Guten Morgen aus einem hübschen Lädchen neben der Hauptstraße Mwanza’s in Tansania… huch? Was ist passiert und warum der Ortswechsel?
Keine Sorge, ich erkläre in Eile. Das Rohmaterial des Buchs in deiner Hand schrieb ich am Anfang des Jahres 2025, während ich 19 Tage, 461 Stunden fastete. Zeit verging seither und inzwischen ist es Dezember und ich sitze in meinem zweiten Freiwilligendienst in Tansania. Wenn dich alles zwischen diesen zwei Zeitpunkten interessiert, empfehle ich dir auf www.gen-zm.com ein Verständnis für die Chronologie zu ergattern. Ich wollte mich hier nur kurz melden, und das Kommende versuchen zu rechtfertigen.
Hier wurde ich das erste Mal auf die Probe gestellt, als ich im Angesicht des damals Geschriebenen merkte, wie wenig Hand und Fuß das Ganze besaß. Ich dachte mir wirklich vor einem Moment, den gesamten Text in einem kurzen und knackigen Paragraph zusammen zu fassen und weg zu kürzen, aber das wäre so ‘echt’ wie der fünfte Anlauf für einen Selfie-Versuch auf BeReal. Deswegen liegt euch der ganze, ungefälschte Text vor, beinahe unverändert. Sinn und Satzstellung wurden hier und da mal korrigiert, um dir ein paar Schmerzen in der Position des Lesenden zu ersparen.
Ich hoffe dich mit diesem Artikel nicht aus der Bahn zu werfen, denn er deutet nicht eindeutig in die Richtung, in die dieses Buch zielen soll. Halte durch und sehe meinem 19-jährigen Ich nach. Ich versuche mein Bestes, aber bin genauso oft planlos und verloren, wie der Rest von uns. Liebe Grüße aus Ost-Afrika, wo drei alte Damen und ein junges Mädchen vor mir sitzen und wir uns vier Tassen Milch und warme Chapati teilen. Sie sind bunt gekleidet und tiefe Falten in ihren Gesichtern erzählen die Geschichten ihres Lebens. Sie sind begeistert, als ich ihnen erzähle freiwillig im Krankenhaus zu arbeiten. Zu diesem müsste ich auch langsam laufen. Meine Schicht beginnt gleich, aber Dir wünsche ich ganz viel Spaß und sei dir gewiss, dass das Größte und Schönste noch vor uns liegt. Lass dir einen Teil der unendlichen Hoffnung schenken, die in mir ruht. Karibu Sana.(Herzlich willkommen)
Schlachthof einer Utopie trifft es in vielerlei Hinsicht nicht im Geringsten. Unsere Arbeit findet, divers wie sie eben nun mal ist, auch in Schlachthöfen statt, aber da kein Prozent der Bevölkerung weiß, wie so ein Ort von innen aussieht, ist es ein denkbar schlechter Vergleich.
Auch Ignoranz ist hier nur bedingt zu finden. Jeder ist sich seiner Arbeit wohl bewusst, manche weniger. Ignoranz ist sowieso das falsche Wort in diesem Buch, da etwas tatsächlich zu ignorieren eine Kunst wäre. Was Missstände oder die Meinungen anderer angeht, sind wir eher in der Lage mit der Illusion des Besser-Wissens zu verdrängen was von anderen Seiten behauptet wird. Stichwort Verdrängung und Ablenkung. Am Beispiel Klimawandel hieße das, eine Person würde nicht ignorieren was auf der Welt passiert - Nachrichten geben einem ja genug Informationen - aber man ist in der Lage diese Dinge auszublenden und mit seinem eigenen ‘Wissen’ zu ersetzen. Sorry, dass ich jetzt schon wieder fies gegenüber Klimaleugnern werde. Es ist viel zu früh am Tag. Und wer sind wir Klimaleugner zu verurteilen? Wenn man keinen gesunden Weg findet mit Informationen umzugehen, dann ist es eine automatische Abwehrreaktion sie als falsch anzusehen. Das erspart jenen einen großen Schmerz und bis man einen wirklichen Weg offerieren kann, um zu allen gesund wach zu werden, ist der Ansatz des Leugnens nicht der schlechteste.
Die Utopie der Überschrift kann ich allerdings schon klarer erkennen. Nicht aus unserer Sicht - alles ist schließlich relativ - und so wollen wir den Umstand erst einmal näher erläutern. Seit einer gewissen Weile versucht sich das menschliche Wesen von seinen Mitmenschen zu differenzieren, die eigene Besonderheit zu entdecken, das ‘ich’ getrennt von allem zu sehen. Ich schnappte mal eine schöne Zeile in einem Lied auf und diese sagte: ‘What makes me me? What makes you you? I guess it’s just another point of view.’ (Was macht mich zu mir? Was macht dich zu dir? Wahrscheinlich nur ein unterschiedlicher Blickwinkel.) Dieser Point of View, oder für bilinguale, junge, im Abbreviation-Game tätige Menschen POV, ist wichtig, wenn wir die Utopie (also die positive Vorstellung einer Zukunft oder gegenwärtigen Wirklichkeit) anschauen. Für viele ist das Jetzt ein ausreichend guter Moment in der Zeit, um sich nicht all zu sehr beschweren zu müssen. Im Westen, als Weiße*r und Geld besitzendes Individuum, gesundheitsgesegnet. Und selbst jene wenigen sehr beschenkten Menschen beschweren sich erst Recht. Und das ist das größte Privileg überhaupt. Nörgeln, wenn es einem selbst am besten geht. Der Rest von uns hat seine menschlichen Probleme und das Leben, in welches wir verbannt scheinen. Zu allen Problemen soll jetzt also noch ein Neues dazu kommen, oder wie? Doofes Buch…
Von einer Utopie kann man also versuchen zu sprechen, aber nur sehr begrenzt. Das schien mich bei der Titelwahl allerdings nicht aufzuhalten.
Wenn unsere Zukunftsperspektive ein kleines Fernglas wäre, dann hätten wir das eklige, verzerrte, schrumpelige und hässliche Gesicht einer echten Dystopie vor der Nase. Also so ein Ding wo gar nichts mehr schön aussieht. Ein Worst-Case-Szenario also. Bin ich jetzt ein Pessimist? Oder jemand der pessimistisch behauptet ein Realist zu sein. Oder ein Doomer, der behauptet alle Hilfe käme zu spät und wir sind eh verloren, also machen wir einfach egal was…? Zum Glück nicht. Sonst hätte das Buch kein Wert außer gut brennbares Material zu bündeln. Schade um die Sauerstoff spendenden Bäume.
Aber wer lebt denn grade in einer Utopie? Muss ja zwei Seiten vom Brot geben. Wer von uns allen hätte niemals gedacht, dass es so einfach und schön sein könnte wie es jetzt ist? Wer lebt den Traum der erfüllten Wünsche und wem möchte das Leben grade wirklich was Gutes? Bestimmt den Ausländern, oder? Es sind doch eigentlich immer die Ausländer… in diesem einen Fall tatsächlich nicht. Es geht um die Gesichter hinter den Konzernnamen, die mir grade nicht einfallen wollen. Aber verlier den Mut nicht! Die Namen fallen wir gleich wieder ein und ganz bald geht es tatsächlich auch um unsere Arbeitswelt, auch wenn es bisher nicht so scheint.
Das Wort ‘Genial!’ fällt mir auf die Schnelle ein, um einen fließenden Übergang in unsere Thematik zu ermöglichen. ‘Genial’ soll unsere Perspektive auf alles ausmachen, damit wir nicht von Emotionen abgehalten werden, klar zu sehen. Wir möchten erst bewundern und anschließend urteilen, wie es uns gefällt oder eben nicht.
Der Versuch zu rechtfertigen, warum dieses unfassbare und komplexe Strukturenlabyrinth mit seiner Diversität und Individualität genial ist, wird ein Leichtes sein. Der einfache Tatbestand, dass wir alle darin leben ohne es hinterfragen zu müssen, geschweige denn es verstehen müssten, damit es funktioniert, zeigt wie mächtig es ist. Jeden Tag haben wir alle stundenlang etwas für genau uns Vorgesehenes zu tun. Wir arbeiten ja auch nicht nur zum Spaß, sondern es wird richtig ernst Geld umhergeschoben und jeder hat die Chance mehr davon zu haben, wenn man sich genug anstrengt. Jeder erdenkliche Job ist in diesem Netz vertreten - überall auf der Welt - zu jeder Zeit. Wenn du selber keine Arbeit findest, wird dir sogar freundlich geholfen von allerlei Menschen, deren Arbeit es ist, dir eine zu beschaffen. Man kann sogar freiwillig arbeiten, aber das wäre dämlich, denn wie der Name vermuten lässt, hat das wenig mit Geld zu tun. Auf der Basis der berühmt berüchtigten Sprachwissenschaft lässt sich sagen, dass das Wort ‘Geld’ nicht mal in ‘freiwillig’ zu finden sei. Von Sprachwissenschaft zurück zu den echten Fakten, unser Arbeitsmarkt ist das komplexeste und allumfassenste Ding, von dem wir Teil sind - neben der Natur und noch eins zwei anderen Dingen. Mächtig steile These von jemandem gemacht mit mächtig wenig Ahnung, aber die Wahrheit basiert sowieso auf der eigenen Meinung. Wie kann also diese Gerätschaft ‘Arbeitswelt’ nichts Gutes sein, wenn doch so viele davon mit Geld profitieren, Dinge entstehen, Leben möglich wird und wir einen kleinen, aber ausreichenden Sinn geschenkt bekommen…?
Zwei Fragen. Woher kommt all dieses Geld eigentlich und warum hab ich das Wort Gerätschaft benutzt? Zwei simple Fragen, wenn man die Antwort weiß! Nun, das Geld wird gedruckt, kommt aus dem Geldautomaten oder von Mama wöchentlich; und das Wort Gerätschaft hab ich aus Versehen benutzt, mochte es aber so sehr, dass ich nun umständlich darauf eingehen wollte. Gerätschaft… Gerät… Manchmal gerate ich in dumme Situationen in denen ich mich dann erklären muss… rät, rat, Gerätschaft, aha…! Das Rad! Die erste richtig coole Erfindung des Menschen. Räder haben Menschen von A nach B gebracht, ihnen Nahrung bereitgestellt und ihre Kinder aufgezogen. Danach gab es jede Menge coole andere Erfindungen - ich überspringe ein paar - aber eine Hand voll Jahre später wurde die Maschine erfunden. Ein Gerät das sogar dann noch mit Rädern funktionierte. Zahnräder! Ahaa! Gerät! Die Geräte schafften schon aller Hand, deswegen heißen sie Gerätschaft, aber wir Menschen sind natürlich viel schlauer, arbeiten besser und härter, wir haben schließlich Familien am Leben zu halten. Maschinen aber nicht, somit ist das ein elementarer Vorteil für uns. Doch mit der Zeit bekamen Maschinen immer mehr Räder und wurden immer schlauer, wenn wir uns Computer anschauen, sind die nächsten zu installierenden Räder vermutlich in der Quantenebene, und somit wird es immer schwieriger für den kleinen einfachen Menschen mit seinen kleinen Fingern und runden Äuglein Schritt zu halten. Trotzdem gibt es noch jede Menge Arbeit für uns Menschen, die wir trotz der Existenz von Maschinen und Gerätschaften aller Art vollführen dürfen und sogar Geld dafür bekommen.
Vielleicht nicht alle von uns, aber selbst das scheint etwas Positives für den Markt und seine Inhaber zu sein. Etwas, das von uns als Konkurrenz gekannt wird, entsteht. Es gibt eine freie Stelle, viele wollen sie, aber man selbst denkt den Anderen in Aspekten überlegen zu sein und nimmt an dem Konkurrenzkampf teil, um mit goldenem Krönchen, einem Sieg und einer Arbeitsstelle vom Platz zu gehen. Das ist spannend und das macht Spaß und es ist gesund für den Körper. Ganz ohne Überlebensangst ist der Mensch ja auch nicht mehr Mensch und niemand lebt gerne ganz ohne Stress. Und das mit dem Schlachthof war wie gesagt auch völlig übertrieben, verzeih deswegen nochmals! Aber ignorant kann und muss hier doch gut passen… oder schafft es jeder bei dem hart erkämpften Job an all diejenigen zu denken, die es nicht geschafft haben. Oder denkt jeder mit einer sicheren Stelle an all die armen Arbeitslosen. ‘Arm’ wegen wenig Geld, nicht wegen des Mitleids, das wäre zu viel des Guten. Dritter und letzter Punkt. Wie viele denken bevor sie beginnen ihren vollen Teller zu leeren, an all die Kinder, Frauen und Männer und alle dazwischen und außerhalb (die Anführung war ein kompletter Schuss ins eigene Bein), die heute und die Tage davor vielleicht schon nichts mehr zu essen hatten? Also ich nicht! Ich hoffe du auch nicht! Wenn dich solche Vorstellungen ständig plagen und dir den Genuss am eigenen Leben nehmen, dann such lieber eine*n Therapeut*in. Auch eine grandiose Jobidee unseres Systems. Nein ehrlich, Therapie kann man wirklich jedem ans Herz legen, Spaß bei Seite. Therapie lässt uns sich selbst und unsere Welt um ein Vielfaches besser zu verstehen und wenn man das Geld hat, diese riesige Hilfe in Anspruch nehmen zu können und die Therapiestellen in der Nähe nicht für die nächsten Jahre ausgebucht sind, dann sollte man das auch tun. Vielen wäre aber auch geholfen, wenn sie ihre Arbeit und der Stress nicht mental krank machen würde, und wenn sie ein ausgeglichenes soziales Umfeld statt übermäßigem Medienkonsum hätten, oder Dinge machen könnten, die ihnen im echten Leben positive Momente bescheren würden. Das kostet alles Zeit und Geld und vor allem Menschen, aber was soll man machen? Dass unser System davon profitiert, wenn dessen Menschen krank werden - mental durch Medien, Naturentfremdung, Isolation, Authenzitätsdefizite… oder durch Zusatzstoffe, Zuckermengen, Allerlei normalisierte und sogar in Kultur aufgenommene Volksdrogen… - muss man wohl erst einmal einfach hinnehmen. Mit Krebs und Therapie und seelische Löcher stopfen durch Konsum lässt sich schließlich super Kohle schöffeln. Äniwais.
Die Frage der Utopie wurde elegant bis jetzt umsegelt. Warum geht es denen an der Spitze wie schon immer in der Geschichte so gut? Außer bei der französischen Revolution… ich bin nicht gut in Geschichte, aber ich glaube da wurden sie alle geköpft… uhh, das ist eine Richtung in die wir hier nicht abdriften wollen, also zurück zur Frage. Wie kann es Reiche oder einen Gott geben bei so viel Leid und Armut auf der Welt? Wenn du jetzt sagst, ‘Na der Mensch ist halt einfach dumm!’, kriegst du ein fettes High-Five, aber dann müssen wir uns wieder hinsetzen, die strahlenden Gesichter abwischen und ernst werden. Falls du dich a den Anfang dieses Buches erinnert - ich tue es schwach, denn das Schreiben liegt schon vier Tage zurück - da bat ich mal darum, dass du dir etwas vorstellst. Ungefähr wie mit dem faschistischen Rechtsruck in Deutschland ähnlich zu dem der ‘20er Jahre des letzten Jahrhunderts, scheint sich auch hier Geschichte zu wiederholen. Wenn du das Beispiel schon extrem fandest, dann tut mir kommendes umso mehr leid. Tauche ein…
Du erwachst, nicht von allein sondern von der großen Glocke, und drehst dich auf der Strohunterlage auf deine Seite. Es ist noch dunkel draußen und dunkel wie die Nacht, so ist auch der Raum und die Menschen in ihm. Du findest dich in einem 5 Fuß großen Körper wieder, zählst schon ganze 13 Jahre im Alter und darfst seit inzwischen fünf Jahren wie der Rest der Erwachsenen auf den großen Feldern mitarbeiten. Dein Frühstück besteht aus Hafer. Du isst es, weil es jede andere Person isst und du nichts besseres kennst, weißt aber, dass du diese Schlacke freiwillig sonst nie berühren würdest. Kurz danach wirst du von der Aufsichtsperson, welche du am meisten verabscheust, abgeholt und du gehst mit deiner Gruppe in Richtung Süden zum White-Plum-Garden. Die stundenlange, furchtbare Arbeit und die Hitze könnten dich nicht stärker stören als sie es tun, aber der Gesang der Felder und die Erinnerung a die Worte deiner geröteten Eltern helfen dir in vielen Situationen. Ansätze dieses Leben zu hinterfragen, hast du kaum. Es scheint normal, dass du mit dunkler Hautfarbe in den Zuckerrohrplantagen zu leiden hast, während der weiße Mann, deine Aufsichtsperson, zu Pferd ist. Die Bibel, welche dich deine Eltern lehrten zu verstehen, welche allerdings auch von den Plantagenbesitzern benutzt wird, spendet Trost und Kummer. Zum einen erklärt es dir warum du leidest und dass das okay ist, denn dafür erwartet dich im Leben danach das sogenannte Paradies. Auf der anderen Seite sagen die Weißen auch, dass durch das geschriebene Gesetz von jenem Gott, welcher dir ja ein gutes Leben verspricht, auch von Natur aus unter ihnen wärst. Du seist deren Objekt und auf der Welt ihnen zu dienen. Da du nichts anderes kennst, Angst vor Peitschenhieben hast und weil du deine verbliebenen Geschwister liebst, wirst du auch nie etwas dagegen unternehmen - so viel ist sicher.
Diese Geschichte, aus welcher Schädelecke auch immer sie soeben geflogen kam, möchte folgendes darstellen. Auch ein furchtbar leidender Mensch in Sklaverei einer Zuckerrohrplantage konnte in einer solchen Situation nur begrenzt begreifen, was als Ganzes vor sich ging. Ihnen wurde vorgelebt wie man sich zu verhalten hatte, es wurde nie hinterfragt, dass Weiße jedes Recht haben dich zu verletzten und dich auszubeuten und es soll auf keinen Fall eine Religionskritik darstellen - diese kommt an anderer Stelle - aber es soll einen Vergleich zu unserer Zeit sein. Meine nächsten Worte seien weise gewählt, denn unter keinen Umständen möchte ich unser luxuriöses Leben mit dem eines Versklavten auf eine Linie setzen. Ich bin allerdings interessiert an den Unterschieden zwischen beiden und ob es Parallelen gibt.
Mist, die Unterschiede sind nicht so leicht aufzuzeigen wie erhofft, ich beginne wohl lieber mit Ähnlichkeiten. Nun denn, in beiden Welten gibt es Arbeit, bei beiden einen Vorgesetzten und eine Religion. Sklaven waren allerdings Gefangene und mussten starke Schmerzen erleiden. Wir hingegen sind frei joblos zu werden, wann immer wir wollen. Wir haben die Illusion von zu wählender Freiheit. Wenn wir uns allerdings doch dazu entscheiden ein Leben lang zu arbeiten, können auch wir Schaden davon ziehen, allerdings ohne den erzeugenden äußeren Faktor der Peitsche eines Aufsehers. Wesentlich angenehmer unter diesen Umständen. Sklaven waren also Gefangene eines unterdrückenden Systems, das durch ihre Arbeit stark profitierte. Weiße Männer an der Spitze, wie schon viel zu lange, und Arbeit für Viele, Wohlstand für ganz Wenige. Ähnlich… wird er jetzt endlich über Utopien reden und zum Schluss kommen? Ja. Weiße, reiche Männer und Frauen waren zu jeder Zeit vermutlich verwundert, wie fabelhaft ein unterdrückendes System für sie arbeitete. Meine These ist, dass das heute mehr denn je so wäre. Der Plantagenbesitzer, wir nennen ihn Kapitalist, möglicherweise unser Chef, vermutlich aber jemand viel weiter oben in der Hierarchie, hatte diese wundervollen Arbeitsplätze erschaffen durch dessen Ideen und dessen Arbeit und die nötigen Investitionen. Nun hat er etwas Simples kreiert und zwar machen andere nun die Arbeit, die er sonst hätte machen müssen und er gibt ihnen genug Geld, damit sie überleben und nicht den Job wechseln. Er nimmt allerdings auch zusätzlich etwas ein und kann das wieder investieren, vielleicht in sein Unternehmen oder seine Arbeiter. Die haben aber schon genug und brauchen vorerst auch nicht mehr. Sie als Unternehmende machen also Plus, weil unsere Arbeit mehr wert ist, als das Geld welches man uns zahlt. Der Wachstum geht auf unsere Kappe. Ein selbst steigernder Prozess und sobald man beginnt Maschinen mit einzubinden wird die Produktion noch billiger und die Arbeitsplätze womöglich knapper. Somit steigt die Konkurrenz der Arbeiter und man kann ihnen noch weniger bezahlen, wenn die arbeitsgebende Person darauf aus ist. Die Menschen drängen sich um sie, um ihre schlecht bezahlten Posten zu ergattern, während Maschinen (mit Zahnrädern) Unsummen an Warenwert produzieren. Bald wird das Unternehmen kaum mehr Geld für Menschlein brauchen und seine Expansion ist unaufhaltbar, solange die Wirtschaft das weiter mitmacht und wir irgendwoher Geld bekommen, um endlos weiter zu konsumieren. Die Balance aus wenig Geld für viel Arbeit und genug Geld um damit zu konsumieren, wird angestrebt. Um dem zu helfen erschafft das Unternehmen immer neue Arbeitsplätze, wenn es sich das als ein Extra leisten kann, damit die Leute was zu tun haben anstatt zu denken und das System zu hinterfragen. Die Arbeitslosenquote bleibt niedrig und niemand bemerkt etwas, nur Führungspositionen sehen die Zahlen auf ihren Kontos und können ihr Glück beinahe nicht fassen. Das, werte Leserschaft, nenne ich eine absolute kapitalistische Utopie. Noch Fragen?
Ich könnte nicht sagen, ob es einzelne Inhalte oder Gesamtschemata sind, die mich daran denken ließen, diesen Eintrag auf zwei kurze Sätze zu beschränken. Mir gefiel diese Art von Kritik selbst nur wenig. Es ist das Faustschütteln eines kleinen Menschen über die da oben. Es ist Schriftmaterial, welches bewusst darüber berichtet, was scheinbar nicht änderbar ist. Ich möchte meine Intention hier anhängen, um es für uns alle verdaubarer zu machen.
Jeder Bericht über falsche Umstände, über Leid und Schlechtes, verliert jegliche Existenzberechtigung, wenn es dem Konsumenten, also leider dir, geehrte lesende Person, keine Aussicht auf Handlung gibt. Wenn keine Hoffnung zum Wissen über Missstände angehängt wird, dann ist dieses Schreiben ein Teil der uns vergiftenden Medienmasse. Diese Informationen lassen uns nur ohnmächtig damit zurück, dass die Welt also doch noch ein wenig schlechter als gedacht ist. Wir fühlen uns hilflos, klein und unbedeutend wie immer. Dieses Buch könnte in dessen thematischen Gänze nicht existieren, wenn der einzige, finale Anspruch an das Buch nicht wäre Hoffnung und Perspektive zu spenden. Bildung und Bewusstsein muss nur immer der erste Schritt sein. Und der Prozess des Aufwachens wird nicht immer ein schöner sein können. Was den Weg leichter macht, sind Menschen mit denen du sprechen kannst. Trau dich das Thema mit deinen Nächsten bereden und sei dir auch jetzt schon mitten im Buch bewusst darüber, dass es Hoffnung gibt. Sonst würde die Welt sich nicht mehr drehen und das Buch könnte nicht existieren.
Während ich diesen Artikel zum dritten Mal überarbeitete, saß ich auf den Blättern von frisch geerntetem Zuckerrohrpflanzen. Ein Arbeiter hatte mir ein Rohr zugeschnitten und das süße Stück Holz aus Zuckerfaser liegt auf meinem roten linken Kordhosenbein. Ich hatte von einer Zuckerrohrplantage vor eineinhalb Jahren geschrieben. Niemals hätte ich gedacht jemals in meinem Leben auf einer zu sitzen und jetzt ist es Juli 2026 in Tansania und da bin ich. Die Stimmung in meiner kurzen Geschichte der Vorstellung aus Zentralamerika muss denkbar anders gewesen sein, aber in diesem Szenario in dem ich grade bin, fühle ich mich dennoch wie im falschen Film. Die Morgensonne steigt grade auf und ich muss mich in den Schatten umsetzen. Arbeit verrichte ich keine. Der einzige Weiße sitzt, schaut zu und schreibt. Das Werkzeug der Versklavung hat sich transformiert. Peitschen sind es nicht mehr, aber das Smartphone in meiner Hand tut seinen Teil höchst effizient. Nicht auf Feldern zusammen gescharrt, sondern allein im dunklen Zimmer. Wir überwinden auch diesen Zeitumstand. Schon sehr bald.