Mnanka Chacha - ein kleiner Spendenaufruf für ein junges Leben

Mnanka Chacha - ein kleiner Spendenaufruf für ein junges Leben
Mnanka Chacha

Es liegt wieder an uns. Eine weitere Mutter und ihr Kind sind am House of Hope in Mwanza gestrandet und der Weg scheint für sie nicht weiter zu führen. Das Kind leidet in einem unbeschreiblichen Ausmaß und braucht Untersuchungen und eine Operation. Obwohl Eltern und Kinder mit Hydrozephalus und Spina Bifida bei uns für eine unbegrenzte Zeit umsorgt leben können, gibt es Fälle, denen damit allein nicht geholfen ist. Die Armut der Familie oder der Ruin, welcher das Leben mit einem behinderten Kind mit sich bringen kann, verwehrt jenen Familien die Möglichkeit ihren Kindern ein Leben zu schenken. Die Kosten sind verhältnismäßig klein mit unserem Geldwert verglichen, sind hier aber das Einkommen einer Familie von unzähligen Wochen harter Arbeit. 

Unsere Beiden kommen aus einer Gegend, die trotz ihrer Kleinheit ziemlich bekannt ist. Tarime. Hier treffen Serengeti-Nationalpark und menschliche Zivilisation zusammen und erzeugen einen Schnittpunkt wo Mensch und Tier noch unverändert aufeinander treffen. In einem der kleinsten Dörfer wurde also unser Kind Mnanka geboren. Seine Mutter beschreibt den Ort als etwas abseits. Der nächste Laden, der Medizin verkauft, ist eine Stunde Busfahrt entfernt. Es sind kleine Häuser ohne eine Hauptstraße. Geschäfte gibt es nicht in Ladenform, aber alle Häuser haben ihren kleinen Stand auf welchem sie die Überschüsse ihre Mais- und Bohnenernte an Nachbarn verkaufen. Es wird kein Zement, sondern Torf benutzt. Es gibt keine Infrastruktur die Arbeitsplätze erschaffen würde und selbst das Konzept Geld bleibt eher zweitrangig. Man könnte es als wunderbaren Ort veranschaulichen und das ist es, auf vielerlei Ebene, aber als die Familie Chacha ein Kind mit Hydrozephalus, dem Wasserkopf bekam, begann eine furchtbar harte Zeit, in welcher für das beeinträchtigte Kind, welches unfassbar litt, riesige Mengen an Geld ausgegeben werden mussten. Es ist diese Schreckensreise von einem Krankenhaus zum nächsten bis final diagnostiziert werden kann, was das wirkliche Problem ist. Der Schreck über solch eine Diagnose ist ein großer und wenn ihnen gesagt wird, dass nur das Bugando Medical Center die nötige Operation ausführen kann, ist vielen bereits der finanzielle Ruin bewusst. Trotzdem nahmen Mutter und Kind die Reise auf sich, lieferten sich ins Krankenhaus ein und blieben dort, um die Prozedur zu durchlaufen. Ich bin Freiwilliger des House of Hope und traf die beiden schon damals, als sie frisch operiert im Raum des sechsten Stocks saßen, von welchem man die perfekte Aussicht über den Victoria See und den Capri Point genießen könnte, wenn es nicht dieser Umstand wäre, der einen hier einsperrt. Das Kind hat einen verhältnismäßig kleinen Kopf, aber der Druck scheint ein überdurchschnittlich hoher gewesen zu sein. Das rechte Auge ist leicht beschädigt und schaut nach außen. Das passierte im Prozess des Hydrozephalus vor der Operation und wie muss sich eine Mutter fühlen, die ihr Kind bereits von einem Krankenhaus zum nächsten bringt, aber nicht herausfinden kann was das Problem ist und währenddessen verändert sich ihr Sohn auf solche Weise. Der Schmerz der Mutter wurde nur von dem des Kindes übertroffen. Obwohl die Operation erfolgreich war und der lebensrettende Shunt eingesetzt wurde und die Wunde verheilt, war das Kind in einem Schreizustand, der auf das Schlimmste absehen ließ. Das ist mehrere Wochen her gewesen und ich vergaß sie wieder als sie nach Hause kehrten. Es war keine gute Zeit für die Familie. Sie hatten die Kosten selbst stemmen können, aber Teile ihrer Felder verkaufen müssen. Die direkteste und absolute Lebensgrundlage, ohne welche ihre Zukunft nicht sicher ist. Die Kosten gefährden also bereits die zu zahlende Schulbildung der drei Geschwister, die Mnanka hat. Es ist eine schwierige Lage. 

Im Alter von zwei Monaten wurde Mnanka am Kopf operiert. Die Kosten beliefen sich auf rund eine Million tansanische Schilling. Eine furchtbare Zahl für eine Familie, die von der eigenen Landwirtschaft lebt. Nach der Operation kehre die Mutter namens Stella mit ihrem Kind nach Hause und musste sich mit der Situation konfrontieren, dass kein Geld mehr da war und man bei vielen Nachbarn und Freunden verschuldet war, das eigene Kind aber trotz der Operation noch höllische Schmerzen litt. Sie kam wieder. Das ist einen Monat her und inzwischen ist Mnanka sechs Monate alt. Sie weiß, dass sie sich keine Untersuchung und keine Medizin, geschweige denn eine Operation leisten kann. Die verkörpert einen Akt der absoluten Verzweiflung, die daraus rührt, dass ihr Kind täglich in ihren Armen an Schmerzen zu sterben scheint. Das ist Mnanka und wir lebten einen Monat gemeinsam am House of Hope. Jeden Abend, wenn ich in meinem Zimmer lag, hörte ich das ununterbrochene Kreischen, welches aus seinen Schmerzen rührte und die Nächte im großen Schlafsaal für viele unerträglich machten.  

Das House of Hope besitzt dabei einen Spendentopf, durch welchen die Lebenskosten aller Anwesenden gedeckt werden und welcher das Personal beschäftigt und die Miete für das Grundstück zahlt. Außerdem kann durch diesen Spendentopf für alle Kinder mit Hydrozephalus der teure Shunt aller Operationen gezahlt werden. Das und vieles mehr ist die Arbeit von der Organisation namens Child Help International. Die gesammelten Spenden hieraus können aber nie zur individuellen Hilfe hergenommen werden, und somit haben Familien einen Ort zum Bleiben und die Operation wird leichter zu bezahlen, aber wenn das Geld an wirklich allen Ecken fehlt, bleibt das Problem bestehen. Mnanka ist auf dieser persönlichen Reise unserer Gemeinschaft das vierte Kind, welchem wir durch unsere Individualspende ein Leben ermöglichen wollen. Das erste Kind heißt Joas und der damals fast gestorbene Junge ist nun gesund und beginnt zu lachen. Wir zahlen damals die Operation, alle Krankenhauskosten und Nachkontrollen. Grade sitzen wir im Prozess seine Geburtsurkunde zu bekommen und dann eine Versicherung abzuschließen, die die Familie vor gesundheitlichen Rückschlägen und deren Kosten beschützen wird. All das wurde möglich durch unsere Spenden. Jene konnten ein Kinderleben retten und Hoffnung säen. Die Mutter lacht nun und sie, Riberata, ist eine sehr gute Freundin. Ihr Dank gehört Dir genauso wie mir. Von dem restlichen Geld halfen wir zwei weiteren Kindern durch ihre Untersuchungen und zahlten CT-Scans und Medizin. Nun heißt es einen Prozess eines Kindes mit Hydrozephalus zu starten, welcher ganz am Anfang steht. 

Gestern begleitete ich die Mutter und ihr Kind zum Krankenhaus. Der Prozess ist immer gleich. Man zahlt die Kosten einem Arzt zu sehen und sitzt dann in den langen Gängen voller Menschen. In jedem Raum sitzt hinter einer Milchglastür ein Spezialist. Der Spezialist der Neurologie bestätigte, dass Mnanka’s Shunt funktioniert und er schickte uns zum nächsten Arzt, unter dem Verdacht, dass die Ursache des Schmerzes Hernia wäre. Der kommende Arzt untersucht die geschwollene Stelle unterhalb des Abdomen und meint nach ein paar Routinegriffen, dass es sich nicht um Hernia handeln kann. Kurz danach dreht er sich zu mir und erzählt mir letztes Jahr in Berlin und Hamburg gewesen zu sein. Er schickt uns weiter zur Kinderklinik und dort warten wir. Ich vertiefe mich in einen historischen Wikipedia Eintrag über einen Ort, den ich als Herkunft für einen Charakter in einem meiner Bücher bestimmt habe. Mama, ich und Kind gehen unter großem Geschrei in das nächste Arztzimmer und ich nehme Stella ihr Kind ab, damit sie sich auf den Arzt konzentrieren kann. Ihre Versuche das Kind zu beruhigen, sind verkrampft und zeigen ihre Verzweiflung deutlich. Das Kind stoppt einfach nicht. Dieses junge Leben kennt nur den Schmerz und den Schlaf. Eine grausame Vorstellung. Der Kinderarzt schickt uns nach kurzem Zuhören in den fünften Stock in den Wart. Zu mir meint er, dass er Meningitis vermutet. Eine schlimme Vorstellung und ein gewagtes Urteil, das einfach auszusprechen. Meningitis ist der Zustand, wenn Hirn- und Rückenmarkshäute entzündet sind. Der steife Nacken von Mnanka könnte darauf hindeuten, aber der Arzt spezifiziert selbst nicht wie er darauf kommt. Wir werden von einem Krankenpfleger in das Stockwerk gebracht und dort beginnt ein Prozess, bei welchem ich für eineinhalb Stunden für Medizin in drei verschiedenen Stockwerken anstehe. Nachdem das Kind die ersten Spritzen bekommt, wird mir gesagt, dass basierend auf dem Schmerzlevel und dem Zustand ein Notfall vorliegt und dass Mutter und Kind aufgenommen werden. Sie haben nichts dabei und mein Geld reichte nur, um das Besuchen von Doktoren und den Medikamenten zu stemmen. Die Rechnung der ersten Volluntersuchung liegt bei 143.000 tansanischen Shilling. Das sind kaum 50 Euro. Die Kosten für eine weitere Behandlung und eine mögliche Operation kommen erst durch diese Untersuchung heraus. Das ist der Stand an dem wir sind. Sie bekamen mein restliches Geld, um sich Essen zu kaufen und ich verspreche bald wieder zu kommen. 

Ich sitze am House of Hope einen Tag später und musste meine zwei Mitmenschen dort lassen. Morgen bringe ich ihr ihre Sachen vorbei. Ich habe die Hoffnung, wenn ich alles richtig mache und genug Menschen erreiche, ihr vielleicht direkt morgen schon behilflich sein zu könnte. Wir können ihr die Untersuchung ermöglichen, die endlich erklärt was ihrem Kind fehlt. Und wenn dann die Kosten für diese Behandlung bekannt werden, dann könnten wir sie aus diesem Abgrund der LM Verzweiflung retten, indem wir auch jene Kosten übernehmen. Es ist möglich und wir haben es bereits für andere Kinder geschafft. Auf GoFundMe sammeln wir die Spenden. Auf Instagram @gen.zm stelle ich Bilder und Neuigkeiten über den Verlauf in die Storyline. 

Werde ein Teil unseres Tuns und helfe dieser Familie, indem wir dem Kind Mnanka eine Chance auf sein Leben schenken. Es sind kleine Beiträge, die Großes bewirken können. Wir haben die Chance ein Kinderleben zu retten!

Danke von Herzen!