leben, ist und welcher Pfad gepflastert aus Momenten der Vergangenheit zuvor ging, dann haben wir wieder ein ungefähres Verständnis der Zufälligkeit aller Dinge und ihrer möglichen Entwicklung. Die Vorstellung ist aber gruselig. Vielleicht war es also auch Gott, die alles genau so vorhergesehen und designiert hatte. Who am I to judge?

Übrigens! Laut jener Theorie des Zufalls und der Anreihung Aller in der Vergangenheit, hätte jeder Tote mehr im Steinzeitalter Millionen weniger Menschen im Jetzt als Auswirkung - genial oder? Einer hätte nur unglücklich stolpern müssen; eine Eizelle nur jemand anderen herein lassen und deine Schwester wäre auf einmal eine doofe Kröte oder wir hätten keinen Faschisten als amerikanischen Präsidenten. Oder zumindest nicht diesen... der blaue Schmetterling, den manche von nicht endenden WhatsApp-Emoji-Listen kennen, verkörpert genau jenes Phänomen - den sogenannten Schmetterlingseffekt. Vielleicht später mehr dazu.

Unsere Zeit besteht aus diversen Aspekten, hier die Offensichtlichen: das angesprochene System aus Staat und seinen Organen, aber vor allem uns Bürgern. Dann gibt es die Gesamtheit der Komplexe, die uns am Leben hält und unser Leben erschafft. Das fängt bei einem Gesundheitswesen an, über Bildungsangebote, Recht und Ausführende, dann alle Angebote die unser Konsumverhalten ermöglichen und auch Vereine in denen wir unsere Interessen ausleben können.

Der Fakt, dass all diese aufgelistet werden als Grundlage unseres Lebens ist ein unfassbares, ein wirklich nicht begreifbares Privileg. Wir können uns und unserer Familie ein Leben ermöglichen, von dem man davor nie hätte träumen können und beweisen, dass es einigen wenigen, vielleicht sogar gesamten Völkern, sehr gut gehen kann, während andere leiden und ums Überleben kämpfen. Wir leben völlig sicher, völlig frei von echten Überlebensängsten, müssen nicht hungern, werden bei Verletzung versorgt und sind uneingeschränkt was unsere Meinungspreisgebung angeht, ansonsten könnten Bücher wie diese nicht existieren. Entweder ist das System so offen, dass es zulassen würde, wenn sich seine Bürger neu orientieren und nicht mehr Teil des Alten sein möchten oder der Kapitalismus ist sich so sicher uns von sich abhängig gemacht zu haben, dass wir es auch nicht mehr ändern könnten und der Sturm aus tausend verschiedenen Meinungen im luftleeren Raum in welchem sich Menschen nur mit Worten zerfetzen, käme jenem System der Spaltung und Ablenkung sogar zugute. 

Jedenfalls haben wir alles was wir brauchen und weit aus mehr. Von der indigenen Lebensweisheit, man nehme so viel wie man braucht zum Leben, ist in unserer Welt nichts mehr zu sehen. Aber trotzdem scheint es so perfekt… jeder kann machen was er oder sie möchten im Rahmen der Gesetzte, wir können sogar essen was wir wollen und haben genug medizinische Angebote die Folgen davon auszukurieren. Und bei jenen, die nicht auszukurieren sind und final Krebs auslösen, dient man einer Forschung, die sich nicht beschweren könnte eine größere Testgruppe zu bekommen. Alles Fortschritt was da rauskommt…. 

Wir können sagen was wir wollen, reisen wohin uns grade steht und völlig genießen an der Spitze der Nahrungskette zu stehen, auch wenn wir das nicht wirklich tun. Der Mensch ist schon längst nicht mehr als diese eine Form von Tiergattung zu sehen. Nebensächlich. Und wenn wir zurückschauen, geht es uns schon seit einiger Zeit erstaunlich gut. Wir haben Jahrzehnte langen Frieden hinter uns, ein historischer Sonderfall und zudem leben wir auf einem noch nie da gewesenen Niveau, auch wenn ich mich zurückhalten muss, das zu berichten. Warum also alle diese Beschwerden und diese ganze Kritik? Wie kann man es wagen, die gesamte Arbeit der vorausgegangenen Generationen so zu beleidigen wie mit diesem Buch, alles schlecht und unzureichend benennen und selber aber auch nichts ändern? Nun, ich hab keine Ahnung was es genau ist, was uns alle an dieser Zeit stört, aber wenn ich es möglicherweise mit diesem Buch ein Stück weiter heraus finde, dann würde ich alle meine Lebensenergie, die mir nach bereits zwei vergangenen Wochen des Fastens noch bleibt, darin verschwenden die Welt auf den Kopf zu stellen und nicht nur ohnmächtig daneben zu stehen wie alles zu Grunde geht… junge Menschen und ihre angeschwollenen Gedanken - was für ein Geyappe (Jugendwort, glaube ich). Ein ödes Geschwätz, welches man sich geben kann oder es vielleicht besser ignoriert, sagen Sie es mir. 

Es stellt sich einzig und allein die Frage, wie kleine verwöhnte Pisser wie ich, nach 20 Jahren ihres Lebens und völliger Verhätschelung auf den Trichter kommen, etwas liefe falsch. Das ist doch Wahnsinn! Wer sind wir über jenes zu urteilen und was wollen wir schon machen, wenn es etwas zu ändern gäbe? Sind wir nicht in der Position von jenen, denen es zu gut geht? Sind die jungen Generationen nicht viel zu schlapp, schlecht erzogen, abgelenkt und arbeiten zu wenig, als dass wir etwas in die Hand nehmen könnten? Hängen wir nicht nur am Handy und verschwenden unser Leben um genauso hirnlose, unhinterfragende Verbraucher wie der Rest zu werden? Und trotzdem… sind es nicht auch wir, die mit dem Informationsnetz Internet aufwachsen und jeden Tag vor Augen geführt bekommen wie am Ende diese Welt ist, wie viel Leid und Missstand herrschen und wie alle verzweifelt nach Hilfe schreien, auch wenn wir es bis hier nicht hören können? Wissen wir nicht ganz genau welche Dinge auf uns zu kommen und fürchten uns zu Tode ob irgendjemand dieses Jahrhundert überlebt? Vielleicht nicht unbedingt. Vieles wissen wir nicht und die Umstände treiben einen auch nicht ständig in den Abgrund. Es gibt Lichtblicke bis zu einem bestimmten Punkt. Aber wie in aller Welt soll man als junger Mensch rational denkend entschließen, seine Lebenszeit einer völlig unpersönlichen Arbeit zu widmen, für ein bisschen Geld, welches kaum für Wohnung noch Nahrung oder Hobbies, geschweige denn Reisen und eine prächtige Freizeit ausreicht? Wie kann man das von einem menschlichen Leben erwarten, welches am Anfang steht und gespannt auf alles kommende sein möchte? Wie soll ein Streben so im Keim erstickt werden? Wie soll die Welt so funktionieren? Nur über eins kann man sich gewiss sein. Wenn der Gedanke der Veränderung mit der Möglichkeit sich dafür einzusetzen und Praktisches zu erreichen vereint, und beginnt Gestalt anzunehmen; wenn uns allen die Chance gegeben wird, das erste mal in unseren kurzen Leben das Richtige zu tun und zwar nichts minderes zu erreichen als unsere Welt zu retten, dann kann man allen die dagegen sind nur versprechen, ein massives Problem zu haben. Welcher Zustand wenn nicht dieser, der völligen Ungerechtigkeit, Ausnutzung höchsten Grades und Leid vereint durch Hunger, Wassermangel und Kriege, und zusätzlich aller anderen kommenden Klimakatastrophen, sollte in der Lage sein den größten Aufstand der Welt zu entfachen, der jemals wahr werden könnte? Es scheint unsere Zeitepoche, unsere Generation und wir selbst dafür auserwählt, dass wir es anpacken und mit aller Kraft den Zug zurück auf dessen ursprüngliche Wege geleiten, bevor es ein grauenhaftes Unglück verursacht. Welches Szenario verspricht noch mehr Veränderung, wenn nicht dieses? Auf welcher Seite dieses Kampfes um die Welt man sein möchte, wird den Meisten sich selbst überlassen sein. Dass diejenigen, die gegen Umweltschutz und Veränderung zur absoluten Nachhaltigkeit sind, aber in beiden Szenarios verlieren, sollte jedem so schnell wie möglich klar werden.

Welche echten Vorteile verbergen sich also hinter all diesem Graus einer Epoche?

Zum einen haben wir die Möglichkeit uns zu jeder Zeit zu bilden und mit anderen in Kontakt zu treten und das alles mit dem kleinen Gerät, welches in unserer rechten Hosentasche steckt. Nur müssen wir es auch so nutzen können und nicht zulassen, dass es unser aller kostbarstes Gut verbraucht. Unsere Zeit - viel haben wir nämlich nicht. Stattdessen sind wir verpflichtet es nach allen Regeln der Kunst zu unserem Vorteil zu gebrauchen - dieses gruselige Ding, dieses unverständliche Technikbündel mit dem blinkenden Viereck. Gedankengut, welches diese Zeitepoche braucht, könnte zu keinem anderen Punkt in der Menschheitsgeschichte so viele Menschen erreichen wie heute. Niemals könnten wir mit der ganzen Welt kommunizieren, wenn nicht im Namen des Internets, aber genau auf das muss es hinauslaufen. Um die Welt zu retten muss auch die gesamte Welt vernetzt sein. Kommunikation ist der Grund warum wir an der Spitze der Nahrungskette, an der Spitze der gesamten Evolution stehen, also lass uns das auch nutzen! Niemand anderes kann das für uns tun. Keine Firmen, keine Politiker und ganz bestimmt keine nächste Generation. Es sind genau wir, die alles, ja wirklich alles in der Hand haben und nur wir können der alten Generation zeigen, was wirklich getan werden müsste oder wir enden genauso wie sie, unter dem mit Hass und Verzweiflung versetzten Blick der nächsten Generation auf uns, für alles was wir versäumt haben. Das darf nicht passieren - wir brauchen Bildung, um uns von dieser Abhängigkeit zu lösen und das Gerät, welches uns versklavet und unsere kostbarste Lebenszeit raubte, für unser Streben zu Instrumentalisten und damit Gutes zu tun. 

Ich hoffe dich nicht allzu sehr mit solchen Worten zu schocken. Er wäre kein Problem, wenn du nun dasitzt und immer noch keine Ansätze zum Handeln gefunden hast, was dich bestimmt schon einige Male zur Verzweiflung gebracht hatte. Dabei ist der erste Schritt ganz einfach. Finde heraus wem dein Anliegen auch am Herzen liegt. Uns auf sozialen Plattformen zu folgen, ist der direkteste, einfachste aber auch wirklich nur erste und aller kleinste Schritt zum Ziel. Suche weiter und bilde dich durch Erkenntnis über die Vielschichtigkeit der Projekte und Gruppen, die sich genau für das selbe einsetzten. Merke, dass du keines Wegs allein bist und um dich herum unzählige Andere mit gleichen Gedanken ruhen. Informiere dich über deine Gegend, deine Gemeinde, deine Stadt und Projekte an denen man teilnehmen kann oder sei einer der Wenigen, die ihr Licht nach außen tragen, welche dann selbst etwas starten. Die Person die hier schreibt, hat auch einfach angefangen und kein Plan gehabt, was dabei rauskommt. Und Ahnung habe ich auch keine über was ich hier schreibe. Aber wenn du diese Worte hier liest, dann heißt das bereits, dass ich vollen Erfolg hatte. Nicht weil ich viele Bücher unter die Leute brachte und deswegen nun in Geld bade, sondern weil ich es geschafft habe, dass meine Gedanken nicht mehr für mich alleine zur Verfügung stehen, sondern weil du sie gelesen hast und sie vielleicht etwas in dir bewegen. Was wirst du also tun? Sprichst du gleich morgen deine Mitschüler oder einen Arbeitskollegen an und wirst merken, dass viele dein Interesse teilen? Vielleicht auch nicht, aber umso klarer wird dir dann werden, wie wichtig es ist, dass sie wüssten wie es um unsere Welt steht. Sehe es als deine persönliche Aufgabe dich über Themen zu bilden, um andere zu bilden. In Gesprächen mit Familie, Freunden oder Fremden in der U-Bahn, oder schreibe Artikel und Stories, um sie online schwirren zu lassen. Das Persönliche hat dennoch und auf Ewigkeit seine Priorität. Menschen, welche Energie ausstrahlen und zeigen, dass sie was tun möchten, sind wie das Licht unserer Welt und wir, der Rest, sind die Motten. Wir werden uns um die versammeln, die die richtigen Ideen haben und alle zusammen alles in unserer Kraft tun, um diese Besserung auch zu erreichen. 

Du bist der Draht unseres Strebens in die Welt. Hier versuchen wir die Vision unter die Menschen zu bringen. Du bringst sie unter deine Mitmenschen. Wir spinnen das Netz unserer Bildung, welche es braucht um ein neues Bewusstsein zu schaffen. Neue Werte, neue Klarheit über das Kommende, neue Möglichkeiten Veränderung zu erwirken. Wer wenn nicht wir?

Zweifel also wenig, und wenn du es tust, dann verstehe bald darauf, dass die Welt hinter dir steht, vielleicht nicht immer ihre Menschen - Menschen sind nicht perfekt - aber die Welt selbst, die um ihre Gesundheit bangt. Wir sind diejenigen, die die Hilferufe als erstes verstehen und tatsächlich handeln wollen. Über uns werden Geschichtsbücher geschrieben, weil wir die Geschichte durch unser Handeln schreiben! Sei also stark und nehme allen Mut zusammen. Wir, die Menschen und ihr schöner Planet brauchen dich! Schaue zuerst auf dich selber, nähre dein Wissen und sei gewiss, dass es Hoffnung gibt, denn es gibt dich, und du interessierst dich und du möchtest handeln. Und es gibt uns, die unzähligen Anderen, die darauf warten dich zu finden. Als nächstes sprichst du mit deinen Nächsten, erfragst ihren Wissensstand und was sie für die Zukunft sehen. Ganz andere Dinge wirst du dort hören. Deine Rolle ist nicht die des Lehrenden und niemandem sollst du schwarz malen mit den erdrückenden Informationen, die dir durch dein Selbststudium zustehen. Du sollst dein Gegenüber zum Nachdenken bringen durch gezielte Fragen, sollst Anreize zur weiterführenden Bildung und Recherche geben und eine Schulter anbieten, wenn andere den Prozess des Erwachens zum heutigen Weltbild durchschreiten. Wir haben eine große Verantwortung für unsere Mitmenschen, für das Geschehen der gesamten Umstände und vor allem für unsere eigene Zukunft. Wir rannten für eine so lange Zeit davon weg und schauten zu selten tief in die Augen des Problems, welches steil vor uns aufragt und alle Ausblicke auf ein langes schönes Leben vernebelt. Aber bist du bereit ein Held unserer Geschichte zu werden? Gemeinsam? Ich glaube du musst es sein!

2.1.1 Das Gerichtsauge auf unsere Lebensweise - Zu-Le-le